11. September 2008

Rohöl Sinkflug auf 80 Dollar?

Warum Klimawandler den hohen Ölpreis lieben

Als im Juli dieses Jahres der Rohölpreis bei fast 150 Dollar stand, hätte kaum einer der etablierten Analysten im Traum daran gedacht, dass man zwei Monate später wieder ein Niveau nahe 100 Dollar erreichen würde. Dom Armentano, emeritierter US-Wirtschaftsprofessor und Autor des Buches „Antitrust and Monopoly“ war einer der wenigen Experten, der diese Entwicklung prognostiziert und bereits vor zwei Monaten einen Rückgang des Ölpreises auf 80 Dollar für wahrscheinlich gehalten hatte.

Auf dem Webportal lewrockwell.com erläutert Armentano nun, dass in der 150-jährigen Geschichte des Ölpreises durch Knappheit getriebene Anstiege stets von einem nachfolgenden dramatischen Preisrückgang, bedingt durch die sinkende Nachfrage, begleitet wurden. Das war nach den Weltkriegen so, und besonders deutlich auch nach den Höhenflügen in den späten 70er und frühen 90er Jahren. Lediglich die Jahre 1933 bis 1941 bilden eine Ausnahme, als der Ölpreis ein konstant hohes Niveau halten konnte, was aber auf massive staatliche Interventionen in den USA zurückzuführen war, etwa durch Förderquoten beim einheimischen Öl sowie Einfuhrzölle beim Import-Öl.

Die heute angeführten Argumente für einen bleibend hohen Ölpreis, so Professor Armentano, würden auch von interessierter staatlicher Seite geschürt. Dass die Vorräte zur Neige gehen, dass wir hoffnungslos ölabhängig seien und dass die Ölindustrie sinkende Preise schon zu verhindern wisse, sei „gefährlicher Nonsens“ und werde nur als Vorwand gebraucht, um die Energiemärkte zu regulieren und bestimmte Branchen zu subventionieren. Es sind also nicht die vielgeschmähten privaten Spekulanten, sondern politisch Interessierte Stellen, welche Ölpreise von 200 bis 250 Dollar herbeireden wollen.

Natürlich könne laut Armentano der Ölpreis daher bald auch wieder steigen. Und einer der Gründe dafür könne sein, dass die Lobbyisten von alternativen Energien „nun hohe und stabile Ölpreise brauchen, um die alternativen Energiequellen ökonomisch sinnvoll erscheinen zu lassen.“ Nicht unwahrscheinlich sei es daher, dass auch beide US-Präsidentschaftskandidaten, einmal im Amt, durch politische Maßnahmen den Ölpreis auf hohem Niveau halten wollen, um die Entwicklung von alternativen Energien voranzutreiben.

Es ist daher nicht abzusehen, dass parallel zu einem weiter sinkenden Ölpreis sich auch die Preise für Lebensmittel wieder verbilligen, da trotz allem immer mehr Anbauflächen weiterhin für Biosprit benötigt werden. Wenn dann durch künstlich hochgehaltene Ölpreise die weltweite Industrieproduktion abnimmt, könnte man dies aufgrund des verminderten CO2-Ausstoßes gleichzeitig auch als Wohltat fürs Weltklima verkaufen. Politik, Ölindustrie und Klimalobby ziehen also an einem Strang, wenn es darum geht, unser aller Konsum zu drosseln, dabei aber stateholder value zu generieren.

Der Ölpreis sagt also nichts aus über Lagerbestände, Vorräte oder dem Verhältnis zwischen realem Angebot und realer Nachfrage, genauso wenig wie die Preise für alternative Geldquellen, nämlich Gold und Silber, das Bedürfnis nach entsprechenden Edelmetallen in physischer Form widerspiegeln. Daran würde sich erst etwas ändern, wenn im Staatsinteresse durchgeführte Spekulationen unterbunden werden könnten. Doch da wir in einer anderen Welt leben, können wir lange auf „faire“ Preise für Rohstoffe warten.


Internet:

Beitrag von Dom Armenano auf Lew Rockwell


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