01. Oktober 2008

Finanzkrise Der (Nah-)Tod des Staates

Sinkende Preise sind Voraussetzung für einen neuen Aufschwung

Dossierbild

Mir ist bewusst, dass Paulson und Bernanke irgendeinen schändlichen Plan im Hinterkopf haben, um die aufregende Niederlage ihres kriminellen Rettungspakets in einen Sieg umzukehren, ein Paket, das von unabhängigen Kongressmitgliedern beider Flügel abgeschossen wurde. Aber überlegen wir einmal kurz, was das Verhalten des Repräsentantenhauses bedeutet. Es handelt sich um einen revolutionären Akt. Im besten Sinne des Wortes.

Das gesamte Establishment stand gemeinsam für das ein, was mit Sicherheit das entsetzlichste und ungeheuerlichste Gesetz war, das jemals dem Kongress vorgelegt wurde. Die Federal Reserve, das Finanzministerium, die Führung der Demokraten und der Republikaner, das „Wall Street Journal“ und die „New York Times“, alle großen Denkfabriken, die meisten Fernsehjournalisten, die wohlhabendsten Konzerne, bedeutende Akademiker – kurz, die gesamte Machtelite – waren sich in der Unterstützung dieses schrecklichen Dinges einig, welches zum Inhalt hatte, dass die Amerikaner ihrer Einkommen und ihrer Zukunft entledigt werden sollten, um gescheiterte Unternehmen zu stützen.

Vergessen Sie Sozialismus durch die Hintertür: Es kam direkt durch die Vordertüre. Die Folgen wären schrecklich und sehr beängstigend gewesen. Es wäre die erste von vielen Rettungsaktionen gewesen, da sie natürlich nicht funktionieren kann und auch nicht funktioniert hätte. Faule Kredite können nicht durch Gesetzgebung in Gute verwandelt werden. Das bedeutet, dass mehr Geld notwendig gewesen wäre, während die Mittelschicht über Jahre hinweg vom Vampirstaat ausgesaugt worden wäre. Eine sich kontinuierlich vertiefende Wirtschaftsdepression – eine Wiederholung der 1930er Jahre – wäre das sichere Ergebnis gewesen. Es war besser, dem jetzt Einhalt zu gebieten.

Die Regierung hätte versuchen können, ihre Übeltaten mittels Verfügungen der Exekutive durchzusetzen, statt den Kongress zu bitten. Damit waren aber zwei Probleme verbunden. Das eine ist, dass sie, sollte der Plan scheitern, die Schuld nicht mit anderen würden teilen können. Das andere war ökonomischer Natur. Die Fed und das Finanzministerium sind tatsächlich in großer Sorge, dass sie nicht in der Lage sind, mehr Kredit in eine Bankstruktur hineinzupumpen, die derzeit das Risiko der Kreditvergabe scheut. Es wäre ihnen lieber, der Kongress genehmigte das Geld direkt und häufte die Schulden an.

Wie immer man die Ablehnung des Gesetzes betrachtet, sie ist auf jeden Fall ein Sieg für die Freiheit. Die Niederlage der Machtelite ist eine Voraussetzung für das Gedeihen der Freiheit. Damit der freie Markt funktionieren kann, muss die Regierungs-Konzerns-Kabale ihre Fähigkeit verlieren, in jedem Lebensbereich ihren Willen durchzusetzen. Sie muss Angst spüren! Sie muss ihr Sicherheitsgefühl verlieren. Sie muss verunsichert werden in der Frage, ob jeder ihrer Wünsche uns ein Befehl ist. In diesem Sinne ist die Ablehnung des Rettungspakets durch das Repräsentantenhaus eine großartige Zurechtweisung.

Bedeutet das aber, dass die Wirtschaft abstürzen wird und wir alle leiden werden? Im Gegenteil, es könnte bedeuten, dass sich die Wirtschaft von der Fed-induzierten Blase beginnen kann zu erholen. Eine Blase, die vor Jahren hätte platzen können und sollen, wenn sie nicht von der Fed künstlich aufrecht erhalten worden wäre. Wenn die Aktienkurse dieser notleidenden Institutionen auf das Niveau sinken dürfen, wo sie sein sollen, können sie übernommen und ihre Vermögenswerte am Markt produktiv genutzt und gehandelt werden. Wenn diese Entschuldung erst einmal stattfindet, werden wir für eine neue Runde eines Wirtschaftswachstums bereit sein.

Sie müssen verstehen, wie lächerlich diese ganze Debatte für jemanden klingt, der das Preissystem versteht. Wir wollen einmal statt Häuser Äpfel betrachten und sehen, wie unsinnig die Behauptung ist, dass man sinkende Preise dazu bringen kann, zu steigen. Nehmen wir an, die Fed hätte eine Apfelhysterie erzeugt, die den Preis von 3 Dollar pro Pfund auf 10 Dollar getrieben hat. Geschäfte würden ihre Apfellager aufstocken und sie sogar als Kreditsicherheit für Expansionen verwenden. Plötzlich bricht der Preis auf 5 Dollar und schließlich 2 Dollar ein.

Nun wird die Regierung aufmerksam. Was kann die Regierung tun, um das Problem zu lösen? Sie kann versuchen, den Apfelpreis nach oben zu treiben, indem sie die Läden zwingt, die Preise anzuheben. Aber was ist mit den Konsumenten? Bei 10 Dollar werden sie nicht kaufen. Also bleiben die Äpfel auf den Regalen und verrotten. Vielleicht sollte die Regierung sie alle aufkaufen oder Konsumenten zwingen, sie zu kaufen. Die Läden könnten auch einfach aufhören, mehr zu kaufen. Die Regierung könnte sie zwingen, weiter zu kaufen. Die Leute könnten einfach weggehen. Also könnte die Regierung einfach die Läden kaufen, alles zu dem Zweck, den Preis von Äpfeln zu stützen. Aber sie würde die mit Äpfeln aufgestockten Läden zu einem viel höheren Preis kaufen müssen als der Markt hergibt. Also ist das, bei Licht betrachtet, ein schlechter Handel.

Die Verwicklungen können immer komplizierter werden und Milliarden und Billionen kosten. Sie können jeden in ein Gefängnislager stecken und die Leute mit vorgehaltenem Gewehr zwingen, Äpfel für 10 Dollar zu kaufen und zu verkaufen. Aber am Ende ist das Problem immer noch das gleiche: Der Preis will sinken. Keine Regierung kann diese eine Tatsache ändern. Der Versuch, dies zu ändern gleicht dem Versuch, die Anziehungskraft zu ändern. Natürlich kann die Zentralbank der Regierung versuchen, durch Inflation alle Preise zu erhöhen, bis die Äpfel tatsächlich 10 Dollar kosten, aber das ist lediglich Kosmetik. Tatsächlich ist der Realwertpreis der Äpfel immer noch 2 Dollar. Zu versuchen, dies zu ändern, ist sinnlos und destruktiv. Man kann beim Versuch lediglich massiven Schaden anrichten.

Nachdem das Rettungspaket gescheitert war, passierten andere großartige Dinge. Die Preise von Rohstoffen, einschließlich Öl, fielen dramatisch. Das ist eine hervorragende Sache. Derzeit werden Konsumenten nicht vom möglichen Scheitern eines weiteren papiergeldsüchtigen Investmentbankhauses bedroht. Konsumenten werden von ständig steigenden Preisen aller Güter bedroht. Wenn wir in einer Rezession sind, besonders wenn sie sehr lange anhält, sind niedrige Preise genau das, was wir brauchen, um eine wirtschaftliche Erholung in Gang zu setzen.

Es ist nicht ganz klar, warum die Preise fallen. Es könnte der weltweite Wirtschaftsabschwung sein. Weil die Banken risikoavers geworden sind, könnte es sein, dass die Märkte anfangen, an der Fähigkeit der Fed zu zweifeln, jene von ihr angestrebte Hyperinflation zu erzeugen. In jedem Fall benötigen wir ständig sinkende Preise für alles, einschließlich Benzin und Lebensmittel – und, ja, Häuser. Dies ist die Grundlage einer Erholung der Wirtschaft.

Das Scheitern des Rettungspakets war die Voraussetzung für die Erholung der Wirtschaft. Es sollte den Freunden der Freiheit zu erkennen geben, dass wir den Verlauf der Geschichte ändern können, dass Tyrannei nicht unser Schicksal ist, dass der Leviathan-Staat in die Flucht geschlagen werden kann. Es ist Zeit, Bücher wie „Von der freiwilligen Knechtschaft der Menschen“ des französischen Autoren des 17. Jahrhunderts, Étienne de La Boétie, zu lesen. Seine Ansicht war, dass der Staat die am wenigsten plausibelste Institution der Welt ist; eine, die an einem Tag gestürzt würde, gäbe es nicht die Propaganda und die ideologischen Denkfehler.

Vorgestern war für die Machtelite einer der schlimmsten Tage seit Jahrzehnten. Für die Freiheit war er einer der besten.

Information:

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 30.9.2008 in englischer Sprache auf LewRockwell.com. Übersetzung und geringfügige Änderungen: Robert Grözinger

Internet:

Étienne de La Boétie: „Von der freiwilligen Knechtschaft der Menschen“


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