02. Oktober 2008

Finanz-Sozialismus Wie baut man sich eine Krise?

Der Staat pflasterte den Weg zum Kollaps

Im schwedischen Wirtschaftsmagazin „Dagens Industri“ skizziert Johan Norberg, Autor des Bestsellers „Das kapitalistische Manifest“, die Vorgeschichte der gegenwärtige Finanzkrise. „Eigentümlich frei“ erhielt von Norberg die Erlaubnis, den Beitrag ins Deutsche zu übersetzen und zu veröffentlichen.


1933: Im Zuge des New Deal durften Investment-Banken nicht mehr gleichzeitig als Handelsbanken fungieren, was ihnen indes Bankeinlagen und somit mehr Stabilität verliehen hätte.

1938: Als Teil des New Deal schafft Präsident Roosevelt die Hypothekengesellschaft Fannie Mae, und 1970 schafft der Kongress Freddie Mac. Mit ihren implizierten staatlichen Garantien können Mae und Mac billigere Kredite vergeben, und sie expandieren solange, bis sie den amerikanischen Hypothekenmarkt beherrschen.

1989: Die amerikanische Regierung schreitet ein und zahlt die Zeche für die Sparkassenkrise, was einen Präzedenzfall schafft: Wer zu hohe Risiken mit Hypothekenanleihen eingeht, den rettet am Ende der Staat.

1995: Der „Community Reinvestment Act“ wird geändert, so dass Banken und Sparkassen nicht mehr Wohlhabende bevorzugen dürfen und gezwungen werden, Immobilienkredite auch an Haushalte mit mittlerem bis niedrigem Einkommen zu vergeben. Im Gegenzug wird ihnen erlaubt, sich neu aufzustellen und die Subprime-Risiken anderen zu verkaufen. Ein Pionier für solche Geschäfte ist seit dem Jahre 1997 die Bank Bear Stearns.

2001-2003: Statt nach der Dotcom-Blase und dem Elften September den Markt sich fauler Geschäfte und Anleihen entledigen zu lassen, senkt die Fed den Zinssatz von 6,5 auf bis zu 1 Prozent. Es gibt daher zwar nur eine leichte Rezession, doch wird dies erkauft mit einer dramatischen Expansion der Geldmenge, was eine Immobilienkrise zur Folge hat.

Das waren natürlich nicht die einzigen Übeltäter dieses Bubenstücks, doch wenn wir absichtlich eine Finanzkrise herbeiführen wollten, dann hätten wir als Staat kaum anders handeln können.
Die Preise stiegen an, die Menschen liehen sich mehr aus, Mae und Mac vergaben Kredite mit einem Verschuldungsgrad von über 60:1 an Leute, die sich das eigentlich nicht leisten konnten. Das wurde von denselben Demokraten bejubelt, die jetzt den freien Markt für die Krise verantwortlich machen. Denn vorher dachte jedermann, dass er nicht verlieren könnte, denn schließlich würde ja der Staat einen notfalls freikaufen.

Es bedurfte dann nur noch etwas traditionellerer Zinssätze, damit die Blase platzte, auch mithilfe einiger neuer Wirtschaftsprüfungsregeln. Die unabhängigen Investment-Banken, die keinen Zugang zu Bankeinlagen hatten, kollabierten und rissen fast das gesamte System mit sich.

Alle, die nun denken, dass die Lösung darin liege, Politikern, Beamten und Zentralbanken mehr Macht zu geben, sollten sich zumindest die Mühe machen zu analysieren, was die Obengenannten mit ihrer Macht bereits alles angestellt haben. Entscheidungsträger auf dem Markt handeln manchmal unverantwortlich und unglaublich kurzsichtig. Genauso wie staatliche Entscheidungsträger.



Internet:

Englische Version auf dem Blog von Johan Norberg

Schwedisches Wirtschaftsmagazin "Dagens industri"

"Das kapitalistische Manifest" auf capitalista.de


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Autor

Johan Norberg

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