19. Oktober 2008

Manager-Löhne Die Finanzkrise und die Banker-Bezüge

Verdienen Manager, was sie verdienen? Nach der Turnier-Theorie nicht

Ein festes Gehalt von 1,3 Millionen Euro im Jahr ist doch nicht schlecht, oder? Jedenfalls dann nicht, wenn man sie selbst einstreicht. Und dann noch einen fetten Bonus von 12,7 Millionen obendrauf, um von dem schmalen Fixgehalt überhaupt leben zu können, nicht wahr?  Was, Sie haben das noch immer nicht geschafft? Wirklich schlimm. Trösten Sie sich, ich auch nicht. Wir sind die ewigen Versager.

Aber deshalb ist es doch um so schöner, dass die große Finanzkrise jetzt einen Deckel darauflegt. Bank-Manager dürfen nur noch eine jährliche Grundvergütung von höchstens 500.000 Euro bekommen. Jedenfalls dann, wenn sie Staatshilfe in Anspruch nehmen, um ihre Bank vor dem Zusammenbruch zu retten. Auch auf Boni und andere Zusatzvergütungen müssen sie solange verzichten. Wenigstens diese eine materielle Strafe ereilt sie, wenn auch, gemessen an dem angerichteten Schaden, eine ziemlich milde. Mit einer halben Millionen hat man immerhin noch ein bisschen mehr zum Leben als ein Hartz-IV-Empfänger. Und in den Knast muss man schon gar nicht, gelle?

Die Finanzkrise hat die Diskussion um die hohen Vergütungen für Banker und andere Manager zusätzlich angefeuert. Haben Konzernlenker verdient, was sie verdienen? Diese Frage ist schon Ende 2007 scheinbar wie aus dem Nichts aufgetaucht. Und im Jahr 2008 nahm die öffentliche Diskussion über hohe Manager-Bezüge so richtig Fahrt auf. Folglich ist sie auch zu einem  politischen Thema geworden. In der Tat, exorbitant hohe Gehälter, Erfolgsbeteiligungen, Aktienoptionen, Abfindungen und üppige Pensionszusagen eignen sich trefflich, um sich empört zu zeigen, Neidreflexe zu bedienen und die öffentliche Aufmerksamkeit von weit wichtigeren anderen Staatsaufgaben abzulenken. Ein Zug wurde in Fahrt gebracht, und alle sprangen auf. Kanzlerin Angela Merkel tat es, SPD-Vorsitzender Kurt Beck tat es, Verbraucherschutzminister Horst Seehofer war dabei, Bundesjustizministerin Brigitte Zypries ebenso, auch Bundespräsident Horst Köhler und viele andere machten bei der Schelte mit. Köhler hatte die Debatte Ende November 2007 erst richtig ausgelöst.

Wohl bewegen sich die Vergütungen mancher Vorstände großer Aktiengesellschaften in Größenordnungen, die die üblichen Maßstäbe sprengen und in keinem akzeptablen Verhältnis zur erbrachten Leistung zu stehen scheinen. Sicher darin war sich Marcus Lutter, emeritierter Professor der Universität Bonn, Sprecher dort des Zentrums für Europäisches Wirtschaftsrecht und Mitglied der Regierungskommission für gute Unternehmensführung, im Interview mit der Zeitschrift „Stern“ (11. Dezember 2007): Er kenne keinen Menschen, „dessen Leistung es wert ist, mit 50 Millionen Euro im Jahr vergütet zu werden – sei er auch noch so toll“. Natürlich verdienten nicht alle deutschen Manager zuviel, „aber diejenigen, die im Moment im Blickfeld stehen – von Deutsche Bank bis Porsche – verdienen eindeutig zuviel“.

Kaum streitig ist, dass die hohe Abfindung für Jürgen Schrempp trotz dessen schlechter Leistung als Vorstandsvorsitzender der DaimlerChrysler AG im wahrsten Sinn des Wortes unverdient war. Die Fusion mit Chrysler, das Engagement bei Mitsubishi und Hyundai und anderes waren für Daimler ein krisenhaftes Desaster, der Aktienkurs fiel in Schrempps Amtszeit um bis zu 76 Prozent. Dass Vorstände der Mittelstandsbank IKB ihre Unternehmen dicht vor die Pleite spekuliert haben und wohl trotzdem ihren „Erfolgsbonus“ behalten dürfen und ein lebenslanges hohes Ruhegeld erhalten, gehört in die gleiche Kategorie. Im Fall Mannesmann AG zumindest anrüchig sind die 24,5 Millionen Euro für den Vorstand und davon allein 16 Millionen für dessen damaligen Vorsitzenden Klaus Esser von 16 Millionen, gezahlt als Anerkennungsprämie dafür, dass dieser das Unternehmen im Jahr 2000 dem britischen Mobilfunkriesen Vodafone in die Hände spielte.

Dagegen ist die Steigerung von Unternehmenswert und Gewinn der Porsche AG um ein Vielfaches, das Sichern der Arbeitsplätze und die Sonderzahlungen an die Beschäftigten unter dem Vorstandsvorsitz von Wendelin Wiedeking seit 1992 eine wirkliche unternehmerische Leistung. Wenn er dafür ein Salär zwischen 50 und 60 Millionen Euro im Jahr erhält, dann ist zwar auch das sehr hoch und Anlass zum Moralisieren, kann aber für das Unternehmen als Erfolgshonorar durchaus als leistungsgerecht, also als wirtschaftlich vertretbar und angemessen gelten; immerhin steckte Porsche, als Wiedeking sein Amt antrat, tief in den roten Zahlen und galt als Sanierungsfall.

Anders wiederum das Beispiel Klaus-Peter Müller, der vom Vorstandsvorsitz der Commerzbank AG im Frühjahr 2008 vorzeitig in den Aufsichtsratsvorsitz der Bank wechselte, obwohl sein Vertrag bis 2010 lief, und er damit auf zweimal 3,5 Millionen Euro Jahresgehalt verzichtete und sich als Aufsichtsratsvorsitzender mit jährlich 230 000 Euro begnügt. Müller verwies auch darauf, dass das Vorstandsgehalt in zwei Jahren der zurückliegenden sechs Jahre um bis zu 40 Prozent gekürzt wurde, „weil wir nicht erfolgreich waren“.

Verdienen Manager also, was sie verdienen? Die übliche Antwort des Ökonomen lautet: Das kommt darauf an. Edward Lezear hat darauf eine sehr eindeutige Antwort: Nein, zumindest die Manager an der Spitze sind immer überbezahlt. Ihr Gehalt entspricht niemals der eigenen Leistung. Dessen Höhe dient nur als Anreiz für die übrigen Mitarbeiter, sich tüchtig ins Zeug zu legen, um auch in diese Gehaltsklasse zu kommen. Das ist wie beim Pferde-Rennturnier: Den Preis bekommt nur einer, der Gewinner, aber alle anderen machen beim Rennen mit, um dieser Eine zu werden. Das ist Lazear’s  Tournament Theory. Mit ihr lassen sich die hohen Gehälter von Unternehmensvorständen sowie die weite Spanne zwischen ihren und denen der übrigen Belegschaft erklären. Lazear Wirtschaftsberater des amerikanischen Präsidenten George W. Bush, ist ein führender Forscher auf dem Gebiet der betrieblichen Anreizstrukturen, gilt als Begründer der Personalökonomie.

Klaus Peter Krauses Blog


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