21. Oktober 2008

US-Wahl Joe der Gesetzlose

Der Durchschnittsamerikaner ist ein würdiger Nachfolger der Gründerväter

Dieser ganze Wahlkampf ist schrecklich langweilig gewesen, mit Strategien der Fauxpasvermeidung, die sämtliche Spontaneität unterdrücken, und es hilft nicht, dass die ideologischen Parameter der Wahl so eng gezogen wurden, dass jeder denkende Mensch beide Kandidaten sowie die sie so liebevoll schützenden Medien zum Schweigen bringen will.

Dennoch ist ein interessanter Punkt aufgetaucht: Es stellt sich heraus, dass der Archetypus, der ausgesucht wurde, um das Duchschnittsamerika zu repräsentieren, ein richtiggehender Gesetzloser im besten Sinn dieses Wortes ist. Wir können uns darauf freuen, dass in den kommenden Jahren immer mehr Menschen dieser Art geschaffen und auftauchen werden, während der Staat seinen Griff auf jeden Aspekt amerikanischen Lebens weiter festigt. Wir werden bald alle Gesetzlose sein.

Die ganze Joe-der-Klempner-Sage begann, als Joe Wurzelbacher aus Toledo, Ohio, Barack Obama mit den Steuerplänen des Kandidaten konfrontierte. Er wollte wissen, ob Obama seine Steuerlast erhöhen würde. Er speziell plante den Kauf eines Unternehmens mit einem Ertrag von 250.000 Dollar pro Jahr: „Ihr neuer Steuerplan bedeutet höhere Steuern für mich, nicht wahr?“

Natürlich stürzten sich die Republikaner darauf und schlachteten es aus. McCain bringt ihn ständig in seinen Reden. Republikaner mögen es, über Steuern zu reden. Sie scheinen die Demokraten, die mit Steuererhöhungen den Haushalt ausgleichen und den Wohlstand umverteilen, mit diesem Thema in die Ecke zu drängen, obwohl es im Zeitalter des deckungslosen Papiergeldes, wo die Regierung sich so viel Einkommen drucken kann wie sie braucht, weitgehend ein Nebenthema ist. Dennoch, die GOP mag den Symbolismus, und so bekam Joe seine 15 Minuten Ruhm als Held der Rechten.

Aber die „New York Times“ grub ein bisschen herum und entdeckte – oh Schreck! – dass Joe ohne eine korrekte Berufslizenz Klempnerarbeiten ausführt. Wie kann er es wagen, sich einen Klempner zu nennen! Toledo verlangt eine Lizenz, nicht nur eine Lizenz für eine Teilhabe, sondern für jeden, der sich als Klempner bezeichnet. Joe hat nicht die Bildungskurse besucht, ist nicht Mitglied der Gewerkschaft und kann sich nicht rechtmäßig als Klempner bezeichnen.

Die Medienberichte hierüber waren explosiv, und die Reporter sprachen, als ob sie ihn auf frischer Tat ertappt und völlig diskreditiert hätten. Was ist aber mit der komplett absurden Idee, dass man eine Lizenz besitzen muss, um das Recht zu haben, den Abfluss eines anderen zu reparieren? Das ist sowjetisch, aber im amerikanischen Berufsleben fest etabliert.

Die Lizensierung soll, so die Vorstellung, Qualitätsstandards sichern. Das ist jedoch nur eine seit dem Mittelalter bestehende Schutzbehauptung der Zünfte. Der wahre Zweck der Lizenzierung ist die Schaffung eines Berufskartells. Weniger Anbieter bedeutet höhere Einkommen für diejenigen mit Lizenzen. Es geht nur um die Steigerung des Einkommens durch Wettbewerbsbeschränkung. Dies ist natürlich eine Verletzung der Menschenrechte, weil es gegen die fundamentale Koalitionsfreiheit verstößt.

Im Umfeld einer freien Marktwirtschaft gibt es reichlich Qualitätskontrollen durch professionelle Organisationen. Verbraucher haben die Freiheit, diese zu nutzen oder nicht. Viele private Anbieter versuchen, über dieses Mittel Kartelle zu errichten, selten jedoch mit Erfolg. Es gibt immer Produzenten, die mit der Zunft brechen, um günstigere Preise für ihre Dienstleistung anzubieten. Das ist der Grund, weshalb die Zünfte oft um staatliche Regulierungen ersuchen, wie zum Beispiel die Pflicht, dass alle Klempner eine Lizenz haben müssen.

Im übrigen trifft das auf alle Berufsgruppen zu, einschließlich Anwälte und Ärzte. Es gab eine Zeit, als der Zugang zu diesen Bereichen vom freien Markt geregelt wurde und das System funktionierte – im Gegensatz zu dem, was die Legende sagt – gut. Aber die großen Spieler in diesen Branchen suchten und bekamen staatliche Privilegien zur offiziellen Lizenzierung der Dienstleistungsanbieter. Es war eine Einkommenssteigerungstaktik. Und sie funktionierte.

Mit seiner lizenzfreien Klempnerarbeit widersetzt sich Joe auf wahrlich heldenhafte Weise dem System. Er sollte dafür nicht getadelt werden. Er sollte als Freiheitskämpfer gefeiert werden. Er kann sich über weit mehr beschweren als nur über Steuern. Seine wahren Feinde sind der Staat selbst und all seine Inkarnationen. Von den Politikern sollte er Antworten verlangen über ihre Regulierungspläne, die in einer großen Bandbreite von Bereichen den Wettbewerb noch weiter einschränken sollen – zum Beispiel im Bankwesen!

Am lächerlichsten ist die Meinung, dass er nicht Klempner genannt werden sollte, weil er keine Lizenz besitzt. Hier sehen wir, wie Lizenzierung sogar die Anwendung unserer Sprache verdirbt. Wenn er Klempnerarbeiten ausführt, ist er ein Klempner. Punkt.

Und dennoch liegen Joe die Steuern am Herzen, weil sich herausstellt, dass er ein Delinquent in Sachen Eigentumssteuer ist, die ebenfalls zu hoch und ebenfalls ungerecht ist. Das Steuerministerium von Ohio hat eine Pfändung gegen ihn verfügt, weil persönliche Eigentumssteuern von 1.183 Dollar nicht gezahlt wurden. In welchem Sinne kann man sagen, dass man sein eigenes Heim besitzt, wenn der Staat es einem wegnehmen kann, wenn man nicht das zahlt, was der Staat einem zu zahlen aufgetragen hat? Dies ist im fundamentalen Sinn ein Angriff auf das Privateigentum.

Es stellt sich also heraus, dass wir in Joe Wurzelbacher tatsächlich einen amerikanischen Archetypus haben. Er ist ein Gesetzloser im gleichen Sinn, wie die Gründerväter Gesetzlose waren. Er lebt außerhalb der Regulierungen des Staates, weil diese Regulierungen seine Freiheit und sein Eigentum bedrohen. Die amerikanische Revolution kam zustande, um Systeme wie diese zu beenden. Und dennoch finden wir uns in genau einem solchen System wieder – in einem System, das in jeder Hinsicht unvorstellbar schlimmer ist.

Um diese Schindereien, die sein Leben zur Qual machen, zurückzudrängen, ist etwas anderes nötig als ein Sieg des Republikaners. Es ist nicht kompliziert. Es ist ein allen Menschen innewohnendes Recht, dass sie tun können, was sie wollen, und behalten dürfen, was ihr Eigentum ist. Vorausgesetzt, sie verstoßen dabei nicht gegen das Recht eines anderen, das gleiche zu tun. Der Staat ist nichts anderes als ein organisierter Versuch, dieses Recht zu versagen. Joe hat einen Feind. Aber er ist weit größer als Obama.


 Information:

Llewellyn H. Rockwell Jr. ist Präsident des Ludwig von Mises Institutes in Auburn, Alabama. Dieser Artikel erschien zuerst am 18.10.2008 in englischer Sprache auf der Website des Autors, lewrockwell.com. Übersetzung von Robert Grözinger.


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