Edgar L. Gärtner

Jahrgang 1949, Hydrobiologe, Wissenschaftsautor.

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Energie: Abschied vom grünen Weltbild

von Edgar L. Gärtner

Verschüttete Erkenntnisse über den Kohlenstoffkreislauf

„Angesichts der Endlichkeit fossiler Brennstoffe gehört die Zukunft der Energieversorgung zweifellos den Erneuerbare-Energien-Technologien.“ Mit dieser ganz selbstverständlich erscheinenden und deshalb nicht begründeten Behauptung beginnt eine im Magazin „Cicero“ in diesem Monat unter dem Titel „Die Energie-Lüge“ veröffentlichte gnadenlose Abrechnung acht liberaler Wirtschaftsprofessoren mit der Förderung unausgereifter und unbezahlbarer „Zukunftstechniken“ durch das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Die Professoren zeigen: Auch wer an das grüne Weltbild glaubt, kann es nicht gutheißen, dass die Energieverbraucher wegen eines gemäß den kurzsichtigen finanziellen Interessen eines parasitären  Netzwerkes grüner Amigos auf den Leib geschneiderten Gesetzes für die Vermeidung einer einzigen Tonne CO2 bis zu 1.000 Euro zahlen müssen. Aber muss man wirklich an das ökologistische Weltbild glauben?

Schon eine unvoreingenommene Auswertung des beinahe tragischen Ausgangs des Biosphäre-Zwei-Experiments in der Sonora-Wüste von Arizona hätte meines Erachtens nur den Schluss zugelassen, das grüne Weltbild zu begraben. Das auf 100 Jahre angelegte Experiment eines autonomen Lebens in einem von der Gaia-Theorie von James Lovelock inspirierten Nachbau der irdischen Lebewelt in einer Glaskuppel mit anderthalb Hektar Grundfläche musste schon nach knapp zwei Jahren abgebrochen werden – kurz vor dem absehbaren Hungertod der acht Bewohner des künstlichen Öko-Paradieses. Aber das gegen Ende der 80er Jahre vom texanischen Ölmilliardär Ed Brass in einer romantischen Anwandlung für insgesamt 200 Millionen US-Dollar in die Welt gesetzte Projekt wurde aus ideologischen Gründen bis heute nicht umfassend analysiert und bewertet.

Das Experiment, wäre es wirklich sauber angelegt worden, hätte wohl zeigen können, dass der Planet Erde nicht so funktioniert, wie es bis heute in vielen Lehrbüchern der Ökologie steht. Es hätte insbesondere Aufschlüsse geben können über das Verhältnis zwischen geologischen und biologischen Stoffkreisläufen. Nur weil Hohepriester der Gaia-Religion sich bislang standhaft weigerten, bereits gesicherte wissenschaftliches Erkenntnisse ins ökologische Weltbild zu integrieren, können sie überhaupt zur Behauptung gelangen, der durch die Verbrennung fossiler Kohlenwasserstoffe verursachte Anstieg der Konzentration von Kohlenstoffdioxid (CO2) und der damit vermutlich verbundene Anstieg der Durchschnittstemperatur über den Landmassen der Erde seien das dringendste Problem der Menschheit und müssten unbedingt gestoppt werden – koste es, was es wolle.

Das Kyoto-Protokoll von 1997 ist mehr als eine Übereinkunft über eine bescheidene Reduktion der CO2-Emissionen der Signatarstaaten. Da es auch CO2-Senken anerkennt, beinhaltet es im Prinzip den Anspruch, die Ära des globalen Managements des gesamten Kohlenstoff-Kreislaufs zu eröffnen. Das setzt voraus, dass  erstens die wichtigsten Stoffkreisläufe der Erde hinreichend genau quantifiziert werden können und zweitens der Kreislauf des Kohlenstoffs einen nennenswerten Einfluss auf atmosphärische Vorgänge ausübt.

Die Erde ist ein Wasserplanet. Etwa 71 Prozent ihrer Oberfläche sind von Meerwasser bedeckt. Folglich überragt der von der Sonnenwärme durch Verdunstung angetriebene Wasserkreislauf mengenmäßig alle anderen Zyklen. An zweiter Stelle folgt der Kreislauf des Sauerstoffs, des wichtigsten Elements in der Erdkruste. Der Kohlenstoffkreislauf folgt erst an dritter Stelle. Danach kommt der Kreislauf des Stickstoffs, der zwar 80 Prozent der Atmosphäre ausmacht, aber in den Böden und in den Gewässern eher rar ist. Doch ausgerechnet die Bilanz des Kohlenstoffkreislaufs weist große Lücken auf. Das grüne Weltbild beruht auf der Annahme, der Kohlenstoffkreislauf (C-Zyklus) sei im Wesentlichen biologischer Natur: Grüne Algen und Landpflanzen nehmen CO2 aus dem Wasser beziehungsweise der Luft auf und geben Sauerstoff ab. Es gibt aber auch einen rein geochemischen C-Zyklus, der in Form von Bodenausgasungen und Vulkanausbrüchen jahraus, jahrein viele Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre bringt.

Seit der Bestätigung der Kontinentalverschiebungs-Hypothese von Alfred Wegener wissen wir, dass die Erdkruste in ständiger Bewegung ist. Alles, was mal oben war, kommt im Prinzip auch wieder nach unten, das heißt von der mehr oder weniger festen Erdkruste tief in den breiartigen Erdmantel, wo auch Kohlenstoffverbindungen biologischen oder nichtbiologischen Ursprungs (wie vor allem Kalk und Dolomit) eingeschmolzen werden. An anderer Stelle kommt der Kohlenstoff später in Form von Vulkanausbrüchen wieder hoch. Dieser Kreislauf fände auch statt, wenn es überhaupt kein Leben auf der Erde gäbe. Es ist aber wegen lückenhafter Messungen bislang kaum möglich, das Massenverhältnis zwischen biologischen und abiotschen C-Kreisläufen einigermaßen genau abzuschätzen. Die Entstehung von Erdöl-, Kohle- und Methanhydratlagerstätten ist vermutlich überwiegend, wenn nicht ausschließlich Teil eines nichtbiologischen Zyklus’. Vor allem die riesigen auf den Meeresböden lagernden Methanhydratvorkommen in der Größenordnung von 10.000 Gigatonnen Kohlenstoff können kaum auf biologischem Wege entstanden sein. Inzwischen ist klar geworden, dass man in der Erdkruste praktisch überall Kohle- und Erdöl-Lagerstätten findet, wenn man nur tief genug bohrt. Ob sich das auch wirtschaftlich lohnt, steht auf einem anderen Blatt. Jedenfalls hat in diesem Jahr die Entdeckung eines großen Erdölvorkommens in 5.000 Metern Tiefe vor dem brasilianischen Festlandsockel, das heißt unter der ozeanischen Tiefenkruste, wo nach der herkömmlichen Erklärung seiner Entstehung kein Erdöl zu finden sein sollte, das grüne Weltbild erneut tief erschüttert. Es wäre nun an der Zeit, nüchtern zu überprüfen, ob der „Abschied vom Zeitalter fossiler Energien“ wirklich Dreh- und Angelpunkt der Energiepolitik sein kann.

Literatur

Edgar Gärtner: Öko-Nihilismus. Eine Kritik der Politischen Ökologie. Jena 2007

James Lovelock: Das Gaia-Prinzip. Die Biografie unseres Planeten. Zürich-München 1991

Internet

http://de.wikipedia.org/wiki/Biosph%C3%A4re_2

http://images.zeit.de/text/2004/03/Biosph_8are

http://www.zeit.de/2004/03/Biosph_8are

http://www.egbeck.de/treibhaus/ccyclus.htm

10. Dezember 2008

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