22. Januar 2009

Dieter Bohlen Der ungeschliffene liberale Diamant

Deutschland sucht den Superpolitiker

Kaum ein Prominenter aus der Kulturbranche polarisiert die Deutschen so sehr wie Dieter Bohlen. Die Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ hätte nur einen kleinen Bruchteil ihrer jetzigen Einschaltquoten, wenn da nicht Dieter Bohlen als Juror sitzen würde. Abermillionen verkaufter Platten und CDs von Modern Talking, anderen Bohlenprojekten und von Bohlen-Zöglingen sowie beste Einschaltquoten bei allen Sendungen, in denen Bohlen auftritt, zeugen von der großen Popularität des Komponisten und Talentschmieds, dem selbst seine größten Gegner nicht einen hohen Unterhaltungswert absprechen können, auch wenn sie niemals eines seiner mittlerweile drei Bestseller-Bücher kaufen würden.

In seinem letzten Werk, dem Lebensratgeber „Der Bohlen-Weg. Planieren statt sanieren“ verrät der Poptitan das Geheimnis des Erfolgs: Hart arbeiten, nicht aufgeben, nicht immer auf die anderen hören, sparen, auf unmittelbare Konsumbefriedigung verzichten, gegenüber Autoritäten und vor allem gegenüber jeglichen Politikern sehr misstrauisch sein. Mit seiner unverwechselbaren Bohlen-Sprache transportiert er somit erzliberale Botschaften und vermag Schichten anzusprechen, die nie freiwillig ein Buch von Mises, Hoppe oder Baader in die Hand nehmen oder mal einen Blick auf „eigentümlich frei“ oder auch auf die „Libertäre Plattform“ werfen würden. Somit ist es vielleicht nicht übertrieben zu behaupten, dass Dieter Bohlen wie kein anderer Liberaler dazu imstande ist, die Folgen der durch staatliches Planversagen verursachten Wirtschaftskrise abzumildern, indem er bei seiner Leserschaft längst vergessene Selbstverständlichkeiten wieder verankert wie zum Beispiel, dass allein Leistung die Quelle von Wohlstand und Glück ist, nicht etwa staatliche Sozialklempnerei und Umverteilung. Da sollte auch der eine oder andere Kulturkonservative ruhig ein Auge zudrücken und großzügig über den manchmal nicht ganz koscher anmutenden Lebenswandel und die ungeschminkte Ausdrucksweise des Modern-Talking-Erfinders hinwegsehen.

O-Ton Bohlen: „In der freien Wirtschaft wird nur der Tüchtige, der Bessere, der Schnellere siegen, und jede Gesellschaft braucht diese Leistungsträger, denn es gibt genug Konkurrenten, die jedes Hadern ausnutzen, um selbst Profit zu machen.“

Richtig. Die Alternative wäre Armut für alle, auch wenn genau das vielen Zeitgenossen, vor allem den Nicht-Leistungsträgern, gerechter vorkommen würde. Meistens sind das auch genau die gleichen Zeitgenossen, die es sozial unfair finden, wenn Bohlen talentfreie Jugendliche endlich von ihren Illusionen erlöst.

„Oft passiert es auch, dass Leistungsträger unser schönes Land verlassen, weil sie in anderen Ländern bessere Arbeitsbedingungen vorfinden. Tragisch für jede Volkswirtschaft. Es gibt Länder, die Leistung und den unbedingten Leistungswillen viel höher bewerten als wir, und die bis in die Haarspitzen auf Erfolg gebürstet sind. Die Länder, die am meisten Gas geben, werden an uns vorbeiziehen, oder sie sind es bereits. Sich da etwas vorzumachen ist der falsche Weg.“

Richtig. Im Gegensatz zu DSDS siebt die Politik die Talentierten zwar auch aus, aber nicht um sie zu belohnen, sondern um sie zu vergraulen, während den Schlechten suggeriert wird, dass sie ohne eigenes Dazutun ein Anrecht auf einen Teil des von den Begabten gebackenen Kuchen hätten.

Nicht viel hinzuzufügen ist Dieter Bohlens Kritik an der exzessiven Besteuerung und an der mangelhaften Kontrolle unserer Politiker durch die Bürger:

„Ich kann es Leuten wie Beckenbauer, Becker oder Schumacher auch gar nicht verdenken, dass sie möglichst viel von ihrem Geld behalten wollen. Ich sehe das genauso. Ich würde auch supergern weniger Steuern zahlen, aber eben nur in diesem, meinem Land, in dem ich fast alle meine Erfolge erzielt habe. [...] Wenn man aber den Bericht des Bundesrechnungshofes liest, wie die das schöne Geld verschwenden, das ich mir so schwer erarbeitet habe, dann kommt mir echt der Hass hoch. Aber das geht uns allen so. Trotzdem sollten wir uns das nicht einfach so gefallen lassen, wie Kühe, die zur Schlachtbank geführt werden. Denn es kommt ja auch noch das Geld hinzu, mit dem sich die Landesbanken verzockt haben. Wo gibt es das denn, dass die mit Milliarden zocken wie Kleinkinder im Casino, und wenn es in die Hose geht, muss Mami, sprich wir, dafür herhalten? [...] Wie viele echt arme Menschen kriegen Steuern abgezogen, obwohl sie die Kohle wirklich gut gebrauchen könnten, während die lieben Politiker Millionen verballern? Ich wundere mich immer, dass die Menschen nicht ausrasten und denen auf die Glocke hauen. Aber die verstecken sich ja auch schön hinter Namen von Instituten und Gremien, sodass man niemandem persönlich die Schuld geben kann. Ich finde das ist eine Riesensauerei. [...] Wie soll ein System funktionieren, in dem Politiker Politiker überprüfen? Wir wissen doch alle, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt. Dass die alle blind sind, kommt eher daher, dass die sich gegenseitig so viel Sand in die Augen streuen. Da bescheißt einer den anderen und der den nächsten und so weiter. Jeder versucht sich über die Amtszeit zu retten und eine geile, möglichst hohe Pension zu bekommen. Und nach mir die Sintflut! Denen ist doch völlig egal, auf welchen Schulden unsere Kinder und Enkel mal sitzen werden. Aber vielleicht gibt es ja doch eine Hölle, und darin werden sie dann auf jeden Fall schmoren. [...] Die Verschwendung und Falschverteilung unserer Steuergelder macht mich echt wütend und hat mir schon oft den Schlaf geraubt. Aber ich will hier nicht politisch werden. Bei der allgemeinen Politikverdrossenheit schmeißt ihr sonst gleich das Buch weg, und das will ich auch nicht. Wenn teilweise fast fünfzig Prozent der Menschen nicht mehr zur Wahl gehen, scheint das den Politikern egal zu sein. Vielleicht wäre es ihnen sogar am liebsten, wenn keiner zur Wahl ginge und sie sich alle selbst wählen könnten. Aber vielleicht könnten auch die fünfzig Prozent, die nicht wählen gehen, diese Politiker einfach abwählen, das wäre doch das Beste. So wie bei DSDS.“

Das von Bohlen beschriebene Szenario, in dem Politiker und alle Nettostaatsprofiteure (Beamte, Gewerkschaftsmitglieder, regierungsnahe Institute, Bildungseinrichtungen etc.) einander wählen und die Mehrheit herstellen können, ist schon so gut wie Realität geworden, wenn man noch staatsabhängig gemachte Gruppen wie Hartz-IV-Empfänger oder Rentner hinzurechnet. Leistungsträger (Arbeiter, Unternehmer) werden wohl nie wieder auf mehr als fünfzig Prozent kommen.

„Sollen wir uns einfach damit abfinden, dass fünfzig Prozent unserer Kohle futsch ist, und die damit mach, was sie wollen? Zukunft ist ja später, und dann sitzen die längst mir riesigen Pensionen auf ihren fetten Ärschen. Es ist also eigentlich erstaunlich, dass man in diesem Land Steuern zahlt, obwohl in anderen Ländern die Sonne scheint, ein Blick aufs Meer drin ist, und die Steuerbelastung die Hälfte beträgt. Und wenn ich die Hälfte des Jahres für meinen Freund, den Staat, arbeite, könnte ich ja eigentlich auch erwarten, dass dem alles daran liegt, dass es mir gut geht.“

Wahrscheinlich würde Dieter Bohlens Zornesader noch viel mehr anschwellen und sein Juroren-Urteil über die talentlosen Politik-Freaks noch viel vernichtender ausfallen, wenn er wüsste, dass nicht nur fünfzig Prozent sondern DDR-verdächtige siebzig Prozent und mehr unserer Kohle futsch ist, wenn man Mehrwertsteuer, Sondersteuern, Vermögensentwertung durch Geldmengenerhöhung und Schuldenmacherei mit berücksichtigt.


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