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![]() Jg. 1966, Ökonom, Professor an der Universität Angers in Frankreich. Redaktionsbeirat der Zeitschrift eigentümlich frei. ef-Sucheef-EinkaufspartnerWenn Sie ef-online unterstützen möchten, starten Sie bitte Ihre Amazon-Einkäufe mit Klick auf diesen Button: ef auf FacebookBesuchen Sie uns auch auf Facebook: |
Wirtschaft und Ethik: Geldpolitik und Fiskalpolitik in der KriseÜber kurzfristige Erfolge und langfristige Schäden Die bislang erfolgte politische Reaktion auf die Finanz- und Wirtschaftskrise war langsam, unbeholfen und vor allem orientierungslos. Die ersten sieben Monate des Jahres 2008 wurden in dem seligen Glauben verplempert, dass man es lediglich mit einer sehr massiven Liquiditätskrise der Finanzmärkte zu tun habe. Solche Krisen können grundsätzlich durch vermehrte Geldproduktion („Geldpolitik“) bereinigt werden. Die Zentralbanken leiten neu geschaffenes Geld per Kredit an die schlecht geführten Unternehmen weiter und überwinden somit deren Zahlungsschwierigkeiten. Die Unternehmen sind gerettet – wenn auch auf Kosten aller anderen Geldbenutzer, da infolge der Geldproduktion die Kaufkraft der Geldeinheit unter das Niveau sinkt, das sie sonst erreicht hätte. Aber dieser Trick funktioniert nur bei Liquiditätskrisen. Im Verlauf des Sommers wurde es dagegen klar, dass es sich bei der heutigen Krise um eine ausgewachsene Insolvenzkrise handelt. Die betroffenen Unternehmen haben nicht einfach nur ihre Betriebskasse zu stark geleert, um dieses Geld anderweitig, aber immerhin noch gewinnbringend zu verwenden. Sie haben ihr Kapital verschwendet. Sie haben mehr oder minder langfristige Investitionen getätigt (Anlagen, Maschinen, Patente), aber die Einnahmen aus dem Verkauf der Produkte reichen nicht, um das Kapital zu erhalten, geschweige denn um es zu verzinsen. Der Bilanzwert der Anlagen, Maschinen und anderen Aktiva muss daher abgeschrieben werden, um dem wirklichen Marktwert zu entsprechen. Dabei kann sich herausstellen, dass der Gesamtwert der Aktiva geringer ist als der Gesamtwert der Schulden (Insolvenz). Bei Insolvenzfällen ist die herkömmliche Geldpolitik völlig wirkungslos. Zentralbanken dürfen das von ihnen neu geschaffene Geld nicht auf beliebige Art und Weise verwenden. Sie dürfen zum Beispiel nicht einfach anfangen, dem Staat unbegrenzte Mittel zu verschaffen, und sie dürfen auch keine Aktien und andere Eigentumspapiere kaufen. Sie dürfen ihr Geld nur sehr kurzfristig verleihen. Aber bei Insolvenz helfen zusätzliche Kredite nicht. Sie füllen zwar die Kasse des betreffenden Unternehmens, aber seine Schulden steigen im gleichen Maß. Der Gesamtwert der Aktiva ist daher weiterhin geringer als der Gesamtwert der Schulden – das Unternehmen ist immer noch insolvent. Diese Zusammenhänge wurden im Sommer 2008 schließlich offensichtlich. Die Geldpolitik trat zurück ins zweite Glied, und es kam zur Wiedergeburt der vom orthodoxen Keynesianismus empfohlenen „Fiskalpolitik“ – Erhöhung der Staatsausgaben, finanziert durch größere Staatsverschuldung. Die westlichen Regierungen fingen an, den insolventen Firmen Subventionen in Form von Eigenkapital zuzuschießen beziehungsweise diese Firmen teilweise oder ganz zu verstaatlichen. Kurzfristig ist Fiskalpolitik in der Tat geeignet, den bedrängten Firmen eine wirksame Hilfe zu bieten, denn die Subventionen füllen die Kasse, ohne gleichzeitig die Schulden zu erhöhen. Der Gesamtwert der Aktiva steigt über den Gesamtwert der Schulden hinaus, und das Unternehmen wird somit wieder zahlungsfähig. Dieser kurzfristige Erfolg wird jedoch häufig völlig missverstanden. Es handelt sich hier keinesfalls um eine Rettung „der“ Wirtschaft und auch nicht um ein geeignetes Mittel, die Gesamtwirtschaft wieder anzukurbeln. Der Grund liegt darin, dass sie keine neuen Ressourcen (vor allem Arbeit, Vorräte, Rohstoffe) schafft, sondern die vorhandenen Mittel lediglich umverteilt. Die kurzfristige Rettung der insolventen Firmen erlaubt ihnen, weiterhin die höchsten Preise für die von ihnen benötigten Mengen an Arbeit, Vorräten und Rohstoffen zu bezahlen und somit diese Ressourcen bei sich zu binden. Aber die gleichen Mittel hätten natürlich auch in anderen Unternehmen verwendet werden können – und würden dort verwendet werden, falls ihre Preise fielen. Fiskalpolitik bedeutet somit im besten aller Fälle ein Nullsummenspiel. Sie bewirkt die kurzfristige Erhaltung unrentabler Firmen auf Kosten der Restwirtschaft. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht ist das kurzfristig genauso wirkungslos wie Geldpolitik. Langfristig ist die Fiskalpolitik allerdings sogar noch schädlicher als Geldpolitik, da sie Firmen am Leben erhält, die Kapital vernichten und somit den zukünftigen Lebensstandard der Bevölkerung verringern. InformationDieser Artikel erschien zuerst in eigentümlich frei Nr. 89. 29. Januar 2009 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Frank Schäffler schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht. Diesen Artikel teilenAnzeigen |
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