Gérard Bökenkamp

Jahrgang 1980, Historiker.

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FDP im Wahljahr 2009: Unzufriedene Stammwähler der CDU

von Gérard Bökenkamp

Die Liberalen verabschieden sich von der Mitte und haben Erfolg damit

Alle vier Jahre steht man vor einer grundsätzlichen Entscheidung: Sollen wir wählen gehen? Oder uns statt dessen einen schönen Sonntag machen? Und wenn man wählen geht, wen soll man wählen? Die eigene Wahlstimme ist nur von Bedeutung, soweit man einer soziologischen Gruppe angehört und man davon ausgehen kann, dass die anderen Mitglieder dieser Gruppe sich ähnlich entscheiden werden, wie man selbst. Wenn man zum Beispiel nur aus Jux die Autofahrerpartei wählt, ist das für das Gesamtergebnis vollkommen bedeutungslos.

Wenn man CDU- oder SPD-Stammwähler ist, kann man sich dazu entschließen, nicht wählen zu gehen, in der Hoffnung, dass andere Stammwähler dies auch tun, um eine Botschaft an die jeweilige Parteiführung zu senden. Diese Botschaft lautet: “Schau mal her, liebe Parteiführung, wir Stammwähler sind unzufrieden. Wenn ihr nicht mehr Rücksicht auf uns nehmt, müsst ihr eben ohne unsere Stimmen auskommen.”

Der Nachteil für die rebellierenden Stammwähler ist allerdings, dass sie nach dem Wahltag möglicherweise, bedingt durch ihr Verhalten, erst recht eine Politik ertragen müssen, die sie überhaupt nicht wollten. Wenn zum Beispiel die Unionswähler zu Hause bleiben, kann es dazu kommen, dass sie am Ende Lafontaine und Co an der Regierung sehen müssen. Das ist genau das Argument, das selbst Unzufriedene noch an die Wahlurne bringt.

Aus der Sicht der Parteiführungen sieht es so aus: Je furchteinflößender die politische Gegenseite  auftritt, umso besser ist das für die Mobilisierung der eigenen Stammwähler. Deshalb sind die Parteien bemüht, bei der Gegenseite möglichst wenig Furcht einzuflößen. Deshalb gibt sich Merkel möglichst sozialdemokratisch. Und deshalb hat die SPD mit Steinmeier einen Kandidaten aufgestellt, dem starke Linkstendenzen weniger überzeugend unterstellt werden können als anderen potentiellen SPD-Kandidaten. Das beliebte Spiel der Parteistrategen im Wahlkampf heißt: Wer zuerst Profil zeigt, hat verloren.

Zum Teil wird schon die Richtlinie ausgegeben, keinen Wahlkampf in den Hochburgen der Gegenseite zu machen, um die Stammwähler der anderen nicht zu provozieren und damit doch noch zur Wahlurne zu treiben. Der Aufruf, zur Wahl zu gehen, ist im Hinblick auf diese Strategie nur eine Pflichtübung. In Wirklichkeit sind die politischen Strategen sehr erfreut über Nichtwähler, solange sie dem anderen Lager zuzurechnen sind.

Neben den Stammwählern gibt es natürlich noch die sogenannte Mitte. Es war immer falsch, mit dem Begriff “Mitte” ein bestimmtes politisches Profil zu verbinden. Die Mitte, das sind die Wähler des “Sowohl als Auch” und des “Einerseits andererseits”. Die Kanzlermacher sind die Wechselwähler, die zwischen den Lagern hin und her pendeln. Diese Gruppe ist sehr schreckhaft. Darum ist ein möglichst harmloses Image vorteilhaft, um sie zu gewinnen. “Sozial”, “liberal”, “konservativ” - je nach Situation kann diese Gruppe sich mit jeder dieser Hauptströmungen identifizieren. Aber sie will bitte nicht zu viel davon.

Es gibt also einen Konflikt zwischen den Stamm- und Richtungswählern, die eine möglichst konsequente Umsetzung ihrer politischen Überzeugung wollen hier und den Wechselwählern der “Mitte” dort, die wie ein Blatt im Wind hin und herpendeln - und die gerade eine konsequente Umsetzung einer bestimmten Programmatik nicht wollen.

Die SPD hat diesen Spagat zwischen der “Neuen Mitte” und der “Alten Linken” nicht ausgehalten. Die Stammwähler wurden deshalb teilweise zur Linkspartei “ausgelagert”. Ein ähnlicher Prozess ist derzeit auch im bürgerlichen Lager erkennbar. Es sieht so aus, dass ein Teil der frustrierten bürgerlichen Stammwähler der Union gerade bei der FDP Zuflucht suchen. Eine andere realistische Option gibt es für sie derzeit nicht.

Das erklärt, warum die FDP derzeit in Umfragen zwischen 12 und 16 Prozent liegt.

30. Januar 2009

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Kommentare

JohnGalt, am 30. Januar 2009 um 17:18 ( Link )

Wenn zum Beispiel die Unionswähler zu Hause bleiben, kann es dazu kommen, dass sie am Ende Lafontaine und Co an der Regierung sehen müssen.

Ob Rüttgers oder Lafontaine, macht das überhaupt noch einen Unterschied?

Jürgen Hodler, am 30. Januar 2009 um 23:21 ( Link )

Die sog. "politische Mitte", welche entsprechend Altmeister Kuehnelt-Leddihn irgendwo zwischen Obersalzberg und Kreml zu verorten ist, ist bekanntlich ein Hort der schieren Erbärmlichkeit. Hier findet sich nichts Ganzes und nichts Halbes. Obwohl dies auch nicht so ganz richtig ist, denn zumindest dem sich in Artikel 1 manifestierenden totalitären Herrschaftsanspruch des BRD-GG sind diese demokratischen Pfannenflicker und Krattenmacher, gewisse „demokratische Konservative“ sind hier selbstredend inbegriffen, stets treu ergeben. Nun gut, lassen wir derartige Wortklaubereien.:)

Aber, werter Herr Bökenkamp, in welche Richtung zielt dann schlußendlich die angebliche Neuorientierung der Gelbsozen? Etwa zur Rechten? Das würde meine Lachmuskulatur aber arg beanspruchen und so wollen wir als Primärziel wohl eher die Pfründe- und Pöstchenschacherei vermuten. Für den Christen ist weder die „C“DU, bei der eine Namensänderung schon längst überfällig ist, noch die FDP wählbar. Wer am Tage der offenen Demostempel wider dem 1. Gebot einem gewissen Götzendienst huldigt und sich im Kreuzchenmachen übt, der erniedrigt sich nicht nur selbst, sondern er degradiert sich darüber hinausgehend auch zu einem Werkzeug des Bösen (der Bleistift, sprich der demokratische Hexenbesen, sollte augenblicklich wie von selbst des Wahlwütigen Gemächt maltretieren!). „Du sollst nicht einer Mehrheit folgen zum Schlechten; und du sollst bei einem Rechtsstreit nicht antworten, indem du dich der Menge nach neigest und das Recht biegest“ (2. Mose 23,2). Also? Gönnen wir jenen Zeitgenossen ihr Vergnügen, welche die Verlogenheit der demokratischen Institutionen schon längst durchschaut haben und so einem Marsch ins Grüne mit anschließendem Wirtshausausklang oder einem zünftigen Kegelnachmittag den Vorzug geben.

Nun, lassen wir abschließend auch hier nochmals Edgar Julius Jung zu Wort kommen:

„Denn Wählen ist heute Ausdruck mechanischer Zusammenfassung, ist Gewaltherrschaft der Verantwortungslosen. Vom Wählen lebt aber die Partei, die seelenlose Maschine, die das Leben unlebendig macht, Geist und Seele ertötet, die Minderwertigkeit an die Spitze trägt. Nichts verdient so sehr den baldigen Untergang als die Partei. Wer sie mit Feuer und Schwert austilgt, vollbringt ein frommes Werk.“

LePenseur, am 02. Februar 2009 um 15:31 ( Link )

@Jürgen Hodler:

Die sog. "politische Mitte", welche entsprechend Altmeister Kuehnelt-Leddihn irgendwo zwischen Obersalzberg und Kreml zu verorten ist ...

Womit bewiesen wäre, daß auch "Altmeister" bisweilen evidenten Blödsinn verzapfen.

der Bleistift, sprich der demokratische Hexenbesen, sollte augenblicklich wie von selbst des Wahlwütigen Gemächt maltretieren

... und sonst geht's Ihnen gut, oder?

Wer sie mit Feuer und Schwert austilgt, vollbringt ein frommes Werk

"Omnes enim qui acceperint gladium gladio peribunt" (Mt. 26,52)


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