Gérard Bökenkamp

Jahrgang 1980, Historiker und Publizist.

ef investigativ

Haben Sie Informationen oder Dokumente für uns? Hier können Sie unserem Investigativ-Team eine Nachricht schreiben.

investigativ@ef-magazin.de

ef-Einkaufspartner

Wenn Sie ef-online unterstützen möchten, starten Sie bitte Ihre Amazon-Einkäufe mit Klick auf diesen Button:

ef auf Facebook

Besuchen Sie uns auch auf Facebook:
facebook.com/efmagazin

ef Television

FDP im Wahljahr 2009: Unzufriedene Stammwähler der CDU

von Gérard Bökenkamp

Die Liberalen verabschieden sich von der Mitte und haben Erfolg damit

Alle vier Jahre steht man vor einer grundsätzlichen Entscheidung: Sollen wir wählen gehen? Oder uns statt dessen einen schönen Sonntag machen? Und wenn man wählen geht, wen soll man wählen? Die eigene Wahlstimme ist nur von Bedeutung, soweit man einer soziologischen Gruppe angehört und man davon ausgehen kann, dass die anderen Mitglieder dieser Gruppe sich ähnlich entscheiden werden, wie man selbst. Wenn man zum Beispiel nur aus Jux die Autofahrerpartei wählt, ist das für das Gesamtergebnis vollkommen bedeutungslos.

Wenn man CDU- oder SPD-Stammwähler ist, kann man sich dazu entschließen, nicht wählen zu gehen, in der Hoffnung, dass andere Stammwähler dies auch tun, um eine Botschaft an die jeweilige Parteiführung zu senden. Diese Botschaft lautet: “Schau mal her, liebe Parteiführung, wir Stammwähler sind unzufrieden. Wenn ihr nicht mehr Rücksicht auf uns nehmt, müsst ihr eben ohne unsere Stimmen auskommen.”

Der Nachteil für die rebellierenden Stammwähler ist allerdings, dass sie nach dem Wahltag möglicherweise, bedingt durch ihr Verhalten, erst recht eine Politik ertragen müssen, die sie überhaupt nicht wollten. Wenn zum Beispiel die Unionswähler zu Hause bleiben, kann es dazu kommen, dass sie am Ende Lafontaine und Co an der Regierung sehen müssen. Das ist genau das Argument, das selbst Unzufriedene noch an die Wahlurne bringt.

Aus der Sicht der Parteiführungen sieht es so aus: Je furchteinflößender die politische Gegenseite  auftritt, umso besser ist das für die Mobilisierung der eigenen Stammwähler. Deshalb sind die Parteien bemüht, bei der Gegenseite möglichst wenig Furcht einzuflößen. Deshalb gibt sich Merkel möglichst sozialdemokratisch. Und deshalb hat die SPD mit Steinmeier einen Kandidaten aufgestellt, dem starke Linkstendenzen weniger überzeugend unterstellt werden können als anderen potentiellen SPD-Kandidaten. Das beliebte Spiel der Parteistrategen im Wahlkampf heißt: Wer zuerst Profil zeigt, hat verloren.

Zum Teil wird schon die Richtlinie ausgegeben, keinen Wahlkampf in den Hochburgen der Gegenseite zu machen, um die Stammwähler der anderen nicht zu provozieren und damit doch noch zur Wahlurne zu treiben. Der Aufruf, zur Wahl zu gehen, ist im Hinblick auf diese Strategie nur eine Pflichtübung. In Wirklichkeit sind die politischen Strategen sehr erfreut über Nichtwähler, solange sie dem anderen Lager zuzurechnen sind.

Neben den Stammwählern gibt es natürlich noch die sogenannte Mitte. Es war immer falsch, mit dem Begriff “Mitte” ein bestimmtes politisches Profil zu verbinden. Die Mitte, das sind die Wähler des “Sowohl als Auch” und des “Einerseits andererseits”. Die Kanzlermacher sind die Wechselwähler, die zwischen den Lagern hin und her pendeln. Diese Gruppe ist sehr schreckhaft. Darum ist ein möglichst harmloses Image vorteilhaft, um sie zu gewinnen. “Sozial”, “liberal”, “konservativ” - je nach Situation kann diese Gruppe sich mit jeder dieser Hauptströmungen identifizieren. Aber sie will bitte nicht zu viel davon.

Es gibt also einen Konflikt zwischen den Stamm- und Richtungswählern, die eine möglichst konsequente Umsetzung ihrer politischen Überzeugung wollen hier und den Wechselwählern der “Mitte” dort, die wie ein Blatt im Wind hin und herpendeln - und die gerade eine konsequente Umsetzung einer bestimmten Programmatik nicht wollen.

Die SPD hat diesen Spagat zwischen der “Neuen Mitte” und der “Alten Linken” nicht ausgehalten. Die Stammwähler wurden deshalb teilweise zur Linkspartei “ausgelagert”. Ein ähnlicher Prozess ist derzeit auch im bürgerlichen Lager erkennbar. Es sieht so aus, dass ein Teil der frustrierten bürgerlichen Stammwähler der Union gerade bei der FDP Zuflucht suchen. Eine andere realistische Option gibt es für sie derzeit nicht.

Das erklärt, warum die FDP derzeit in Umfragen zwischen 12 und 16 Prozent liegt.

30. Januar 2009

Unterstützen Sie ef-online

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien.
Klicken Sie hier für Informationen zur Fördermitgliedschaft.

Testen Sie eigentümlich frei

Prominente Autoren und kantige Kolumnisten wie Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Frank Schäffler schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht.

Diesen Artikel teilen

Anzeigen