13. Februar 2009

Weltwirtschaftskrise Fallende Preise als Gegengift zur Deflation

George Reisman wendet sich gegen die Verteufelung von Preisrückgängen

Das Schreckgespenst der Deflation ist bei Politikern besonders in Zeiten beliebt, wenn es darum geht, massive Geldmengenerhöhungen zu rechtfertigen. Da Deflation, verstanden als zu Kaufstreiks führende Preisrückgänge, von den tonangebenden Meinungsmachern als etwas Schädliches und der Wirtschaft abträgliches hingestellt wird, kann man Milliardenkredite an Banken und andere mit dem Staat verbandelte Großkonzerne, New-Deal-artige Infrastruktur-Konjunkturprogramme, ja selbst Konsumentengutscheine und andere vulgärkeynesianische und eine hohe staatliche Zeitpräferenz bedienende Gießkannentricks als vernünftiges Gegenmittel zur Deflation im besonderen und zur Weltwirtschaftskrise im allgemeinen verkaufen.

Da tut etwas Aufklärung über das Wesen der Deflation sehr not, und diese liefert ein Mises-Schüler und alter Weggefährte von Ayn Rand, der US-amerikanische Wirtschaftsprofessor George Reisman in seinem Internet-Journal.

Reisman macht die auf den ersten Blick vielleicht überraschende Behauptung, dass entgegen der Meinung vieler Laien und Journalisten, aber auch gestandener Wirtschaftswissenschaftler fallende Preise an sich keine Deflation darstellen, sondern dass Preisrückgänge vielmehr der Deflation entgegenwirken.

Gemäß Reismans Definition ist Deflation nämlich ein Rückgang des Geldflusses innerhalb einer Wirtschaftsgemeinschaft. Dies erfolgt in der Regel durch einen Rückgang der für den Handel zu Verfügung stehenden Geldmenge, was zum Beispiel dann passiert, wenn die Konsumenten lieber sparen statt Geld auszugeben. Selbst wenn ein Staat die Menge der Monopolwährung drastisch erhöht, muss der Geldumlauf anfangs nicht unbedingt steigen. Deflation bringt es mit sich, dass die auf dem Markt Agierenden aufgrund des verminderten Geldumlaufs ihre Preise reduzieren, um der Kaufflaute entgegenzuwirken. Dies ist dann eine Reaktion auf die Deflation, nicht aber die Deflation selbst.

Fallende Preise können aber natürlich auch die Folge einer Produktionssteigerung und eines steigenden Warenangebots sein, also wesentlicher Merkmale wirtschaftlichen Fortschritts und eines steigenden Lebensstandards. In diesem Falle gehen fallende Preise mitnichten mit Umsatz- oder Gewinnrückgängen oder auch Schwierigkeiten bei Schuldenrückzahlungen und Pleiten einher, wie etwa in den letzten Jahrzehnten bei der PC- und Elektronikindustrie.

Reisman führt weiter aus, dass vor allem bei einem hundertprozentigen Goldstandard durch Produktionssteigerung ausgelöste fallende Preise die Gewinnmargen der Unternehmen sogar erhöhen würden. Produktionssteigerungen stehen dann in einem direkten Verhältnis zu fallenden Preisen.

Fallende Preise sind an sich eine gesunde Markreaktion auf eine Deflation und können daher sogar als Mittel gegen die Deflation angesehen werden. Reisman illustriert den Sachverhalt anhand eines einfaches Beispiels:

„Bill kaufte früher einmal pro Woche im örtlichen Supermarkt ein. Er hatte 10 Dollar für abgefülltes Wasser zur Verfügung. Bei dem früheren Preis von einem Dollar pro Flasche konnte er 10 Flaschen kaufen. Nun, mitten in der Rezession, hat Bill im Supermarkt nur noch 5 Dollar für Wasser zur Verfügung. Die Frage lautet nun: Zu welchem Preis pro Flasche würde Bill in der Lage sein, für fünf Dollar 10 Flaschen Wasser zu kaufen, für die er vormals 10 Dollar zahlen musste? Die Antwort ist 50 Cents. Die Frage und die Antwort darauf verdeutlichen, dass ein Preisrückgang es ermöglicht, dass man bei reduziertem Ausgabenbudget so viel kaufen kann, wie man vorher bei einem größeren Budget kaufen konnte.

Dieser Punkt kommt selbst dann zum Tragen, wenn niedrigere Preise nicht zu größeren Anschaffungen der betreffenden Waren führen. Nehmen wir einmal an, der Preis für einen Eimer Milch fällt von acht auf vier Dollar. Doch Bill und seine Familie brauchen nicht mehr als einen Eimer pro Woche und kaufen also zu dem niedrigeren Preis nicht mehr Milch. Dennoch hilft der Preisrückgang bei der wirtschaftlichen Erholung. Denn Bill hat nun vier Dollar mehr in der Tasche, um andere Dinge zu kaufen, die er möchte und sich vorher in Ermangelung an Geldmitteln nicht leisten konnte. Ein weiteres einfaches Beispiel sind Preisverfalle bei Benzin oder Heizöl, was es den Leuten ermöglicht, mehr Mittel für andere Produkte übrig zu haben.“

Im Gegensatz zu fallenden Preisen ist Deflation vielmehr ein Prozess finanzieller Kontraktion. In der gegenwärtigen Krise haben wir es mit einer Kontraktion von Krediten und kreditabhängiger Ausgaben zu tun. Preis- und auch Gehaltsrückgänge sind also geeignete Mittel, um eine solche Deflation zu überwinden. Doch indem heutzutage fallende Preise mit Deflation gleichgesetzt werden, herrscht große Unsicherheit, was geeignete Maßnahmen gegen die Krise angeht, denn man verwechselt die Lösung mit dem Problem.

Diese Verwirrung führt dazu, dass man staatliche Maßnahmen befürwortet, die einen Preisverfall verhindern. Und genau dies verstärkt die negativen Folgen der Deflation, denn gerade dann werden die Leute dazu angeleitet, Anschaffungen aufzuschieben, obwohl sie die Mittel dazu hätten.

Das beste Mittel gegen die Weltwirtschaftskrise wäre es also, wenn der Staat sich nicht in die Preisbildung einmischt, und das betrifft gerade auch die Preise für Arbeit, also Löhne und Gehälter.

Internet:

Artikel von George Reisman zur Deflation (09.01.2009)


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