Ronald Gläser

Jg. 1973, Amerikanist aus Berlin, Medienredakteur bei der "Jungen Freiheit".

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Liberale auf Abwegen: Feminismus im Angebot der Naumann-Stiftung

von Ronald Gläser

Nach Staatsfunk und Zensur jetzt auch noch Gleichstellungsgewalt

Die Friedrich-Naumann-Stiftung veranstaltet schöne Seminare. Es gibt oft interessante Referenten, eine gute Betreuung der Teilnehmer und spannende Themen. Ich habe da schon ansprechende Gespräche geführt, nette Kontakte geknüpft und Ideen gewonnen, die mir später sehr genutzt haben. Aber das ist nicht immer so.

Vor zwei Jahren war ich Teilnehmer eines Seminars über Medienpolitik in Gummersbach, bei dem eine FDP-Bundestagsabgeordnete auftrat, die vehement den öffentlich-rechtlichen Rundfunk verteidigte und die GEZ-Abzocke schönredete. „Wo bin ich hier?“, schoss mir damals durch den Kopf.

Vor einem Jahr besuchte ich einen Vortrag eines „Medienrechtlers“, der noch härtere Gesetze zur Gängelung der ach so freien Presse in unserem Land forderte. Als wären Meinungs- und Pressefreiheit nicht schon eingeschränkt genug. „Es ist für einen kontinentaleuropäischen Juristen kaum nachvollziehbar, wie frei die Regelung dort ist“, erklärte eben jener Christian Schertz seinen etwa dreißig Zuhörern mit Blick auf die vergleichsweise großzügige Auslegung des Rechtes auf Pressefreiheit im angloamerikanischen Raum. Vor dem Rednerpult prangte groß ein Schild der Naumann-Stiftung: „Für die Freiheit“. Der Widerspruch fiel kaum einem der Anwesenden auf.

Wie viel Freiheit steckt wirklich in der „FNST“? Diese Frage stellt sich vor dem Hintergrund des jüngsten Skandals bei der Stiftung in Brandenburg. Am 10.März findet nämlich in der Potsdamer Außenstelle (passenderweise in der Karl-Marx-Straße 2 gelegen) ein Seminar zum Thema „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ statt.

Alleine die Überschrift macht stutzig: Seit wann nimmt sich die FDP-nahe Stiftung sozialistischer Parolen an? Bei der Lektüre der Einladung stockte mir dann der Atem: „Obwohl mittlerweile 59 Prozent der Hochschulabsolventen Frauen sind, lag 2007 der Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen bundesweit noch immer bei 23 Prozent. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit weit abgeschlagen auf einem der hintersten Plätze. Wie können die Einkommensunterschiede behoben werden? Welche rechtlichen Möglichkeiten bieten die Antidiskriminierungsrichtlinie der EU und das deutsche Allgemeine Gleichstellungsgesetz?“

Mehr steht nicht in der Einladung. Nicht mal ein Hauch von Kritik an dem dahinterstehenden Weltbild. Setzt die Naumann-Stiftung jetzt offen auch auf Gender Mainstreaming? Auf Männerdiskriminierung? Auf das AGG? In der Einladung lesen wir, dass immer mehr Frauen bessere Abschlüsse machen, mithin also bessere Voraussetzungen im Berufsleben haben. Damit ist alles gesagt. Und trotzdem macht sich die FNST die Sprache und das Denken des Feminismus zueigen, jener letzten Nachgeburt der Frankfurter Schule also, die den Deutschen das Denken verkleistert und den modernen Mann zum Schluffi zu degradieren versucht.Solch ein Seminar hätte ich bei der Heinrich-Böll- oder der Friedrich-Ebert-Stiftung erwartet, auch bei Rosa Luxemburg. Aber bei der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit? Es ist nicht mal ein zweiter Teilnehmer geladen, der der Hauptrednerin Susanne Köhler – laut Einladung Fachanwältin für Arbeits- und Familienrecht – Paroli bieten und für eine ausgewogene Diskussion sorgen könnte. Das wäre nebenbei ein guter Job für Arne Hoffmann.

Ich frage mich: Gibt es demnächst in der Karl-Marx-Straße auch Seminare zu Themen wie „Woran erkenne ich, dass fairer Handel wirklich fair ist?“, „Arbeitslosigkeit senken durch Verbeamtung“ oder „Darum ist Hugo Chavez ein guter Sozialist“? Wie wäre es mit:„Profitmachen ist böse“?

Hoffen wir, dass dieses Seminar als Provokation gedacht ist und nicht die wahren Überzeugungen der „liberalen“ Parteistiftung preisgibt.

04. März 2009

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