09. März 2009

Umweltschutz Plädoyer für förderliche Rahmenbedingungen

Anreize statt Sanktionen

Handelnde Akteure im Marktmechanismus anerkennen in der Regel (aufgrund eines Eigeninteresses an einer realistischen Einschätzung der Lage) die Knappheit der Ressourcen und wirtschaften - durchaus auch aus Verantwortungsbewusstsein für ihr Kapital (ihre Firma, ihren wirtschaftlicher Fortschritt etc.) - ökonomisch. 'Wirtschaftlich/Ökonomisch' mit etwas umzugehen bedeutet nicht von ungefähr, sparsam, möglichst rational und nicht verschwenderisch mit etwas, in dem Fall den gegebenen und erwirtschafteten Ressourcen und dem Kapital umzugehen. Die Disziplinierung von Produktions- und Konsumverhalten in einer marktwirtschaftlichen Rahmenordnung wird also durch Anreiz- und Erfolgsstrukturen (bei sparsamen, wirtschaftlichem) Verhalten und Misserfolgs-Sanktionen (bei dauerhaft verschwenderischem Verhalten) unabhängig vom idealen Menschen und unabhängig davon, ob für dieses Verhalten immer hehre Absichten zugrunde liegen, durchgesetzt. Diese (naturgegebene) Regel für den Umgang mit gegebenen Gütern ist also kompatibel mit dem Menschenbild eines fehlbaren, primär aus Eigenantrieb (d.h. zunächst für sich selbst [und seine Familie/seine Nächsten] sorgenden) Menschen - im Gegensatz zum idealistischen/idealisierten Menschenbild der Utopien.

Eine Gesellschaft ohne wirtschaftliche Eigenverantwortlichkeit bzw. mit einer "Alles gehört allen " bzw. „“Verantwortlich ist immer der andere“-Mentalität führt bezogen auf den Umweltschutz (spätestens mittelfristig) zu einer Verantwortungs- und Sorglosigkeit bei vielen Menschen. Selbst die nobelsten Appelle an freiwilligen Umweltschutz und schonenden Umgang mit den wirtschaftlich wie ökologisch bedeutsamen Gütern der Welt wirken auf Dauer nicht ohne Rahmenbedingungen, die schon implizit Anreize zum verantwortlichen Handeln beinhalten. Das sind Rahmenbedingungen, die strukturell das Verantwortungsbewusstsein für Umwelt und Ressourcen belohnen und verantwortungsloses Handeln (bereits im System, d.h. nicht nur mit von außen auferlegten Strafen) sanktionieren.

Die andere Möglichkeit wäre eine appellierende, rein moralisierende, aber nicht durch Anreize in ein Gesamtkonzept eingebettete Umweltschutz-Praxis. Diese könnte trotz (oft, nicht immer) hehrer Ziele an der fehlenden langfristigen (wirtschaftlichen und gesellschaftlichen) Begründung scheitern. Viele würden die "Predigten" hören, aber weiter verschwenderisch handeln, weil auf Dauer kein Anreiz und damit kein (außer dem rein moralischen) Motiv vorhanden wäre, sich dauerhaft besser zu verhalten, als es sein muss.

Selbst idealistische, umweltbewusste Menschen würden dann vermutlich auf Dauer die Motivation verlieren, freiwillig etwas für eine ressourcensparende Gesellschaft zu tun. Zumindest würden die freiwilligen Umweltvorreiter ohne diese (ökonomisch und sozial getragenen) förderlichen Rahmenbedingungen vermutlich frustriert feststellen können, dass auf Dauer der Mensch nicht von guten Absichten und Appellen allein den natürlichen Hang zur Bequemlichkeit (der an sich oft nichts Schlechtes ist) aufgibt – auch bei einem wichtigen Thema wie dem schonenden Umgang mit Natur und Ressourcen.

Man könnte nun versuchen, gegen diese menschlichen Gegebenheiten mit autoritären (staatlichen) Maßnahmen vorzugehen, und statt Anreizen nur harte Sanktionen für Nichtbefolgen der vorgegebenen Ökoziele per Gesetz festzulegen. Das würde aber einen größeren und aus rechtsstaatlicher Sicht nicht wünschenswerten Überwachungsapparat erfordern, da man davon ausgehen müsste, dass viele sich weiterhin nicht freiwillig besser verhalten, als es im System sinnvoll erscheint und als es beispielsweise der Nachbar macht und es allgemein üblich ist.

Zusätzlich würde ein reines Bestrafungs-System, ohne ökonomische Grundlage, sich auch wirtschaftlich sehr negativ auswirken, da u.a. die Kosten für die - dann immer noch lückenhaft bleibende - Überwachung und Kontrolle von Bürgern und Wirtschaft extrem teuer werden würde.

Die Menschen würden zwar eventuell bei drohender tatsächlicher Bestrafung ihr Verhalten kurzfristig ändern, langfristig fände jedoch keine “Bewusstseins-“ oder “Gesinnungsänderung“ (die letztlich immer aus eigenem Antrieb kommen muss) statt.

Rein bürokratische Auflagen, die nur über Strafandrohung arbeiten würden, würden in vielen Fällen Unternehmen über ein wirtschaftlich leistbares Maß belasten und damit entweder zur Einstellung der Wirtschaftstätigkeit oder zu einer Weiterarbeit in illegaler Weise zwingen.

In vielen Bereichen funktionieren (vom Staat unabhängige) wirtschaftliche und soziale Anreizstrukturen zum umweltschonenden Wirtschaften bereits sehr ermutigend. So kann, durch das gestiegene Bewusstsein für Umweltschutz in der Bevölkerung (welches die potenziellen Kundschaft ist, an der sich die Anbieter orientieren müssen), ein Unternehmen inzwischen mit einem freiwilligem Einhalten von Umweltstandards werben und so, trotz eventueller Mehrkosten, gerade als umwelttechnischer Vorreiter wirtschaftlich gewinnbringend arbeiten. Dort wo wirtschaftliche Anreize und umweltschützerisches Engagement automatisch zusammenkommen, funktionieren Anreizstrukturen also oft, nicht immer, schon von alleine und ohne staatliche Eingriffe.

Aber auch in den Bereichen, in denen das ökologisch-ökonomische Bewusstsein (bei Unternehmen und/oder bei Kunden) noch nicht angekommen ist, oder es immer noch übermäßig teuer (im Vergleich zur Konkurrenz) wäre, freiwillig umweltfreundlicher zu produzieren, helfen anreizgesteuerte Rahmenbedingungen.

Diese Rahmenbedingungen könnte der Staat, oder auch (lobbyunabhängige, selbst auch Kontrolle unterliegende) nichtstaatliche Institutionen setzen, die Standards formulieren und über deren Einhaltung die Öffentlichkeit und damit die potenzielle Kundschaft informieren. Für bewusste und vermeidbare Umweltschädigungen, begangen von Unternehmen oder Bürgern, sollten diese Rahmenbedingungen auch Sanktionen und fallweise harte (finanzielle) Strafen vorsehen. Nur sollte die Hauptrichtung der Rahmenstruktur nicht auf Strafen setzen, sondern auf Belohnung und wirtschaftliche Sinnhaftigkeit von freiwilligem umweltbewussten Wirtschaften und Konsumieren ausgerichtet sein.

Umweltschutzauflagen können ökologisch und ökonomisch sinnvoll sein, aber nur dann, wenn sie in Rahmenbedingungen eingebettet sind, die individuelle und unternehmerische "responsibility", also primär Eigenverantwortlichkeit fördern.


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Autor

Johan Kalliklesson

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