Michael von Prollius

Jg. 1969, ist Publizist und Gründer der Internetplattform "Forum Ordnungspolitik"

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Ökonomie und Moral: Marktversagen gibt es nicht

von Michael von Prollius

Über das System der Effizienz des Dienstes am Nächsten

Nichts wird den auf Märkten handelnden Menschen häufiger vorgeworfen als zu versagen. Allerdings richtet sich der Vorwurf des Marktversagens nicht direkt gegen die Menschen, sondern gegen die abstrakte Chiffre Markt. In der Regel gründet er sich darauf, dass aus der Perspektive derjenigen, die einen solchen Vorwurf erheben, nicht die von ihnen persönlich gewünschten Ergebnisse erzielt wurden. Häufig dient er auch zur Ablenkung von politischem Versagen als des tatsächlichen Verursachers. Tatsächlich gibt es Marktversagen nicht. Das liegt daran, dass ein Markt nicht Recht oder Unrecht hat, sondern nur Ergebnisse erbringt, die sich in unterschiedlichem Ausmaß bewähren. Von einem Marktversagen könnte man allenfalls dann sprechen, wenn man einen Idealzustand unterstellt oder die Entwicklung von einem ebenfalls unterstellten Gleichgewicht abweicht. Lediglich Individuen können sich irren, Fehler begehen und Fehleinschätzungen treffen. Und zur Korrektur von Fehlentwicklungen oder unerwünschten Ergebnissen gibt es eine im Markt eingebaute Lernschleife: das Scheitern bei der Befriedigung von Kundenwünschen im Wettbewerb mit erfolgreicheren Konkurrenten. Hingegen verhindern politische Eingriffe in das Marktgeschehen, die lediglich dem Urteil weniger einflussreicher Menschen folgen, die Chance auf eine selbstständige Korrektur.

Märkte sind per se unvollkommen. Sie korrigieren sich jedoch permanent selbst, wenn man die Menschen lässt. Märkte befinden sich nie in einem Gleichgewicht. Menschen verändern permanent ihre Wünsche und die Wege, sie zu befriedigen. Ein Markt existiert, sobald Menschen frei sind, zu tauschen. Auf Märkten handelnde Menschen erbringen auf einzigartig Weise effiziente Ergebnisse. Die ökonomische Rationalität scheint ein soziales Phänomen und nicht ein individuelles Konstrukt zu sein. Mit anderen Worten haben wir es nicht mit einem homo oeconomicus, sondern vielmehr mit einer societas oeconomica, einer ökonomisch rationalen Gesellschaft zu tun. Für eine freie Marktwirtschaft gilt, dass die Summe der Tauschhandlungen rationaler ist als jede einzelne. Mit andern Worten: Märkte sind klüger als Experten.

Die Marktwirtschaft ist nicht nur durch Effizienzgründe legitimiert: Die Achtung des Mitmenschen ist ein Grundprinzip der Gesellschaft. Ohne die Wahrung dieses Grundprinzips ist ein friedliches Miteinander kaum möglich. Die Marktwirtschaft baut auf diesem Grundprinzip auf und nutzt das friedliche Miteinander für den Tausch zum Wohle aller (Win-Win-Situation). Dafür ist kein „neuer Mensch“ erforderlich. Vielmehr können Befürworter der Marktwirtschaft „vom unvollkommenen, fehlbaren, irrenden und dem Guten wie dem Bösen zuneigenden Menschen“ ausgehen, wie Roland Baader in seiner glänzenden Kritik überheblicher Intellektueller mit dem Titel „Totgedacht“ schreibt. Allein die Marktwirtschaft räumt den Menschen die Möglichkeit ein, ihren freien Willen auszuüben. Das ist vermutlich das beste, was eine Ordnung zu leisten vermag. Die Marktwirtschaft kann zwar eine moralische Gesellschaft nicht garantieren, ist aber ihre alternativlose Voraussetzung. Marktwirtschaft oder Kapitalismus bieten aber nicht nur die notwendige Freiheit zur Moral, schreibt Thomas Dorenburg, Büroleiter eines Bundestagsabgeordneten: „Der Markt entwickelt ebenso eine starke Tendenz, moralisches Verhalten zu belohnen. Er belohnt höfliche, kooperative, tolerante, offene, ehrliche, vertrauenswürdige und faire Geschäftsleute. Kunden irrezuführen, Geschäftspartner zu betrügen und Arbeiter schlecht zu behandeln, zahlt sich längerfristig nicht aus. Und ein starker Anreiz zu moralischem Verhalten im Kapitalismus kommt von seinem inneren Zwang zum Dienen, gleichgültig ob als Unternehmer oder Arbeitnehmer. Kurz: Erfolgreich im Markt kann nur sein, wer anderen dienlich ist.“

09. März 2009

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Kommentare

Anselmo, am 10. März 2009 um 10:34 ( Link )

Der Autor hat mit seinem Text nur den Beweis angetreten, wie irrelevant die tautologisch wirkenden Lobhudeleien bezogen auf den Begriff MARKT sind. Denn trotz dieses theoretisch unfehlbaren Marktes stecken wir in einer Krise, ausgelöst durch die Gier und die Abzockermentalität und zum Teil kriminelles Verhalten der Finanzwelt.

Er lenkt davon ab, dass nur der regulierte Markt die Menschen vor den vorgenannten Verwerfungen derjenigen, die im Markt ihr unethisches Unwesen treiben (Betrug, Machtausübung zu Lasten der Menschen, Kredit-Geldschöpfung ohne jeden realen Gegenwert (Produkte, Leistungen) schützen kann.

Es ist der freie, nicht regulierte Markt, der die Finanzeliten und einige Machteliten in die Lage versetzt hat, Millionen von Menschen aktuell in den Ruin zu treiben.

Und damit sind nicht die Märkte und Marktteilnehmer gemeint, die mit ihrer konkreten Leistungen (Produkte, Dienstleistungen) verantwortlich tätig sind.

Aber von den Zerstörern der Lebensgrundlagen der Menschen (Umwelt), den Gierigen und Abzockern, der kriminellen Machtausübung usw. müssen die Menschen geschützt werden.

Denn für den MARKT gilt auch ganz allgemein, dass er missbräuchlich gestaltet werden kann oder in ihm kriminelle und die Menschen schädigende Handlungen möglich sind.

Insofern gilt auch für den Markt ganz allgemein, dass ein Handlungsrahmen und eine ethische Fundierung notwendig ist, um die Menschen vor dem Missbrauch zu schützen. Und das ist dann vielmehr eine Freiheit im Sinne von Kant, nicht im Sinne der Abzocker und der Gierigen.

Horst E. Böttcher, am 10. März 2009 um 10:44 ( Link )

@ Anselmo

Das ist eine hundertprozent richtige Analyse des Marktgeschehens! Alles braucht seine Regeln, kein Fussballspiel würde ohne auskommen. Der Markt ist für die Menschen wichtiger als ein Spiel und muss daher so reguliert werden, dass die ohne Zweifel positiven Marktkräfte allen zugute kommen.

LePenseur, am 10. März 2009 um 10:50 ( Link )

@Anselmo:

Es ist der freie, nicht regulierte Markt, der die Finanzeliten und einige Machteliten in die Lage versetzt hat, Millionen von Menschen aktuell in den Ruin zu treiben.

Die heutigen Schwierigkeiten entstanden maßgeblichst durch die verfehlte Politik der Zentralbanken — und diese Politik ist von allen Kriterien eines "freien Marktes" etwa so weit entfernt wie Nordkorea! Wenn ich durch gesetzliche Privilegierung einen Monopolisten schaffe, der Menge und Preis (=Zins) seines Gutes "Geld" frei festsetzen darf, dann habe ich so ziemlich das exakte Gegenteil eines freien Marktes.

Und wenn man dann z.B. in den USA zur Förderung der armen Negerleins und Latinos Banken zur Kreditvergabe an Negeranten*) verpflichtet, braucht man sich nicht zu wundern, daß das ganze System eines Tages einem um die Ohren fliegt ...

Sicher: daneben gab es auch wichtige Ursachen wie betrügerische Ratingagenturen, den Gierfaktor, der durch scheinbar unbegrenzte Börsengewinne ausgelöst wurde, etc. etc. — aber all das liegt doch letztlich in Gefolge einer ungedeckten Geldmengenausweitung "aus Konjunkturgründen", wohingegen eine Limitierung der Geldmenge durch realistische Deckungserfordernisse eben schon zu einem früheren Zeitpunkt das Geld für Phantasie-Investments verknappt und verteuert hätte, und uns damit zwar nicht einen scheinbaren Boom, aber dafür auch jetzt nicht die bittere Zeche zusammenbrechender Kartenhäuser beschert hätte!

*) für Piefkes: "Einkommensschwache"

LePenseur, am 10. März 2009 um 11:41 ( Link )

@Horst E. Böttcher:

Der Markt ist für die Menschen wichtiger als ein Spiel und muss daher so reguliert werden, dass die ohne Zweifel positiven Marktkräfte allen zugute kommen.

Hier verwechseln sie m.E. die Rahmenbedingungen für einen unregulierten Markt mit der Regulierung des Marktes selbst (zumindest unterscheiden Sie dies nicht hinreichend klar)!

Rahmenbedingungen müssen natürlich reguliert werden, sonst gibt es keinen "Markt"! Ich muß dafür sorgen, daß Käufer z.B. nicht mit vorgehaltenen Pistolen Rabattverhandlungen führen etc. — aber das macht aus einem freien Markt noch keinen regulierten Markt!

Sobald ich jedoch anfange, in den Markt selbst einzugreifen (indem ich z.B. die Zulässigkeit von Rabatten gesetzlich regle, etc.), fangen die Schwierigkeiten erst richtig an! Und dafür sehe ich auch wegen Betrügereien und Fehlentscheidungen der letzten zeit keine Veranlassung. Denn die Apologeten planwirtschaftlicher Eingriffe haben offenkundig verdrängt, daß durch ihre Instrumentarien in der Vergangenheit die Menschen noch viel unerfreulichere Auswirkungen plagten — von Unterversorgung bis zu blühender Korruption ...

Anselmo, am 10. März 2009 um 12:38 ( Link )

--> LePenseur

Zunächst müssen wir erst einmal festhalten und deutlich machen, dass die FED in privater Hand ist!
Bezogen auf Deutschland wurde bekanntlich mit dem Euro die Kompetenz an die EZB abgegeben.

Das nur zur Klarstellung, damit hier nicht die Verantwortlichkeiten und die Machtkonstellation verwechselt werden.

Muss ich sogar daran erinnern, dass der Vertrag von Lissabon ausdrücklich die FINANZWELT nicht regulieren will?!

Offensichtlich sind Sie ein Anhänger der These, dass der "offene Banktresor" die Bankvorstände verpflichtet, das Geld zu stehlen!

Seit wann gibt es eine Verpflichtung, kriminelle Geschäfte zu erfinden und Kredite an Bürger zu streuen, die erkennbar niemals die Kredite zurückzahlen können???

Mit dem Begriff des "freien Marktes" wird viel Unsinn verknüpft. Einerseits wird der Trend zur Monopolisierung gefördert, andererseits ist es die Zentralbank SCHULD, wenn die institutionellen Akteure (Banken, Versicherungen, Hedge-Fonds, ...) toxische Derivate erfinden und verbreiten, teilweise mit krimineller Energie.

Ich will zu ihren Gunsten annehmen, dass das noch die Folgen des esoterischen neoliberalen Zeitgeistes sind, bei dem die Begriffe bewusst verklärt und beliebig dehnbar sind. Aber immer in dem Sinne, dass der "freie Markt" schuldlos ist und vielmehr die bösen Zentralbanken und/oder die Politik falsch gehandelt hat. So etwas wie Eigenverantwortung ist ein Fremdwort und klar "systemfremd", denn sonst ließe sich ja dieses esoterische Begriffs-Gebäude auch nicht verteidigen.

Mit diese Art der Diskussion soll in Wirklichkeit nur von den tatsächlichen Zusammenhängen, die ich weiter oben skizziert hatte, abgelenkt werden.

bernardo, am 10. März 2009 um 14:33 ( Link )

Ja, ja, die Geschichte vom "freien Markt" und von "Menschen" als seinen Akteuren. Zwangsläufige Bildung von Monopol-, Firmen- und sonstigen organisierten Interessen gibt es in dieser Story natürlich nicht. Und wenn der freie Markt einmal mehr in die Lage kommt, wo Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden, dann war er eben nur noch nicht frei genug...

Hoffentlich wird das Verbreiten dieser Märchengeschichten wenigstens gut bezahlt.

FritzLiberal, am 10. März 2009 um 14:42 ( Link )

@LePenseur: geben Sie es auf. Sie kennen doch das Prinzip, dass man Perlen nicht wegwerfen soll, insbesondere wenn Rüsseltiere in der Nähe sind.

LePenseur, am 10. März 2009 um 14:53 ( Link )

@Anselmo:

Zunächst müssen wir erst einmal festhalten und deutlich machen, dass die FED in privater Hand ist!

Aha. Ganz typisch für Privatbanken ist ja schon die Bestellung der Leitungsfunktionen, nicht wahr?
"Vorstand des Fed ist der Board of Governors of the Federal Reserve System (Bundesbankrat) in Washington D.C.. Er besteht aus sieben vom Präsidenten der Vereinigten Staaten benannten und mit Zustimmung des Senats für 14 Jahre gewählten Mitgliedern."
(zit. nach de.wikipedia.org/wiki/Federal_Reserve_System). Daß der Eigentümer der FED nicht die USA selbst sind, mag Auswirkungen hinsichtlich allfälliger Dividenden der FED haben — aber das ist hier nicht das Thema. Im Effekt gestaltet die FED federführend die Geldpolitik der USA und ihr Leitungsgremium wird vom US-Präsidenten bestellt, d.h. es handelt sich faktisch um eine (wenngleich mit gewissen Autonomien ausgestattete, keine Frage!) "Staatsbehörde".

Offensichtlich sind Sie ein Anhänger der These, dass der "offene Banktresor" die Bankvorstände verpflichtet, das Geld zu stehlen!

Woraus entnehmen Sie diese höchst originelle Meinung? Aus meinem Posting sicher nicht!

Seit wann gibt es eine Verpflichtung, kriminelle Geschäfte zu erfinden und Kredite an Bürger zu streuen, die erkennbar niemals die Kredite zurückzahlen können???

Ersteres habe ich nie behauptet, letzteres hingegen gab es sehr wohl! Lesen Sie dazu Artikel von Dirk Friedrich "Der non-recourse loan" (ef) und Murray Sabrin "Blame the Government" (LewRockwell). Die gesetzliche Grundlage zu diesem Zwang war die "Community Reinvestment Act".

Einerseits wird der Trend zur Monopolisierung gefördert ...

Also von mir sicherlich nicht!

... andererseits ist es die Zentralbank SCHULD, wenn die institutionellen Akteure (Banken, Versicherungen, Hedge-Fonds, ...) toxische Derivate erfinden und verbreiten, teilweise mit krimineller Energie.

Nein, auch das habe ich nicht behauptet. Ich habe vielmehr eindeutig gesagt, daß die Überschwemmung des Marktes mit zu viel und zu billigem Zentralbankgeld dazu führt, daß es in der Finanzwelt zu Fehlentwicklungen kommt. Daß auch — im Gefolge, wohlgemerkt! — andere, durchaus auch kriminelle Faktoren mitspielten, habe ich sogar ausdrücklich erwähnt!

Ich will zu Ihren Gunsten annehmen, daß Sie wirklich davon überzeugt sind, was Sie schreiben — ich jedenfalls halte es für typisch linke Regulierungsphantasien, die in Wirklichkeit nur von den tatsächlichen Zusammenhängen, die ich weiter oben skizziert hatte, ablenken sollen ...

LePenseur, am 10. März 2009 um 15:05 ( Link )

@FritzLiberal:
Da fällt mir ein nette Morgenstern-Gedicht ein:

Tertius Gaudens
(Ein Stück Entwicklungsgeschichte)

Vor vielen Jahren sozusagen
hat folgendes sich zugetragen:
Drei Säue taten und ein Huhn
in einem Hof zusammenruhn.
Das Huhn, wie manchmal Hühner sind
(im Sprichwort mindestens), war blind.

Die Säue waren schlechtweg Säue
von völliger Naturgetreue.
Dies Dreieck nahm ein Mann aufs Ziel,
vielleicht war's auch ein Weib, gleichviel.
Und trat heran und gab den Schweinen -
Ihr werdet: Runkelrüben meinen.

O nein, er warf - (er oder sie) -
warf - Perlen vor das schnöde Vieh.
Die Säue schlössen träg die Lider ...
Das Huhn indessen, still und bieder,
erhob sich ohne Hast noch Zorn
und fraß die Perlen auf wie Korn.

Der Mensch entwich und sann auf Rache;
doch Gott im Himmel wog die Sache
der drei Parteien und entschied,
dass dieses Huhn im nächsten Glied
die Perlen außen tragen solle.
Auf welche Art die Erdenscholle -
das Perlschwein -? Nein! Das war verspielt!
das Perlhuhn zum Geschenk erhielt.

Na, hoffen wir, daß es sich bei unserem Poster um ein Huhn handelt — blind genug für die Realität wäre es ja ...

Horst E. Böttcher, am 10. März 2009 um 16:40 ( Link )

@ LePenseur

Ich meine nicht nur Rahmenbedingungen, sondern strikte Regulierung wo sie nötig ist. Da ist einmal der Finanzmarkt, der zwar gewissen, aber nicht effektiven Regulierungen unterliegt. Die Produkte wurden kaum geprüft, ob sie "fit for human consumption" sind, wie es Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz in Anlehnung an das Gütesiegel der US Food and Drug Administration (FDA) formulierte. Es gibt ansonsten im Handel z.B. bei Kaffee und Getreide sehr strikte Kontraktregeln, welche Qualitäten zu welchen Bedingungen gehandelt werden können. Sie werden einwenden, diese Bedingungen haben sich die Händler selbst gegeben. Korrekt, aber die Banker haben es versäumt, daher muss der Staat dies für sie tun!

Ein weiteres Feld für Regulierung ist dort gegeben, wo die Marktteilnehmer ein ungleiches Gewicht haben. Arbeitnehmer können nur gewerkschaftlich organisiert mit den Arbeitgebern auf Augenhöhe sprechen. Ver-braucher benötigen ebenfalls staatliche Schutz-regulierungen.

Man soll nicht bei jedem kleinen Eingriff gleich von Planwirtschaft und Sozialismus reden. Das ist einfach albern. Der Markt kann uns allen Wohlstand bringen, aber dazu muss er, wo nötig, reguliert werden.

LePenseur, am 10. März 2009 um 17:42 ( Link )

@Horst E. Böttcher:

Ich meine nicht nur Rahmenbedingungen, sondern strikte Regulierung wo sie nötig ist.

Aha, von hochgiftigen Substanzen ist offenbar die Rede ... aber nein, sie beziehen das auf den Finanzmarkt:
Da ist einmal der Finanzmarkt, der zwar gewissen, aber nicht effektiven Regulierungen unterliegt. Die Produkte wurden kaum geprüft, ob sie "fit for human consumption" sind

Nicht? Ich kann mich nicht erinnern, daß irgendwer zum Ankauf irgendwelcher schwindelhafter Fonds gezwungen wurde. Wenn man bei der Bank beschwatzt wurde, sie zu kaufen, wurde zwar taktisch geschickt auf den Gierfaktor abgestellt (à la "... an der Wall Street hätten Sie in der Zwischenzeit schon mindestens 15% pro Jahr Gewinn gemacht"), aber trotzdem gab's da immer einen Prospekt, in welchem auf die "Risken einer spekulativen Veranlagung bis hin zum Totalverlust" explizit hingewiesen wurde. Wie wär's mit Eigenverantwortung, statt nachträglich zu lamentieren?

Das ist kein Freibrief für Betrüger à la Madoff, aber selbst dessen Kunden müssen sich wohl an der eigenen Nase packen und die ehrliche Frage stellen: warum glaubten sie eigentlich, daß sie konstant zweistellige Gewinnsätze per anno einfahren können, wenn die Wirtschaft deutlich langsamer wächst? Daß jeder überdurchschnittliche Gewinn entweder Zufall oder höheres Risiko bedeutet, sollte einem doch der gesande Hausverstand sagen ...

Ein weiteres Feld für Regulierung ist dort gegeben, wo die Marktteilnehmer ein ungleiches Gewicht haben. Arbeitnehmer können nur gewerkschaftlich organisiert mit den Arbeitgebern auf Augenhöhe sprechen.

Das ist, mit Verlaub, Unsinn! Gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmer haben untereinander ein ungleich geringeres Konkurrenzverhältnis als Unternehmer, bilden daher im Gegenteil selbst wiederum ein Ungleichgewicht zugunsten der Arbeitnehmerseite. Das wird schon seit Jahrzehnten von den Gewerkschaften zu erpresserischen Lohnforderungen ausgenutzt, die letztlich nur zur Verlagerung aller Tätigkeiten, die sich halt irgendwie verlagern lassen, in Niedriglohnländer führt. Dann noch auf Gewerkschaftsdruck eingeführte restriktive Kündigungsbestimmungen (à la Deutschland), und der seinen eigenen Untergang verwaltende Sozialstaat ist in voller Blüte ...

Ver-braucher benötigen ebenfalls staatliche Schutz-regulierungen.

Wesentlich seltener, als uns dies irgendwelche durchgeknallte Bürokraten einreden wollen.

Man soll nicht bei jedem kleinen Eingriff gleich von Planwirtschaft und Sozialismus reden. Das ist einfach albern.

Wenn es denn noch kleine Eingriffe wären! Nur sind wir von dem längst schon meilenweit entfernt in Richtung auf Vollregulierung jedes Darmwindes ...

Der Markt kann uns allen Wohlstand bringen, aber dazu muss er, wo nötig, reguliert werden.

Ganz richtig! "Wo nötig" = so gut wie nirgends!

nl, am 10. März 2009 um 18:17 ( Link )

Ich finde es zu einfach den Begriff "Marktversagen" zu negieren. Asymetrische Information, Natürliche Monopole oder Rent Seeking sind Begriffe, die ich als "Marktversagen" einordne, egal ob der Markt dynamisch ist oder nicht. Der Markt ist nicht perfekt - das hat der Autor richtig erkannt. Es spricht nichts dagegen, dass Ökonomen versuchen solche "Unvollkommenheiten" zu beschreiben.

nl, am 10. März 2009 um 18:23 ( Link )

>> Der Markt kann uns allen Wohlstand bringen, aber dazu muss er, wo nötig, reguliert werden.

> Ganz richtig! "Wo nötig" = so gut wie nirgends!

Nein eben nicht richtig! Es gibt 1001 Möglichkeiten einen Zustand zu verbessern. Wer behauptet, er müsse sich auf genau eine (gewaltsame) Methode der Entscheidungsfindung beschränken, der ist schon von Beginn an auf dem Holzweg.

Anselmo, am 10. März 2009 um 18:27 ( Link )

--> LePenseur

Schon witzig, wie Sie bezogen auf die FED ablenken wollen.

Aber ein kleines Beispiel bezogen auf die FED aus dem Internet:

So funktioniert die Fed

1. Federal Open Market Committee genehmigt den Kauf von US-Staatsanleihen.
2. Die Anleihen werden von der Federal Reserve gekauft.
3. Die Federal Reserve zahlt für diese Anleihen mit elektronischen Gutschriften an die Bank des Verkäufers, die Kredite basieren auf nichts.
4. Die Banken nutzen diese Einlagen als Reserven. Sie können mehr als das Zehnfache ihrer Reserven an neue Kreditnehmer leihen, alles gegen Zinsen.

Anleihen sind einfach Zahlungs-Versprechungen oder staatliche Schuldverschreibungen. Die Leute kaufen Anleihen, um eine sichere Verzinsung zu erhalten. Bei Fälligkeit der Anleihe erstattet die Regierung den Betrag der Staatsanleihe zuzüglich Zinsen zurück, und die Anleihe wird gelöscht.

bernardo, am 10. März 2009 um 19:03 ( Link )

@LePenseur "Ich kann mich nicht erinnern, daß irgendwer zum Ankauf irgendwelcher schwindelhafter Fonds gezwungen wurde."

Sie sollten schon noch daran erinnern können, wie Sie gerade als Staatsbürger und Steuerzahler heiße Luft für ungezählte hundert Milliarden Euro kaufen mußten, ob sie wollten oder nicht. Ende nicht in Sicht.

Und daran, daß die Zwangsverkäufer dieses Schrotts gerade gerichtlich hunderte Millionen Euro Provision einklagen oder schon kassiert haben.

Ein neues Kapitel des Märchens vom freien Markt...

Minarchist, am 10. März 2009 um 23:56 ( Link )

Darf ich angesichts dieser Diskussion, bei der sich einige Teilnehmer leider doch ziemlich verirren, kurz daran erinnern, was die "Zutaten" für einen freien Markt sind bzw. was dafür genügt - oder aber, umgekehrt gesprochen, was ihn abwürgt und wann man nicht mehr von einem freien Markt sprechen kann, wenn in diese Faktoren eingegriffen wird.

1.
Vollständige Vertragsfreiheit (Recht aller, zu entscheiden, ob, mit wem und welchen Inhalts sie Verträge abschließen)

2.
Mögliche Vertragsdurchsetzung über neutrale Instanzen (=Gerichte/Vollstreckungseinrichtungen, mittels derer man z.B. die Zahlungspflicht seines Vertragspartners durchsetzen kann).

3.
Verhinderung von Preisabsprachen, Kartellen und Monopolen.

4.
Keinerlei staatliche/gewerkschaftliche Eingriffe in Preise und Löhne.

5.
Vollständige Gewerbefreiheit.

LePenseur, am 11. März 2009 um 0:13 ( Link )

@nl:
Rahmenbedingungen schaffen für den Markt: okay. Regulierung des Marktes hingegen ist nur mit Sicherheit nicht zielführend. Das lehrt die Wirtschaftsgeschichte recht eindeutig (außer für eingefleischte Etatisten — aber die glauben auch an gemeinnützige Politiker und den Weihnachtsmann).

@Anselmo:
Danke für Ihre freundliche Erläuterung, wie die Geldpolitik der FED funktioniert (oder besser: nicht wirklich funktioniert). Aber diese Erläuterung untermauert nur, daß die FED faktisch als Staatsagentur arbeitet, und nicht wie ein "normaler" Marktteilnehmer.

@bernardo:

Sie sollten schon noch daran erinnern können, wie Sie gerade als Staatsbürger und Steuerzahler heiße Luft für ungezählte hundert Milliarden Euro kaufen mußten, ob sie wollten oder nicht. Ende nicht in Sicht.

So what? Wollen Sie mir etwa einreden, daß es eine Funktion des "freien Markt" ist, wenn Politiker staatsnahe Banken freikaufen? "Märchen vom freien Markt": ganz richtig — ein Märchen ...

Was freier Markt ist und was nicht können Sie der kurzen Aufstellung von Koll. Minarchist entnehmen.

Horst E. Böttcher, am 11. März 2009 um 10:18 ( Link )

@ LePenseur

"Ich kann mich nicht erinnern, daß irgendwer zum Ankauf irgendwelcher schwindelhafter Fonds gezwungen wurde."

Um die Verkäufe an Private geht es doch garnicht. Die Banken haben untereinander mit diesen toxischen Papieren gehandelt und sind deshalb vor dem Zusammen-bruch. Wenn also die "Profis" die Risiken nicht erkannt haben, kann sich der Markt nicht selbst regulieren, ergo muss der Staat sehr klare Regeln erlassen.

"Das ist, mit Verlaub, Unsinn! Gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmer haben untereinander ein ungleich geringeres Konkurrenzverhältnis als Unternehmer, bilden daher im Gegenteil selbst wiederum ein Ungleichgewicht zugunsten der Arbeitnehmerseite."

Das ist die alte Anti-Gewerkschaftshetze, die, wie ich dachte, eigentlich überwunden sein sollte. Erst durch das Auftreten von Gewerkschaften konnte sowas wie Massenwohlstand entstehen. In den gewerkschaftlich wenig organisierten Sektoren (Einzelhandel, Gastronomie, etc) werden heute die niedrigsten Löhne gezahlt.

"Der Markt kann uns allen Wohlstand bringen, aber dazu muss er, wo nötig, reguliert werden.

Ganz richtig! "Wo nötig" = so gut wie nirgends!"

Das sehe ich eben anders!

nl, am 11. März 2009 um 11:03 ( Link )

> Wenn also die "Profis" die Risiken nicht erkannt haben, kann sich der Markt nicht selbst regulieren, ergo muss der Staat sehr klare Regeln erlassen.

Der Staat hat doch klare Regeln erlassen. Nur die falschen klaren Regeln, weil der Staat in seiner mächtigen Überheblichkeit nicht allwissend ist wie es sein müsste, so wie er es macht. Und wenn der Staat selbst sein Falschgeld und seine Rabattmarken und Freifahrtscheine in Umlauf bringt, dann darf man sich nicht wundern, wenn der Markt überfordert ist.

Minarchist, am 11. März 2009 um 11:31 ( Link )

"Erst durch das Auftreten von Gewerkschaften konnte sowas wie Massenwohlstand entstehen."

Meinen Sie das ernst, Herr Böttcher? War es nicht vielmehr so, daß Marktwirtschaft bzw. Kapitalismus diesen Wohlstand hervorrief? Gewerkschaften mögen zwar viel tun, eines jedoch mit Sicherheit nicht: Massenwohlstand schaffen. Eher im Gegenteil, aber lassen wir das. Die schädlichen Wirkungen von Gewerkschaften wurden bereits zur Genüge dargestellt.

Horst E. Böttcher, am 11. März 2009 um 12:18 ( Link )

@ Minarchist

Doch, dass meine ich ernst! Die mit dem Kapitalismus einhergehende Industrialisierung hat zur Steigerung des Nationalen Einkommens geführt. Der Manchester-Kapitalismus, der die alten handwerklich geprägten Ordnungen wegwischte, brachte grosse soziale Probleme, die in der Ungleichheit der Marktteilnehmer (Industrielle gegen Arbeitnehmer) lagen. Erst durch die Arbeit der Gewerkschaften kam es zu einer breiteren Verteilung dieses Wohlstands. Seit über hundert Jahren leben wir mit aktiven Gewerkschaften, unser Wohlstand hat sich in dieser Zeit vergrössert, aber immer noch wird von "schädlichen Wirkungen der
Gewerkschaften" gesprochen. Das ist einfach absurd.

LePenseur, am 11. März 2009 um 13:02 ( Link )

@Horst E. Böttcher:

Seit über hundert Jahren leben wir mit aktiven Gewerkschaften, unser Wohlstand hat sich in dieser Zeit vergrössert

Unser Wohlstand hat sich nicht wegen, sondern trotz der Gewerkschaften vergrößert! Und was den von Ihnen gescholtenen Manchester-Liberalismus betrifft: so wenig erstrebenswert das Leben als Fabrikarbeiter im 19. Jh. in England auch war — es war (wenigstens in der Einschätzung der Leute) offenbar immer noch besser, als das Leben als erwerbsloser Landarbeiter! Denn das was die Quelle, aus der sich die Industriearbeiterschaft speiste: all die erwerbslosen, dem Verhungern preisgegebenen Landarbeiter! Nach Manchester wurde keiner mit der Roßpeitsche hingeprügelt — die sind alle schon durchaus aus eigenem Willen in die Fabriken gegangen!

Und selbst wenn das Argument, die Gewerkschaften wären damals zur Schaffung eines Masenwohlstandes nötig gewesen, richtig sein sollte, dann sagt das noch nichts darüber, ob man sie heute auch noch dazu braucht! Denn wenn ich mir z.B. die Überregulierung des deutschen Arbeitsmarktes so ansehe (die ja nicht auf dem Mist der Unternehmer, sondern wohl der Gewerkschafter und ihrer Hilfstruppen in den "sozialliberalen" Regierungen gewachsen ist, und unter Kohl leider nicht rückgebaut wurde!), dann will mir Ihr Postulat der Unersetzlichkeit der Gewerkschaften für das Volkswohl nur aus einer Perspektive plausibel erscheinen: wenn Sie nämlich selbst Gewerkschaftsfunktionär sind! Das würde natürlich vieles erklären ...

Matylisk, am 11. März 2009 um 13:21 ( Link )

@Horst E. Böttcher:

http://tinyurl.com/ce7l9j

Minarchist, am 11. März 2009 um 15:26 ( Link )

@Horst E. Böttcher.

Sie schrieben:

> hat zur Steigerung des Nationalen Einkommens
> geführt.

Hier liegt m.E. bereits der erste Denkfehler. Was ist "nationales Einkommen"? Es gibt Einkommen einzelner Individuen, wieso aggregieren Sie das zu einer kollektivistischen Größe? Genauso wie immer behauptet wird, das "Volksvermögen" sei groß genug, es sei nur "falsch verteilt". Was soll dieses Gerede vom "Volksvermögen". Die Euros gerade in Ihrer Geldbörse, Herr Böttcher, sind kein "Volksvermögen" oder mit Ihren Worten "nationales Einkommen" sondern Böttcher-Eigentum!

Weiter schreiben Sie:

> brachte grosse soziale Probleme, die in der
> Ungleichheit der Marktteilnehmer (Industrielle
> gegen Arbeitnehmer) lagen.

Auch hier wieder: Sie übernehmen m.E. unkritisch linke Argumentationsmuster, die falscher nicht sein könnten. Dieses Postulat immer von wegen "soziale Ungleichheiten = Probleme". Ist da nicht vielmehr der Wunsch Vater dieses Gedankens? Wieso soll es für mich ein Problem sein, wenn ein Michael Ballack Multimillionär ist und ein XL-faches meines Einkommens verdient? Wieso ist das ein "soziales Problem"?

> Erst durch die Arbeit der Gewerkschaften kam es
> zu einer breiteren Verteilung dieses
> Wohlstands.

Abgesehen davon, daß "Verteilung" per se unmoralisch ist, weil auf Zwang und Enteignung beruhend, zahlen dieselben Arbeiter, deren Gewerkschaften eine Lohnerhöhung für sie durchsetzten, diese wieder durch erhöhte Preise, weil durch in die Marktwirtschaft eingebaute Sozialismen wie Gewerkschaftseinfluß auf Löhne die Wirtschaft ineffizienter wird - zum Nachteil aller, gerade auch der "kleinen Leute".

> Seit über hundert Jahren leben wir mit aktiven
> Gewerkschaften, unser Wohlstand hat sich in
> dieser Zeit vergrössert, aber immer noch wird
> von "schädlichen Wirkungen der
> Gewerkschaften" gesprochen. Das ist einfach
> absurd.

Nicht nur schädlich, sondern auch unmoralisch. Auf welch unmoralischen Grundlagen Gewerkschaftler ihre Existenz fristen, sieht man schon daran, daß ohne Unternehmen keine Gewerkschaften existieren können, wohl aber umgekehrt. Gewerkschaften heften sich an der originären, schöpferischen Leistung von Unternehmern an (Stichwort "Parasitentum", wir hatten die Diskussion hier neulich schon) und zapfen diese für ihre Partikularinteressen zum Nachteil aller an.

Horst E. Böttcher, am 11. März 2009 um 17:14 ( Link )

@ LePenseur

"Unser Wohlstand hat sich nicht wegen, sondern trotz der Gewerkschaften vergrößert!"

Das glaube ich eben nicht! Sehen Sie sich die Einkommen in Branchen mit starken Gewerkschaften und wenig Gewerkschaftseinfluss an, und vergleichen Sie!

Zu Ihrer Info: ich bin kein Gewerkschaftsfunktionär, habe auch nie einer Gewerkschaft angehört, kann aber aus rein ökonomischen Gründen die Kritik nicht nachvollziehen! Gewerkschaften unterstützen den kollektiven Verkauf von Arbeitskraft. Es gibt auch Verkaufsorganisationen auf Unternehmerseite, das sind völlig natürliche Entwicklungen!

@Minarchist

Wir haben hier eine völlig unterschiedliche Denkweise! Man kann sehr wohl von einem Nationaleinkommen sprechen, welches sich eben durch Industrialisierung vergrössert hat. Das allein bringt aber noch keinen Massenwohlstand, der wohl das Ziel jeder Wirtschaft sein sollte. Verteilung des Wohlstandes ist über-haupt nichts unmoralisches, sondern etwas völlig selbst-verständliches. Und da ist eben die Frage wie gross der Anteil des Faktors Kapital und des Faktors Arbeit sein sollte. Das ist dank der Gewerkschaften einiger-massen ausbalanciert, zumindest war es das bis in die 80'er Jahre und dem Neoliberalismus. Die jetzige Krise dürfte das wieder zurechtrücken.

LePenseur, am 11. März 2009 um 17:59 ( Link )

@Horst E. Böttcher:

Sehen Sie sich die Einkommen in Branchen mit starken Gewerkschaften und wenig Gewerkschaftseinfluss an, und vergleichen Sie!

Dann sollten sie sich aber auch die Lage der Unternehmungen in diesen Branchen, in denen die Gewerkschaften traditionell stark waren, ansehen. Und dann werden Sie feststellen, daß es sich dabei mittlerweile durchwegs um "kaputt-vergewerkschaftete" Branchen handelt, wogegen jene Branchen, in denen die Gewerkschaften nicht so sehr den Ton angeben konnten, in der Regel weniger desaströs beisammen sind!

Aber, da gebe ich Ihnen natürlich recht: wenn man nur die Kollektivvertragsgehälter vergleicht, dann hat der durchorganisierte Metallarbeiter die Nase vor den nicht durchorganisierten Handelsangestellten.

Daß es möglicher- (oder bessergesagt: wahrscheinlicher-)weise zwar auch in Zukunft noch Handelsangestellte geben wird, aber Metallarbeiter höchstens bis zur nächsten Verlagerung einer Produktionsstätte in den Südosten unseres Planeten, das wird dabei eben ausgeblendet ...

Verteilung des Wohlstandes ist über-haupt nichts unmoralisches, sondern etwas völlig selbst-verständliches.

Exakt so stelbstverständlich wie die Erpressung von Schutzgeldern durch die Mafia.

Sie werden es vielleicht nicht für möglich halten, aber als es mir in den ersten Jahren meiner selbständigen Tätigkeit noch alles andere als prächtig ging, da läutete auch nicht das Sozialamt an meiner Bürotüre und bot mir Hilfe an! Da mußte ich schon selbst mit der Situation klarkommen, der Bank ein ererbtes Häuschen am Land als Besicherung für den Investitions- und Betriebmittelkredit anbieten, in die Hände spucken und einige Jahre Urlaub (wenn es ihn gab!) in Balkonien planen.

Daß es mir mittlerweile besser geht, verdanke ich nicht irgendeiner "Gesellschaft", sondern meinen Klienten, für die ich arbeite und die mich bei Gelegenheit weiterempfehlen — und die zahlen mir auch nicht mein Honorar, weil sie "Wohlstand verteilen" wollen, sondern weil ich für Sie sinnvolle Arbeit leiste!

Sie verwechseln die moralische (und meinetwegen auch rechtliche!) Pflicht, dem unverschuldet (!) in Not geratenen Mitmenschen hilfreich zur Seite zu stehen, mit einem angeblich "selbstverständlichen" Recht einer "Verteilung des Wohlstandes"! Ersteres ist (oder sollte es doch sein!) in der Tat die "selbstverständliche" Pflicht eines Menschen — letzteres hingegen die unverschämte Abzocke derer, die sich nicht selbst anstrengen wollen, oder die einfach nicht so begabt / geschickt / vom Glück verwöhnt sind wie andere. Das mag den Betreffenden stören, berechtigt ihn jedoch nicht, dem anderen einfach unter dem Titel der "Wohlstandsverteilung" etwas wegzunehmen!

Derartige Einstellungen sind entweder undurchdacht, oder neidgesteuert — und beides ist mir nicht eben sympatisch!

Horst E. Böttcher, am 11. März 2009 um 21:21 ( Link )

@ LePenseur

"Verteilung des Wohlstandes ist über-haupt nichts unmoralisches, sondern etwas völlig selbst-verständliches."

Vielleicht denken wir an unterschiedliche Dinge.
Ich spreche nicht von sozialer Umverteilung, sondern davon, wie der von Kapital und Arbeit gemeinsam erzielte Gewinn auf die beiden Faktoren zu verteilen ist. In den letzten zwanzig Jahren war der Anteil der Arbeit auf ein historisches Tief gesunken; eine Situation, die irgendwann "mit Blut oder Tinte" revidiert werden würde. (Nicht meine Worte, sondern die von dem konservativen Journalisten Claus Jacobi) Die Krise wird jetzt als Nebeneffekt eine Korrektur dieser ungesunden Verteilung bringen.

Was Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Südostasien oder Osteuropa anbetrifft, so lese ich darüber seit dreissig Jahren. Warum nicht? Höherwertige Produktion bleibt in Deutschland, bringt eine höhere Wert-schöpfung und damit höhere Einkommen sowohl für Arbeit wie Kapital!

barthel_berand, am 11. März 2009 um 21:36 ( Link )

@ LePenseur

Perfekt!

Und Glückwunsch zur Zitierung im aktuellen ef-Heft.

@ Horst E. Böttcher

Ein Roland Baader ist mit dem Thema Gewerkschaften recht schnell fertig. Prägnante Aussage (in meinen Worten): Es ist völlig egal, ob es Gewerkschaften gibt. Ob ein Arbeitsplatz entsteht oder bestehen bleibt richtet sich schlicht danach, ob die Grenzproduktivität des Arbeitsplatzes dauerhaft über seinen Kosten liegt. Mehr ist dazu wirklich nicht zu sagen.

Meine Mitarbeiter müssen wirklich nicht viel von meinem Job verstehen; aber zwei Dinge habe ich ihnen beigebracht:
1. Was verkaufen wir (als Dienstleister)?
2. Wer zahlt euer Gehalt?

Zu 1.: Zeit. Wir haben nichts anderes zu verkaufen. Also trödelt nicht rum und arbeitet zügig. Sonst muss ich noch jemanden einstellen und euer Gehaltsspielraum sinkt deutlich.

Zu 2.: Interessant war die spontane Antwort der Mitarbeiter: Na Sie, Chef! Das ist natürlich falsch. Ich bin doch nicht blöd. Mittlerweile wissen sie, dass ihr Gehalt vom Kunden kommt. Und seitdem sind sie sogar sehr freundlich zu unseren Kunden - bei aller Nerverei.

Was ich damit sagen will: Wenn Mitarbeiter einmal verstanden haben, wie die Welt funktioniert, was sie verkaufen und wer ihr Gehalt bezahlt, haben sie zu dem ganzen Thema einen ganz anderen Zugang. Da braucht es keine Gewerkschaft. Wir haben im Branchenvergleich die niedrigsten Personalkosten, sind also recht effizient. Und das freut natürlich auch den Chef. Meine Mitarbeiter verdienen trotzdem mehr als der Branchenschnitt. Interessant, oder?

BB

LePenseur, am 11. März 2009 um 22:07 ( Link )

@Horst E. Böttcher:

Vielleicht denken wir an unterschiedliche Dinge.
Ich spreche nicht von sozialer Umverteilung, sondern davon, wie der von Kapital und Arbeit gemeinsam erzielte Gewinn auf die beiden Faktoren zu verteilen ist.

Wir denken wohl an dieselben Dinge, nur denken wir darüber unterschiedlich, würde ich sagen!

Was soll die Formel "wie der von Kapital und Arbeit gemeinsam erzielte Gewinn auf die beiden Faktoren zu verteilen ist" bedeuten?

Gehen wir eine Ebene weiter: meine Klienten machen z.B. (hoffentlich) höhere Gewinne aufgrund meiner Beratungsleistung. Wenn ich jetzt zu ihm sage: "Ach wissen Sie, weil ich Sie so gut beraten habe, will ich jetzt einen Anteil an Ihrem höheren Gewinn", so wird er mich vermutlich zum Psychiater schicken!

Nein: sein Gewinn ist sein Gewinn und mein Gewinn ist mein Gewinn! Ich trage ja auch nicht sein Unternehmerrisiko und er nicht meines! Wenn Sie also eine "Verteilung von Gewinnen" ansprechen, dann gehört auch eine Verteilung von Risken dazu — aber letzteres wollen Angestellte in aller Regel nicht! Aber Gewinne einheimsen ohne die damit verbundenen Risken zu tragen — da muß man als Unternehmer ja gehirnamputiert sein, um dem was abzugewinnen!

Die klassische Sozen-Rede: "Die Wirtschaft bäckt den Kuchen, und der Staat / die Gewerkschaft / die Gesellschaft verteilt ihn gerecht" kann man doch nur als — durchaus für die davon profitierenden Funktionäre (aber eben nur für diese!) zweckmäßige — Form legalisierten Straßenraubes bezeichnen!

Da Sie nach eigener Aussage nicht diesem Klüngel angehören, verstehe ich nicht ganz, wie Sie zu derartig masochistischen Ansichten kommen.

Horst E. Böttcher, am 12. März 2009 um 11:20 ( Link )

@ barthel_berand

So wie Sie Ihren Betrieb führen ist vorbildlich! Aber leider läuft die Wirtschaft insgesam nicht nach diesem Schema!

Was den Marktfetischisten und Kleriker Roland Baader anbetrifft, so kann ich seine Thesen nicht nachvoll-ziehen.

@ LePenseur

Ja wir denken sehr unterschiedlich! Meine Vostellung ist, dass die Wirtschaft kein Selbstzweck für Kapitalisten sein darf, sondern dass sie auf die Schaffung von Massenwohlstand ausgerichtet sein muss!
Erhards Soziale Marktwirtschaft ist hier der richtige Weg. Ich bin auch überzeugt, dass sich Massenwohlstand nur in einer Marktwirtschaft mit sozialen Komponenten, nicht im Sozialismus nachhaltig entwickeln kann. Diese Marktwirtschaft braucht jedoch Regulative und, je nach Lage der Dinge, staatliche Vorschriften. Zu Zeiten Ludwig Erhards bestand noch keine Gefahr, dass ein ganzer Sektor wie die Banken in Gier und Riskiken versinken würde. Heute ist es gerade dieser Sektor der genau kontrolliert und auf seine originären Aufgaben (Geldversorgung) zurückgefahren werden muss. Der Markt ist gut, er muss aber gut überwacht werden.

Minarchist, am 12. März 2009 um 11:40 ( Link )

@ Horst E. Böttcher:

Wieso benutzen Sie wieder absurde Begrifflichkeiten aus der Klassenkampferzeugungsindustrie wie "Marktfetischismus"? Markt ist der Ort, wo freiwillig Angebot und Nachfrage aufeinandertreffen. Wie kann man nur auf die Idee kommen, das Postulat nach einer weigestmöglichen Verwirklichung dieses Prinzip als (Markt)"Fetischismus" zu bezeichnen?

> Meine Vostellung ist, dass die Wirtschaft kein
> Selbstzweck für Kapitalisten sein darf, sondern
> dass sie auf die Schaffung von Massenwohlstand
> ausgerichtet sein muss!

Die Funktion der Wirtschaft ist die möglichst effiziente Befriedigung von Bedürfnissen nach Gütern und Dienstleistungen zum Wohle aller. DAS ist die eigentliche Sozialfunktion der Wirtschaft.

> Erhards Soziale Marktwirtschaft ist hier der
> richtige Weg.

Bitte hören Sie auf, sich auf Ludwig Erhard zu beziehen, denn Sie haben diesen nicht verstanden bzw. interpretieren ihn falsch. Ludwig Erhard war zeitlebens ein Kritiker von sozialdemokratischen Konzepten wie Sie sie hier vertreten; er würde sich im Grabe herumdrehen, wüßte er, daß Sie oder auch Figuren wie Andrea Nahles und Konsorten sich allen Ernstes noch auf ihn beziehen. Das "sozial" in "soziale Marktwirtschaft" meint nach Erhard gerade NICHT "Umverteilung"!

> Der Markt ist gut, er muss aber gut überwacht
> werden.

Könnten Sie vielleicht illustrieren, was Sie hiermit konkret meinen, welche "Überwachung" soll es geben? Sind Sie nicht der Meinung, daß der Markt bereits ausreichend definiert und sichergestellt ist durch Etablierung meiner in meinem obigen Posting genannten fünf eine Marktwirtschaft konstituierende Säulen?

LePenseur, am 12. März 2009 um 13:08 ( Link )

@Horst E. Böttcher:

Meine Vostellung ist, dass die Wirtschaft kein Selbstzweck für Kapitalisten sein darf

Da kann ich Sie beruhigen: das war sie nie und wird sie auch nie sein! Schließlich nehmen meine Klienten ja auch nicht meine Leistungen in Anspruch (und zahlen mir dafür), weil sie darin einen "Selbstzweck für Kapitalisten" erblicken, sondern weil sie
1.) Leistungen der von mir gebotenen Art benötigen
2.) meine Leistungen ihren qulitativen etc. Erwartungen entsprechen, und
3.) ich sie offenbar zu einem akzeptablen Preis-/Leistungsverhältnis anbiete.

Und daß es so ist, das ergibt sich wohl unzweifelhaft aus der Tatsache, daß sie mir freiwillig Aufträge erteilen — ich kann sie nicht zwingen, mich zu beauftragen, sie können mich nicht zwingen, ihre Aufträge anzunehmen. Also wird's wohl für beide Seiten passen, wenn ...

Probleme gibt es mit dem "Markt" (den man dann aber in Anführungszeichen setzen muß!) nur, wenn diese Freiwilligkeit nicht gegeben ist. Und die ist entweder durch die von Ihnen herbeigesehnte "gute Überwachung" (= Eingriffe öffentlicher Stellen in die Preisbildung etc.) nicht gegeben, oder durch Monopolbildungen und Kungeleien, die eben durch entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen sicherzustellen sind — oder besser: wären, denn interessanterweise versagen die Gesetzgeber genau bei diesem Punkt mit (un)schöner Regelmäßigkeit.

Irgendwie könnte fast der Eindruck entstehen, daß die mit der Gesetzwerdung befaßten Politiker, Bürokraten und Verbandslobbyisten einen funktionierenden Markt garnicht so richtig wollen ...

Wird aber wohl nur eine Verschwörungstheorie sein, oder?

bernardo, am 12. März 2009 um 14:43 ( Link )

@LePenseur "Wollen Sie mir etwa einreden, daß es eine Funktion des "freien Markt" ist, wenn Politiker staatsnahe Banken freikaufen?"

Nein, ich weise darauf hin, daß es einen freien Markt weder gab, noch gibt, noch geben kann. Die ganze Debatte darüber ist eine Scheindebatte, mit der gewisse Herrschaftsverhältnisse zementiert werden sollen, die nur wenigen nützen.

Keiner der von Minarchist genannten Punkte ist je erfüllbar gewesen.

Vertragsdurchsetzung durch "neutrale Instanzen" - wer soll denn das sein?

"Verhinderung von Preisabsprachen" - durch wen denn bitte?

"Keine staatlichen Eingriffe" - was eine Illusion

Hier wird die Machtfrage und die Problematik wechselseitiger Kontrolle jeweils völlig mißverstanden.

@barthel_berand

"Ob ein Arbeitsplatz entsteht oder bestehen bleibt richtet sich schlicht danach, ob die Grenzproduktivität des Arbeitsplatzes dauerhaft über seinen Kosten liegt."

Nein, es richtet sich auch danach, ob es noch Personen und Organisationen gibt, die es verhindern, daß ein 8-jähriger bei ehrlicher Arbeit langsam verreckt, während die "Grenzproduktivität des Arbeitsplatzes dauerhaft über seinen Kosten liegt."

Das gilt auch für den einen oder anderen 28-jährigen....

Horst E. Böttcher, am 12. März 2009 um 14:44 ( Link )

@ Minarchist

Was "Marktfetischist" anbetrifft, seien Sie bitte nicht so empfindlich. Roland Baader hat in vielen
Artikeln die Eindruck erweckt dass der Markt für ihn wichtiger ist als der Mensch. In Abwandlung eines Spruches auf einem Kriegerdenkmal ist in meinen Augen seine Denkweise: "Der Markt muss leben und wenn wir sterben müssen.!

Ihre fünf Punkte charakterisieren einen Markt, wie ihn Unternehmer gern hätten, er vernachlässigt soziale Komponenten. Es würde zu weit führen, hier im einzlenen drauf einzugehen.

Überwachung kann viele Formen haben; z.B. das Markt-geschehen so zu kontrollieren, dass Blasenbildung verhindert wird.

@ LePenseur
Das Hauptproblem des Marktes ist die Ideologie! Bis in die 70'er Jahre stark sozialistisch, danach radikal-neoliberal! Was wir brauchen ist Pragmatismus um Wohlstand für Alle zu realisieren.

"Irgendwie könnte fast der Eindruck entstehen, daß die mit der Gesetzwerdung befaßten Politiker, Bürokraten und Verbandslobbyisten einen funktionierenden Markt garnicht so richtig wollen ...

Wird aber wohl nur eine Verschwörungstheorie sein, oder?"

Hier bin ich geneigt Ihnen in gewisser Weise Recht zu geben. Vielen Bürokraten ist das Marktgeschehen fremd und ihrem Denken zuwiderlaufend. Trotzdem sehe ich unter Abwägung aller Risiken eine staatliche Kontrolle als notwendig an.

Minarchist, am 12. März 2009 um 16:30 ( Link )

@ bernardo:

Sie schreiben:

"Nein, ich weise darauf hin, daß es einen freien Markt weder gab, noch gibt, noch geben kann."

Natürlich kann es ihn geben. Und es gab ihn auch schon, zumindest näherungsweise. Angesichts der penetranten und ständig zunehmenden Marktregulierung bleibt er jedoch vorerst ein Ideal.

> Die ganze Debatte darüber ist eine
> Scheindebatte, mit der gewisse
> Herrschaftsverhältnisse zementiert werden
> sollen, die nur wenigen nützen.

Unsinn. Ein freier Markt nutzt JEDEM. Ein freier Markt kennt übrigens gerade nicht "Herrschaftsverhältnisse". Auch hier wieder: Sie benutzen Begriffe linker Herkunft ("Herrschaftsverhältnisse") und wenden diese auf das Konzept des freien Marktes an, der ja u.a. auch deshalb von libertärer Seite gewünscht wird, weil er "Herrschaftsverhältnisse" nicht mehr habenh will. Lediglich die gegenwärtigen Marktverzerrungen führen zu solchen.

> Keiner der von Minarchist genannten Punkte ist
> je erfüllbar gewesen.

Wie kommen Sie auf diese Aussage? Klar, mit Etatisten, Staatsgläubigen, Staatsprofiteuren und Sozialdemokraten in allen Parteien nicht - aber wenn man will, sind diese Punkte erfüllbar.

> Vertragsdurchsetzung durch "neutrale
> Instanzen" - wer soll denn das sein?

Hatte ich doch erwähnt. Gerichte und Vollstreckungswesen. Ganz einfach: ich schließe mittels Vertragsfreiheit einen Vertrag mit Ihnen, weigere mich dann, ihn zu erfüllen (Vertragsbruch), und sie gehen gerichtlich gegen mich vor.

> "Verhinderung von Preisabsprachen" - durch wen
> denn bitte?

Schon mal was vom Kartellamt gehört? Gibt es schon heute übrigens ...

> "Keine staatlichen Eingriffe" - was eine
> Illusion

Klar, mit Leuten wie Ihnen wird das nicht möglich sein. Auch hier aber: wen man will, geht es.

> Hier wird die Machtfrage und die Problematik
> wechselseitiger Kontrolle jeweils völlig
> mißverstanden.

Ohne Staat, ohne Politik und ihre Vollstreckungsorganie keine Macht.

Minarchist, am 12. März 2009 um 16:42 ( Link )

@ Horst E. Böttcher:

> Roland Baader hat in vielen
> Artikeln die Eindruck erweckt dass der Markt
> für ihn wichtiger ist als der Mensch.

Der Mensch ist Markt, hören Sie doch auf, ständig diesen künstlichen Gegensatz zu betonen, der nicht existiert. Der Markt ist per se und automatisch nur für Menschen und menschliche Bedürfnisse da, es ist keine unheimliche Macht, die "gegen Menschen" vorgeht oder sich "wichtiger als der Mensch" sieht, sondern ist lediglich der imaginäre Ort, an dem Angebot und Nachfrage aufeinandertreffen.

> Ihre fünf Punkte charakterisieren einen Markt,
> wie ihn Unternehmer gern hätten, er
> vernachlässigt soziale Komponenten.

"Soziale Kompononenten" - also künstliche Verteuerung und Ineffizienzen einbauen in den Marktprozess - zum Schaden aller, zur rücksichtslosen Erfüllung von Partikularinteressen, getarnt als "soziale Komponente"?

> Überwachung kann viele Formen haben; z.B. das
> Markt-geschehen so zu kontrollieren, dass
> Blasenbildung verhindert wird.

Also noch mehr Keynesianismus zur "Kontrolle des Marktgeschehens", was zur nächsten Blase führt? Erkennen Sie doch bitte, daß diese Blasenbildung gerade NICHTS mit freier Marktwirtschaft zu tun hat, sondern ihre Ursache in Markteingriffen hat. Hier bei EF wurde viel darüber geschrieben.

> Das Hauptproblem des Marktes ist die Ideologie!

Nochmal: Markt ist keine Ideologie, Markteinfluß ist Ideologie. Was bitteschön kann "Ideologie" sein an einem (imaginären) Ort, wo Angebot und Nachfrage freiwillig miteinander kooperierender Individueen zur Verbesserung ihrer Situation aufeinandertreffen?

> Bis in die 70'er Jahre stark sozialistisch,
> danach radikal-neoliberal!

Sozialismus und Markt haben miteinander gar nichts zu tun, das ist ein Gegensatz und Widerspruch in sich selbst, und Neoliberalismus ist nicht "radikal", sondern setzt nur richtige Rahmenbedingungen für ein Funktionieren des Marktes!

> Was wir brauchen ist Pragmatismus um Wohlstand
> für Alle zu realisieren.

Schon klar. Eine herrliche Phrase aus dem Wörterbuch des Sozialdemokraten, die immer Beifall findet. "Wohlstand für alle", natürlich, am besten mit 20-Stunden-Woche ("soziale Komponente") und 40 Tage bezahltem Urlaub im Jahr ("soziale Komponente").

bernardo, am 12. März 2009 um 17:20 ( Link )

@minarchist
"Ein freier Markt kennt übrigens gerade nicht "Herrschaftsverhältnisse"."

Darin gleicht er der Theorie von anarchistischen und kommunistischen Idealutopien. Wie wir wissen, hat dies in der Praxis immer nur zur Entwicklung von neuen Herrschaftsverhältnissen geführt (wegen mir auch: Machtverhältnissen, wenn Ihnen das andere zu Links klingt). Das kann auch gar nicht anders sein, weil diese Utopien von einem unrealistisch optimistischen Menschenbild ausgehen und zudem eine ganze Reihe von Sachzwängen ignorieren. Menschen und Betriebe häufen eben Finanzmittel und Einfluß an; sie organisieren sich; sie versuchen ihr vorhandenenes Potential zur Manipulation der Verhältnisse auszunutzen; sie dringen in den Staat ein und schaffen dort "Recht", das für alle gelten soll und doch für sie selbst zugeschnitten ist, sie glauben an nichtökonomische Werte (Menschenrechte, Kindesliebe, Nation, Religion usw.)

Deswegen ist es buchstäblich völlig utopisch, zu glauben, diese Verhältnisse seien außer Kraft zu setzen. Eine "neutrale Instanz" kann es nicht geben, es sei denn, es gäbe so etwas den immer guten, allsehenden, vollmoralisch objektiv handelnden und durchsetzungsfähigen Menschen, bzw. eine große Anzahl dieser Menschen. Auch der von Ihnen genannte Richter ist nicht wirklich neutral.

Kartellamt? Als ob das immer so objektiv entscheiden würde. Und wie viele Ministerentscheide über dessen Kopf hinweg hat es in den letzten Jahrzehnten gegeben, von Ministern, die hinterher selbst von dieser Entscheidung profitiert haben? Etliche.

"Ohne Staat, ohne Politik und ihre Vollstreckungsorganie keine Macht."

Jedes Vollstreckungsorgan hat Macht, ob Sie das nun Staat nennen, "neutrale Instanz", Gericht, Kartellamt oder irgendwie anders.

Wie gesagt, dieser Utopismus führt nicht weiter.

LePenseur, am 12. März 2009 um 18:12 ( Link )

@bernardo:

Eine "neutrale Instanz" kann es nicht geben, es sei denn, es gäbe so etwas den immer guten, allsehenden, vollmoralisch objektiv handelnden und durchsetzungsfähigen Menschen, bzw. eine große Anzahl dieser Menschen.

Aha. Alle Menschen sind Arschlöcher (Sie übrigens auch?) ... sehen'S, sowas denke ich mir auch gelegentlich! Aber was wollen Sie damit sagen?

Richter sind korrupt und voreingenommen, daher haben wir doch lieber staatliche Eingriffe in die Marktwirtschaft, die vermutlich von den Engeln Gottes ausgeführt werden, dann wird alles wieder gut ... oder?

Was Sie kritisieren, ist schlichtweg die Tatsache, daß nichts, was Menschen tun vollkommen ist. Was für eine Neuigkeit — wer hätte das gedacht!

Aber darum geht es hier nicht. "Markt" heißt einfach: die Ermöglichung von freiwilligen Wirtschaftsbeziehungen zwischen privatautonomen Teilnehmern. Da wird auch zu Übervorteilungen kommen, da werden sich auch Betrüger darunter befinden — keine Frage. Aber solche Personen haben auf einem freien Markt eben nur begrenzte Chancen, ihre Machenschaften durchzusetzen. Der Obsthändler, der mit einige Male überteuerte oder minderwertige Äpfel andreht, wird mich als Kunden verlieren. Der Anwalt, der laufend Prozesse verschustert, ebenso.

Es ist daher nur durchaus zweckmäßig, daß es Rahmenbedingungen gibt, die solches schädigendes Verhalten sanktionieren. Und das gibt es bereits in Form des Schadenersatzrechtes — und das schon seit der Antike!

Nicht so zweckmäßig ist hingegen, wenn man dafür "Apfelqualitäts- und -preiskontrollbehörden" einzusetzen beginnt, die vorgängig darüber zu befinden haben, wer nun überhaupt als Apfelhändler zugelassen wird (sonst könnt' doch jeder kommen!), Verordnungen über zum Verkauf zuzulassende Apfelsorten erläßt (unter sorgfältiger Beachtung aller Kriterien vom sozialmedizinisch gewünschten Vitamingehalt bis zur Existenzsicherung der Obstbauern und Agrarindustrie), und Mindest- und Höchstpreise für Äpfel festsetzt — denn dann kommt wie das Amen im Gebet die Apfelzuteilungsquote. Womit wir in etwa bei einer totalitären Kriegs- und Mangelwirtschaft gelandet wären.

Und jetzt legen Sie dieses Beispiel einmal auf den Arbeitsmarkt um. Mindestlöhne, Kündigungsschutz, soziale Hängematte für Erkrankungen (warum soll ich eigentlich meiner Sekretärin das Gehalt weiterzahlen, wenn sie durch eine Erkrankung, die sie sich nicht durch ihre völlig ungefährliche Büroarbeit, sondern z.B. durch eine Verkühlung anläßlich eines Abndspazierganges zugezogen hat, für mich keine Leistung erbringt? Meine Klienten zahlen mir auch nichts, wenn ich ihnen keine Beratungsleistungen liefere!), etc. etc.

Hier gehört einfach die Mentalität, daß der Unternehmer eben der Trottel ist, der das volle Risiko trägt und für alles zahlen darf, abgestellt! Das ist nicht "soziale Marktwirtschaft", sondern asoziale Abzocke auf Kosten der Leistungsträger, die jede Menge an Schmarotzertum mitfinanzieren müssen, und sich dann noch nachsagen lassen sollen, sie seien nicht "sozial" genug!

Wenn dieses ganze Brimborium von angeblichen "sozialen Pflichten" abgeschlankt wird, wäre die Wirtschaft wieder fähig das zu tun, wofür es sie eingetlich gibt: Güter und Dienstleistungen zu produzieren, deren Preis nicht durch astronomischen Nebenkosten künstlich aufgebläht wird (denn die Sekretärin mit ihrem Abendspaziergangs-Krankenstand muß ja irgendwo in der Kalkulation des Unternehmers untergebracht werden!). Und mein Interesse, mit meinem Apfel den Krankenstand der Obstgeschäfts-Mitarbeiterin zu finanzieren, hält sich in Grenzen ...

Der Konsument der Güter und Dienstleistungen kann über seine Nachfrage den Preis durchaus recht effizient steuern, sodaß die Gewinne der Unternehmer nicht in den Himmel wachsen (falls das Ihre Befürchtung sein sollte). Astronomische Preise gibt es nämlich überlicherweise nur in durch Preis- und Zugangsregulierungen geschützten (Pseudo-)"Märkten" (z.B. Apotheken & Co.) — sonst erhöht sich einfach die Zahl der Anbieter.

Haben Sie schon einmal nachgedacht, warum die Kränze bei großen Stadtfriedhöfen, wo vor dem Tor ein Dutzend Friedhofsgärtnereien angesiedelt sind, deutlich billiger und zumeist auch ansehnicher (!) sind, als beim Dorffriedhof, wo die einzige Gärtnerei weit und breit ihren konkurrenzlosen Standportvorteil dazu nützt, abwelkende Blumen einer teuer zu bezahlenden "Resteverwertung" zuzuführen?

Natürlich: auch Kartellämter arbeiten nicht immer hundertprozentig! so, wie eben auch jeder reale Markt nicht hundertprozentig arbeitet. Aber es ist wohl immer noch besser, wenn gelegentlich ein Kartell unentdeckt bleibt, als daß alles planwirtschaftlich durchorganisiert wird. Es gibt aus der Geschichte der Menschheit mittlerweile soviele Beispiele, daß Planwirtschaften und Marktregulierungen nicht funktionieren, daß ich mich nur wundern kann, wie jemand die Lektion aus dem wirtschaftlichen Untergang der Ostblockstaaten so wenig gelernt haben kann, daß noch immer diese alten Hüte hervorgezaubert werden!

bernardo, am 12. März 2009 um 19:16 ( Link )

@LePenseur

"Aber was wollen Sie damit sagen?"

Jedenfalls nicht, daß alle Menschen Arschlöcher sind,, sondern daß die Konkurrenzsituation und die begrenzte moralische Kraft und anderes mehr den Menschen zu einem Mängelwesen machen, das in utopischen Gesellschaftsformen wie Kommunismus, Anarchismus oder dem libertären Idealmarkt nicht zu organisieren ist.

"Aber darum geht es hier nicht."

Doch. Genau darum geht es.

"Es ist daher nur durchaus zweckmäßig, daß es Rahmenbedingungen gibt, die solches schädigendes Verhalten sanktionieren. ... Nicht so zweckmäßig ist hingegen, wenn man dafür "Apfelqualitäts- und -preiskontrollbehörden" einzusetzen beginnt, die vorgängig darüber zu befinden haben, wer nun überhaupt als Apfelhändler zugelassen wird."

Wer entscheidet, was zweckmäßig ist? Sehen Sie nicht, daß Ihre Argumente genau in meine Richtung gehen? Ich halte es durchaus für Zweckmäßig, daß Leute mit Tuberkulose keine Äpfel verkaufen und verurteilte Mörder keine Richter werden. Jeder wird die Grenze aber woanders ziehen und das heißt, es MUSS eine Entscheidung herbeigeführt werden. Das kann nur der "Staat", ob Sie ihn als Genossenschaft, Marktaufsicht oder Demokratie titulieren, ist dabei prinzipiell egal. Zugleich wird diese Entscheidung immer von organisierten Gruppen beeinflußt werden, auch an den formalen Regeln vorbei.

"(warum soll ich eigentlich meiner Sekretärin das Gehalt weiterzahlen, wenn sie durch eine Erkrankung, die sie sich nicht durch ihre völlig ungefährliche Büroarbeit, sondern z.B. durch eine Verkühlung anläßlich eines Abndspazierganges zugezogen hat, für mich keine Leistung erbringt?"

Noch eine Entscheidungsfrage. Sinnlos erzeugte Verkühlung oder vielleicht der Versuch, sich für den nächsten Arbeitstag zu entspannen und fit zu machen? Wer entscheidet das? Wer stellt überhaupt fest, wo die Erkrankung entstanden ist? Wie auch immer: Wenn die Arbeitgeber den Lohn nicht oder nicht mehr fortzahlen wollen, werden sich die Sekretärinnen gewerkschaftlich organisieren und sich durchzusetzen versuchen. Da haben wir die nächste Machtstruktur, die den freien Individualmarkt einschränkt.

Ich besuche nicht genug Friedhöfe, um Ihr Argument prüfen zu können. ;-)

"Es gibt aus der Geschichte der Menschheit mittlerweile soviele Beispiele, daß Planwirtschaften und Marktregulierungen nicht funktionieren,"

Es gibt keine Wirtschaft ohne Plan und Markteingriffe, oder Marktregulierungen, wie gesagt. Das hat es nie gegeben, und wird es nicht geben. Der freie Markt der Individuen ist so real wie der Urkommunismus von Karl Marx.

Übrigens bin ich selbst zufällig Mitglied im BdS und nehme dessen schräge Hetze gegen den Sozialstaat immer mit Verwunderung zur Kenntnis. M.E. wird der deutsche Mittelstand zum Verbündeten eines Kampfs gegen den Sozialstaat manipuliert, dessen Gewinn nicht er einstreicht.

FritzLiberal, am 12. März 2009 um 20:56 ( Link )

@Horst E. Böttcher: wenn Sie schon so von Ludwig Erhard überzeugt sind, dann sind sie wohl auch (so wie er) für die Abschaffung der Sozialversicherungen. Das zu fordern hat sich im heutigen Toitschland noch nicht einmal ein pöhser Neoliberaler getraut ...

Horst E. Böttcher, am 12. März 2009 um 21:22 ( Link )

@ Minarchist

Der Mensch ist keinesfalls der Markt. Das Markt-geschehen tangiert aber alle Menschen und da ich dafür eintrete, dass ALLE vom Markt profitieren sollen, sehe ich dieses nur realisiert, wenn der Markt beobachtet und sozial reguliert wird.

Als Betriebswirt denke ich zielorientiert. Wie kann über den Markt Massenwohlstand erreicht werden. Mir ist es dabei völlig egal, ob meine Gedanken dem Sozialismus oder dem Liberalismus zugeordnet werden.
Erhard hat mit der "Sozialen Marktwirtschaft" (die ein Roland Baader übrigens ablehnt) eine Richtung vorge-geben, die konsequent weiterverfolgt werden sollte, und zwar zielorientiert!

@Fritz Liberal

Ich bin von niemanden voll überzeugt! Ludwig Erhard hat dem Markt eine Soziale Komponente gegeben, aber das heisst nicht, dass er unfehlbar war. Die Sozial-versicherung halte ich in einem arbeitsteiligen Industrieland für unverzichtbar. Marx, Keynes, Friedmann und viele andere haben wertvolle Beiträge zum wirtschaftlichen Verständnis gebracht aber keiner hat den Stein der Weisen für sich gepachtet!

nl, am 12. März 2009 um 21:50 ( Link )

>Die Sozial-versicherung halte ich in einem arbeitsteiligen Industrieland für unverzichtbar.

Sie können Ihre Ziele auch erreichen ohne andere Menschen zu unterjochen.

Waldmeister, am 12. März 2009 um 22:15 ( Link )

Ich wüßte nicht, welche Erkenntnisse Marx, Keynes und Friedman für die Ökonomie gewonnen hätten.

Minarchist, am 12. März 2009 um 23:03 ( Link )

Ich habe leider nicht die Zeit, auf alle Irrtümer, die manche hier äußern hier einzugehen. Immer wieder grandios auch, zu erfahren, wie sehr die Leute Ludwig Erhard NICHT begriffen haben und das Gegenteil von dem forderte, was er wollte. Der arme Mann, er würde sich wie gesagt im Grabe umdrehen ...

Da Sie, Herr Böttcher, übrigens so besorgt darüber sind, daß der Markt "Massenwohlstand" erzeugt und "sozial" ist, dann überlegen Sie sich demnächst als Marktteilnehmer doch stets, wie dies berücksichtigt werden sollte. Wenn Sie demnächst also Pizza essen gehen, sorgen Sie auch bitte dafür, daß dies mithilft, für "Massenwohlstand" zu sorgen und, natürlich, daß es auch bitte "sozial" ist. Und wenn Sie Ihre Produkte und/oder Dienstleistungen am Markt anbieten, dann aber bitte nur, wenn Sie damit mithelfen, "Massenwohlstand" zu erzeugen. Denn dazu tun Sie das ja (das Anbieten Ihrer Produkte bzw. Dienstleistungen). Und vergessen Sie nicht, dabei auch "soziale Komponenten" einzubauen! Denn Sie selbst wollen ja, daß der Markt "beobachet" wird. Big Brother is watching Mr. Böttcher!

FritzLiberal, am 12. März 2009 um 23:31 ( Link )

@Horst E. Böttcher: ich würde eher sagen, dass Ludwig Erhard in seiner Ablehnung des Pyramidenspiels "Sozialversicherung" (die uns gemeinsam mit dem Papiergeldsystem gerade um die Ohren fliegt) geradezu prophetische Fähigkeiten bewiesen hat.

Minarchist, am 12. März 2009 um 23:50 ( Link )

Ludwig Erhard hätte zeitlebens einen Sozialdemokraten wie Herrn Böttcher bekämpft und in ihm einen Gegner gesehen.

Matylisk, am 13. März 2009 um 8:03 ( Link )

Ein paar Zeilen:

"Darum soll auch an dieser Stelle noch einmal betont werden, dass die gerade von mir angestrebte Erhöhung des Lebensstandards nicht so sehr Verteilungs- als vielmehr Produktions- bzw. Produktivitätsprobleme berührt. Die Lösung liegt nicht in der Division, sondern in der Multiplikation des Sozialprodukts. Diejenigen, die ihre Aufmerksamkeit den Verteilungsproblemen widmen, werden immer wieder zu dem Fehler verleitet, mehr verteilen zu wollen als die Volkswirtschaft nach Maßgabe der Produktivität herzugeben in der Lage ist."

- Ludwig Erhard, Wohlstand für alle S.226/227 ('Der Kuchen muss größer werden')

Oder auch:

Die Sozialpolitik darf der Volkswirtschaftlichen Produktivität nicht indirekt Abbruch tun und den Grundprinzipien der marktwirtschaftlichen Ordnung nicht widerstreben wollen.[...] Wirtschaftliche Freiheit und totaler Versicherungs-zwang vertragen sich denn auch wie Feuer und Wasser.
- Ludwig Erhard, Wohlstand für alle S.258 (Kapitel 12)

aller guten Dinge sind drei:

Ich bin in der letzten Zeit allenthalben erschrocken, wie übermächtig der Ruf nach kollektiver Sicherheit im sozialen Bereich erschallte. Wo aber sollen wir hinkommen und wie wollen wir den Fortschritt aufrechterhalten, wenn wir uns immer mehr in eine Form des Zusammenlebens von Menschen begeben, in der niemand mehr die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen bereit ist un jedermann Sicherheit im Kollektiv gewinnen möchte. Ich habe diese Flucht vor Eigenverantwortung drastig genug gekennzeichnet, wenn ich sagte, daß, falls diese Sucht weiter um sich greift, wir in eine gesellschaftliche Ordnung schlittern, in der jeder die Hand in der Tasche des anderen hat.[..] Die Blindheit und intellektuelle Fahrlässigkeit mit der iwr dem Versorgungs- udn Wohlfahrtsstaat zusteuern, kann nur zu unserem Unheil ausschlagen."

- Ludwig Erhard, Wohlstand für alle S.259 (Kapitel 12)

Hier könnte man beliebig weiter zitieren. So ein Blick in die Bücher ist doch ab und an erhellend. ;)

Matylisk, am 13. März 2009 um 8:23 ( Link )

@Horst E. Böttcher: Vielleicht besorgen sie sich wirklich einmal Ludwig Erhards Buch. Denn genau seine Idee war es 'Massenwohlstand' zu schaffen. Ich würde sagen, dass es wohl kaum einen Politiker gibt, der annähernd so erfolgreich war wie Erhard. Und mit diesem Buch werden sie herausfinden weshalb. :)

LePenseur, am 13. März 2009 um 9:47 ( Link )

@bernardo:

Wer entscheidet, was zweckmäßig ist? Sehen Sie nicht, daß Ihre Argumente genau in meine Richtung gehen?

Was zweckmäßig ist, entscheiden letztlich die, die etwas für zweckmäßig (oder eben nicht) ansehen. Wieweit es "natürliche" (und "naturrechtliche") Zweckmäßigkeiten gibt, darüber will ich hier eingetlich keine Diskussion anfangen, sonst verwässern wir den Thread zur Unkenntlichkeit!

Aber wenn ich ein heuristisches Vor-Verständnis von Zweckmäßigkeit akzeptiere, dann ist es uns allen wohl ziemlich klar, worum es geht: Wirtschaft ist Wirtschaft und nicht "Umverteilung zur Befriedigung sozialpolitischer Wünsche"! Wirtschaft lebt davon, daß Unternehmer Gewinne machen (sonst wären sie keine) mit Produkten, die ihre Abnehmer haben wollen. Und wie man das feststellt (nämlich: Gewinnmöglichkeit und Abnahmebereitschaft) — nun: dafür wurde bereits vor geraumer Zeit der Markt erfunden. M.a.W. ein anarchisch-statistisches System von Geschäftsbeziehungen, das umso besser funktioniert, je anarchischer es organisiert ist (oder bessergesagt: man es sich selbst organisieren läßt!)

Wenn die Arbeitgeber den Lohn nicht oder nicht mehr fortzahlen wollen, werden sich die Sekretärinnen gewerkschaftlich organisieren und sich durchzusetzen versuchen.

Nein. Das tun sie nur, solange ihnen (von Sozialbeamten, Schule, Gewerkschaftsfuzzis und anderen Sozen) eine irrige Vorstellung ins Hirn geschraubt wird, sie hätten da einen Anspruch.

Auch Unternehmer werden krank, dennoch habe ich nie gehört, daß z.B. eine Installatuers-Sektion der Handelskammer je verlangt hätte, daß Kunden, deren WC rinnt, im Krankheitsfall des Installateurs auch die die Nicht-Reparatur ihres WCs zu den üblichen Honorarsätzen des Installateurs zu zahlen haben. Aber bei Angestellten soll es auf einmal eine soziale Pflicht sein?

Gehen Sie doch bloß zurück ins römische Recht — dort herrschte die "Sphärentheorie": jeder Vertragspartner eines Dienstvertrages ist für Leistungsvereitelungen seiner Sphäre selbst verantwortlich. Der Dachdecker, der für seine Arbeit auf das Aufhören des Regens warten muß, muß dennoch die arbeitsbereiten Arbeiter für ihre Stehzeiten entlohnen (kann sich aber durch eine Versicherung gegen Schlechtwetterrisiko od. dergl. dagegen absichern — oder eben auch nicht. Seine Entscheidung. Sein Problem!), der Arbeiter, der nach der Grillparty bei Freunden Durchfall hat, hat keinen Lohnanspruch (kann sich aber z.B. durch eine Entgeltausfallversicherung dagegen absichern — oder eben nicht. Seine Entscheidung. Sein Problem!). So einfach ist das alles, wenn man sich nicht irgendeinen Sozial(isten)schmus ins Hirn setzen läßt ...

Ich bin es einfach leid, daß irgendwelche Menschen ihre persönlichen Risken einfach auf andere abwälzen — tun sie's zu Lasten der Allgemeinheit, so wird daraus ein bürokratischer Aufwand, um auch nur die allerfrechsten Mißbräuche zu verhindern. Tun sie's zu Lasten zufälliger Einzelner (z.B. trägt ein Kleinunternhmer wie ich mit ein paar Angestellten ein u.U. existenzgefährdendes Lohnkostenrisiko, wenn z.B. die halbe Belegschaft im Fall einer Grippewelle erkrankt ist, die Arbeit nicht erledigt werden kann, wohl aber alle Kosten weiterlaufen und wegen Verzögerungen dann noch Pönalzahlungen oder Schadenersatzprozesse drohen).

Übrigens bin ich selbst zufällig Mitglied im BdS ...

Ganz richtig: das kann nur rein zufällig sein! Was haben Sie dort zu suchen? Mit Ihren Ansichten passen Sie viel besser zu ver.di & Co. ...

Horst E. Böttcher, am 13. März 2009 um 10:11 ( Link )

@ Minarchist

Dafür, dass die Wirtschaft sich in Richtung Massen-wohlstand bewegt, kann der Einzelne nicht soviel tun, dafür sollen ja gerade die staatlichen Regeln sorgen!

@ Fritz Liberal

"Ablehnung des Pyramidenspiels "Sozialversicherung" (die uns gemeinsam mit dem Papiergeldsystem gerade um die Ohren fliegt) geradezu prophetische Fähigkeiten bewiesen hat."

Warten wir es ab, Totgesagte leben meist länger!

LePenseur, am 13. März 2009 um 11:15 ( Link )

@Horst E. Böttcher:

Warten wir es ab, Totgesagte leben meist länger!

Joj, Mamma!

Irgendwie erinnert mich das an den jiddischen Witz, wo beim Bankrotteur Grünbaum das Telefon läutet und eine sonore Stimme fragt: "Könnte ich, bitte, mit Baron Rothschild sprechen?" Antwortet der Grünbaum melancholisch: "Joj, haben Sie a falsche Nummer erwischt ...."

Ich weiß nicht, wie alt Sie sind — in Ihrem Interesse hoffe ich: möglichst knapp vor der Pensionsgrenze oder schon Pensionsbezieher. Denn dann bekommen Sie vielleicht noch was. Wenigstens nach derzeitigem Stand der Dinge. Wenn Sie (so wie ich) noch einige Jährchen zu warten haben: na, hoffentlich haben Sie selbst vorgesorgt (und zwar nicht in einer fondgebundenen Lebensversicherung!). Sollten Sie noch jünger sein: "Lasciate ogni speranza" ...

barthel_berand, am 13. März 2009 um 18:18 ( Link )

In der Tat. Die Idee der Hölle eines Dante kommt mir beim Blick auf unsere Sozialsysteme auch immer: Lasst alle Hoffnung fahren!

@ Horst E. Böttcher

Dafür, dass die Wirtschaft sich in Richtung Massen-wohlstand bewegt, kann der Einzelne nicht soviel tun, dafür sollen ja gerade die staatlichen Regeln sorgen!

Wer kann denn sonst etwas dafür tun, wenn nicht der Einzelne? Solange sich "der Einzelne" nicht ernsthaft bemüht, immer besser zu werden und einen guten Job zu machen, solange wird es nicht vorwärts gehen.

Eine Regel schafft nichts - außer Bürokratie. In der Regel verhindert eine Regel die Schaffung von Wohlstand. Einige Regeln müssen zwar sein; bspw. die Zugangsvoraussetzungen zu manchen hochqualifizierten Berufen, wie Arzt, etc. Sobald Regeln aber von flankierenden Aufgaben abrücken und tiefer in einen Markt eindringen, wird es wohlstandsvernichtend - immer und ausnahmslos. Nehmen Sie nur unser Gesundheitswesen. Etwas Krankeres gibts es nicht. Was hier für ein Wohlstandspozential steckt. Aber solange die Politik sich da weiterhin so stark und frei von Wissen einmischt, ist die Katastrophe vorprogrammiert.

Schauen Sie interessehalber einmal auf den Index of economic freedom. Massenwohlstand ensteht dort, wo wenige Regeln herrschen.

BB

bernardo, am 13. März 2009 um 20:37 ( Link )

@LePenseur

Es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber Sie haben von der Lebenswirklichkeit wohl bisher allzu wenig mitbekommen.

"Was zweckmäßig ist, entscheiden letztlich die, die etwas für zweckmäßig (oder eben nicht) ansehen."

Stellen Sie sich vor: dazu gehören auch Sekretärinnen, Arbeiter, Angestellte, Beamte und andere Nicht-Unternehmer (horrible dictu: sogar Politiker). Die entscheiden mit, auch ganz ohne sozialistischen "Schmus" im Kopf.

Wenn Ihnen das nicht passt, und Sie fühlen sich schlecht behandelt, dann machen Sie halt was anderes. Ich kann das Unternehmergejammer so wenig leiden wie das Geplärre von Abgeordneten, Manager würden viel mehr verdienen.

Hätten se halt was gscheits gelernt...

"Mit Ihren Ansichten passen Sie viel besser zu ver.di & Co."

Wenn Sie das glauben, haben Sie von ver.di wirklich keine Ahnung.

Mal davon abgesehen, daß es in der "Wirtschaft" nicht nur um Lohnkosten geht, sondern immer auch um Menschenwürde und das Leben selbst. Insofern ist das libertäre Gedankengut, das hier vorgetragen wird, eine echte Freakshow, wie ich sie seit den 70er/80er Jahren bei Debatten mit Linksextremisten kaum noch erlebt habe.

Aber, das sagte ich wohl schon...

nl, am 13. März 2009 um 21:27 ( Link )

> Einige Regeln müssen zwar sein; bspw. die Zugangsvoraussetzungen zu manchen hochqualifizierten Berufen, wie Arzt, etc

Bilden sich auf dem Markt von selber.

barthel_berand, am 14. März 2009 um 9:31 ( Link )

@ nl

Grundsätzlich richtig. Da sind wir gar nicht auseinander. Aber bei manchen - wenigen - Berufsgruppen finde ich es vertrauensfördernd, wenn ich weiß, dass derjenige bereits seine Kompetenz unter Beweis gestellt hat, bevor er an mir herumdoktort.

@ bernardo


Wenn Ihnen das nicht passt, und Sie fühlen sich schlecht behandelt, dann machen Sie halt was anderes. Ich kann das Unternehmergejammer so wenig leiden wie das Geplärre von Abgeordneten, Manager würden viel mehr verdienen.

Wenn alle Unternehmer diesen Rat annähmen, könnten wir Deutschland gleich abschließen. Von daher ist es kein Argument sondern reine Polemik.

Wenn Arbeitnehmer gute Arbeit leisten, werden sie auch gut bezahlt werden. Wenn sie nur mehr Geld haben wollen und meinen, sie würden gute Arbeit leisten, muss mann danach fragen, wer das bewertet, was geleistet wird. Und da sind wir dann letztlich wieder beim Kunden. Er ist es in letzter Konsequenz, der die Größe des Kuchens bestimmt.

Es ist nicht die Aufgabe von Unternehmen, Arbeitsplätze zu schaffen. Es ist auch nicht die Aufgabe von Unternehmen, Gewinne zu machen; es ist ihre Voraussetzung. Einzige Aufgabe von Unternehmen ist es, den Kundennutzen zu mehren; den Zwecken der Kunden zu dienen.

Ich habe gerade ein Unternehmen eingegliedert, bei dem haben die Mitarbeiter mehr verdient als der Chef. Merkwürdige Welt. Ist das OK? In der Gründungsphase sicher und meist unumgänglich. In der Endphase nicht; da ist dann offenkundig betriebswirtschaftlich viel falsch gemacht worden.

Es ist immer interessant wahrzunehmen, dass all diejenigen, die ihrer Meinung nach zu wenig verdienen und daher Ansprüche an andere stellen, auf ihre Menschenwürde abstellen. Ein Totschlagargument?

Ist es würdevoll, vom Geld anderer zu leben - leben zu müssen? Ist es weniger würdelos, von mehr Geld von anderen zu leben?
Ist es gar moralisch geboten, Ansprüche an andere zu stellen - statt an sich selbst?

Anworten auf diese Fragen würden mich wirklich interessieren. Ernsthaft.

BB

LePenseur, am 14. März 2009 um 15:13 ( Link )

@bernardo:

Es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber Sie haben von der Lebenswirklichkeit wohl bisher allzu wenig mitbekommen.

Ich verstehe. Als Wirtschaftsjurist mit über einem Vierteljahrhundert Berufserfahrung stehe ich ja quasi noch am Anfang meiner Karriere. Aber ich hoffe, das bessert sich im Lauf der nächsten Jahrzehnte ...

Die entscheiden mit, auch ganz ohne sozialistischen "Schmus" im Kopf.

1. solange sie mitentscheiden, ohne sich ungeniert an meinen Geldbeutel zu bedienen, ist mir das egal.
2. Sie glauben gar nicht, wie viele Leute sozialistischen Schmus im Kopf haben. sie gelauben es vermutlich deshalb nicht, weil Sie selbst ...

Hätten se halt was gscheits gelernt...


Sehn'S, das sind die Statements, die ich besonders schätze. Wieder mal dumm dahergeschwätzt! Da drückt man dem Unternehmer so einfach per Gesetz Kosten aufs Auge, die ihn im Grunde nichts angehen*), und Sie erklären patzig: "Hätten se halt was gscheits gelernt..."

Ach, lassen wir's — Diskussionen mit Ihresgleichen haben eh keinen Sinn ...

*) Was hätte die private Erkrankung meiner Mitarbeiterin auch nur denkmöglich mit meinem Unternehmen zu tun? Wir reden, falls es Ihnen aufgefallen ist, nicht über Berufserkrankungen und Arbeitsunfälle, sondern über die ganz normalen, privaten Krankheiten, die mich ebenso treffen können wie meine Sekretärin — nur: bei ihr darf ich den Lohn weiterblechen, bei mir braucht sie hingegen nichts zu zahlen!

bernardo, am 14. März 2009 um 21:09 ( Link )

@LePenseur

"Da drückt man dem Unternehmer so einfach per Gesetz Kosten aufs Auge,"

Sie haben sich entschlossen, unter diesen Bedingungen Unternehmer zu werden, oder nicht? Die gibt es ja nicht erst seit gestern. Offenbar erschien Ihnen das Unternehmertum dennoch attraktiver als ein Angestelltendasein. Dafür gibt es auch etliche Gründe, weshalb Sie hier nicht in ein Gejammer verfallen sollten, wie man es auch von anderen Berufsgruppen kennt. Politiker habe ich schon erwähnt, die rührseligen Geschichten von unterbezahlten Krankenschwestern fallen auch in diese Rubrik.

Jeder konnte vorher wissen, was ihn erwartet.

Man drückt ihnen Kosten aufs Auge, die Sie nichts angehen? Selbst wenn das so wäre, ist das vielleicht eine Sonderstelllung? Was bezahlen wir schließlich über unsere Steuern nicht alles mit, ob als Angestellte oder Unternehmer...

"@barthel-berand "Und da sind wir dann letztlich wieder beim Kunden. Er ist es in letzter Konsequenz, der die Größe des Kuchens bestimmt."

Ja, und wer legt dann aber die Größe der Stücke fest, die Unternehmensintern aus diesem Kuchen geschnitten werden? Warum sind wohl im Managementbereich die Gehälter in den letzten zehn Jahren vervielfacht worden, bei den Angestellten, die ach "so gute Arbeit leisten", aber gleichgeblieben?

Es ist doch naiv, zu behaupten, hier ginge es immer fair zu, und wer einfach nur individuell gut arbeitet, werde belohnt. Ohne Druck geht nichts.

"Wenn alle Unternehmer diesen Rat annähmen, könnten wir Deutschland gleich abschließen."

Ich denke, Sie sind Marktanhänger? Müßte nicht der Markt nach libertärer Ansicht dann entsprechend reagieren und das Unternehmertum attraktiver werden lassen, wenn ein Mangel drohen würde?

(Mal unter uns: es ist ja auch attraktiver als ein Angestelltendasein)

LePenseur, am 15. März 2009 um 11:22 ( Link )

@bernardo:

Sie haben sich entschlossen, unter diesen Bedingungen Unternehmer zu werden, oder nicht? Die gibt es ja nicht erst seit gestern. Offenbar erschien Ihnen das Unternehmertum dennoch attraktiver als ein Angestelltendasein. Dafür gibt es auch etliche Gründe, weshalb Sie hier nicht in ein Gejammer verfallen sollten, wie man es auch von anderen Berufsgruppen kennt.

Einfach Spitze, diese Argumentation! Da fallen mir ja ganz tolle gesetzliche Gestaltungsmöglichkeiten ein! Führen wir z.B. einfach ein Gesetz ein, daß Unternehmer für uneheliche Kinder ihrer Angestellten Alimente zahlen müssen, ud schon paßt's ... sagen'S einmal, geht's Ihnen noch gut?

Das Wissen um eine Benachteiligung rechtfertigt die Benachteiligung: exakt das ist nämlich Ihr Argument. M.a.W.: die Kulaken hätten sich unter Stalin einfach nicht so blöd aufführen sollen, als man ihnen Land und Ernte wegnahm. Selber schuld, wenn sie unter diesen Umständen in der Ukraine blieben, statt sich in Moskau als Industriearbeiter zu verdingen, und danach vor Hunger krepierten, sofern sie nicht vorher erschlossen wurden(was, streng nach ihrer Argumentation, auch ihr eigener Fehler war, denn daß sie als Klassenfeinde hingerichtet würden, damit mußen sie ja ebenfalls rechnen!).

Noch ein paar solch famoser Argumente, und Sie haben mich überzeugt — nicht von der Richtigkeit der Argumenten, wohlgemerkt, sondern von dem Bild, das ich mir mittlerweile von Ihren Ansichten und Charaktereigenschaften mache ...

Man drückt ihnen Kosten aufs Auge, die Sie nichts angehen? Selbst wenn das so wäre, ist das vielleicht eine Sonderstellung? Was bezahlen wir schließlich über unsere Steuern nicht alles mit, ob als Angestellte oder Unternehmer...

Was Sie dabei übersehen: hier werden signifikant Sonderlasten auf Auge gedrückt. Ob Angestellter X krank ist oder nicht, mag in einer Gesundheitsstatistik Bayers im allgemeinen Krankheitsrisiko untergehen — in einem konkreten Betrieb mit 3, 4, 5 oder 10 Mitarbeitern sieht's schon ganz anders aus! Ob Frau Y schwanger ist oder nicht, ist ein unerheblicher Bestandteil der Bevölkerungsstatistik — aber ob der Arbeitgeber (wie in Österreich) sie während der Karenzzeit nicht kündigen darf, sie nach Rückkehr aus der Karenz wenigstens ein Monat beschäftigen muß, und — sollte er den Fehler machen, sie nicht sofort nach der Rückkehr aus der Karenz zu kündigen — de facto gegen seinen Willen gezwungen ist, jahrelang (!) etwaige spätere Wünsche der Dienstnehmerin nach Teilzeitarbeit zu akzeptieren (und, damit's ganz lustig ist: auch der Dienstnehmer des Ehegatten bzw. Lebensgefährten, kann gezwungen werden, dessen Teilzeitarbeit zu akzeptieren, wenn nämlich Madame dafür Vollzeit arbeiten möchte).

Wenn Sie das alles (und dergleichen gibt es noch viel mehr!) noch mit einem schnoddrigen "... er hat ja gewußt, worauf er sich eingelassen hat, als er Unternehmer wurde" abfertigen wollen, ist Ihnen nicht mehr zu helfen!

barthel_berand, am 15. März 2009 um 18:29 ( Link )

@ bernardo

Ich halt auch nichts davon, angestellten Managern Millionengehälter zu zahlen. Aber das ist nicht mein Problem sondern das der Eigentümer. Außerdem ist das "Problem" mal wieder aufgeplustert ohne Ende. Weil hier ein paar Manager fett abkassieren steht das Unternehmertum am Panger.

Würde bspw. ein Ackermann statt 14 Mio. nur 0 EUR bekommen, was würde sich ändern? Bei rund 78.000 Mitarbeitern der Deutschen Bank können Sie sich das selbst ausrechnen. Ich denke, den Betrag merkt der einzelne Mitarbeiter nicht wirklich.

Es ist typisch deutsch, dass einige ärgerliche Einzelfälle dazu benutzt werden, mal wieder die große Regelungssense herauszuholen, anstatt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Solange in D nicht jeder Einzelfall genauestens geregelt ist, sind unsere Politiker nicht zufrieden; und unsere Sozialistenfreunde schon gar nicht.

BB

bernardo, am 16. März 2009 um 10:53 ( Link )

@LePenseur

"Das Wissen um eine Benachteiligung rechtfertigt die Benachteiligung: exakt das ist nämlich Ihr Argument."

Nein. Das vorherige Wissen um die Bedingungen eines frei gewählten Berufs verbietet es, hinterher darüber zu jammern, das ist mein Argument.

"die Kulaken hätten sich unter Stalin einfach nicht so blöd aufführen sollen, als man ihnen Land und Ernte wegnahm."

Sie können die Kulaken ruhig wieder wegpacken, denn die haben sich eben nicht entschieden, in der UdSSR "Kulaken" zu sein, sondern wurden von den Stalinisten als solche erst definiert und dann ermordet. Also unter neu geschaffenen und eben nicht freiwillig von ihnen eingegangenen Bedingungen.

"Ob Frau Y schwanger ist oder nicht, ist ein unerheblicher Bestandteil der Bevölkerungsstatistik — aber ob der Arbeitgeber (wie in Österreich) sie während der Karenzzeit nicht kündigen darf,"

Bezeichnend, daß Ihnen nun auch noch der Mutterschutz als negatives Beispiel einfällt. Ja, der Arbeitsplatz Mutter rechnet sich offiziell nicht, weil dort das "Produkt" Kind ohne jeden Lohn mit gigantischem Aufwand zum Erwachsenen gebracht wird, und dann von "Unternehmern" quasi als fertiges Produkt umsonst als Ressource beansprucht wird. Umfassendes Grundwissen soll es haben, ein gesunder und ordentlicher Mensch geworden sein, möglichst noch eine gründliche und selbstbezahlte Berufsausbildung haben - und Sie und die anderen Unternehmerjammerlappen, die das selbstverständlich und umsonst alles beanspruchen, reden über Kosten, man Ihnen aufdrückt, die Ihnen wegen ein paar Krankheitstagen entstehen...

@barthel_berand

Vor 30 Jahren verdiente der Vorstand eines Industriekonzerns ca. das zehnfache eines besseren Angestellten. Heute ist es nicht selten das Hundertfache, in den letzten Jahren mit explosiv steigender Tendenz. Das ist m.E. ein Problem, das als reine Machtfrage flächendeckend entstanden ist und nicht als wirtschaftliche Leistungsgerechtigkeit bezeichnet werden kann.

LePenseur, am 16. März 2009 um 12:22 ( Link )

@bernardo:

Nein. Das vorherige Wissen um die Bedingungen eines frei gewählten Berufs verbietet es, hinterher darüber zu jammern, das ist mein Argument.

Ein ebenso verfehltes Argument! Denn entweder gibt es eine unsachliche Differenzierung, oder es gibt keine. Und die Sachlichkeit der Differenzierung, warum nämlich die Bezieher einer Leistung von einem Unternehmer ohne Leistung auch kein Entgelt zu zahlen haben, wohingegen der Unternehmer einem Dienstnehmer ggf. auch ohne Leistung ein Entgelt zu zahlen hat, sind Sie mir leider schuldig geblieben (was mich nicht wundert — denn es gibt eben einfach keine sachliche Begründung dafür!). Ob ich das nun vorher wußte, ist prinzipiell egal — zumal ich ja nicht zwischen unternehmerischer Tätigkeit ohne unsachliche Differenzierung und einer solchen mit unsachlicher Differenzierung frei wählen kann, sondern letztere mir zwangsweise umgehängt wird.

Sie können die Kulaken ruhig wieder wegpacken, denn die haben sich eben nicht entschieden, in der UdSSR "Kulaken" zu sein, sondern wurden von den Stalinisten als solche erst definiert und dann ermordet. Also unter neu geschaffenen und eben nicht freiwillig von ihnen eingegangenen Bedingungen.

Nicht anders ist es mit Unternehmern. Auch diese konnten bei Einstellung eines Angestellten nicht im Dienstvertrag vereinbaren: "Krankenstände, welche nicht durch die berufliche Tätigkeit veranlaßt wurden, gehen zu Lasten des Dienstnehmers". Das ist einfach nichtig, obwohl es unzweifelhaft die sachgerechte Lösung des Problems darstellen würde.

Ja, der Arbeitsplatz Mutter rechnet sich offiziell nicht, weil dort das "Produkt" Kind ohne jeden Lohn mit gigantischem Aufwand zum Erwachsenen gebracht wird, und dann von "Unternehmern" quasi als fertiges Produkt umsonst als Ressource beansprucht wird.

Das nächste Nonsense-Argument Ihrerseits! Der Aufwand, ein Kind großzuziehen, kann doch nicht einfach dem zufällig (!) gerade aktuellen Dienstgeber der Mutter umgehängt werden! Daß es ein Kind gibt, resultiert (außer im — doch recht untypischen — Fall von Vergewaltigungen) schließlich ursächlich in einem Verhalten der Mutter. Wenn nun der Staat ein durchaus begreifliches Interesse daran hat, die Zeugung und Aufzucht von Nachwuchs zu begünstigen, dann soll der Staat auch dafür sorgen, daß die damit verbundenen Kosten nicht völlig willkürlich und ungleich verteilt von unbeteiligten Dritten getragen werden.

Illustrieren wir das an einem Analogbeispiel: das Schaffen eines Künstlers kann zweifellos sehr wertvoll und sozial förderungswürdig sein. Zweifellos kann z.B. die Sorge um die Bezahlung der Wohnungsmiete künstlerische Kreativität behindern — deshalb fänden Sie es sicher gerechtfertigt, daß in einem "Kunstförderungsgesetz" vorgeschrieben würde, daß Wohnungsvermieter auch bei bloß teilweiser Zahlung des Mietzinses einem Künstler während der Schaffensperiode den Mietvertrag nicht kündigen dürfen ...

Umfassendes Grundwissen soll es haben, ein gesunder und ordentlicher Mensch geworden sein, möglichst noch eine gründliche und selbstbezahlte Berufsausbildung haben - und Sie und die anderen Unternehmerjammerlappen, die das selbstverständlich und umsonst alles beanspruchen, reden über Kosten, man Ihnen aufdrückt, die Ihnen wegen ein paar Krankheitstagen entstehen...

Ja, genauso, wie mich meine Klienten nicht dafür bezahlen, daß ich im ef-Magazin Kommentare schreibe, sondern dafür, daß ich mir in einem entsprechenden Studium und in jahrzehntelanger Berufstätigkeit ein Fachwissen angeeignet habe, das ich nun für ihre Probleme einsetze. Und, nochmals: wenn ich ein paar Tage krank bin, dann zahlen mir meine Klienten trotzdem nichts, wenn ich für sie nicht tätig bin — finden Sie nicht auch, daß so ein paar Kundenjammerlappen gefälligst das Maul halten und mir meinen Krankenstand finanzieren sollten? Und warum eigentlich nur Kunden? Darf ich Ihnen meine Kontonummer geben, denn es beginnt bereits in meiner Nase zu kitzeln und ich fürchte, ich bekomme die Grippe ...

Sorry, Ihr Wahnsinn hat System!

bernardo, am 16. März 2009 um 15:54 ( Link )

@LePenseur

"Denn entweder gibt es eine unsachliche Differenzierung, oder es gibt keine."

Das war nicht der Punkt, auf den das Argument zielte. Es ging um das Recht, sich über Bedingungen zu beklagen, die man freiwillig eingegangen ist. Es ist übrigens auch nicht alles ein Vergleich, was hinkt, auch nicht der zwischen einem neu als solchen definierten und dann ermordeten Kulaken und einem Unternehmer mit Lohnfortzahlungspflicht im Krankheitsfall !

Daß manche Bestimmungen des Arbeitsrechts nicht im strengen Sinn ökonomisch begründbar sind, mit dieser Beobachtung haben Sie allgemein Recht. Ich habe auf das Spiel der Interessen und des Interessenausgleichs hingewiesen, unter denen diese Bestimmungen entstanden sind. Einen freien Markt gibt es wie gesagt nicht und kann es nicht geben.

Übrigens weise ich mal darauf hin, daß es zahllose Beispiele für Vertragsabschlüsse gibt, die Unternehmen auch fortdauernde Zahlungen des Kunden zusichern, wenn unternehmerische Leistungen ohne eigene Verantwortung nicht oder später erbracht werden können. Das nennt man höhere Gewalt und ist im Prinzip nichts anderes als der Krankheitsfall eines Angestellten.

"Wenn nun der Staat ein durchaus begreifliches Interesse daran hat, die Zeugung und Aufzucht von Nachwuchs zu begünstigen, dann soll der Staat auch dafür sorgen, daß die damit verbundenen Kosten nicht völlig willkürlich und ungleich verteilt von unbeteiligten Dritten getragen werden."

Es ist nicht nur der "Staat", der ein Interesse an Nachwuchs hat. Wenn Sie schon Marktradikal denken (was m.E. eine unzutreffende und geradezu primitive Deutung der Wirklichkeit ist, wie ich wohl hinreichend zum Ausdruck gebracht habe), dann werden Sie berücksichtigen müssen, daß nur die Existenz von Kindern, die irgendwann Angestellte, Arbeiter, Unternehmer und Konsumenten werden, den Markt überhaupt ermöglichen. Kinder sind die Basis aller Ökonomie. Es ist also nichts "zufällig" daran und schon gar nichts, "was den Markt nichts angeht", wenn der Markt sich theoretisch an den Kosten zur Sicherung seiner Basis beteiligen sollte.

Statt dessen sind die "damit verbundenen Kosten" aber "völlig willkürlich und ungleich verteilt", nämlich auf den unzahlten 7/24 Job von Mutter bzw. Eltern.

LePenseur, am 16. März 2009 um 18:26 ( Link )

@Bernardo:

Das war nicht der Punkt, auf den das Argument zielte. Es ging um das Recht, sich über Bedingungen zu beklagen, die man freiwillig eingegangen ist.

Sie unterschlagen schon wieder, daß die Bedingungen eben nicht freiwillig eingegangen werden können! Genauso gut könnten Sie über chinesische Bürgerrechtsaktivisten höhnen — schließlich hat sie niemand gezwungen, gegen die Staatsmacht aufzubegehren. Wenn sie jetzt zusammengeschlagen, gefoltert und in Arbeitslager gesteckt werden, geschieht ihnen doch nur recht!

Feine Ansichten, die Sie da verbreiten!

Daß manche Bestimmungen des Arbeitsrechts nicht im strengen Sinn ökonomisch begründbar sind, mit dieser Beobachtung haben Sie allgemein Recht.

Scherzbold! Nicht bloß "manche", sondern viele Bestimmungen des Arbeitsrechts sind weder streng noch lax "ökonomisch begründbar", sondern schlichtweg eine skandalöse Ungleichbehandlung sachlich völlig vergleichbarer Tatbestände.

Das nennt man höhere Gewalt und ist im Prinzip nichts anderes als der Krankheitsfall eines Angestellten.

Wenn es in freien Verträgen vereinbart wird, liegt es in der Privatautonomie der Vertragsparteien, es zu vereinbaren. Nur: im Arbietsrecht ist die Privatautonomie weitestgehend eingeschränkt! Über praktisch alle Punkte eines Dienstvertrages können die Parteien eben gerade nicht frei disponieren — weder über die Entlohnung (durch Kollektiv"verträge" eingeschränkt, auf deren Gestaltung der einzelne Vertragspartner keinen Einfluß hat), noch über Länge und Lagerung der Arbeitszeit, noch über Kündigungsklauseln. Nicht zu vergessen unzählige Diskriminierungsverbote, Beweislastumkehren etc. etc. Überall ist durch zwingende Rechtsvorschriften mit "Günstigkeitsklausel" (zugunsten des Dienstnehmers kann selbstverständlich vereinbart werden, zu Gunsten des Dienstgebers nie!) eine privatautonome Gestaltung verunmöglicht.

... dann werden Sie berücksichtigen müssen, daß nur die Existenz von Kindern, die irgendwann Angestellte, Arbeiter, Unternehmer und Konsumenten werden, den Markt überhaupt ermöglichen.

Schön. Jetzt müssen Sie mir nur noch erklären, warum dann ich als Dienstgeber diese Lasten zu tragen habe, wohingegen Ihnen als Nicht-Dienstgeber diese Lasten schnurzegal sein können, obwohl sie von der Existenz von Kindern in Zulkunft genauso profitieren, wie ich. D.h. den Vorteil lassen Sie sich schon gefallen, die Nachteile hingegen hängen Sie mir um — ich würde das schlicht und einfach als unmoralische Trittbrettfahrer-Mentalität bezeichnen!

Statt dessen sind die "damit verbundenen Kosten" aber "völlig willkürlich und ungleich verteilt", nämlich auf den unzahlten 7/24 Job von Mutter bzw. Eltern.
Ganz richtig. wenn die Eltern nämlich das Pech haben, keine angestellten, sondern Unternehmer zu sein. Dann dürfen Sie zwar den Wohlfahrtsonkel mit Spendierhose für ihre Angestellten spielen, haben ihrerseits jedoch keine Erleichterung in ihrem unbezahlten 7/24 Job als Muter bzw. Eltern.

Eine Rechtsanwältin, die ein Kind bekommt, erhält von ihren Klienten nämlich kein arbeitsloses wohldotiertes Dauermandat, damit sie sich sorgenfrei um ihre Kinderleins kümmern kann. Die Schneiderin, die ihren Laden wegen der Kinder nur halbtags offenhält, wird unentschädigt in Kauf nehmen müssen, daß sich einige ihrer Kunden eine andere Schneiderei suchen etc. etc.

Aber das ist ja alles ganz in Ordnung. Wenn jemand so ein Trottel ist, Unternehmer zu werden, ist er ja ein Jammerlappen, wenn er diese Ungleichbehandlungen nicht abhakt. Schließlich wird er durch das volle Unternehmerrisiko (no risk - no fun!) überreichlich entschädigt und soll sich glücklich schätzen, nicht der armen ausgebeuteten Werktätigenklasse anzugehören, deren schweres Arbeitsleid nur durch ein paar, ja kaum ins Gewicht fallende Benefizien wie Kündigungsschutz, Mindesturlaub, Mindestgehälter, bezahlte Krankenstände, Karenzzeitenregelungen und Abfertigungen gelindert wird ...

Manchmal frage ich mich, ob Sie uns nicht bloß verarschen wollen — denn derartig hirnerweichte Ansichten habe ich bislang nur von Gewerkschaftsfunktionären und ähnlichem Gelichter vernommen!

bernardo, am 16. März 2009 um 23:33 ( Link )

@LePenseur "Sie unterschlagen schon wieder, daß die Bedingungen eben nicht freiwillig eingegangen werden können!"

Aber das ist doch mein Hauptthema in dieser Debatte! Wie oft soll ich denn noch betonen, daß es einen freien Markt weder gibt, noch geben kann?

"Über praktisch alle Punkte eines Dienstvertrages können die Parteien eben gerade nicht frei disponieren — weder über die Entlohnung (durch Kollektiv"verträge" eingeschränkt, auf deren Gestaltung der einzelne Vertragspartner keinen Einfluß hat), noch über Länge und Lagerung der Arbeitszeit, noch über Kündigungsklauseln."

Über all das läßt sich natürlich verhandeln. Sind Sie eigentlich wirklich Unternehmer? Es ist doch möglich, selbst langjährige Mitarbeiter zügig aus dem Betrieb zu kegeln - aus meiner Sicht eher leider.

"Nicht zu vergessen unzählige Diskriminierungsverbote, Beweislastumkehren etc. etc."

Jetzt kommen Sie, wen interessiert denn dieser Mumpitz in der Praxis?

"Jetzt müssen Sie mir nur noch erklären, warum dann ich als Dienstgeber diese Lasten zu tragen habe, wohingegen Ihnen als Nicht-Dienstgeber diese Lasten schnurzegal sein können,"

Sie werden überrascht sein, aber ich trage diese Lasten unter anderem ganz persönlich selbst. Übrigens habe ich Ihnen den Zusammenhang gerade erklärt, lesen Sie mal nach.

Und nein, ich will Sie nicht verarschen, sondern Sie aus der libertären Einfältigkeit befreien. :)

Aber ich denke, wir treffen uns ein andermal wieder, denn dieser Thread wird inzwischen zu einem unfruchtbaren Dialog und wir werden uns gegenseitig wohl sowieso nicht überzeugen.

LePenseur, am 17. März 2009 um 15:17 ( Link )

Wie oft soll ich denn noch betonen, daß es einen freien Markt weder gibt, noch geben kann?

Okay, da Sie weiterhin auf diesem Standpunkt beharren, hat es wenig Sinn, mit Ihnen weiterzudiskutieren. Viel Spaß weiterhin an sozialistischer Planwirtschaft ...


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