Michael von Prollius

Jg. 1969, ist Publizist und Gründer der Internetplattform "Forum Ordnungspolitik"

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Ökonomie und Moral: Marktversagen gibt es nicht

von Michael von Prollius

Über das System der Effizienz des Dienstes am Nächsten

Nichts wird den auf Märkten handelnden Menschen häufiger vorgeworfen als zu versagen. Allerdings richtet sich der Vorwurf des Marktversagens nicht direkt gegen die Menschen, sondern gegen die abstrakte Chiffre Markt. In der Regel gründet er sich darauf, dass aus der Perspektive derjenigen, die einen solchen Vorwurf erheben, nicht die von ihnen persönlich gewünschten Ergebnisse erzielt wurden. Häufig dient er auch zur Ablenkung von politischem Versagen als des tatsächlichen Verursachers. Tatsächlich gibt es Marktversagen nicht. Das liegt daran, dass ein Markt nicht Recht oder Unrecht hat, sondern nur Ergebnisse erbringt, die sich in unterschiedlichem Ausmaß bewähren. Von einem Marktversagen könnte man allenfalls dann sprechen, wenn man einen Idealzustand unterstellt oder die Entwicklung von einem ebenfalls unterstellten Gleichgewicht abweicht. Lediglich Individuen können sich irren, Fehler begehen und Fehleinschätzungen treffen. Und zur Korrektur von Fehlentwicklungen oder unerwünschten Ergebnissen gibt es eine im Markt eingebaute Lernschleife: das Scheitern bei der Befriedigung von Kundenwünschen im Wettbewerb mit erfolgreicheren Konkurrenten. Hingegen verhindern politische Eingriffe in das Marktgeschehen, die lediglich dem Urteil weniger einflussreicher Menschen folgen, die Chance auf eine selbstständige Korrektur.

Märkte sind per se unvollkommen. Sie korrigieren sich jedoch permanent selbst, wenn man die Menschen lässt. Märkte befinden sich nie in einem Gleichgewicht. Menschen verändern permanent ihre Wünsche und die Wege, sie zu befriedigen. Ein Markt existiert, sobald Menschen frei sind, zu tauschen. Auf Märkten handelnde Menschen erbringen auf einzigartig Weise effiziente Ergebnisse. Die ökonomische Rationalität scheint ein soziales Phänomen und nicht ein individuelles Konstrukt zu sein. Mit anderen Worten haben wir es nicht mit einem homo oeconomicus, sondern vielmehr mit einer societas oeconomica, einer ökonomisch rationalen Gesellschaft zu tun. Für eine freie Marktwirtschaft gilt, dass die Summe der Tauschhandlungen rationaler ist als jede einzelne. Mit andern Worten: Märkte sind klüger als Experten.

Die Marktwirtschaft ist nicht nur durch Effizienzgründe legitimiert: Die Achtung des Mitmenschen ist ein Grundprinzip der Gesellschaft. Ohne die Wahrung dieses Grundprinzips ist ein friedliches Miteinander kaum möglich. Die Marktwirtschaft baut auf diesem Grundprinzip auf und nutzt das friedliche Miteinander für den Tausch zum Wohle aller (Win-Win-Situation). Dafür ist kein „neuer Mensch“ erforderlich. Vielmehr können Befürworter der Marktwirtschaft „vom unvollkommenen, fehlbaren, irrenden und dem Guten wie dem Bösen zuneigenden Menschen“ ausgehen, wie Roland Baader in seiner glänzenden Kritik überheblicher Intellektueller mit dem Titel „Totgedacht“ schreibt. Allein die Marktwirtschaft räumt den Menschen die Möglichkeit ein, ihren freien Willen auszuüben. Das ist vermutlich das beste, was eine Ordnung zu leisten vermag. Die Marktwirtschaft kann zwar eine moralische Gesellschaft nicht garantieren, ist aber ihre alternativlose Voraussetzung. Marktwirtschaft oder Kapitalismus bieten aber nicht nur die notwendige Freiheit zur Moral, schreibt Thomas Dorenburg, Büroleiter eines Bundestagsabgeordneten: „Der Markt entwickelt ebenso eine starke Tendenz, moralisches Verhalten zu belohnen. Er belohnt höfliche, kooperative, tolerante, offene, ehrliche, vertrauenswürdige und faire Geschäftsleute. Kunden irrezuführen, Geschäftspartner zu betrügen und Arbeiter schlecht zu behandeln, zahlt sich längerfristig nicht aus. Und ein starker Anreiz zu moralischem Verhalten im Kapitalismus kommt von seinem inneren Zwang zum Dienen, gleichgültig ob als Unternehmer oder Arbeitnehmer. Kurz: Erfolgreich im Markt kann nur sein, wer anderen dienlich ist.“

09. März 2009

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