Edgar L. Gärtner

Jahrgang 1949, Hydrobiologe, Wissenschaftsautor.

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Automobilindustrie: Die selbstverschuldete Ratlosigkeit

von Edgar L. Gärtner

Der Gebrauchtwagenmarkt wird wichtiger

Als Familienmensch und Opel-Zafira- beziehungsweise Astra-Fahrer, der gelegentlich auch Trinkgelder nicht verschmäht, muss ich mich wohl in Zukunft mit dem Angebot auf dem Gebrauchtwagenmarkt begnügen. Denn selbst wenn die Rüsselsheimer Traditionsfirma wider Erwarten nicht demnächst zusammen mit seiner Konzern-„Mutter“ General Motors Konkurs anmelden sollte, würde ich mir in Zukunft zweimal überlegen, ob ich mir einen „CO2-optimierten“, wenn nicht gar „klimaneutralen“ Neuwagen anschaffen soll. Denn solche Verkaufsargumente finde ich nicht nur nicht sexy, sie verderben mir geradezu den Spaß an der Freude. Vermutlich stehe ich damit nicht alleine.

Auf den gerade stattfindenden Genfer Automobil-Salon herrschen denn auch allenthalben Verlegenheit und Ratlosigkeit. Um sich das nicht anmerken zu lassen, macht ein Teil der Aussteller auf Business as usual, während ein anderer wenig zuverlässige und für Normalverdiener kaum bezahlbare Elektro- oder Hybridautos als Einstieg in eine „grüne“ Zukunft anpreist. So soll etwa das von Opel für Ende 2011 angekündigte Elektroauto „Ampera“ mit einer Reichweite von 60 Kilometern um die 40.000 Euro kosten. Statt Manta- und F1-Fans definieren hier offenbar inzwischen Feinde der automobilen Freiheit für alle, was ein Auto in Zukunft zu leisten hat. Das ökologisch ideale Auto bräuchte vermutlich nur noch den Rückwärtsgang. Gerade billige Kompaktwagen wie der erst für 2012 auf dem europäischen Markt erwartete indische „Tata Nano“ stellen in den Augen der Grünen wegen ihrer Massenproduktion die größte Gefahr für den Planeten dar, während sie Wagen der Luxuskategorie nicht stören.

Kein Wunder, dass sich Autobauer des Luxus-Segments in Genf von „Klimaschutz“- Vorgaben wenig beeindruckt zeigen. So präsentiert Aston Martin seinen „One 77“ mit einem 7,3-Liter V12-Motor, der 700 PS leisten und 1,1 Millionen Euro kosten soll. Lamborgini stellt seinen Murciélago LP 670-4 mit 670 PS vor. Selbst Ford präsentiert sein Mittelmaß-Modell „Focus“ in einer aufgemotzten 305 PS-Version. Am konsequentesten zeigt sich jedoch die Nobelmarke Bugatti, die ihren Jubiläumswagen „Veyron Centennial“ nur ein einziges Exemplar herstellt.

„Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode“, möchte man da ausrufen. Denn die Vermutung ist schwer von der Hand zu weisen, dass die politische Elite die Automobilindustrie systematisch zu Investitionen gedrängt hat, die mehr kosten als sie je einbringen können. Wer soll die teuren Elektroautos kaufen, wenn uns die durch die Gelddruckmaschinen der Notenbanken versorgten staatlichen „Rettungspakete“ für angeschlagene Banken eine Hyperinflation bescheren?

Der Genfer Automobilsalon zeigt also, wo die Reise hingeht: Autos als Status- und Sexsymbole, als Basis wirklicher Bewegungsfreiheit würde es in einer „grünen“ Zukunft nur noch für eine winzige Minderheit von Krisengewinnlern geben, die ihre Schlitten mit Gold bezahlen können. Der von Arbeitslosigkeit und Hyperinflation gebeutelten Mehrheit bietet man stattdessen „Klimaschutz“ und „nachhaltige Mobilität“ in Form von Car Sharing an. Doch das Management der Automobilindustrie bezweifelt offenbar selbst, dass sich mit der tristen Utopie „Auto ohne Sex-Appeal“ genügend Umsatz und Gewinn generieren lässt.

Die Automobilindustrie hat sich freilich selbst in diese unbequeme Lage hineinmanövriert, als sie sich zum grünen Weltbild bekannte. Sie hat an der Legende von den zur Neige gehenden Rohölvorräten aktiv mit gesponnen und in vorauseilendem Gehorsam akzeptiert, dass das in den Autoabgasen enthaltene ungiftige Spurengas Kohlenstoffdioxid zur Hauptursache des Klimawandels erklärt wurde. Der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) ist unter Ex-CDU-Bundesminister Matthias Wissmann zum Transmissionsriemen von Angela Merkels wirtschaftlich selbstmörderischer „Klimapolitik“ geworden. Und der ADAC, der eigentlich die Interessen der großen Mehrheit der Autofahrer vertreten sollte, macht da unter seinem Präsidenten Peter Meyer beflissen mit. Selbst schuld, kann ich da nur sagen. Die aktuellen Nöte der Automobilindustrie jucken mich wenig, solange der Gebrauchtwagenmarkt noch reichlich bestückt ist.

Internet

http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,611132,00.html

http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,610948,00.html

http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=090306001

http://www.welt.de/welt_print/article3333902/In-allen-Lagen-zuverlaessig.html

http://www.wiwo.de/unternehmer-maerkte/autobauer-muessen-neue-erloesquellen-finden-389593/

10. März 2009

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