19. März 2009

Studie "Jugendliche in Deutschland als Opfer und Täter von Gewalt" Die Medien als Lachnummer

Wie sich eine politisch korrekte Branche selbst abwickelt

Das Internet bringt den Tod der Glaubwürdigkeit der konventionellen Medien politisch-korrekter Observanz. Jeden Tag kann man beobachten, wie das Versprechen von Presse, Funk und Fernsehen, die gültige Lesart der Wirklichkeit  zu präsentieren, im Feuer der Kritik von Bloggern und medienkritischen Netzseiten verbrennt. Die Konstruktionen der Torwächter unserer Aufmerksamkeit und Weltwahrnehmung erweisen sich als vorurteilsgesteuerte Fiktionen, die gerade in Deutschland nicht davon erzählen, was der Fall ist, sondern stattdessen versuchen, die politisch-korrekte volkspädagogische Wunschwelt von Journalisten und ihrer politischen Kumpane für Realität zu erklären.

Auch dafür liefert der Umgang mit dem mittlerweile als Lachnummer kenntlich gemachten „Forschungsbericht“ über „Jugendliche in Deutschland als Opfer und Täter von Gewalt“ ein sehr anschauliches Beispiel. Vergleicht man nämlich die im Netz zugängliche Untersuchung mit dem Medienecho, so erhält man einen aufschlussreichen Einblick ins Funktionieren der journalistischen Vernunft. Man sieht, dass die Wahrnehmung der selbsterklärten Aufklärer der Reaktionsweise bedingter Reflexe folgt. So wie Pawlows Hunde nach hinreichender Konditionierung schon Speichel absonderten, wenn auch ohne Futtergabe das Glöckchen ertönte, so reichen unseren stets erregungsbereiten Alarmisten ein paar Reizworte zum „Rechtsextremismus“, um die Zeitungsseiten vollzumachen. Es genügen ein paar Zahlen (40,4 Prozent der Jugendlichen zeigen ausländerfeindliche  Einstellungen, 14,2 Prozent sind sogar „sehr ausänderfeindlich“) , um eine neue Sedanfeier deutscher Schuld- und Schamkultur zu inszenieren. Keiner sieht genau zu, worauf sich solche Aussagen stützen, zieht in Zweifel, dass die Zustimmung zu Sätzen wie „in Deutschland leben zu viele Ausländer“, „die in Deutschland lebenden Ausländer sollen ihren Lebensstil besser an die Deutschen anpassen“ und „die in Deutschland lebenden Ausländer sind keine Bereicherung für die Kultur in Deutschland“ tatsächlich Belege für „Ausländerfeindlichkeit“ oder gar „Rechtsextremismus“ sein sollen.

Der herrschende Tunnelblick ist nicht einmal mehr in der Lage, den Schwerpunkt des fragwürdigen Unternehmens korrekt wiederzugeben: Denn ganze 15 Seiten der insgesamt 132 Seiten umfassenden Studie handeln von „Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und Rechtsextremismus“, während die Kernbotschaft verkündet, dass die Jugendgewalt insgesamt rückläufig sei.

Vollkommen ausgeblendet bleibt bei solchem entschlossenen Willen, die herrschenden Gewissheiten zu bestätigen, dass im Hauptteil der Untersuchung ganz andere Zahlen Anlass zum Erschrecken bieten: So heißt es bei Pfeiffer & Co. auf der Seite 67 über die Täter-Opfer-Verteilung bei Fällen manifester Jugendgewalt: „Ein replizierter Befund ist, dass nicht-deutsche Jugendliche in höherem Maße zu Gewalt neigen als deutsche Jugendliche.“

In Zahlen (S.70): „Ähnliches zeigt sich für die mehrfache Gewalttäterschaft (mind. 5 Taten). Auch hier erreichen Jugendliche aus dem ehemaligen Jugoslawien mit 9,4 Prozent den höchsten Wert, gefolgt von jungen Türken mit 8,3 Prozent. Am anderen Ende der Skala stehen Jugendliche aus Asien mit 2,6 Prozent und deutsche Jugendliche mit 3,3 Prozent.“

Für die Erörterung der Verhältnisse an den Schulen dürften auch folgende Hinweise von Interesse sein, die sich mit der Häufigkeit befassen, mit der Jugendliche aus unterschiedlichen ethnischen Milieus zu Opfern werden: „Besonders niedrige Quoten werden von den Befragten aus der Türkei, dem ehemaligen Jugoslawien, aus arabischen und nordafrikanischen Herkunftsländern berichtet. Türkische Jugendliche berichten darüber hinaus am seltensten über Mobbing durch andere Schüler. Da diese Jugendlichen auch durch hohe Täterraten gekennzeichnet sind, ist zu vermuten, dass die niedrigen Opferraten dadurch zustande kommen, dass sie bei anderen Jugendlichen als gewalttätig gelten.“

Bemerkenswert ist auch die folgende  Aussage (S. 62), die man von Lehrern in Großstädten schon lange hören kann: „Wie Abbildung 4.26 verdeutlicht, steigen für deutsche Jugendliche sowohl das Gewalt- als auch das Mobbingrisiko mit steigendem Anteil von Migranten in der Klasse.“

Nun kann man angesichts der methodischen Fragwürdigkeit dieses „Forschungsberichts“ auch diese Zahlen anzweifeln. Hier geht es aber nur darum, dass solche Informationen im Medienecho gar nicht mehr zu hören sind.

Aber vielleicht gilt ihre Erwähnung bei den verantwortlichen Redakteuren ja bereits als Zeichen von „Ausländerfeindlichkeit“, weshalb sie vorsorglich darüber schweigen.

Und gar nicht daran zu denken ist, dass man solche Befunde zum Anlass nähme, einen „Aufstand der anständigen Migranten“ zu fordern, um die verwahrlosten jungen Barbaren wenigstens mit einem Mindestmaß an zivilisatorischen Umgangsformen vertraut zu machen.

Klar ist, dass diese Form des Journalismus längst kein Interesse mehr hat, mit unverstellter Neugier sich auf die Untersuchung einer widersprüchlichen Wirklichkeit einzulassen. Das Urteil steht schon seit langem fest. Die im Takt der Jahreszeiten publizierten Horrorstudien über die unverbesserlich  rechtsextremistischen Deutschen, mit denen Pfeiffer, Heitmeyer, die Friedrich-Ebert-Stiftung e tutti quanti das Perpetuum Mobile ihrer surrealen „Antifa“-Wissenschaft in Gang halten, haben nur den Zweck, immer neue Belege für das wohlbekannte Altböse zu liefern.

Niklas Luhmann, der ironische Beobachter der gesellschaftlichen Verhältnisse, hat einmal die Funktion des Mediensystems als Pflicht zur ständigen Irritation der umlaufenden Gewissheiten beschrieben. Den heute zu beobachtenden „Funktionswandel der Öffentlichkeit“ hat sich selbst dieser kluge Kopf wohl nicht vorstellen können. Er wird auf Dauer die jetzt noch dominierenden Medien aber mehr beschädigen als das die ökonomische Krise vermöchte.

Internet

Die Studie


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Heribert Seifert

Über Heribert Seifert

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige