27. März 2009

„Free Banking“ Geld privatisieren – Freiheit bewahren!

Was jetzt zu tun ist

Wohl kaum etwas schadet der freien Markt- und Gesellschaftsordnung so sehr wie das staatlich beherrschte Kredit- und Geldsystem. Es provoziert eine Wirtschafts- und Finanzkrise nach der anderen. In der Öffentlichkeit werden die Missstände – Rezession und Arbeitslosigkeit – dann regelmäßig dem Kapitalismus angelastet. Indem der Kapitalismus zum Sündenbock gestempelt und in staatlichen Markteingriffen der Ausweg aus der Misere erblickt wird, verfangen sich die Gesellschaften immer tiefer im Gestrüpp des Interventionismus, der unweigerlich in die Befehls- und Staatswirtschaft und den Sozialismus führt.

Der Interventionismus will bekanntermaßen das Privateigentum zwar nicht abschaffen, aber doch das Handeln der Eigentümer der Produktionsmittel durch fallweise erlassene Gebote und Verbote beeinflussen und regulieren, um so politisch wünschenswerte Ziele zu erreichen. Er zwingt die Akteure etwas zu tun, was sie aus wohlverstandenem Eigeninteresse freiwillig nicht tun würden. Ein solches Eingreifen des Staates in den Markt provoziert Fehlanreize, die zu immer neuen Missständen führen. Eine zerstörerische Interventionsspirale wird so in Gang gesetzt.

Die Ursache der derzeit allseits beklagten „internationalen Kreditkrise“ ist nicht etwa im Kapitalismus, sondern im staatlichen Kredit- und Geldsystem zu erblicken. Im Zuge einer chronischen Niedrigzinspolitik haben die staatlichen Zentralbanken über die letzten Jahrzehnte für ein gewaltiges Auftürmen von Kredit- und Geldmengen gesorgt. Schon vage Anzeichen einer nahenden „Bereinigungsrezession“ haben sie mit noch mehr Kredit und Geld und noch niedrigeren Zinsen „bekämpft“. Im Zeitablauf wurde so eine gewaltige Verschuldungspyramide aufgebaut, die mittlerweile die Züge einer allgemeinen Überschuldungssituation angenommen hat.

Kreditgeber, insbesondere Banken, haben nun die wachsende Sorge, dass Schuldner ihre Verbindlichkeiten nicht mehr wie versprochen bedienen können: Sie wollen fällige Kredite nicht mehr, oder wenn, dann nur zu deutlich höheren Zinsen erneuern. Gleichzeitig sind (Dauer-)Schuldner nicht in der Lage, fällig werdende Kredite zu tilgen oder höhere Zinsen auf ihre Schulden zu zahlen. Doch der Entschuldungsprozess, auf den die freien Marktkräfte nun drängen, wird als unerwünscht erklärt und von den Regierungen mit allen Mitteln bekämpft.

Die Zentralbanken versuchen mit noch mehr Geld und noch niedrigeren Zinsen die Übelstände ab- zuwenden, die sie mit zuviel Kredit und Geld, bereitgestellt zu niedrigen Zinsen, heraufbeschworen haben. Die Regierungen bewahren mit einer bisher einzigartigen Umverteilung Banken vor dem Kollaps. Sie sprechen Garantien für die Bankverbindlichkeiten aus und stellen ihnen aus Steuergeldern finanzierte Eigenkapitalspritzen zur Verfügung. Die resultierenden finanziellen Lasten dürften die Zahlungsfähigkeit und -bereitschaft der Steuerzahler überfordern. Ein Weg also, der droht, in die Hyperinflation zu münden.

Der „aufrichtige“ Weg zur Entschärfung der Lage wäre das Zurückzahlen der Kredite. Er wäre sicherlich alles andere als kostenlos, denn es gäbe zunächst schwere Rezession, Arbeitslosigkeit, Bankenpleiten, ein Schrumpfen des Kredit- und Geldmengenangebots und Deflation. Denn das heutige Papiergeldsystem hat die Besonderheit, dass ein solches Zurückzahlen der Bankkredite zu einer Verminderung der Geldmenge führt. Sinkt die Geldmenge, dann werden früher oder später auch die Preise der Konsumund Vermögensgüter (Aktien, Grundstücke, Häuser etc.) fallen, die zuvor durch die Geldmengenausweitung inflationiert wurden.

Deflation würde nicht nur verschuldeten Konsumenten und Unternehmen arg zusetzen, sondern insbesondere auch Staaten in die Pleite treiben. Bei einer Deflation – einer schrumpfenden Geldmenge – wären Regierungen vermutlich nicht mehr in der Lage, ihre auf Pump finanzierte Existenz fortzuführen. Die laufende Generation der Steuerzahler wäre wohl weder bereit noch in der Lage, die laufenden Staatsausgaben aus eigener Tasche zu zahlen. Die Abkehr vom Verschuldungspfad würde unweigerlich ein Zurückdrängen des Staates erzwingen – was erklären mag, warum gewichtige Stimmen in der Öffentlichkeit die Geschehnisse auf den Finanzmärkten als „Krise“ und nicht etwa als „Korrektur“ darstellen.

Weil aber Deflation in der Öffentlichkeit als unliebsamer gesehen wird als Inflation – gerade in Zeiten, in denen die allgemeine Verschuldung hoch ist –, und weil der Staat ungezügelt die Geldmenge ausweiten kann, ist die Gefahr für eine Zerstörung des Geldwertes durch Inflation besonders groß. Schließlich kann Deflation dadurch abgewendet werden, dass die Zentralbanken neues Geld in Umlauf bringen. Bekanntermaßen verursacht Inflation gro- ße wirtschaftliche Schäden und macht weite Teile der Bevölkerung zu Bedürftigen – und Interessenten – einer Politik der Umverteilung und Freiheitsbeschneidung.

Das Desaster auf den Finanzmärkten macht nur allzu deutlich, dass das staatlich kontrollierte Papiergeldsystem kein nachhaltig verlässliches Geld bereitstellt und dass eine Reform der Geldordnung unausweichlich geworden ist. Vor diesem Hintergrund wäre es verfehlt, die Vorzüge des freien Marktgeldes – repräsentiert etwa durch den Goldstandard – aus den Augen zu verlieren. Ludwig von Mises schrieb im Jahre 1940: „Man hat an der Goldwährung manches auszusetzen gewusst; man hat ihr den Vorwurf gemacht, dass sie nicht vollkommen sei. Doch niemand weiß anzugeben, wie man an Stelle der Goldwährung Vollkommeneres und Besseres setzen könnte. Gewiss, die Goldwährung ist nicht wertstabil. Doch Wertstabilität und Kaufkraftfestigkeit sind Unbegriffe. In einer sich verändernden Welt, das heißt in einer lebenden Welt, kann es keine Festigkeit der Kaufkraft und keine Wertstabilität geben. Dass die Kaufkraft des Geldes schwankt, ist für ein Geld eines nicht starren Systems der Marktbeziehungen notwendig; in einem erstarrten System, das dem Gedankenbild der gleichmäßigen Wirtschaft entspräche, wäre aber für Geld überhaupt kein Raum. Die Goldwährung macht die Gestaltung der Kaufkraft von dem Einfluss der Politik und der schwankenden wirtschaftspolitischen Anschauungen wechselnder Majoritäten unabhängig. Das ist ihr Vorzug.“

Das Reformkonzept für gutes Geld lautet „Free Banking“, das vollständige Privatisieren des Geldes. In einem ersten Schritt wären dazu die Verbindlichkeiten der Banken in einem festen Umtauschverhältnis an das Gold anzubinden, das noch in den Kellern der Zentralbanken lagert. Gleichzeitig wäre Geldhaltern das Recht einzuräumen, ihre Bankguthaben jederzeit in Gold umtauschen zu können. Die Kreditinstitute wären jederzeit zahlungsfähig. Bankpleiten würden nicht mehr die volkswirtschaftliche Geldmenge vermindern, und Steuerzahler würden nicht in die Pflicht genommen für Verluste aus dem Bankgeschäft.

In einem zweiten Schritt könnte das Geldsystem privatisiert, also in ein System des „Free Banking“ entlassen werden. Geschäftsbanken könnten wie bisher als Anbieter von Einlagen und Krediten tätig sein. Allerdings würden sie die Geldmenge durch Kreditwährung nicht mehr verändern. Denn vermutlich würde der Marktstandard für gutes Geld, wie in früheren Epochen auch, ein durch Gold und/oder Silber gedecktes Geld sein („Bimetallismus“). Zentralbanken würden die Hoheit über die Geldmenge verlieren und vermutlich durch privatwirtschaftlich organisierte Einlagensicherungsfonds ersetzt werden.

Ein solches System verspräche nicht nur „besseres Geld“, sondern Konjunkturverläufe würden auch weniger schwankungsanfällig, weil freies Marktgeld Fehlinvestitionen und damit Wirtschaftskrisen entgegenwirkt. Der Spielraum für wachstumsschädliche Marktinterventionen, die regelmäßig aus Wirtschafts- und Finanzkrisen erwachsen, würde zurückgedrängt. Damit würde auch die Bedrohung der Freiheit, die latente Gefahr monetärer Planwirtschaft, entschärft. Freies Marktgeld ist die beste Versicherung gegen die Unbeherrschbarkeit und Willfährigkeit des staatlichen Papiergeldmonopols.

Information

Dieser Artikel erschien zuerst in eigentümlich frei Nr. 91.

Internet

www.mises.org


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