28. März 2009

Abzocker Bankervergütung und Wirtschaftskrisen

Inflationierende Geldmenge, explodierende Boni

Ein in den letzten Jahren immer wiederkehrendes Thema in der öffentlichen Debatte ist die Angemessenheit bzw. Nichtangemessenheit der Managergehälter und sonstiger Vergütung. Unweigerlich haften bleiben musste insbesondere das Verhalten im Rahmen der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone. Die Anklage von Esser, Funke, Ackermann und Co. wegen der angeblichen Veruntreuung von Geldern war das politische Symbol der öffentlichen Empörung über die als ungerecht empfundenen Einkommen der deutschen Manager. Den Siedepunkt erreichte der medial geschürte Volkszorn, als Ackermann zwar wenig sensibel, aber selbstbewusst den Gerichtsreportern das Victory-Zeichen als Fotomotiv darbot.

Die – wie absehbar – zur Wirtschaftskrise mutierte Kreditkrise der Banken nährt die öffentliche Missgunst gegenüber den Managern und als Reflex neuerliche Bestrebungen zur gesetzlichen Kappung der Managergehälter. Politiker werden durch die öffentliche Meinung in demselben Umfang beeinflusst, wie sie sie beeinflussen. Anknüpfungspunkt der schwelenden Kontroverse ist ein amerikanisches Gesetz, mit dem eine neunzigprozentige Steuer auf die an ihre Manager gezahlten Boni solcher Unternehmen erhoben wird, die mehr als 5 Mrd. US-Dollar staatliche Subventionen erhalten haben. Auslöser dieser geplanten Gesetzgebung ist das Bekannt werden von Boni im Umfang von mehr als 160 Millionen US-Dollar bei der American International Group, die als eines der ersten systemrelevanten Unternehmen Staatshilfe erhielt.

Da in normalen Zeiten das Geschehen in den Vereinigten Staaten dem in Deutschland um einige Jahre voraus ist, in Krisenzeiten wie diesen dieser Vorsprung auf einige Wochen sinkt, wissen deutsche Vorstände, was auf sie zukommt. In vorauseilendem Gehorsam kündigen die Vorstände deutscher Unternehmen an, auf ihre Boni zu verzichten. Wolfgang Klein, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post, hat bereits erklärt, im Jahr 2009 für nur einen einzigen Euro arbeiten zu wollen. Dabei erlaubt das Finanzmarktstabilisierungsgesetz längst die Deckelung der Vorstandsvergütung der Unternehmen, die sich um Mittel aus dem SoFFin bemühen. Die zugehörige Verordnung schreibt vor, dass eine monetäre Vergütung von mehr als 500.000 Euro pro Jahr in jedem Falle unangemessen sei. Zusätzlich überlegen die Mitglieder der großen Koalition, wie sie die für Gehaltsvereinbarungen mit Vorständen zuständigen Aufsichtsräte deutscher Aktiengesellschaften stärker dem unterwerfen können, was politisch für richtig gehalten wird.

Sind die politische Reaktion auf den öffentlichen Aufschrei und die Verstärkung desselben durch die Politik leicht vorhersagbar, so stellt sich doch die Frage, welche ökonomischen Gründe die Explosion der Vorstandsgehälter insbesondere in der Kreditbranche hat. Eine Studie zweier amerikanischer Wissenschaftler kommt zu dem Ergebnis, dass die Gehälter der Banker seit den neunziger Jahren dramatisch angestiegen sind. Sie weisen nicht nur auf den enormen absoluten Anstieg der Gehälter hin, sondern auch auf den relativen Abstand zu anderen Branchen. Akademiker können als Banker wesentlich mehr verdienen als als Forscher. Man bedenke in diesem Zusammenhang die Anwerbung von Physikern und Mathematikern für die Erschaffung komplexer Anlageprodukte. In der Vergangenheit – die Autoren werfen einen Blick zurück in die Geschichte bis ins Jahr 1909 – sei ein vergleichbarer Abstand zwischen den Einkommen der Banker und anderer Branchen nur an Wall Street in der Zeit vor der großen Depression ab 1929 zu verzeichnen gewesen. Die Autoren führen das Ansteigen der Entlohnung dies auf die (zu) geringe Regulierung der Branche zurück. Tatsächlich brachte der New Deal in den Jahren 1933 und 1934 den Securities Act und den Securities Exchange Act, die eine zuvor unerhörte Regulierung bedeuteten. Andererseits erkennen die Verfasser auch, dass in der Zeit zwischen 1930 und 1980 die an Banker gestellten Anforderungen deutlich geringer waren: Banker waren einfach nicht so gut ausgebildet wie vorher und heute. Wo Menschen einen Beruf ausüben, der hohe Anforderungen mit sich bringt und der nicht von jedem ausgeübt werden kann, steigt selbstverständlich deren Entlohnung. Dies zieht im Übrigen einen weiteren Effekt nach sich: Wenn die Anforderungen und die Entlohnung im privaten Sektor steigen, dann haben Regulierungsbehörden es schwerer, geeignetes Personal zu rekrutieren. Die fähigeren Leute  sind der behördlichen Zweitklassigkeit dann gern eine Nasenlänge voraus.

Ein anderer Aspekt kommt in der Studie nicht zum Ausdruck. Die Bankbranche ist die, die in einem Teilreservesystem das Geld zuerst in Besitz hat. Die Branche, in der neu geschaffenes Geld zuerst zu Verfügung steht ist die, in der – wie von Cantillon begründet – die Gehälter zuerst ansteigen. Dass ausgerechnet die Gehälter der Bankbranche relativ zu den Gehältern anderer Branchen steigen, ist somit erklärbar. Die auf die Inflation der Geldmenge zurückzuführenden Gehaltssteigerungen werden nun durch Besteuerung eingedämmt. Auch das war unter einem anderen Gesichtspunkt vorhersehbar: Wie Mises festgestellt hat, zieht politische Intervention immer weitere interventionistische Maßnahmen nach sich. So gesehen ist die Bankerentlohnung nur der Vorbote der bald auch in anderen Branchen einsetzenden Teuerung. Daran kann auch die Verfälschung der Marktpreise durch eine konfiskatorische Besteuerung der Bankereinkommen nichts ändern.

Mehr bei ef:

Cantillon-Effekte

Internet:

Zur Vorstandsvergütung, FAZ v. 15.03.2009

Bestrebungen zur Änderung der Vorstandsvergütung, FAZ v. 10.03.2009

Banker sind überbezahlt, Handelsblatt v. 09.02.2009


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