08. April 2009

Bank-Märchen Die Geschichte vom bösen Kind

Und so geschah es…

Es war einmal ein kleines Dorf. Dort lebten die Menschen glücklich und gingen zufrieden ihrer Arbeit nach. Der Schultheiß Peer und seine stolze Gattin Angel regierten und regelten alle Angelegenheiten und Streitigkeiten.

Nur eines störte den Frieden. Es gab ein Kind, das frech und wild durchs Dorf tobte. Keine Mauer und kein Zaun war ihm zu hoch, als dass es nicht darüber geklettert wäre. Kein Schloss war ihm zu schwierig, es zu öffnen. Es stahl, es log und betrog alle, die nicht aufpassten.

Die Leute sagten: „Peer, warum unternehmt ihr nichts gegen den Balg? Er ist zu nichts Nütze und bringt uns nur Unglück!“.

Der Schultheiß erwiderte: „Ich kann nichts tun. Er hat mächtige Freunde und angeblich gefährliche Anverwandte in dem fernen Land über dem großen Meer.“

Niemand wusste Genaueres über seine Herkunft und seine Eltern. Hinter vorgehaltener Hand flüsterten manche Alte, es würde sich um eine Ausgeburt der Hölle handeln.

Auch seinen Namen kannte kaum einer. Daher wurde er von allen Bankert gerufen. Da es hier Sitte war, alle Namen zu verkürzen, wurde er kurz Bank genannt.

Sein letzter böser Streich war das Abbrennen einer Scheune des Schmiedes. Da Bank auch aus Langeweile beim Löschen mithalf, forderte er dreist dafür Geld. Als ihm der Schmied eine Maulschelle anbot, wurde dieser sofort vom Büttel des Schultheiß verhaftet und in Eisen gelegt. Kein Richter oder Ankläger traute sich gegen das böse Kind vorzugehen.

So geschah es, dass Bank eines Tages beim Versuch, einen toten Hund in den Dorfbrunnen zu werfen, in diesen hineinfiel.

Lautstark forderte er Hilfe. Da gerade Angel mit Peer des Weges kamen, hörten sie die Rufe und Angel meinte: „Ich kann ihm nicht helfen. Ich kann nicht schwimmen. Wir haben keine Seile und Stangen. Hilf du ihm!“ Aber Peer hatte Angst in den dunklen Brunnen zu steigen. Bank einfach ertrinken zu lassen, getrauten sie sich aber ob der gefährlichen Verwandten nicht. So sandten sie Boten aus und riefen Fachleute und Ratgeber zu Hilfe. MacKingsly und Burger schickten die fähigsten Berater und man tagte verzweifelt. Keine Lösung schien geeignet.

Da kam eine Schar kleiner Kinder des Weges, um sich auf der Wiese am Bach zu vergnügen. Die schlaue Angel wusste sofort Rat. „Wir werfen solange kleine Kinder in den Brunnen, bis Bank Grund findet und darauf stehen kann.“

Und so geschah es.

Kaum konnte Bank ohne Schwimmbewegungen stehen, meldete er sich lautstark zu Wort: „Dafür will ich aber ein gutes Salär! Weitere Forderungen erhaltet ihr, sobald ihr mich herausgeholt habt!“

„Warum sollten wir dir noch etwas zahlen? Du hast doch den Schaden verursacht!
Sollen wir dich doch noch ersaufen lassen?“

„Wagt das bloß nicht! Ich würde euch verfluchen! Mein Oheim Ben aus dem fernen Land würde euch alle vernichten. Seine Heere haben schon viele andere Länder wegen geringfügigeren Vergehen dem Erdboden gleichgemacht. Seid dankbar, dass ich mich von euch retten lasse! Und jetzt holt mich endlich raus!“

Leise flüsterte Angel zu Peer: „Wir retten ihn und füttern ihn durch. Sobald er wieder kräftig ist, verkaufen wir ihn an einen Sklavenhalter oder an vorbeiziehende Nomaden! So haben wir unsere Kosten wieder!“

Also ließen sie Seile in den Brunnen hinab und zogen Bank herauf.

Sobald dieser aber wieder auf sicherem Boden stand, trieb er es toller als je zuvor, und kein Schultheiß und kein Büttel wagten es gegen ihn vorzugehen. Sein mächtiger Oheim hielt schützend die Hand über ihn. Er ließ Angel und Peer verhaften, weil sie Bank nicht sofort und ohne Zögern gerettet hatten.

So konnte Bank weiter sein Unwesen treiben.

Und wenn er nicht gestorben wurde, so lügt, betrügt und stiehlt er noch heute.


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Autor

Herbert Kuhn

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