23. April 2009

Demographie Stirbt die Nation aus?

Warum mich sinkende Geburtenraten nicht kalt lassen

Zugegeben: Das ganze Kinder-sind-unsere-Zukunft-Gequatsche kann einem schon auf den Keks gehen. Und die familienbezogene Umverteilungsmaschinerie, die nun auch noch um das Elterngeld ergänzt worden ist, ist ein echtes Ärgernis. Nebenbei bemerkt: Wie wir sehen wird das Ziel – nämlich mehr Geburten – ja auch nicht erreicht. Aber das kümmert Frau von der Leyen nicht die Bohne, weil sie in Wirklichkeit nur ihre Gender-Ideologie umsetzen will. Deswegen heißt es landauf, landab, dass das Elterngeld ein großer Erfolg sei.

Trotzdem will ich darlegen, warum mir das Aussterben der Deutschen nicht egal ist. Der demographische Wandel hat massive Auswirkungen auf unser Leben. Für die Bewohner ländlicher Regionen bedeutet es, dass der Arzt nicht mehr in Reichweite ist. Dass der Regionalexpress eingestellt wird. Dass das Stadttheater schließen muss. Das alles ist ein Weniger an Lebensqualität. Und da hilft auch der laxe Hinweis darauf nicht, dass es sich besser lebt, wenn Bevölkerungsdichte sinkt. Im Gegenteil.

In unseren Städten bedeutet Bevölkerungsrückgang eine massive Veränderung der Sozialstruktur. Vor mir liegt eine Zeitschrift der evangelisch-lutherischen Kirche in Barmbeck und Dulsberg (Stadtteile von Hamburg), die ich in meiner Apotheke mitgenommen habe. Auf der letzten Seite sind die Amtshandlungen in fünf Gemeinden ausgelistet. 40 Beerdigungen stehen elf Taufen gegenüber. Das ist eine 4:1-Rate. Die Christen werden schneller dahingerafft als die Statistik erahnen lässt. Die Reihen werden überwiegend aufgefüllt von Moslems oder den Angehörigen anderer Religionen. Die haben alle das Recht ihre Religion auszuüben – keine Frage. Aber der Charakter unseres seit vielen Jahrhunderten vom Christentum geprägten Landes ändert sich dadurch massiv. Ich für meinen Teil möchte nicht in einem Dritte-Welt-Land meinen Lebensabend verbringen.

In anderen Ländern vollzieht sich dieser Wandel noch drastischer. In der Ukraine haben sie eine der niedrigsten Geburtenraten. Außerdem gehen die jungen Leute weg. Immer noch. Zwanzig Jahre nach dem Ende der Sowjetunion. Zurück bleiben die Alten und Schwachen. Das Land verändert sich dadurch massiv. Es gibt auch noch eine atemberaubende Rate von HIV-Infizierten, Schätzungen gehen bis zu zehn Prozent. In einer Generation wird das Land nicht wiederzuerkennen sein. Dieses Schicksal droht in abgeschwächter Weise auch Italien. Es gibt keine Bambini mehr. In wenigen Jahrzehnten ist Italien ein Freilicht-Zoo, wenn sich dieser Trend nicht ändert. Die Italiener kennen das schon. Rom, einst die bedeutendste Stadt der Antike mit einer geschätzten Einwohnerzahl von einer Million, war im frühen Mittelalter extrem geschrumpft. Um 500, nach mehreren Plünderungen durch Barbaren, grasten Ziegen auf den Hügeln der Stadt. Einwohnerzahl: 17.000. Jetzt mal ehrlich: Wo würden wir lieber leben: Im Rom der blühenden Kaiserzeit oder im „Rom mit Ziegen“ ein paar Jahrhunderte später?

Ist jemand, der Berlin das gleiche Schicksal ersparen will, gleich ein Nationalist, der Frauen zu Gebärmaschinen degradiert?

Wie das Elterngeld zeigt, bringen selbst massive staatliche Hilfen moderne Frauen nicht dazu, Kinder am laufenden Band zu produzieren. Mal ganz abgesehen davon, dass diese Umverteilung unmoralisch ist. Ich finde: Kinder sind zwar kein Hobby, aber Privatsache. Der Staat sollte sich aus der Familie heraushalten, alle diesbezüglichen Sozialleistungen abschaffen und den Bürgern das gestohlene Geld in Form von Steuersenkungen zurückgeben. In solch einem Umfeld würde es mehr Wohlstand für alle geben – und bestimmt auch ein paar Geburten mehr.


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