30. April 2009

Militärischer Einsatz gegen die Piraten „Jetzt zeigen wir es den Negern!“

Die Kriegstrommeln werden gerührt

Jetzt spielen sie also wieder, die „drums of war“, wie die Amerikaner sie nennen. Die Kriegstrommeln. Die Deutschen (eigentlich alle im Westen) sind seit einem halben Jahr einer gewaltigen Medienkampagne ausgesetzt, in der es um Leute geht, die sie eigentlich nur aus Hollywoodfilmen kennen: Piraten. Der „Spiegel“ nannte es das „Duell am Tor der Tränen“. Und die „Frankfurter Rundschau“ titelte: „Der neue Feind: Pirat `08“ Dazu werden auf allen Kanälen immer wieder verwackelte Bilder von Schlauchbooten gezeigt, die auf Tanker zurasen. Darauf bewaffnete Farbige, denen niemand gerne im Dunkeln begegnen möchte.

Für mich sieht es so aus: Die Menschen in den westlichen Industrienationen sollen auf einen neuen Krieg vorbereitet werden. Jeder neue entführte Riesentanker kommt den Strategen in Brüssel, Washington, New York und Berlin ganz recht. 2008 haben solche Freibeuter über dreißig Schiffe gekapert und die Mannschaft zu Geiseln gemacht. In diesem Jahr ging es munter weiter. Davon kommt nur, wer die Verteidigung in die eigene Hand nimmt – das haben wir bei der Mercury gesehen. Aber dazu fehlt offenbar vielen Reedern der Mut. Außerdem machen sie sich strafbar, wenn sie ihre Mannschaft bewaffnen. Das ist der eigentliche Skandal.

Was würde passieren, wenn die ersten zwanzig toten Piraten im Indischen Ozean treiben, nachdem sie ein westliches Handelsschiff angegriffen haben? Dann wäre „Ruhe im Karton“. Die Piraten würden auf Drogendealer, Türsteher, Schutzgelderpresser oder Viva-Moderator umsatteln, aber bestimmt keine Handelsschiffe mehr angreifen. Meine These: Die Regierungen wollen gar nicht, dass das Piraten-Problem gelöst wird. Sie brauchen den Konflikt für ihre Weltbeglückungspläne.

Es geht im Kern um zwei Dinge: Zum einen will der Westen sein Protektorat in der Region ausweiten. Nach Afghanistan und Irak, die besetzt wurden, und vielen anderen Staaten, die anders gefügig gemacht wurden, sollen jetzt auch die Staaten Ostafrikas wieder unter Kontrolle kommen. Es ist ja gar nicht so lange her, dass US-Truppen, in deren Windschatten auch erstmals Bundeswehreinheiten einen Auslandseinsatz absolvieren durften, aus Somalia verjagt worden sind.

Zum anderen träumen die EU-Bürokraten noch immer von der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft, die vor über fünfzig Jahren am Widerstand der Franzosen gescheitert ist. Jetzt soll es endlich so weit sein. Erster EU-Einsatz. Für den Frieden natürlich. Um das den Bürgern in Europa nahe zu bringen, werden uns nun die Fernsehbilder von den blutrünstigen, neuzeitlichen Piraten präsentiert. Der Durchschnittsbürger sitzt womöglich vor dem heimischen Fernseher und schimpft: „Diesen Negern zeigen wir es jetzt mal. Die Politiker sollen gefälligst für Ruhe und Ordnung sorgen!“ Und schon ist die Mehrheit für eine entsprechende Bundeswehr-Beteiligung nicht mehr weit.

Und dann? Dann rücken EU- oder Nato-Truppen in Somalia ein. Ein Ende der Operation ist wie stets nicht vorgesehen. Wann immer das Mandat verlängert werden soll wird uns der Verteidigungsminister mit verkniffener Miene verkünden, wir könnten gerade jetzt nicht den Rückzug antreten, weil Aufbauarbeit geleistet und der Uno-Beschluss soundso zu Ende gebracht werden muss.

Dann müssen wir plötzlich Schulen, Krankenhäuser oder andere wichtige Einrichtungen von unserem Steuergeld finanzieren. Die weltanschauliche Begründung, warum wir das müssen, hat die „Frankfurter Rundschau“ auch schon mitgeliefert. Die Piraten sind schließlich „eine eingeschworene, verbitterte Gemeinschaft, die sich vom Rest der Welt nicht ganz zu Unrecht ausgeraubt und vernachlässigt fühlt.“

Die neue Umverteilungsmaschinerie ist längst in Gang gesetzt.


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