07. Mai 2009

8. Mai Europa feiert den Tag des Sieges

Stalin-Denkmäler als Warnung an uns alle

Ich war zum ersten Mal seit Jahren wieder im Treptower Park in Berlin. Die Kommunisten haben dort nach 1945 ein monströses Siegesdenkmal errichtet. Die Riesenstatue von Jakow Belopolski (Architekt) und Jewgeni Wutschetitsch (Bildhauer) zeigt einen Rotarmisten, der ein Hakenkreuz mit einem Langschwert zertrümmert hat und auf dem Arm ein kleines Kind trägt. Das Kind, das sich an seine Wange schmiegt, repräsentiert das unschuldige deutsche Volk, das vom Faschismus befreit wurde.

Soweit die Sowjetpropaganda. Die Demokraten hatten nach 1990 nicht den Schneid, das Denkmal zu entfernen. Inzwischen ist es unantastbar, weil Deutschland die kommunistische Geschichtsschreibung vollauf akzeptiert und zur Staatsräson gemacht hat.

Am morgigen achten Mai können wir uns davon einmal mehr im Fernsehen überzeugen. Die Medien und die Politiker aller Parteien werden sich wieder überschlagen, wenn es zu bekunden gilt, wie froh wir über die sowjetische „Befreiung vom Faschismus“ sein können. Je weniger Zeitzeugen leben, desto einfacher wird es, diese vereinfachte Darstellung in die Hirne der Nachwachsenden zu pressen.

Dabei zeigt gerade das neu erwachte Selbstbewusstsein einiger osteuropäischer Staaten wie zum Beispiel Estland, dass es auch anders geht. Die Esten wehren sich gegen ein russisches Siegesdenkmal und wollen es auf einen Soldatenfriedhof verlegen.

Die Russen haben nämlich bei ihrem Siegeszug 1945 überall solche Siegesdenkmäler hinterlassen. Durch sie sollte der Krieg präsent gehalten und ständige „Dankbarkeit“ (in Wirklichkeit: Gehorsam gegenüber den Herrschenden) abverlangt werden. Vier Jahrzehnte lang unterjochte Moskau so halb Europa durch seine Vasallenregierungen.

Im eigenen Land dagegen war Stalin bemüht, die Erinnerung an den Krieg möglichst klein zu halten. Der Wiederaufbau und der beginnende Kalte Krieg hatten größere Priorität als die Erinnerung an den Krieg. Erst in den 60er Jahren wurden dem Treptower Ehrenmal ähnliche Denkmäler errichtet, sie lagen fernab der Stadtzentren. In Moskau existiert ein solcher Ort erst seit 1995 (!), obwohl es in der Kriegszeit und danach nicht an Vorschlägen gemangelt hat.

Schade, dass niemand in unserem Fernsehen darüber berichtet, dass diese Denkmäler und der ganze Achte-Mai-Befreiungsrummel nur ein Propagandainstrument der Kommunisten war, das sie nach Gutdünken eingesetzt haben – ohne selbst daran zu glauben.


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