André F. Lichtschlag

Jg. 1968, Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "eigentümlich frei", Verleger (ef und Lichtschlag Buchverlag).

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Zeitgeist II.: Unter Rechten

von André F. Lichtschlag

Eine hinterhergeschobene Überlegung

Gestern haben wir über den Polit-Bestseller des „Spiegel“-Autors Jan Fleischhauer, „Unter Linken“, berichtet. Wir bemerkten, dass Fleischhauer vor dem letzten Schritt noch zurückschreckt und sich nicht als Rechten outet. Es sind auch mit seinem Buch nicht alle Tabus gefallen. Noch funktioniert die Abschreckung, noch ist „rechts“, wie Fleischhauer feststellt, das Verdammungsurteil.

Dabei liefert der Journalist eine Munition für eine Urteilsrevision, die ihm möglicherweise nicht bewusst ist. Sehen wir uns seine amüsante Schau auf das, was links war und ist, einmal genauer an. Fleischhauer beschreibt die intellektuelle, gesetzte Linke, nicht etwa die Punk-Linke oder die Basis der Gewerkschaftslinken. Schauen wir zum Vergleich auf den sehr kleinen Zirkel jener intellektuellen „Rechten“, die durch die Verdammungsurteile öffentlich und oft auch sozial kaltgestellt werden sollen.

Der kleine Jan durfte keine Disney-Filme sehen und nicht bei McDonalds essen. Ganz sicher geht es den Kindern der intellektuellen „Rechten“ genauso, denn der Antiamerikanismus ist dort ebenfalls ein konstituierendes Element. Dort hätte er zudem womöglich noch konsequenter nicht einmal amerikanische Jeans, sondern Cordhosen getragen. Das versteckt snobistische Misstrauen gegen den „Konsumterror“ hätte er ebenfalls von klein auf erlernen dürfen. Womöglich hätte er keine unverständlichen französischen Schwarz-Weiß-Streifen anstelle der Hollywood-Filme ertragen müssen, dafür wäre ihm britische weiße Mode anstelle der amerikanischen angetragen worden. Asterix und Obelix statt Micky Maus und Dagobert Duck – das hätte auch für den kleinen „rechten“ Fleischhauer gegolten. Jan hätte Israel, die Juden, die Katholiken und den Kapitalismus ebenso gehasst und das Volk anstelle der Demokratie vergöttert, sein Kollektivismus und sein aufgesetzter Egalitarismus wären vom selben Schlag gewesen.

Fleischhauer macht damit zwischen den Zeilen deutlich, dass mit den Nationalisten als „Rechten“ nur der kleine linke Bruder als Konkurrent verdammt wird. Diese Sprachverwirrung ist womöglich neben verständlicher Ängstlichkeit auch ein Grund dafür, dass sich Fleischhauer zwar als Konservativer outet, vor dem Unwort „rechts“ aber zurückschreckt. Dann wollte er aus demselben Grunde noch kein „Rechter“ wie nun kein Linker mehr sein.

Spannend wird es also erst richtig, wenn die vermeintlichen „Rechten“ als linke Konkurrenten erkannt werden und sich Rechte wie Fleischhauer dessen bewusst werden. Dann könnte wirklich wieder einmal die Jugend aufbegehren, diesmal sowohl gegen die Volks- als auch gegen die Parteigenossen. Rock gegen links. Gegen die 68er ebenso wie gegen die 33er. Dann wird Vergangenheit bewältigt gegen ein sattes Milieu, das nichts aus der Geschichte gelernt hat. Wenn der erste Nicht-Nationalist und damit auch Nicht-Linke aufsteht und bekennt, ja, ich bin ein Rechter, dann ist nicht nur die totalitäre Sprachpolitik der politischen Korrektheit mit der Methode Ruhrpottkanacken geknackt. Dann ist eine Diskussion über 220 Jahre Irrweg eröffnet.

Internet

Unter Linken

11. Mai 2009

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