14. Mai 2009

Fernsehpreise Selbstbedienungsladen Staatskultur

Wie Geld verprasst wird

Kulturpreisverleihungen gelten oft ausgerechnet jenen „Künstlern“, deren Werk nichts taugt und deshalb eigentlich unverkäuflich ist. Gleichzeitig sind sie aber politisch korrekt und daher unbedingt förderungswürdig. Vor einer Woche zum Beispiel, da war es mal wieder so weit. Die ARD hat den „Civis Medienpreis“ vergeben und eine Riesenparty gefeiert. So wie jedes Jahr.

Wer braucht diesen Preis? Niemand, außer den Preisträgern natürlich. Und den ARD-Bonzen, die die Preisverleihung zur Selbstdarstellung nutzen. Geehrt werden vorzugsweise Sendungen über Ausländer oder Nazis wie beispielsweise: „NPD auf dem Vormarsch – Wie Rechtsextreme in den Kommunen Wahlerfolge erzielen“ vom RBB (2004) oder „Abschiebung im Morgengrauen – Alltag in der Ausländerbehörde“ vom NDR (2005).

Obwohl es sich um einen „Medienpreis“ handelt, nehmen die Medien keinerlei Notiz. Am Tag der Preisverleihung musste die interessierte Öffentlichkeit, falls es eine gibt, vergeblich nach Informationen suchen. Irgendwann zu später Stunde wurde dann in der ARD berichtet. Dann, wenn ohnehin kaum einer mehr zuschaut.

Die Preisträger bekommen fast 50.000 Euro, dazu kommen die Kosten für die Party, die Jury, das ganze Drumherum. Das alles macht für die GEZ-Zwangszahler eine hübsche Stange Geld. Aber kaum jemand nimmt diese Preisverleihung überhaupt wahr. Falls Sie es nicht glauben, fragen Sie mal in Ihrem Bekanntenkreis, wer etwas mit „Civis“ anfangen kann?!

Im staatlichen Kulturbetrieb liegen Verschwendung und Größenwahn nah beieinander. In Italien ist das noch schlimmer als bei uns. Hier wird zum Beispiel der „Premio Grinzane Cavour“, ein staatlicher Literaturpreis, vergeben. In diesem Jahr gab es Schwierigkeiten: Der Präsident der Stiftung, die den Preis vergibt, Giuliano Soria, kam im März in U-Haft. Zunächst wurden dem Kulturmanager von eigenen Angestellten sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Im Laufe der Verhöre kamen noch ganz andere Dinge ans Tageslicht: Soria soll aus den sechs Millionen Euro öffentlicher Subventionen für sein verwickeltes Gebäude von Literatur-, Gastronomie-, Garten-, Jugend- und Drittweltpreisen 915.000 Euro für eigene Zwecke abgezweigt haben.

Giuliano Soria hat als Übersetzer aus dem Spanischen eher klein angefangen. Heute ist er Ehrenbürger von Salamanca, französischer „Chevalier des Arts et Lettres“ und Honorarprofessor in Rom. Der feine Herr soll seine fünfhundert Quadratmeter große Turiner Residenz mit Geldern für den Literaturpreis ausgebaut haben. Ebenfalls unter Anklage steht Angelo Soria, der Fratello (Bruder) des früheren Stiftungspräsidenten. Die Familie steht noch hoch im Kurs bei den Italienern. Angelo bleibt in Haft, titelten italienische Zeitungen Anfang Mai.

Die „FAZ“ nennt Sorias Kulturbetrieb ein „Laudatoren-Imperium, das am Schluss nicht weniger als sechsundzwanzig höchst disparate Unter- und Nebenpreise sowie Schulprojekte umfasste“. Das Geld kam vom Kulturministerium in Rom, der Region Piemont und zahlreichen Unternehmen und Banken aus der Gegend.

Nicht nur Größenwahn und Verschwendungssucht liegen nah beieinander im Kulturbetrieb. Auch Glamour und Gitterstäbe.


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