David Schah

Jahrgang 1964, Redaktion eigentümlich frei

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Weltwirtschaftskrise 2.0: Die falsche Vergangenheitsbewältigung

von David Schah

David Friedman überprüft die Mythen der postmodernen Wirtschaftswaisen

Auch die Wirtschaftsgeschichte wird von den Siegern geschrieben. Die Gewinner sind die keynesianischen Ökonomen, deren wirtschaftlicher Erfolg davon abhängig ist, dass sie das wissenschaftlich ummantelte Rüstzeug für die Stateholder-Value-Bedürfnisse der Klasse der Staatsmonopolkapitalisten liefern. Diese Aufgabe haben sie so gut gelöst, dass drei Mythen inzwischen zum vergesellschafteten ökonomischen Allgemeinwissen gehören: 1. Der Manchester-Kapitalismus hat das Leben breiter Massen elender gemacht 2. Die Erste Weltwirtschaftskrise wurde falsch behandelt und unnötig verschlimmert, indem die USA die Steuern senkten und die Staatsausgaben drosselten 3. Erst das gigantische Konjunkturprogramm des New Deal gab der Weltwirtschaft wieder Auftrieb.

Der radikale Anarchokapitalist David Friedman, Sohn des Wirtschaftsnobelpreisträgers Milton Friedman, hat sich die Mühe gemacht, einmal in den historischen Statistiken der USA zu stöbern, und fand heraus, dass die Staatsausgaben in den ersten vier Krisenjahren 1929 bis 1932 stetig und um insgesamt 50% stiegen, während zur gleichen Zeit die Preise und das durchschnittliche Einkommen der Bürger deutlich fielen. Gemessen an der Kaufkraft verdoppelten sich die Staatsausgaben in diesem Zeitraum sogar. Eine ähnliche Entwicklung können wir heute beobachten: Die auf Pump finanzierten Staatsausgaben steigen stark an, während dennoch zunächst die Preise fallen, da die Kauflust der verunsicherten und verarmenden Bürger sinkt.

Mit dem New Deal (1933 bis 1943) hielt das Wachstum der Staatsausgaben an, und schließlich konnte sich die US-Wirtschaft aufgrund der Hochkonjunktur in der Rüstungsbranche im Zuge des Zweiten Weltkriegs berappeln. David Friedman bezweifelt, dass diese Erholung auf den New Deal zurückführen ist und dass die Krise dementsprechend ohne den New Deal noch länger angedauert hätte: „Die große Depression war ungewöhnlich lang, nicht etwa ungewöhnlich kurz. Zu behaupten, der New Deal sei ein Erfolg gewesen, da die Wirtschaft sich erholt habe, ist als ob man sagen würde, dass wenn ein Doktor einen Patienten ausbluten lässt und der Patient dies überlebt und sich erholt, diese Behandlung als Erfolg zu gelten habe.“

David Friedmann weist auch auf eine andere wenig bekannte Große Depression hin, die aber schon im Keime erstickt wurde: Von 1920 bis 1921 fiel der Verbraucherpreisindex um 10,8 Prozent, mehr als in jedem einzelnen Jahr der späteren Weltwirtschaftskrise. Gleichzeitig stieg die Arbeitslosenquote auf ein Niveau, dass erst 1931 wieder erreicht wurde. Offensichtlich drohte hier eine ernstzunehmende Wirtschaftskrise. Die US-Regierung reagierte, indem sie tatsächlich Steuern und Staatsausgaben senkte, und siehe da: 1923 hatte sich die Rezession in Luft aufgelöst.

Staatsausgaben steigern, Steuern erhöhen und die Rüstungsindustrie durch den Eintritt in einen Weltkrieg stärken, also Wohlstand schaffen durch Verschwendung, Diebstahl und Zerstörung: Das sind die drei gefährlichsten falschen Lehren, die heutige Wirtschaftswaisenkinder und Politiker aus der Geschichte ziehen können. Die ersten beiden Irrlehren werden schon eifrig in die Tat umgesetzt. Die Umsetzung der dritten Lehre ist vielleicht schon in Vorbereitung, möglicherweise mit Hilfe von Kim Yong Il oder auch Ahmadinedschad als dem postmodernen Kurras der neuen Weltordnung.

Internet:

Blog von David Friedman

Historical Statistics of the United States

28. Mai 2009

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