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Radikalliberale Analyse: Das demokratische Glaubenssystem

von Hans-Hermann Hoppe

Die Rolle der Property and Freedom Society in einer verrückten Welt

Wir leben in der Zeit des amerikanischen Imperiums. Es mag sein, dass dieses Imperium irgendwann zerbröckelt. In absehbarer Zukunft aber wird es, nicht nur aufgrund seiner Militärmacht, sondern vor allem wegen seiner ideologischen Macht bestehen bleiben. Denn das amerikanische Imperium hat etwas wirklich bemerkenswertes erreicht: die Internalisierung seiner Kernglaubenssätze als intellektuelle Tabus in den Köpfen der meisten Menschen.

Sicher, alle Regierungen stützen sich auf aggressive Gewalt und die US-Regierung ist da keine Ausnahme. Auch sie zögert nicht, jeden zu vernichten, der sich ihrer gesetzgeberischen Willkür widersetzt. Jedoch muss die US-Regierung erstaunlich wenig tatsächliche Gewalt einsetzten, damit ihren Anordnungen gegenüber Gehorsam geleistet wird, weil die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung und insbesondere der meinungsbildenden Intellektuellen das System von Werten und Überzeugungen, das die Grundlage des amerikanischen Imperiums bildet, für sich selbst übernommen hat.

Dem offiziellen, von den USA genehmigten Glaubenssystem zufolge sind wir alle intelligente und vernünftige Menschen, die mit derselben harten Realität konfrontiert und an die selben Tatsachen und Wahrheiten gebunden sind. Es stimmt, dass selbst im Zentrum des amerikanischen Imperiums, in den USA, Menschen nicht in der besten aller Welten leben. Es gibt noch viele Mängel zu beseitigen. Mit dem amerikanischen System demokratischer Regierung hat die Menschheit jedoch eindeutig den perfekten institutionellen Rahmen gefunden, der den weiteren Fortschritt in Richtung einer immer perfekteren Welt ermöglicht; und wenn nur das amerikanische System der Demokratie weltweit übernommen würde, wäre der Weg zur Perfektion überall klar und bereitet.

Die einzige wirklich legitime Form der Regierung ist die Demokratie. Alle anderen Formen sind schlechter. Es gibt Monarchien, Diktaturen und Theokratien, und es gibt feudale Grundbesitzer und Warlords. Und da irgendeine Regierung besser ist als überhaupt keine Regierung, müssen demokratische Regierungen notwendigerweise mit undemokratischen Regierungen kooperieren. Schlussendlich jedoch müssen alle Regierungen dem amerikanischen Ideal entsprechend umgewandelt werden, weil nur Demokratie einen friedlichen und kontinuierlichen Wandel ermöglicht.

Demokratische Regierungen wie die USA und ihre europäischen Verbündeten sind inhärent friedlich und führen keine Kriege gegeneinander. Wenn sie überhaupt Krieg führen müssen, sind es Verteidigungskriege gegen aggressive und undemokratische Regierungsformen, das heißt gerechte Kriege. Somit sind alle Länder und Territorien, die gegenwärtig von amerikanischen Truppen oder von jenen ihrer europäischen Verbündeten besetzt sind, der Aggression schuldig gewesen, und ihre Besetzung durch fremde Truppen ist seitens des demokratischen Westens ein Akt der Selbstverteidigung und der Befreiung gewesen. Die Aggressivität der islamischen Welt ist durch genau die Tatsache bewiesen, dass sich große Teile von ihr unter amerikanisch-westlicher Besatzung befinden und noch mehr Gebiete provozieren genau solch eine befreiende Besatzung.

Demokratische Regierungen sind vom Volk, durch das Volk und für das Volk. In Demokratien herrscht niemand über andere, statt dessen herrscht das Volk über sich selbst und ist daher frei. Steuern sind Beiträge und Zahlungen für die von der Regierung bereitgestellten Dienste; entsprechend sind Steuerhinterzieher Diebe, die ohne zu zahlen nehmen. Flüchtige Diebe zu beherbergen ist daher ein Akt der Aggression gegen das Volk, vor dem sie zu fliehen versuchen.

Privateigentum, Märkte und Gewinne sind gute und nützliche Institutionen, aber eine demokratische Regierung muss mit angemessener Gesetzgebung dafür sorgen, dass Privateigentum und Profite auf sozial verantwortliche Weise erworben werden und dass die Märkte effizient funktionieren. Außerdem können Märkte und gewinnorientierte Unternehmen keine öffentlichen Güter herstellen und somit keine sozialen Bedürfnisse befriedigen. Und sie können sich nicht um die wirklich Bedürftigen kümmern. Nur die Regierung kann sich um soziale Bedürfnisse und die Bedürftigen kümmern. Allein die Regierung kann, über die Finanzierung öffentlicher Güter und die Unterstützung für Bedürftige, die öffentliche Wohlfahrt stärken und die Bedürftigkeit und Zahl der Bedürftigen reduzieren, wenn nicht eliminieren.

Insbesondere muss staatliche Sozialpolitik die privaten Laster Gier und Gewinnstreben unter Kontrolle halten. Gier und Gewinnstreben waren die Grundursachen für die gegenwärtige Wirtschaftskrise. Rücksichtslose Finanziers erzeugten in der Öffentlichkeit einen irrationalen Überschwang, der schließlich an der Realität zerschellte. Der Markt ist offensichtlich gescheitert, und nur Regierungen standen bereit, um die Lage zu retten. Nur Regierungen können über angemessene Regulierung und Überwachung der Bankenindustrie und der Finanzmärkte verhindern, dass so etwas jemals wieder passiert. Banken und Unternehmen gingen bankrott. Regierungen jedoch und ihre Zentralbanken hielten stand und schützten das Geld und die Jobs der Arbeiter.

Von den besten und bestbezahlten Ökonomen der Welt beraten, haben Regierungen die Ursache der Krise entdeckt und festgestellt, dass, um aus dem gegenwärtigen wirtschaftlichen Schlamassel herauszukommen, die Leute sowohl mehr konsumieren als auch investieren müssen. Jeder unter der Matratze gehortete Cent ist ein dem Konsum und der Investition der Gegenwart vorenthaltener Cent, der somit zukünftige Konsum- und Investitionsausgaben schmälert. In einer Rezession müssen unter allen Umständen und vor allen Dingen die Ausgaben gesteigert werden; und wenn die Leute nicht genügend eigenes Geld ausgeben, dann muss es statt ihrer die Regierung mit ihrem Geld tun. Klugerweise haben Regierungen dazu die Möglichkeit, weil ihre Zentralbanken jede notwendige Liquidität produzieren koennen. Wenn Milliarden Dollar oder Euro nicht ausreichen, werden Billionen genügen; und wenn Billionen den Zweck ebenfalls nicht erfüllen, dann sicherlich Billarden. Nur massive staatliche Ausgaben können eine ansonsten unabwendbare ökonomische Kernschmelze verhindern. Insbesondere Arbeitslosigkeit ist das Ergebnis eines zu geringen Konsums: Leute, die nicht genug Geld haben, um Konsumgüter zu kaufen; dieses Problem muss behoben werden, indem ihnen höhere Löhne oder höhere Arbeitslosenunterstützung gegeben werden.

Wenn die gegenwärtige Wirtschaftskrise erstmal überwunden ist, können und müssen sich Regierungen wieder den wirklich dringenden übrigen Problemen der Menschheit widmen: Die Eliminierung aller ungerechten Diskriminierung, das größte Bedürfnis demokratischen Egalitarismus, und die Kontrolle der globalen Umwelt und insbesondere des Weltklimas.

Im Grunde sind alle Menschen gleich. Unterschiede sind nur scheinbar, oberflächlich und bedeutungslos: Manche Menschen sind weiß, manche braun, manche schwarz; manche sind groß, andere sind klein; manche sind männlich und manche sind weiblich; manche sprechen englisch und andere polnisch oder chinesisch; manche haben Krebs oder AIDS und andere nicht. Dies sind zufällige menschliche Eigenschaften. Es ist Zufall, dass manche Menschen sie haben und andere nicht. Diese zufälligen Unterschiede wirken sich jedoch nur auf triviale Weise aus, zum Beispiel, dass große Menschen höher greifen können, dass nur Frauen Kinder gebären können oder dass manche Menschen früher sterben werden als andere. Aber zufällige Unterschiede wie diese haben keinen Einfluss auf geistige Eigenschaften wie Motivationsenergie, Zeitpräferenz oder intellektuelle Fähigkeiten, und sie tragen als solche nicht zur Erklärung ökonomischen und sozialen Erfolgs bei, insbesondere von Einkommen und sozialem Erfolg. Geistige Eigenschaften haben keine körperliche, biologische oder ethnische Grundlage und sind grenzenlos formbar. In dieser Hinsicht ist jeder, mit Ausnahme weniger pathologischer Einzelfälle, jedem anderen gleich und jedes Volk hat im Verlauf der Geschichte einen gleichwertigen Beitrag zur Zivilisation geliefert. Scheinbar offensichtliche Unterschiede sind allein das Ergebnis unterschiedlicher externer Umstände und Bildungsmöglichkeiten. Alle Unterschiede in Einkommen und Errungenschaften zwischen Weißen, Asiaten und Schwarzen, Frauen und Männern, Latinos, Anglos und Thais sowie Hindus, Protestanten und Moslems würden verschwinden. Weiße könnten auf gleicher Stufe mit Schwarzen für die höchsten Auszeichnungen im Basketballverband NBA, beim 100-Meter-Sprint und beim Langstreckenlauf konkurrieren und Schwarze könnten mit Weißen und Asiaten in Mathematik, Schach und Ingenieurwesen konkurrieren. Wenn statt dessen herausgefunden wird, dass verschiedene zufällige Gruppen in verschiedenen gesellschaftlichen Einkommens-, Vermögens- oder Berufsstatusstufen ungleich repräsentiert und verteilt sind, dann beweist dies ungerechtfertigte Diskriminierung; und solche Diskriminierung muss durch angemessene gezielte Fördermaßnahmen ausgeglichen werden, in denen die Diskriminierer die ungerechtfertigt Diskriminierten entschädigen müssen.

Es gibt nur eine mögliche Ausnahme von diesem allgemeinen Prinzip menschlicher Gleichheit und der Bösartigkeit der Diskriminierung. Denn es gab, ohne jeden vernünftigen Zweifel, ein Verbrechen in der Geschichte, von einem bestimmten Volk gegen ein anderes bestimmtes Volk verübt, das mit keinem anderen Verbrechen vergleichbar ist. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese einzigartig kriminelle Veranlagung seitens eines Volkes genetische Wurzeln hat; und insofern diese Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden kann, ist es nur gerecht, dass die kollektiv Schuldigen die kollektiven Opfer weiterhin entschädigen müssen.

Die Bemühungen, das Übel der Diskriminierungen auszumerzen, gehen Hand in Hand mit der grundlegenden Aufgabe demokratischer Regierungen, den exzessiven menschlichen Partikularismus – den Individualismus, den Lokalismus, Provinzialismus, Regionalismus und Nationalismus – zu überwinden, der noch immer das Denken der meisten Menschen prägt; statt dessen müssen sie das Ideal des Universalismus und des universalen Menschen fördern. Die Notwendigkeit für diese Politik zeigt sich am dramatischsten in den Gefahren des globalen Klimawandels. Aufgrund zahlloser egoistischer Handlungen – die unregulierte Produktion und der Verbrauch von nichterneuerbaren Energieressourcen – ist der ganze Globus von unvorstellbaren Katastrophen bedroht: von Flutwellen, stark und plötzlich steigendem Meeresspiegel und dem Entstehen folgenschwerer ökologischer Ungleichgewichte und Instabilitäten. Nur durch eine weltweite konzertierte Aktion von Regierungen, und letztendlich die Errichtung einer supranationalen Weltregierung und durch erzwungene Verhaltensregulierung jedweder Produktions- und Konsumsaktivität kann diese lebensbedrohliche Gefahr abgewendet werden. „Gemeinwohl geht vor Eigenwohl“ – dies ist es vor allem, was das Problem des Klimawandels zeigt, und es ist an den Regierungen, dieses Prinzip endgültig umzusetzen.

Für die PFS – und ganz sicherlich für mich persönlich – ist all dies einfach verrückt: kompletter Unsinn. Und gefährlicher Unsinn dazu. Jedoch ist es im wesentlichen das, was wir tagtäglich in den etablierten Medien hören und lesen können und was von jedem angesehenen Experten und Würdenträger verkündet wird. Nur sehr wenige Menschen können die gesamte Farce durchschauen. Noch weniger haben den Mut, ihr laut und deutlich entgegenzutreten. Der Zweck der PFS und ihrer Treffen ist es, solche Leute zu sammeln und die gesamte Verrücktheit sowie die herrschende Klasse, die uns diese antut, frontal anzugreifen – und dabei Spaß zu haben, jedenfalls so lange, wie es noch zulässig ist, Spaß zu haben.

Information:

Der oben stehende Text ist die Rede, die Prof. Dr. Hans-Hermann Hoppe zur Einführung der 4. Jahrestagung der von ihm gegründeten und geführten „Property and Freedom Society“ am 22. Mai 2009 im türkischen Bodrum hielt. Übersetzung von Robert Grözinger.

Internet:

Property and Freedom Society

01. Juni 2009

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Kommentare

Max, am 01. Juni 2009 um 9:00 ( Link )

Es gibt nur eine mögliche Ausnahme von diesem allgemeinen Prinzip menschlicher Gleichheit und der Bösartigkeit der Diskriminierung. Denn es gab, ohne jeden vernünftigen Zweifel, ein Verbrechen in der Geschichte, von einem bestimmten Volk gegen ein anderes bestimmtes Volk verübt, das mit keinem anderen Verbrechen vergleichbar ist. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese einzigartig kriminelle Veranlagung seitens eines Volkes genetische Wurzeln hat; und insofern diese Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden kann, ist es nur gerecht, dass die kollektiv Schuldigen die kollektiven Opfer weiterhin entschädigen müssen.

Herrlich! ;-)
Als Freund der gepflegten, durchaus schwarzen Ironie kann ich mich für diesen Artikel nur bedanken.

SHSH, am 01. Juni 2009 um 12:47 ( Link )

ist aber nicht nett dieser Umgang mit dem Lektor

Robert Grözinger, am 01. Juni 2009 um 12:57 ( Link )

Sorry SHSH. Danke für den Hinweis. (Ich hatte zunächst "Langlauf" statt "Langstreckenlauf" übersetzt.)

barthel_berand, am 01. Juni 2009 um 13:36 ( Link )

Köstlich!

Eigentlich schade, dass im letzten Absatz der satirische Gehalt der vorstehenden Absätze offenbart wurde. Die Beifallskundgebungen derjenigen, die Hoppes Sichtweisen nicht so gut kennen, wären sicherlich interessant und mit wachsendem Erheiterungspotential zu lesen gewesen.

Trotzdem Danke. Ich habe sehr gelacht.

BB

Jochen Trebmann, am 01. Juni 2009 um 17:47 ( Link )

Pflichtlektüre für jeden Planetenbewohner! Erschütternd, wie leicht es ist, Menschen zu dressieren.

Martin Möller, am 01. Juni 2009 um 18:29 ( Link )

Vielen Dank, lieber Prof. Hoppe, für diese großartige Satire. Ein echt pfingstlicher Genuß. Man schärfe sich täglich ein, daß Demokratie nicht nur auf Irrtum basiert, sodnern ein planetares Todes- und Vernichtungssystem darstellt. Aus dem Text geht das ja gottlob deutlich hervor. Wer mehr über die Analyse der Demokratie erfahren will, der möge die Bücher von Erik Ritter von Kuehnelt-Leddihn lesen, insbesondere "Freiheit oder Gleichheit" und "Leftism revisited".

Martin Möller, am 01. Juni 2009 um 18:31 ( Link )

Und natürlich das großartige "Demokratie - ein Gott, der keiner ist" von Prof. Hoppe selbst, ein absolutes Meisterwerk!!!

Satanas, am 01. Juni 2009 um 20:42 ( Link )

Eigentlich sollten die Leute, die Hoppe da beschreibt, doch ausgewiesene Liberale sein. Denn nur ein Staat kann effektiv diskriminieren, fiesen Markteilnehmern kann man ja leicht ausweichen. Nehmen wir sie also beim Wort.

Martin Möller, am 01. Juni 2009 um 21:10 ( Link )

Leichter gesagt, als getan, lieber Satanas, befürchte ich ...

Martin Möller, am 01. Juni 2009 um 22:30 ( Link )

Übrigens, in der DDR war es ein schlimmes Verbrechen, den Staat zu "diskriminieren". Dafür konnte man Jahre in recht harte Gefängnisse wandern.

Martin Möller, am 01. Juni 2009 um 22:36 ( Link )

Und die "Antidiskrimierungsgesetze" der westlichen Welt scheinen mir in verblüfffend ähnliche Richtung gebaut zu sein. Aber darüber wurde hier ja wohl schon ausführlich berichtet (oder?).

EEkat, am 02. Juni 2009 um 1:14 ( Link )

beinahe wäre ich drauf reingefallen.

EEkat

RobertJosef, am 02. Juni 2009 um 11:49 ( Link )

Das verheißene Paradies Hoppes ist jenes der Diktatur der Versicherungen. Dieser Gesellschaftsentwurf ist weitaus grausamer als die schlimmste Entgleisung einer Demokratie es je sein kann. Doch wird dieser niemals mehrheitsfähig.

Solange müssen sich auch die Libertären mit der Demokratie abfinden. Es bleibt ihnen aber unbenommen, irgendwo auf der Welt ihr Experiment in Gang zu setzen. Gelingen wird es wohl nur in völlig unbewohntem Gebiet. Und nur mit einer Person. Denn bei der Egozentrik von Hoppes Welt wird es keine zwei Menschen geben, die nebeneinander bestehen können. Wenn Abel also erschlagen ist, kann Kain in aller Ruhe verhungern. Aber Hoppe hat sich ja schon ein schönes Plätzchen am Rande der Wüste ausgesucht. Zu dumm, daß er auf das Geld und Wohlwollen dieser Demokraten angewiesen ist.

Vielleicht ist es nun aber gelungen, eine neue Gemeinde in der Türkei aufzubauen. Da gibt es viel zu tun, bevor die sich am Ende noch auf die Demokratie besinnen. Diese wäre zweifelsfrei sehr islamisch geprägt und das weiß jeder Libertäre, das wäre richtig übel. Dann lieber die kemalistischen Generäle, auch wenn sie gar nicht ins libertäre Tableau passen.

Übrigens lebt es sich im Windschatten des amerikanischen Imperiums nicht schlecht und insbesondere in Deutschland. Es hätte nach dem zweiten Weltkrieg viel schlimmer kommen können. Und auch wenn pathologisch wahrscheinlich keine genetische Begabung zum Unmenschentum an uns festgestellt werden wird, muß man doch feststellen, daß freiheitliche Gesellschaftsmodelle in Deutschland keine Tradition besitzen. Es ist also ein leichtes, den Wohlstand zu genießen und permanent über dieses und jenes zu meckern. Besonders über diese Demokratie.

RobertJosef

SHSH, am 02. Juni 2009 um 11:52 ( Link )

Diktatur der Versicherung beschreibt doch den status quo

Martin Möller, am 02. Juni 2009 um 12:48 ( Link )

Die Tatsache, daß es "nach dem 2. Weltkrieg auch schlimmer hätte kommen können" besagt im Zusammenhang mit dem Aufsatz von Prof. Hoppe überhaupt nichts.

Kristof , am 02. Juni 2009 um 13:07 ( Link )

Wenn man den letzten Absatz streicht, kann man mit diesem wohl formulierten Text in fast jedem Schulfach (bald auch in Mathe) eine satte »1« mit ´nem dicken Plus einfahren.

Sphairon, am 02. Juni 2009 um 13:19 ( Link )

Das verheißene Paradies Hoppes ist jenes der Diktatur der Versicherungen.

Ganz davon abgesehen, dass die Regulierung einiger (!) vormals "öffentlicher Güter" durch Versicherungen eines (!) der möglichen Modelle ist, welches anscheinend von Herrn Hoppe bevorzugt und deshalb vorgestellt wird:

Sind wir mit der Aufweichung der Termini nun schon so weit, dass ein bedeutender Marktteilnehmer nicht nur als "Monopolist", sondern auch als "Diktator" durchgeht? Selbst wenn wir diese Formulierung zulassen, warum preisen Sie gleichzeitig die Diktatur der Mehrheit?

FritzLiberal, am 02. Juni 2009 um 13:20 ( Link )

@RobertJosef:

Solange müssen sich auch die Libertären mit der Demokratie abfinden. Es bleibt ihnen aber unbenommen, irgendwo auf der Welt ihr Experiment in Gang zu setzen. Gelingen wird es wohl nur in völlig unbewohntem Gebiet.

Warum irgendwo in der Welt, in unbewohntem Gebiet? Warum nicht mitten in Deutschland, durch Sezession eines kleinen Gebietes? Selbstverständlich dürfen dadurch keine Eigentumsrechte von natürlichen Personen oder Firmen (der Gewaltmonopolist Staat sei hier explizit ausgenommen) verletzt werden. Ein einzelnes solches Experiment wäre wohl schnell plattgemacht, aber wie sieht es aus, wenn es gleich ein paar dutzend oder ein paar hundert sind? Wenn die Behörden gar nicht reagieren können, weil sie anderweitig gebunden sind?

Die kommende Wirtschaftskrise wird hier noch einiges möglich machen, was bisher als reine Utopie erscheint. Und so möchte man einen alten Spruch abwandeln: "Schafft ein, zwei, hundert Liechtenstein!"
:)

Dann lieber die kemalistischen Generäle, auch wenn sie gar nicht ins libertäre Tableau passen.

Die Herrschaft einer solchen Gruppe ist jeglicher Pöbelherrschaft mit "sozialistisch" im Namen, sei sie rot oder braun, wohl vorzuziehen.

Es ist also ein leichtes, den Wohlstand zu genießen und permanent über dieses und jenes zu meckern. Besonders über diese Demokratie.

Natürlich, der Wohlstand ist einzig der Verdienst der Demokratie. So wie in einem Gebiet, in dem ein mafiöser Schutzgelderpresser herrscht, selbstverständlich dieser für den Wohlstand verantwortlich ist, und nicht die Menschen, die er ausplündert.

Radiergummi, am 02. Juni 2009 um 15:04 ( Link )

Wer oder was schafft eigentlich im libertären Märchenland Rechtssicherheit?

Zum Artikel:
Schöne Zusammenfassung des Zeitgeistes.

Sphairon, am 02. Juni 2009 um 15:55 ( Link )

Wer oder was schafft eigentlich im libertären Märchenland Rechtssicherheit?

Die Tatsache, dass ein Vertragsbrecher eher früher als später keine Geschäftspartner mehr findet.

Wenn ich übrigens an Rechtssicherheit und Staat in einem Satz denke, fällt mir ganz spontan die HRE ein.

Edgar L. Gärtner, am 02. Juni 2009 um 16:01 ( Link )

Ich halte Hoppes Hinweis auf das "amerikanische Imperium" für irreführend. Die größte Gefahr für die Freiheit geht heute von Verfechtern einer (notwendigerweise sozialisitschen) Weltregierung aus. Anhänger der Idee einer Weltregierung gab und gibt es noch immer (bzw. immer mehr) leider auch in der USA (Rockefeller und Konsorten). Ich bin aber davon überzeugt, dass diese immer nur nützliche Idioten des Kreml waren. Wirtschaftliche Macht schützt ja nicht vor Dummheit. Freiheitsfreunde sollten meines Erachtens jene amerikanischen Konservativen unterstützen, die gegen die UN und andere Vorboten einer Weltregierung kämpfen, statt sich der idiotischen Polemik der Linken gegen das "Imperium" anzuschließen.

LePenseur, am 02. Juni 2009 um 18:28 ( Link )

@Edgar L. Gärtner:
... und wahre sollten jene amerikanischen Konservativen unterstützen, die gegen die UN und andere Vorboten einer Weltregierung kämpfen, und außerdem sich der ausnahmsweise völlig berechtigten Polemik der Linken gegen das Imperium (ohne Anführungszeichen!) anschließen.

Das eine tun, doch das andere nicht lassen, sag ich mal! Falls bzw. sobald in den USA die besonnenen Ron Pauls das Sagen haben, erübrigt sich die Polemik gegen das "Imperium" ohnehin mangels Imperium ...

LePenseur, am 02. Juni 2009 um 18:30 ( Link )

Oops! Sa ist durch eine Formatierung das " wahre Freiheitsfreunde" in der ersten Zeile etwas verkürzt worden!

Haiduk, am 03. Juni 2009 um 6:25 ( Link )

Eine überaus empfehlenswerte Rede von Nigel Farage (UKIP) im EU-Parlament!

Demokratie könnte so schön sein ...

Dr_Ohnemoos, am 03. Juni 2009 um 11:57 ( Link )

Hallo,

Herr Hoppes Basketballbeispiel ist fragwürdig. Schließlich haben weißeuropäische Spieler in den USA in den letzten Jahren mächtig Konjunktur (Nowitzki, Gasol, Kirilenko etc...). Zweitens: das Leistungsniveau der viel stärker als die USA weiß dominierten National-Mannschaften aus Südamerika und Europa hat sich dem US-Nationalmannschaftsniveau konitinuierlich angenähert; ja, die US-Nationalmannschaft ist sogar wiederholt geschlagen worden.

Die Lage ist also wesentlich komplizierter als Hoppe meint.
Keineswegs will ich damit den Einfluss der Genetik völlig abstreiten.

Viele Grüße

Dr. O.

Horst E. Böttcher, am 04. Juni 2009 um 20:31 ( Link )

Wenn der Autor den Eindruck erwecken will, die USA verfolgten Demokratie als ein Glaubensbekenntnis, dann irrt er sehr deutlich. Die USA betreiben keine Missionierung mit dem Eifer und der Brutalität wie es im Mittelalter die Christen in aller Welt taten, sondern eine Politik, die ihren Machtinteressen dient. Gewiss, Deutschland und Japan wurden nach dem zweiten Weltkrieg auf Demokratie getrimmt, aber nur um die
Länder als Gefahr für die USA auszuschalten. Im Falle Deutschland kam hinzu, dass man gegenüber dem Kommunismus im Osten ein Kontrastprogramm brauchte.

Ansonsten haben sich die USA wenig um Demokratie gekümmert. Die Somozas und Trujillos konnten in Nicaragua und Dominikanischer Republik ihre blutrünstigen Diktaturen, geschützt von den USA, verolgen, solange sie stets die USA gegen die Sovjet-union unterstützten. Auch andere lateinamerikanische Diktatoren, sogar General Pinochet, hatten das
Wohlwollen der USA. Die demokratische Regierung Irans unter Mossadequ wurde 1953 durch die USA gestürzt, auch heute noch sind die Feudalherrscher am Golf die Verbündeten der USA. Die USA mögen tendenziell die Demokratie fördern, wenn es jedoch um ihre Interessen geht, können auch Diktatoren Verbündete sein, sogar langfristig.

Radiergummi, am 05. Juni 2009 um 1:34 ( Link )

Die Tatsache, dass ein Vertragsbrecher eher früher als später keine Geschäftspartner mehr findet.

Verbrecher sind nicht an Marktgesetze gebunden, die auf Freiwilligkeit basieren. Darüber setzen sich diese einfach mit Zwang hinweg.

Nebenbei, je mehr Handel ein Individuum treibt, desto geringer werden seine Möglichkeiten, sein Eigentum vor Diebstahl zu schützen.


Wenn ich übrigens an Rechtssicherheit und Staat in einem Satz denke, fällt mir ganz spontan die HRE ein.

Mir eine neutrale Institution, die in der Lage ist, wirksam Eigentumsrechte innerhalb ihres Verantwortungsbereiches zu garantieren (bzw. überhaupt durchsetzen zu können) und damit die für effizientes Wirtschaften erforderlichen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu bilden.

FritzLiberal, am 05. Juni 2009 um 10:25 ( Link )

Mir eine neutrale Institution, die in der Lage ist, wirksam Eigentumsrechte innerhalb ihres Verantwortungsbereiches zu garantieren (bzw. überhaupt durchsetzen zu können) und damit die für effizientes Wirtschaften erforderlichen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu bilden.

Und wie wollen Sie verhindern, dass diese "neutrale Institution" nicht im Lauf der Zeit in einen sehr aktiven Mitspieler mit Gewaltmonopol degeniert, wie im Falle von Staaten etwa 3572 Mal erlebt?

Radiergummi, am 05. Juni 2009 um 17:04 ( Link )

Dem Staat per Verfassung und Gesetz einen derart engen Handlungsspielraum setzen, dass eine Verselbstständigung des Staates ausgeschlossen ist.

Ein guter gesetzlicher Ansatzpunkt wäre die Finanzierung des Staates.
Bspw. lassen sich sicherlich Mittel und Wege finden, um Ideologen und Demagogen die erforderlichen finanziellen Mittel zur Durchführung ihrer kruden Sozialexperimente vorzuenthalten und diese Mittel ihrem eigentlichen Zweck zu zuführen - der Funktionsfähigkeit des Staates, nicht irgendwelchen fragwürdigen politischen Zielen oder Investitionen in irgendetwas.

Sphairon, am 05. Juni 2009 um 17:17 ( Link )

Dem Staat per Verfassung und Gesetz einen derart engen Handlungsspielraum setzen

Das ist witzlos, da der Staat monopolisiert über seine eigenen Missetaten richten kann. Wenn auf dem Verfassungspapier von Freiheit gesprochen wird, der oberste Gerichtshof aber Tyrannei für verfassungsmäßig erklärt, was haben wir dann gewonnen?

Und behaupten Sie nicht, das wäre nicht möglich; selbst ultraliberale Verfassungen vermögen das Wachstum des Staates nicht aufzuhalten. Vergleichen Sie das Tenth Amendment der Bill of Rights mit dem Staatsapparat der US-Bundesregierung und erklären Sie mir bitte, wie es dazu kommen konnte, trotz der minimalstaatlichen Veranlagung der USA.

FritzLiberal, am 05. Juni 2009 um 18:30 ( Link )

... ähnlich wie das 2nd Amendment, das Recht, Waffen zu besitzen und zu tragen.


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