Gérard Bökenkamp

Jahrgang 1980, Historiker und Publizist.

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Lebensstile: In einem freien Marktsystem kann Hedonismus nicht zum Problem werden

von Gérard Bökenkamp

Erst der Wohlfahrtsstaat zerstört das soziokulturelle Gleichgewicht

Hedonismus, das heißt die Fixierung auf materielle Genüsse und Vergnügungen, wird oft als Zivilisationskrankheit der modernen westlichen Gesellschaften beschrieben. Hedonismus ist jedoch kein Problem für eine freie, auf dem Markt beruhende Gesellschaft. Hedonismus wird erst im Kontext inflationärer Geldpolitik, wachsender Staatsschuldung und expandierender Wohlfahrtssysteme zum Problem.

In einem System, in dem die Geldmenge stabil ist und es keine Möglichkeit gibt, durch die Anwendung von Zwang auf die Ressourcen anderer zurückzugreifen, können die Ausgaben der Individuen im Ganzen nicht höher sein als die Einnahmen. Beim persönlichen Lebensstil ist es wie bei einem privaten Betrieb, am Ende müssen sich Kosten und Einnahmen decken, sonst erleitet man Schiffbruch. Wer einen bescheidenen Lebensstil wählt, den Genuss materieller Güter einschränkt und auf Luxus verzichtet, der muss sich weniger anstrengen, wenn es um die Steigerung seines Einkommens geht. Ein kleines Einkommen und mäßiger Arbeitsehrgeiz genügt, , damit das Konto ausgeglichen bleibt. Wer einen aufwendigen und luxeriösen Lebensstil bevorzugt, muss hingegen im selben Maß, in dem er seine Luxus- und Konsumbedürfnisse steigert, auch seine persönlichen Einnahmen steigern und seine Arbeitzeit oder die Effizienz seiner Arbeit steigern.

Natürlich kann sich der Einzelne verschulden. Das heißt, dass er seinen Gegenwartskonsum und sein Vergnügen in der Gegenwart auf Kosten der zukünftigen Vergnügungen steigern kann. Wenn die Schulden aber mit Zins und Zinseszins zurückgezahlt werden müssen, muss der Betreffende weit über das Maß hinaus, in dem er Vergnügungen genossen hat, materielle Vergnügungen eingeschränken, um die Schuld begleichen zu können. Zugespitzt kann man sagen: Der Hedonismus von heute ist die Askese von morgen. In einem freien Marktsystem herrscht deshalb nicht nur ein ökonomisches, sondern auch ein soziokulturelles Gleichgewicht. Wenn die Vergnügungen gesteigert werden, muss auch die Arbeitsleistung gesteigert werden, entweder gleichzeitig oder zeitversetzt. Das individuelle Konto bleibt auf diese Weise immer ausgeglichen. Zukunftslasten für die Gesellschaft insgesamt oder die kommenden Generationen entstehen auf diese Weise nicht.

In einer Marktgesellschaft ist dem Einzelnen überlassen, was er mit seinem Leben anstellt. Er kann seinen Lebensstil frei wählen. Er entscheidet selbst über seine biographischen Entscheidungen, seine sozialen, familiären und erotischen Beziehungen, seine Ernährung und den Umgang mit seinem Körper, seiner Gesundheit und seine Lebenseinstellung- und Gestaltung und den Umgang mit Zeit und Ressourcen. Der Einzelne trägt aber auch die Kosten und die Risiken seines Lebensstils. Dies hat eine disziplinierende Wirkung. Hedonistisch kann man sich nur verhalten, wenn man es sich leisten kann. So entsteht aufs Ganze betrachtet ein Gleichgewicht. Wer hart arbeitet kann auch Feste feiern, wer lange spart, kann von dem Ersparten auch größere Sprünge machen, Reisen, Kaufen, sich bedienen lassen, und sich daran erfreuen. Aber eben nur so lange, wie die eigenen finanziellen Möglichkeiten es zulassen.

Zum Problem wird Hedonismus erst durch die Kollektivierung der individuellen Lebensrisiken. Durch die Ausdehnung der Geldmenge in einem Fiat-Money-System und die permanente Steigerung der Staatsverschuldung werden gigantische Wohlfahrtsstaatssysteme geschaffen, die den Einzelnen gegenüber persönlichen Lebensrisiken absichern – unabhängig davon, wieviel dieser selbst dazu beiträgt. Dadurch gibt es für jeden einzelnen Bürger ein individuelles „Bail-out“. Was auch immer jemand anstellt, seiner Gesundheit oder seiner psychologischen Verfassung zufügt und damit seine Leistungsfähigkeit beeinträchtigt, destruktives Sozialverhalten entwickelt usw. – am Ende wird der persönliche Sturz abgefedert durch ein kollektives System, das sich durch Inflation, Staatsverschuldung und Zwangsabgaben finanziert. Erst auf diese Weise wird es überhaupt möglich, dass „die Gesellschaft“ als Ganzes über ihre Verhältnisse lebt und der kommenden Generation Schulden und Verbindlichkeiten hinterlässt. Erst in einem solchen Kollektivsystem kann Hedonismus zu einer Bedrohung für die Zukunftsfähigkeit eines Landes werden.

Individuelle Lebensstile und Hedonismus sind erst durch diese Entwicklung überhaupt zu „gesellschaftlichen Problemen“ geworden. Ohne ein kollektives Zwangssystem sozialer Absicherung gibt es keine gesellschaftlichen Probleme, sondern allein individuelle Lebensentscheidungen, verbunden mit individuellen Risiken und mit individuellen Konsequenzen.

07. Juni 2009

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