09. Juni 2009

Antifaschistische Lufthoheit über den Kinderbetten Von Kanada lernen heißt Siegen lernen

Der Totalitarismus naht in großen Schritten

Zu Recht rühmen sich deutsche „Antifaschisten“, im weltweiten Kampf gegen die „rechte Pest“ (Müntefering) ganz vorne zu stehen. In jener Nacht, in der alle Katzen braun sind, widmen  sich nicht nur die Agenten der sogenannten öffentlichen Meinung erstaunlich bereitwillig  der Hosenschlitzriecherei, um den Hautgout des Bösen rechtzeitig  zu erschnuppern. Auch die institutionalisierte Politik hat sich darauf geeinigt, dass im „Kampf gegen Rechts“ ein Staatsschutz nötig ist, der kaum noch Grenzen kennt: meist mit richterlicher Billigung sind längst die Verfassungsgarantien auf Meinungs- und Gedankenfreiheit ausgehöhlt, erweisen sich Versammlungs- und Demonstrationsrechte auf der Straße oft genug als kaum durchsetzbar, wenn „Rechte“ sie in Anspruch nehmen wollen. Und die Liste derer, denen die bürgerliche Existenz vernichtet wurde, weil sie eigensinnig und meinetwegen auch töricht an Überzeugungen festhielten, die der Staat unter Strafandrohung stellt, ist lang.

Aus Kanada kommen jetzt Meldungen, die zeigen, dass man die Schraube aber immer noch eine Drehung anziehen kann. In Winnipeg wird ein Fall vor Gericht verhandelt, den die deutsche „Anti“-Fa gewiss mit Interesse verfolgen wird, eröffnet er  ihr doch neue, bisher höchstens erträumte Handlungsmöglichkeiten. Es geht darum, ob den Eltern zweier Kinder das Sorgerecht entzogen werden kann, weil sie nach den Recherchen von Sozialarbeitern den dreijährigen Sohn und die siebenjährige Tochter mit ideologischen Versatzstücken der „white supremacists“ vollgestopft haben sollen.

Im März letzten Jahres sei das Mädchen als wandelnde Litfasssäule rassistischer Propaganda in der Schule erschienen. Ihre Arme und ihr Körper seien mit rechtsextremistischen Parolen beschrieben gewesen, so heißt es in den Berichten der kanadischen Presse. Der „Child and Family Service“ (CFS) der Provinz Manitoba wurde tätig, nahm beide Kinder in seine Obhut. In Interviews mit den engagierten Sozialarbeitern habe das Mädchen unter anderem Schwarzen, die es „Nigger“ nenne, das Recht auf Leben abgesprochen und davon erzählt, dass es solche Gedanken von seiner Mutter kenne, die angedroht habe, die Kinder zu verlassen, wenn sie farbigen Freunde hätten. Daraufhin beantragte der CFS, den heute getrennt lebenden Eltern das Sorgerecht auf Dauer zu entziehen, worüber seit Mai vor Gericht verhandelt wird.

Setzen sich die Provinzbehörden von Manitoba durch, dann werden schon jetzt wirksame Trends vollends zu herrschenden. Es geht um die konsequente Pathologisierung politisch unerwünschter Einstellungen und die restlose Kolonisierung jener Lebenswelten, die früher einmal zu den Kernzonen bürgerlicher Privatheit zählten. Die „wissenschaftliche“ Begründung liefert Nicholas Bala, Professor für Familienrecht an der Queen´s University in Kingston, Ontario: „Nazismus ist nicht einfach eine politische Überzeugung. Es ist ein Ensemble von Ansichten, die die Weltwahrnehmung des Kindes beeinflusst und sein emotionales Wohlbefinden.“ Prompt begründen die CFS-Mitarbeiter ihren Antrag denn auch mit dem Vorwurf des „emotionalen Missbrauchs“,  dem Kinder ausgeliefert seien, deren Eltern die falschen politischen Ansichten haben. 

Der Kinderschutz erweist sich hier als das Feld, auf dem die Freunde eines totalitären gesellschaftssanitären Projekts sich die besten Erfolgsaussichten ausrechnen. Ist erst einmal das Aufwachsen in Milieus, die sich den staatlich verordneten Standards widersetzen, als Missbrauch definiert und kriminalisiert, werden Aufzucht und Erziehung des Nachwuchses zu öffentlichen Angelegenheiten, in denen Eltern entweder gar nichts  mehr zu sagen haben oder, sofern man ihnen einen Residualbereich lässt, unter ständiger Sanktionsdrohung das auszuführen haben, was staatlich gefordert ist. Wie wirksam solche Vorstellungen sind, die vorgeben, das Kind als höchst schutzwürdiges Gut vor Bösem bewahren zu wollen, sieht man an der derzeitigen Kontrollwut gegen das angeblich „Kinderpornographie“ ausheckende Internet. Vor ein paar Jahren waren es die ihre eigenen Söhne und Töchter angeblich sexuell gefährdenden Väter. Damals hatten Kindergärtnerinnen und Erzieher die ihnen anvertrauten Kleinen systematisch ausgeforscht, ob der Vater sie denn nicht vielleicht zu innig in den Arm nähme, mit ihnen badete oder sie sonst wie zu zärtlich berühre. Wie man bald feststellen musste, waren die Aussagen suggestiv erpresst und gaben mehr von der pathologischen Mentalität der solcherart engagierten „Kinderschützer“ preis als dass sie „Missbrauch“ zutage förderten.

Jetzt muss man sich, sollte Manitobas Fall Schule machen, darauf einrichten, dass in Kindergärten und Schulen nach den politischen Ansichten der Eltern recherchiert wird. Und da mit der strategisch geschickt gewählten Formel vom „Kampf gegen Rechts“ hierzulande ein sehr variables Denunziationsmuster zu Verfügung steht, muss man auch nicht fürchten, dass mangels „Fa“ der „Antifa“ der Stoff ausgehen könne.  Also denn, Herr Edathy, übernehmen Sie! Von Kanada lernen heißt Siegen lernen!


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