Roland Woldag

Jg. 1961, Maschinenbau-Ingenieur, betreibt die Website Familienwehr.de

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Ein Systemvergleich: Die DDR wurde friedlicher abgewickelt als die BRD

von Roland Woldag

Wahn und Wirklichkeit in der Wirtschaftskrise. Oder: Über die Perspektiven des BRD-Fünfjahres-Plans 2009 bis 2013

Kürzlich bin ich beim Zappen in das abendliche, politische Talkshowformat geraten. Länger als zehn Minuten habe ich die Geisterdebatte über Rente und Generationengerechtigkeit sowie die Spekulationen über die Entwicklung der Sozialsysteme bis 2050 nicht ertragen. Ich habe dann das einzig Vernünftige getan: ausgeschaltet. Und bin in den Garten gegangen und habe Gottes ewige Natur genossen.

Mir ist die Situation nämlich noch sehr vertraut. Zu Beginn des DDR-Fünfjahrplans 1986–1990 war nicht nur der Bevölkerung, sondern selbst den Funktionären der Staatlichen Planungskommission klar, dass die Substanz der DDR soweit aufgezehrt war, dass Planspiele auf der Basis der bestehenden Ordnung nur auf einen Offenbarungseid hinauslaufen. Für Investitionen fehlten die Ressourcen und die Arbeitsproduktivität stagnierte, so dass die Industrieproduktion bis 1989 etwa 88 Milliarden Mark hinter den Erfordernissen zurücklag. Der dadurch bedingte Rückgang des Exports sowie eine überplanmäßige Zunahme des Imports erhöhten die Verschuldung gegenüber 1985 um 190 Prozent und die Schuldendienstrate – das Verhältnis vom Export zu den fälligen Kreditrückzahlungen und Zinsen – betrug Ende 1989 etwa 150 Prozent.

Allein ein Stoppen der Verschuldung hätte – wie der Vorsitzende der Staatlichen Plankommission beim Ministerrat der DDR, Gerhard Schürer, im Oktober 1989 in einer „Analyse der ökonomischen Lage der DDR“ dem Politbüro eröffnete – im Jahre 1990 eine Senkung des Lebensstandards um 25 bis 30 Prozent erfordert und die DDR unregierbar gemacht. Ein Anstieg der Verschuldung hätte die Zahlungsunfähigkeit der DDR bedeutet.

Doch das sozialistische System war sakrosankt. Also legte die staatliche Plankommission und das Finanzministerium für das SED-Politbüro am 24. Februar 1989 noch die „Konzeption des Ansatzes für den Fünfjahrplan 1991 bis 1995 und für die staatlichen Aufgaben 1990“ vor.

Diese Vorlage beschreibt überraschend offen die Anstrengungen, die unternommen wurden, um der Verschuldung, besonders gegenüber dem Westen, zu begegnen. Dort findet sich auch folgender Text: „Entsprechend einer Beratung der vom Politbüro des ZK für die NSW-Zahlungsbilanz verantwortlich gemachten Genossen muss eingeschätzt werden, dass im Inland nur das verbraucht werden kann, was nach Abzug des erforderlichen Exportüberschusses für die innere Verwendung von Nationaleinkommen zur Verfügung steht.“ Ein erstaunlich realitätsoffener Satz für die DDR-Führung. Und in dieser Deutlichkeit gegenwärtig nicht mehr opportun.

Was unterscheidet nämlich die Agonie der DDR vom Hirntod der BRD heute?

Die Bundesregierung hat in dieser Woche beschlossen, rund 310 Milliarden Euro neue Schulden in den fünf Jahren von 2009 bis 2013 aufzunehmen. Für 2010 sieht der Etatentwurf laut Finanzministerium eine Neuverschuldung von 86,1 Milliarden Euro vor. 2011 sind es 71,7 Milliarden Euro, 2012 dann 58,7 Milliarden Euro und 2013 45,9 Milliarden Euro. Der jüngste Nachtragshaushalt für 2009 sieht eine Nettokreditaufnahme von 47,6 Milliarden Euro vor. Bis dahin lag der Rekordwert aus den 1990er Jahren bei 40 Milliarden Euro.

Ohne Neuverschuldung wäre wohl eine Senkung des Lebensstandards um 25 bis 30 Prozent erforderlich und die BRD würde unregierbar. Ein weiterer Anstieg der Verschuldung wird die Zahlungsunfähigkeit der BRD zur Folge haben.

In der DDR war fiskalische Ordnungspolitik ein unumgehbarer Sachzwang. In der BRD hat man spätestens nach den Groß-Parteitagen im November 2007 jede fiskalische Ordnungspolitik fahrenlassen.

Die Schulden der DDR waren real, zu erarbeiten und zurückzuzahlen mit Zins und Zinseszins, Devisen-Geldschöpfung war unmöglich, Schuldenorgien als gäbe es kein Morgen – wie heute an der Tagesordnung – waren undenkbar.

Die Nachhaltigkeitslücke der gesamten bundesdeutschen Fiskalpolitik, einschließlich ihrer Sozialversicherungen, beträgt aktuell mehr als sieben Billionen Euro – das entspricht dem knapp Dreieinhalbfachen des deutschen Bruttoinlandsprodukts.

Die DDR-Bevölkerung sah eine Alternative außerhalb der eigenen Sozialordnung im BRD-Modell. Heute verstellt die Hegemonie des US-Monokulturalismus die Aussicht auf vernünftige Alternativen außerhalb der politisch-mentalen Konditionierung auf Parteiendemokratie und staatliches Monopolgeld.

In der DDR existierte eine Subsistenzwirtschaft, die es möglich machte, sich selbst zu versorgen. Man hatte gelernt zu improvisieren. In der BRD ist heute die Degeneration der Menschen und ihrer Überlebenstechniken soweit fortgeschritten, dass Versorgungsengpässe Panik in der Bevölkerung auslösen werden (ein Nutella-Mangel reicht) – in der DDR war das normaler Alltag, der niemanden aus der Ruhe bringen konnte.

Die DDR war demographisch nicht am Ende. Die BRD steht mit der Mutation der Babyboomer von Einzahlern zu Empfängern des Sozialsystems ab 2012 unmittelbar vor dem Kollaps des Staatshaushalts. Dieser geht schon jetzt zur Hälfte in „Soziales“, wie auch die Hälfte der 86 Milliarden Euro Neuverschuldung 2010 nicht investiert, sondern „sozial gerecht“ verfressen werden.

Die DDR hätte sich mit einem anderen politischen System aus sich heraus erholen können wie Tschechien oder Slowenien, der BRD fehlen für die Erholung die haushaltsgründenden Jahrgänge, welche dem kinderlosen Hedonismus der Achtundsechziger zum Opfer gefallen sind.

Aus der Demographie erklären sich auch der schrumpfende Binnenmarkt und die Exportabhängigkeit, die den Deutschen nun zum Fluch gerät. Der Lebensstil in der DDR war anspruchslos – besonders der der Rentner. Der Lebensstil der BRD-Rentner ist beispiellos und verbraucht die knapper werdenden Ressourcen der Jungen.

Es gab im SED-Staat nur zwei konkurrierende Interessengruppen – die Bevölkerung und die verzichtbaren Repräsentanten der Diktatur. Die BRD als randgruppendominierter Umverteilungsstaat hat extrem um Macht und Mittel konkurrierende Interessengruppen geschaffen, die sich im Falle des Kippens der Sozialordnung gegenseitig die Lebensgrundlagen entziehen werden.

Die Bevölkerung in der DDR war homogen, eine neue Sozialordnung war dann auch vergleichsweise leicht zu vereinbaren. Wehmütig erinnere ich mich etwa an die kabarettistische Rivalität zwischen Preußen und Sachsen. In der BRD leben heute über fünf Millionen Muslime. Keine Gruppe hängt so sehr am Tropf der Sozialtransfers wie diese, keine Gruppe verhält sich destruktiver gegenüber der Sozialordnung – hierin steckt ein nicht übersehbares Konfliktpotential.

Entgegen anderslautender Gerüchte gab es in der DDR keine Alimentierung ohne Arbeit. Lohn gab es ausschließlich auf Basis eines Arbeitsvertrages, nicht als Sozialhilfe, ausgenommen die schweren persönlichen Schicksale, welche der subsidiären Hilfe bedurften. Für den Gesunden bestand Arbeitspflicht, Arbeitsbummelei war Straftatbestand. Die niedere Produktivität war dem Wirtschaftssystem geschuldet. Da jeder irgendwie selbst für seinen Lebensunterhalt aufkommen musste, wusste auch jeder, dass Broterwerb mit Mühe, Leistungskontrolle und in jedem Fall (!)mit frühem Aufstehen verbunden ist. Selbst der dümmste Nichtsnutz musste sich sehr früh (spätestens um 6:00 Uhr) aus den Kissen erheben, da sonst Repressalien der „inneren Organe“ unvermeidbar gewesen wären. Deshalb war „Gewalt gegen Sachen“, wie wir sie beim Kollaps der BRD befürchten müssen, beim Kollaps der DDR kein Thema.

In der DDR waren die Waffen und der Wille zur Gewalt eindeutig auf Seiten des Regimes, in der BRD kommt der Wille zur Gewalt sichtbar aus Teilen der fragmentierten Bevölkerung – das Waffenmonopol ist überwiegend staatlich. Da die Waffenträger jedoch nichts anderes als den Querschnitt der gesellschaftlichen Milieus bilden, werden sich die Waffen im Falle einer Gewalteskalation schnell gleichmäßig auf die gegnerischen Gruppen verteilen.

Aus diesen Gründen ist die BRD verglichen mit der DDR ein Pulverfass. Und das erklärt auch die aberwitzigen fiskalischen Vermeidungsstrategien der BRD-Regierung. Aber auch ein Rettungsfallschirm ändert nichts an der Tatsache, dass der Abstürzende unten ankommt. Es beweist nur hinreichend, dass auch die sozialdemokratische BRD-Ordnung am Ende sowenig reformierbar ist wie die der DDR.

Wenn Sie also noch einmal vor Geisterdebatten im Staatsfernsehen geraten, welche die Perspektiven der gegenwärtigen Sozialordnung in die Zukunft hineindiskutieren, dann bleiben Sie nur angeschaltet, wenn Sie wissen wollen, wie weit kollektiver Wahn und Wirklichkeit mittlerweile auseinanderliegen.

26. Juni 2009

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Kommentare

Reiner Vogels Fördermitglied, am 26. Juni 2009 um 15:53 ( Link )

Alles richtig! Was aber, sehr geehrter Herr Woldag, schlagen Sie als Handlungsperspektive für einen Otto Normalverbraucher wie mich vor?

familienwehr.de , am 26. Juni 2009 um 16:08 ( Link )

Freuen Sie sich des Lebens!

Querdenker, am 26. Juni 2009 um 17:37 ( Link )

Aus Schulden, durch mehr Schulden, keine Schulden zu machen.

Diese Logik wird uns jeden Tag als Lösung angeboten. Auch wenn damit erst, wie in jedem Vier-Jahresplan in der nächsten Wahlperiode begonnen werden kann.

Der gezüchtete Bundesbürger glaubt an sein System.
Bis zum bitteren Ende.

Dieses System ist deshalb zum Exportschlager geworden.
Dem Dollar ist zu danken.

Minarchist, am 26. Juni 2009 um 18:40 ( Link )

"Arbeitsbummelei war [in der DDR] Straftatbestand."

Können Sie das belegen? Ich wüßte gerne den genauen Straftatbestand bzw. sogar Paragraphen, wenn möglich ...

Horst E. Böttcher, am 26. Juni 2009 um 20:36 ( Link )

Vor einigen Jahren las ich einen längeren Artikel im Spiegel über Unterganssehnsucht der Deutschen von Friedrich dem Grossen bis Adolf Hitler. Ich war von der Argumentation nicht beeindruckt und vergass die Sache wieder. Der hier anstehende Artikel bestätigt jedoch die Thesen des Spiegel-Artikels. Ich sehe die Dinge jedoch sehr gelassen; in sechzig Jahren habe ich soviele Untergansszenarien gelesen, dass ich nur noch müde lächeln kann. Oder wie Mark Twain es formulierte:
"Ich habe in meinem Leben viele schreckliche Dinge gesehen, die meisten sind jedoch nie passiert!" Solange Artikel wie dieser geschrieben und publiziert werden, mache ich mir um die Zukunft der gegenwärtigen Bundesrepublik keinerlei Gedanken. Ein bisschen Unterhaltung gehört zum Geschäft!

Shuca, am 26. Juni 2009 um 23:23 ( Link )

@HorstE.Böttcher
Aber über 2000 Jahre schafft die BRD niemals,denn sie ist Kind dieser Welt.Und damit der Lüge.

Shuca, am 26. Juni 2009 um 23:32 ( Link )

@Minarchist
Die Arbeitsbummelei gab es in den Betrieben um keine Arbeitlosenzahlen zu erzeugen.
Aber sie haben schon Leute eingeknackt um sie zur Arbeit zu erziehen.Natürlich ohne Erfolg.

Shuca, am 26. Juni 2009 um 23:36 ( Link )

@Minarchist
Ich bin zum Beispiel 14 Tage einfach zu Hause geblieben und meine Arbeitskollegen haben meine Anwesenheit einfach eingeschrieben.Aber ganz oben war es noch viel schlimmer.Sie haben überhaupt nichts mehr gemacht.Das wars dann mit Karl Marx.

Shuca, am 26. Juni 2009 um 23:52 ( Link )

Die blöden Kommunisten in der DDR sind an der Sowjetunion gescheitert.Sie haben nie begriffen das sie nur nützliche Idioten sind.Hauptsache gegen Christus.

Shuca, am 27. Juni 2009 um 0:11 ( Link )

Der liberale Westen braucht einen Gegner,und denn hat er im Kommunismus und Sozialismus selber geschaffen.Er will sein Ziel verschleiern.Wer heute noch behauptet das die Bundesrepublik ein Rechtsstaat ist,ist ein Idiot.Wer die Dinge nur aus einer gottlosen Perspektvive sieht,versucht nur seinen Lebenstandart zu retten.Er ist unfähig sein eigenes Bewußtsein in Namen der Freiheit gegen Gott glaubhaft zu vertreten.
Per Mariam ad Christum.

beccon, am 27. Juni 2009 um 2:22 ( Link )

Die DDR wurde doch nicht abgewickelt sondern hatte sich nach dem Beitritt der 11 Länder wieder ganz gut erholt ...

Herr Woldag, da haben Sie vielleicht in einer anderen DDR gelebt als ich: Selbstverständlich gab es - entgegen der offiziellen Lesart - eine ständig wachsende Schicht von Leuten, die keiner Arbeit nachgegangen sind - Im Volksmund "Assies" = Assoziale genannt. Zumindestens in den 80ern hatte der Staat dem nichts mehr entgegenzusetzen. Im Gegenteil - sie wurden den verbliebenen privaten Hausbesitzern aufgedrückt (das waren die meist in schlechten Erhaltungszustand befindlichen Altbauten) und haben dort die anderen Mieter und die Besitzer terrorisiert (hoher Alkoholkonsum und auch sinnlose Gewalt). Wir sind damals davon ausgegangen, daß das alles Methode hatte, sich die Häuser unter den Nagel zu reißen.

Überhaupt war die DDR kein wirklich friedliches Land - zumindestens im trostlosen Mitteldeutschen Industriegebiet nicht. Gewalt - besonders bei Fußballspielen oder an Treffpunkten der Jugendlichen (Bars, Diskotheken) war fast immer an der Tagesordnung. Dies war immer (vom Alkohol begünstigte) sinnlose Gewalt gegen Menschen aber nur sehr selten Raub oder Überfall.

Allerdings war das natürlich selten ein Thema in den Medien - und wenn dann nur in der Rubrik "Sozialistische Rechtspflege" - um ein Exempel an Einzelpersonen zu statuieren.

Dann hatte die DDR natürlich im Innenverhältnis (und nur da kann das ein Staat tun) massiv Monetarisierung betrieben. Es gab eine massive Inflation, die jedoch durch Preiskontrollen in Versorgungsengpässe umgewandelt wurde.

Schon vergessen, wie die Kaufhalle aussah und daß eine simple Glotze bis zu 6000 Ostmark gekostet hatte - dann aber mit PAL Teil, damit Westen in Bunt reinkam.

Trotz aller Autharkiebestrebungen und "Störfreimachung" war die DDR in jeder Phase massiv vom Weltmarkt abhängig - so wie wir jetzt auch - und konnte am Schluß nur noch mit massiven Lohndumping mithalten.

Hoffen wir auf eine zweite friedliche Wende obwohl die Chancen dafür nicht allzugut stehen. Die Alternative ist Chaos und Untergang.

Kosto, am 27. Juni 2009 um 12:33 ( Link )

@Minarchist

Auszug aaus § 249 Strafgesetzbuch der DDR

Absatz 1 Wer das gesellschaftliche Zusammenleben der Bürger oder die öffentliche Ordnung und Sicherheit beeinträchtigt, indem er sich aus Arbeitsscheu einer geregelten Arbeit entzieht obwohl er arbeitsfähig ist, wird mit Verurteilung auf Bewährung, Haftstrafe oder mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren bestraft.

Absatz 4 Ist der Täter nach Absatz 1 oder 2 oder wegen Verbrechens bereits bestraft, kann auf Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren erkannt werden.

familienwehr.de , am 28. Juni 2009 um 11:57 ( Link )

@Horst E.Böttcher.

Die Amsel auf Ihrem Dach wird von dem, was Sie als "Untergang" apostrophieren völlig unbeeindruckt bleiben, sie wird weitersingen.
Auch der Baum vor Ihrem Haus wird weiterwachsen.
Sie werden sich nach dem "Untergang" in einer unbeeindruckten Umwelt wiederfinden, was sich ändert, wird Ihre Wahrnehmung sein.

Martin Möller, am 28. Juni 2009 um 12:14 ( Link )

Lieber Roland,
Du hast uneingeschränkt recht. Ich habe selbst unzählige Personen gekannt, die wegen § 249 entweder in den StVE einsaßen, oder das hinter sich hatten.
In der DDR wurde hart, wenn auch oft wenig, bis gar nicht, produktiv gearbeitet. Eine "freie Arbeitsplatzwahl" existierte nur rudimentär, daß z.B. ein Lehrling eine Lehrstelle aufgibt oder kündigt war so gut wie undenkbar, um nur ein Beispiel zu nennen.

Das heute in der brd grassierende total assozial/kriminelle Verhalten breiter Massen wäre in der DDR mit jahrelanger Zwangsarbeit bestraft worden.

familienwehr.de , am 28. Juni 2009 um 15:26 ( Link )

Werter Herr Böttcher.
Sie schreiben:

...in sechzig Jahren habe ich soviele Untergansszenarien gelesen, dass ich nur noch müde lächeln kann.

Sicher haben Sie auch einen schönen bunten GLOBUS der BRD auf dem Schreibtisch - angefertigt 1949.
Meine Oma (geb.1910)würde Ihnen von folgendem berichten:
1918: Untergang des Kaiserreiches.
1933: Untergang der Weimarer Republik
1945: Untergang des III.Reiches
1989: Untergang der DDR.
Alles in einem Menschenleben, alles das Ergebnis von Wirklichkeitsverweigerung und Reformunfähigkeit.
Haben Sie den Eindruck, dass die Zeichen nun mehr auf Reformen, oder mehr auf ein "Weiterso!" innerhalb der bestehenden Ordnung stehen?

Jochen Trebmann, am 28. Juni 2009 um 16:02 ( Link )

Die Ostzone konnte nur deshalb überleben, weil sie direkt und indirekt am westdeutschen Wirtschafts- und Sozialsystem hing. Milliardenkredite aus dem Westen, Swing, Interzonenhandel, Zwangsumtausch oder gar Fresspakete stützen die Wirtschaft der Ostzone, die ohne Hilfe aus Westdeutschland augenblicklich zusammengebrochen wäre. So manche "blaue Kachel", die bei Ostbesuchen großzügig "vergessen" wurde (100 D-Mark Schein) glich die gähnende Leere im örtlichen HO aus - man konnte sich das schwarz beschaffen, was der Plan nicht schaffte.

Die enorm hohen Staatsschulden Deutschlands und die seit 1990 niedriger werdende Kaufkraft sind Hinterlassenschaften des sozialistischen Experiments. 1,5 Billionen Euro sind in den Osten geflossen. Dafür bezahlen wir (v.a. die Westdeutschen) 50 Milliarden Euro Zinsen jährlich und immer noch hauen heute von dort mehr (junge) Menschen ab als zu Zeiten der Wende um 1989/90.

Die sozialen Sicherungssysteme sind nicht etwa deshalb am Rand des Zusammenbruchs, weil daran die Bürger Westdeutschlands schuld wären. 80 Milliarden Euro an Zuschuß aus Steuergeldern (finanziert im wesentlichen von Westdeutschen!) zur Rentenversicherung sind in üppigen Ostrenten begründet, nicht selten für heutige Senioren des damaligen Partei- und Machtapparats.

Nicht 5 Millionen Muslime im Westen sind also der Hauptgrund für horrende Sozialausgaben, sondern 15 Millionen Ostzone-Bewohner, die zum großen Teil auf Kosten westdeutscher Steuerzahler leben. Ohne die Wiedervereinigung wären die Haushalte im Westen ausgeglichen, die Durchschnittsrente wäre um etwa 30% höher und die Arbeitslosigkeit wäre auf dem Stand von 1980.

Wenn sich nun der Autor also hinstellt und die Realitäten derart verklärt, so mußte man nicht lange raten, um seine landsmannschaftliche Zugehörigkeit zu erkennen. Die Menschen in der Ostzone waren einem politischen Zwangssystem unterworfen, aus dem es kein Entrinnen gab. Doch andererseits gibt es dieses Zwangssystem heute nicht mehr, trotzdem kommen die im Osten nicht in die Gänge. Von großem Fleiß der Ostzone-Bewohner kann man also nicht sprechen, wenn dort die Krankenstände doppelt so hoch sind wie im Westen - was dazu führt, daß die Krankenversicherungen ohne Bluttransfusionen westdeutscher Kassen längst zahlungsunfähig wären.

Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf Deutschland, die uns nun voll erwischen, sind nur zum Teil schuldhaft durch eine sozialdemokratisierte Politik verursacht, die in ihren Entscheidungen marktwirtschaftliche Notwendigkeiten konsequent ausblendet. Politiker sind halt (meist) doof, sonst wäre solcherlei Gesindel ja nicht Politiker geworden, sondern hätte einen anständigen Beruf erlernt.

Vielmehr jedoch ist die deutsche Krise Konsequenz der globalen Finanzkrise, ausgehend von den angelsächsischen Ländern, den enormen Kosten der sogenannten Wiedervereinigung und kraftloser, nicht an den Realitäten ausgerichteter, sozialdemokratisierter Politik.

Aus diesem Schlamassel kommen wir nicht mit mehr "DDR" heraus, auch nicht mit Gelddrucken, sondern nur mit Fleiß, Innovationskraft, Können und mehr Markt. Bis das aber jeder kapiert, dürfte noch ein steiniger Weg vor uns liegen. Die Kraft für einen neuen Aufschwung ist jedenfalls da, denn sie war immer da. Vorher kommt aber erst noch der Totalabsturz. Ob mit oder ohne "mehr DDR".

Horst E. Böttcher, am 28. Juni 2009 um 17:37 ( Link )

@Familienwehr.de

"Haben Sie den Eindruck, dass die Zeichen nun mehr auf Reformen, oder mehr auf ein "Weiterso!" innerhalb der bestehenden Ordnung stehen?"

Ihre historisch belegten Fakten will ich überhaupt nicht bestreiten. Ich spreche nur von der Bundes-republik nach 1949. Und das ist meine Ansicht eindeutig. "Weiter So"!

Shuca, am 28. Juni 2009 um 23:35 ( Link )

@Jochen Trebmann
Die DDR war 1989 kaputt.
Vielleicht hat man diesen totkranken Staat ein untaugliches System übergestülpt.
Hätte man die alte Bundesrepublik 1949 das selbe System verordnet, hätte es kein Wirtschaftswunder gegeben.

cermedes, am 29. Juni 2009 um 1:36 ( Link )

@ Jochen Trebmann

Glauben Sie wirklich an diese, auf Halbwissen gegründeten Thesen? Sie müssen unbedingt Ihre färbende Brille abnehmen um die Wahrheit zu erkennen! Nur wenige Beispiele:

Es gab einen - ja, genau einen Milliardenkredit über genau eine Milliarde DM. Setzen Sie aktuelle Zahlen (Neuverschuldung) in Relation dazu und Sie werden erkennen, dass es sich bei dem enormen Kredit nur um die berühmt berüchtigten "Peanuts" handelt! PR - nichts weiter!

Versuchen Sie einfach einmal, alle wirtschaftlichen Aspekte der "Wiedervereinigung" zu erwägen, also nicht nur die vielgepriesenen Fördergelder, sondern auch die, durch die Einheit enorm gestiegene Kaufkraft. Aktuell ist doch gerade der Gedanke, sinnlos Geld unter das Volk zu streuen, um dieses damit zu mehr Konsum zu bewegen ebenso populär - oder?

Und zu den Renten - da muss ich Ihnen natürlich Recht geben! Die dürfen gerne 50 Jahre gearbeitet haben, sollen aber dann am besten nixxxx bekommen - war ja schließlich der falsche Topf, in den einbezahlt wurde, also verarmen lassen, diese parasitäre Schicht!!!

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, welches Landgebiet, welche Schlüsselindustrien, welche Rohstoffe und letztlich auch, welche humanoiden Kapazitäten durch die Wiedervereinigung, quasi gratis, von der BRD annektiert wurden - das fliesst in Ihre Berechnungen leider nicht ein, wobei mir klar ist, dass eine abweichende Meinung bei Ihnen wohl nur noch mehr Abscheu auslösen wird!

@ Schuca

Falsch - DDR und BRD hatten ursprünglich dieselben Ausgangspositionen. Nur änderte sich dies nach kurzer Zeit. Erst gründete sich die BRD, und führte ihre eigene Währung ein, danach musste sich quasi die DDR mit eigener Währung gründen (bitte einfach recherchieren). 99% aller Reparationen des 2. Weltkrieges wurden von der Wirtschaft der DDR getragen. In der BRD lief schnell der Marschall Plan an - ja, da vergessen die "Wessies" gern einmal, dass auch sie in der Aufbauphase nur durch Fördergelder "GROSS GEWORDEN" sind. Im Osten gab es nichts dergleichen - nein, da wurde von der UdSSR einfach alle herausgeholt, was nicht niet-und-nagelfest war. Ähnliches hat sich dann erst wieder mit der Wende abgespielt. Alle reden immer von Aufbau OST - den gab es in Wirklichkeit nur einmal, nämlich direkt nach dem WW2. Was wir heute erleben, das ist der Abbau Ost!

Das viel gepriesene Wirtschaftswunder ist so gesehen auch nur eine Illusion - ebenso wie die blühenden Landschaften im Osten!

"""Ich akzeptiere keine Meinungen, sondern nur Fakten --- denn erst diese sind es, die Meinungen erschaffen"""

beccon, am 29. Juni 2009 um 2:10 ( Link )

@cermedes

Daß die Ossis nicht in den Rententopf eingezahlt haben, hört man immer wieder und so falsch ist es auch: Niemand hat in irgendeinen Topf eingezahlt, aus dem dann eine Rente gezahlt werden kann. Im Osten wie Westen sind die staatlichen Renten Umlagerenten: Die Jungen zahlen direkt an die Alten. Der Anspruch aus der Einzahlung dann selber eine Rente zu erhalten ist rein fiktiv (wenngleich gerechtfertigt, so ist das System)

Die Ossies haben - wie die Wessies - die Renten ihrer Eltern bezahlt und haben daraus einen Anspruch auf Rente aus der gesamtdeutschen jungen Generation erarbeitet.

Gäbe es im Osten keine höhere Arbeitslosigkeit als im Westen, ginge die ganze Rechnung gut auf.

Ich bin seit 1991 im Westen und habe - solange ich Angestellter war - die Renten der gegenwärtigen alten Generation bezahlt. Mein Einkommen im Goldenen Westen ist 15-20% höher als in Ossiland und so sind meine Einzahlungen. Ostrentner erhalten nach wie vor weniger Rente als Westrentner.

Genauso wie ich sind viele junge Ossies gen Westen gezogen und haben ihr Glück gemacht. Ihre daheimgebliebenen Eltern erhalten geringere Renten als im Westen. Die Differenz verbleibt im System.

Was allerdings der Fall ist ist, daß viele Ossies länger gearbeitet haben (Frauen, kürzere Ausbildungszeiten) wofür ihnen jetzt mehr Punkte angerechnet werden. Das ist aber auch gerecht so.

Hoffe zur Klärung beigetragen zu haben

Querdenker, am 29. Juni 2009 um 6:48 ( Link )

@ cermedes

»Die DDR war nicht bankrott«

Ein paar interessante Fakten und Hintergründe.
Mitterand schreibt in seinen Memoiren, wie er im November zu Gorbatschow gesagt hat: »Was macht ihr denn mit der DDR?“
http://www.trend.infopartisan.net/trd0999/t370999.html

Die Forderungen von Mindestlöhnen, Vermögensteuern, keine Kriegsbeteiligungen, Austritt aus der NATO, sind alles Parolen, die in der Schweiz selbstverständlich sind.

Ist die Schweiz deshalb antikapitalistisch?

Aus dem Munde Lafontaines sind diese Forderungen aber radikal.

Veränderung beginnt im Kopf. Und das fällt vielen schwer.
Ob Keynes, Mises oder Hayek, wenn die Moral der Menschen eine Moral des Geldes bleibt, landen wir immer wieder dort, wo wir heute sind.
Die Kriege der Menschheit sind ein belastender Beweis.
Denn auch mit goldgedeckten Währungen wurden Kriege geführt.
Und nicht wenige.

Der Sinn des Lebens braucht eine taugliche Definition.

Jochen Trebmann, am 29. Juni 2009 um 10:20 ( Link )

@cermedes

Wie es um die Ostzone tatsächlich stand, welche Rolle Westkredite für das Überleben der Ostzone spielten, das können Sie hier nachlesen. [1]

Nicht zu vergessen die horrenden Summen, die der Westen für den Freikauf politischer Geiseln des Ostzone-Regimens aufwandte. Nach der Wende wurde wertloses Ostgeld, "gedeckt" durch Kreditreitereien a la Nazi-Deutschland, trotz eines Kurses von nur noch 7 Ostmark für 100 D-Mark im Verhältnis 1:1 (Sockelbetrag), bzw. 1:2, umgetauscht. Bezahlt haben auch die dafür nötigen immensen Summen die westdeutschen Steuerzahler.

Die Ostzone war und ist auch heute noch eine einzige Belastung. Die Ostrenten können nicht annähnernd aus der Wirtschaftsleistung der ehemaligen Ostzone erbracht werden. Die Westdeutschen kommen dafür auf, und zwar mit 80 Milliarden Euro Steuergelder aus dem Bundeshaushalt.

20 Jahre nach dem Fall der Mauer müssen wir uns also eingestehen, daß die Wiedervereinigung ökonomisch gescheitert ist. Fachleute erklären, man sollte die ehemalige Ostzone einfach abschreiben und mit dem Nötigsten soweit wie möglich nur noch notbeatmen. Alles andere wäre zum Fenster hinausgeworfenes Geld.

So hat sich laut neuestem Bericht zur Deutschen Einheit das BIP je Ostbewohner im Vergleich zum Westen seit dem Jahr 1995 nicht ansatzweise verbessert. Es liegt nach wie vor nur bei 70% und damit auf dem Stand von Ungarn. Die Produktivität hat sich ebenfalls kaum bewegt und liegt immer noch bei nur 79%. Und das trotz 1,5 Billionen Euro Netto-Transferleistungen, Solidaritätszuschlag und angeglichenen Löhnen.

Im Westen verfallen dabei zusehends die Innenstädte nicht nur in Problemregionen, weil die Westbürger ihre Steuermilliarden nach wie vor in den faulen Osten pumpen und für Infrastrukturmaßnahmen im Westen kein Geld mehr da ist.

In den Köpfen der Ostdeutschen herrscht Undankbarkeit, Anspruchsdenken, Sozialismus und Arroganz. Anstatt die Ärmel hochzukrempeln, schwafelt der thüringische Ministerpräsident von einer "Grundsicherung", also Geld für's Nichtstun, und der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt will mal wieder die "Reichen" schröpfen. Das ist alles, was an Gedanken zur Ökonomie aus dem Osten kommt.

Und weil das so ist, hauen hundertausende junger Menschen ab aus dem Osten. Sie haben die Schnauze voll von postkommunistischen Seilschaften, unfähigen, drittklassigen, rückwärtsgewandten Eliten und einem Heer von Alten mit einschlägiger Partei- und Ostzone-Staatsbiografie, die heute gerne noch SED wählen. Nichts gelernt, kann man da nur sagen!

So wird das jedenfalls nichts mit dem Aufbau Ost. Da kann Tiefensee Gefälligkeitsgutachten in Auftrag geben, wie es ihm gefällt. Die Fakten sind verheerend, die Lage aussichtslos. Der Osten kommt nicht auf die Beine, und das liegt ganz einfach daran, daß 40 Jahre Sozialismus auch heute noch das verquere Denken der Menschen bestimmt.

Für einen echten Wandel braucht es den radikalen Enthauptungsschlag gegen die Eliten der Ostzone. Solange das nicht gemacht wird, wird sich im Osten auch nichts ändern.

Schöne Grüße
Jochen Trebmann

[1] http://www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl?Pleite

beccon, am 29. Juni 2009 um 12:23 ( Link )

@Jochen Trebmann

Das Problem ist, daß Deutschland als Ganzes den 2. Weltkrieg verloren hatte - nicht nur das Goldene Westdeutschland.

Daraus folgt, daß *alle* für die Kriegsfolgen aufkommen müssen, nicht nur die Ostdeutschen (die wahren - östlich von Oder und Neiße) und die Mitteldeutschen (die "Ossies")

Leider hat die Wessies die Vergangenheit eingeholt - der verstoßene Sohn kehrt heim. Die Folgen müssen von allen Deutschen getragen werden, genauso wie die Integration der Ostdeutschen in den 50ern.

Über das Wie kann man sich streiten.

Aber es macht absolut keinen Sinn, zwischen Ossies und Wessies zu unterscheiden. Ich bin 1991 nach meinem Studium nach (West) Berlin gegangen und habe auch ein paar Jahre in Hamburg, Frankfurt/M und im Ruhrgebiet verbracht.

Viele meiner Klassenkameraden haben ihren Weg im Westen gefunden und tragen damit zum Wohlstand bei und erwirtschaften mit die Subventionen für Ossiland. Ob man diese richtig findet oder nicht - Fakt ist, daß sie nicht nur von den Wessies erwirtschaftet werden. Nebenbei arbeitet auch der eine oder andere in Ossiland (die Arbeitslosigkeit ist zwar höher - aber auch nicht so gravierend, wie von Ihnen dargestellt) Das hat auch damit zu tun, daß die guten Leute tendenziell gen Westen gezogen und die unflexiblen, schlecht ausgebildeten zurückgeblieben sind. Also würde man gerechterweise alle vor 1990 in Ossiland geborenen als Grundmenge für die Arbeitslosigkeit in Mitteldeutschland nehmen (einschließlich der Nachkommen, die ja jetzt inzwischen nach 20 Jahren auf den Arbeitsmarkt drängen) Das ergibt dann ein anderes Bild.

Und noch was: Goldener Westen mit hoher Arbeitsethik. Wenn wir schon rundum schlagen: Die Westberliner sind noch größere "Ossies" (im Zerrbild eines Bewohners Mitteldeutschlands) als diese selber. Niemand regt sich auf. Sie denken selber, daß sie "wat besseret" sind. Die Statistik hinsichtlich Einkommen und Beschäftigung spricht eine andere Sprache.

Sie haben Recht - bei den Eliten muß sich etwas ändern. Das aber in ganz Deutschland!

cermedes, am 29. Juni 2009 um 12:32 ( Link )

@ Jochen Trebmann

Wie es um die BRD tatsächlich steht und stand, welche Rolle Kredite, respektive die Neuverschuldung für das Überleben der BRD spielen/spielten, das können Sie auch einfach googeln, oder den täglichen News entnehmen.

Da werden der DDR Verschuldung und drohender Bankrott vorgeworfen, ohne zu realisieren, dass sich auch die BRD auf Gleiches gründet.

Das "überlegene" System der "sozialen" Marktwirtschaft hatte seit der Wende 20 Jahre Zeit, seine Leistungsfähigkeit anhand des Aufbaus der "neuen" Länder zur Schau zu stellen. Sollte man doch meinen, dass in einer solch enormen Zeitspanne gigantische Fortschritte zu verzeichnen sein müssten. Schließlich schaffte es die BRD in Zeiten des Wirtschaftswunders auch problemlos, innerhalb von 20 Jahren das Land wieder aufzubauen - na ja, so viel war jetzt in der Alt-BRD nicht zerstört, das hätte wieder aufgebaut werden müssen. Die Industriestandorte West wurden von den Siegermächten natürlich verschont, ebenso wie die Infrastruktur und die großen Städte. Stattdessen bombte man den Osten dem Erdboden gleich (man denke nur an Dresden, Leipzig und Berlin), nicht zu vergessen auch die Zerstörung wichtiger Wirtschaftszentren und der gesamten Infrastruktur - nur um den "Russen" möglichst wenig zu hinterlassen.

Und was kam dann? Innerhalb von 20 Jahren legte auch die DDR eine enorme Aufbauleistung hin (ja, das waren auch die "lethargischen" Ossis). Aus Ruinen wurden fast blühende Landschaften - und das alles mit einem maroden Miss-Plan-Volks-Wirtschaftssystem. Recherchieren Sie einfach mal wirtschaftliche Lage und Lebensumstände der DDR um 1970 und vergleichen Sie diese mit der BRD.

Eine ebensolche Aufbauleistung, welche die marode DDR in 20 Jahren vollbrachte, will also dem überlegenen System der sozialen Marktwirtschaft im gleichen Zeitraum nicht gelingen - nahezu absurd oder? Und woran soll das alles liegen - klar an der Mentalität der "Ossis" und den 40 Jahren DDR-Misswirtschaft. Mit diesen fadenscheinigen Argumenten wird man wohl auch in noch 100 Jahren alle aufkommenden wirtschaftlichen Probleme zu erklären versuchen.

Da entfernt man nach der Wende mit chirurgischer Präzision sämtliche Industrie und wundert sich dann, dass "die da drüben" keine Arbeit haben. In einer gepflegten Parkanlage braucht es nun einmal nur noch ein paar Landschaftsgärtner, da haben Industrieschlosser wenig zu tun. So gesehen blühen die Landschaften also doch - in diesem Sinne

noch eine schöne Woche

Horst E. Böttcher, am 29. Juni 2009 um 13:26 ( Link )

@Cermedes

Das sind sehr unbequeme Wahrheiten die zeigen, was nach der Wende alles schiefgelaufen ist. Der Haupt-fehler war der Glauben an die Markt-Doktrin, dass
sich durch das Verschwinden der alten Industrien schnell neue Gewerbe bilden würden. Wenn überhaupt, sind das Prozesse, die ein oder zwei Generation dauern und das ist ein Zeitrahmen, der den meisten Menschen zu lang ist!

trendyrandy Fördermitglied, am 29. Juni 2009 um 13:53 ( Link )

Sehr geehrter beccon,

bezug nehmend auf Ihren Beitrag, der mit den Worten".....haben Sie wohl in einer anderen DDR gelebt als ich..." beginnt, möchte ich wie folgt antworten:

Ja, in der DDR gab es die Pflicht zur Arbeit (parteipolitisch ausgedrückt: Recht auf Arbeit). Ich habe es in diversen VEB´s erlebt während des Unterrichtsfachs PA, dass zu späterer Stunde "Alkies" und Co. von der Volkspolizei zu Ihrem Arbeitsplatz escortiert wurden. Ob dies ein Strafbestand nach Paragraph XX ist, wie ein Forumsteilnehmer fragte ist irrelevant.

Ähnlich an Wahltagen. Sofern jemand vergaß, von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen, wurde die Person vom ABV (Abschnittsbevollmächtigter) zum Wahlbüro begleitet. Daher auch eine Wahlbeteiligung von 99%.

Zur Gewalt: Es gab Gewalt am Rande von Fußballspielen. Es gab Gewalt bei Dorffesten, wenn sich die Jugend des Dorfes X aus Langeweile mit der Jugend des Dorfs Y einen Schlagabtausch lieferte. no go area´s wie heutigentags, waren nicht auszumachen.

Worauf der Verfasser des Beitrags anspielt, ist die Entwicklung. Damit hat er weit überwiegend Recht. Obiges ändert nichts an der Tatsache - Die DDR ist ein Unrechtsstaat -.

Zur Entwicklung der neuen Bundesländer - Ihr Beitrag von heute - ich bin entsetzt, wenn über die DDR in den MSM berichtet wird. Die generell schlechte Meinung über die Ossies ist dieser geschuldet. Es wird ausschliesslich über zurückgebliebene DDR-Nostalgiker berichtet, über arbeitsfaule Hartz-Vierer-Dynastien, über kaum gebildete Kodderschnauzen, die in wenig schmeichelnden Dialekt das Politikgeschehen kommentieren. Das es ebenfalls tüchtige Unternehmer, fleißige Facharbeiter und hervorragend ausgebildete Akademiker gibt, wird geflissentlich verschwiegen.

Weshalb? divide et impera!

karen meiser, am 29. Juni 2009 um 14:22 ( Link )

„Die DDR hätte sich mit einem anderen politischen System aus sich heraus erholen können...“

Solange die Substanz stimmt. Leider waren viele Eliten schon abgewandert, das restliche Potential verkümmert. Aber es gab noch eine homogene Substanz, und so konnte die Wende eine friedliche sein. Was die Menschen zwischen Fichtelberg und Kap Arkona einte, war der Glaube an den reichen Bruder.

Wir alle wissen nicht, ob der weitere Verfall wie in den letzten Jahrzehnten im Hintergrund abläuft und von Blendwerk übertücht wird, ob sich die senile Gesellschaft in einem großen Hospiz namens BRD zum Sterben legt, in der Hoffnung, importierte Kräfte würden ihnen den Lebensabend versüßen. Oder ob es den vielbeschworenen Bürgerkrieg mit massiven Verteilungskräften gibt.

Fazit: Netzwerke mit zukunftsfähigen Menschen bilden, um jetzt und in Zukunft gemeinschaftlich handeln zu können.

Shuca, am 29. Juni 2009 um 18:12 ( Link )

@trendyrandy
Wenn die MSM, Frauen gegen Männer,Kinder gegen ihre eigenen Eltern,Nichtraucher gegen Raucher,Fahradfahrer gegen Autofahrer usw.in Stellung bringen können.Warum sollten sie in den Beziehungen zwischen Ostdeutschen und Westdeutschen ein anderes Prinzip anwenden.

TrebMelsa Fördermitglied, am 03. Juli 2009 um 16:47 ( Link )

Lieber Querdenker!

Korrekt bemerkt: diese Schuldenlogik. Vor ein paar Tagen schickte mir ein Freund die Lösung zu:

Mehr Löcher in den Käse
Denn mehr Löcher, das ergibt:
weniger von dem Käse

Gruß

Shuca, am 03. Juli 2009 um 23:55 ( Link )

Merkwürdig.Die unberühbare und besonders vom Westen verehrte Bundeskanzlerin gerät ganz durch durch Zufall ins Zwielicht.Na, wenn die auch noch abgewickelt wird, bstätigt sich alles was ich denke.

LeftLibertarian, am 06. März 2010 um 18:37 ( Link )


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