Robert Grözinger

Robert Grözinger, Jahrgang 1965, Diplom-Ökonom, ist freier Journalist und Übersetzer.

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Finanzkrise: Ursachen, Hintergründe und mögliche Auswirkungen

von Robert Grözinger

Interview mit Professor Guido Hülsmann

Nur „einer von tausend Ökonomen“, schätzt der Ingenieur und Publizist Ira Katz in einem Beitrag heute bei lewrockwell.com, sind tatsächlich Wirtschaftswissenschaftler. Die anderen seien lediglich „Propagandisten“ für den derzeit stattfindenden größten Raubzug der Weltgeschichte. Mit einem der Wenigen, die Katz in seinem Artikel lobend hervorhebt, hat der Autor dieser Zeilen vor einem Monat, anlässlich der vierten Konferenz der Property and Freedom Society in Bodrum, Türkei, ein Video-Interview geführt. Es kam vor allem der Inhalt seiner Rede auf dieser Konferenz zur Sprache. Professor Guido Hülsmann stellte darin die Ursachen, Hintergründe und möglichen Auswirkungen der gegenwärtigen Finanzkrise dar.

Als ein führender Kopf der sogenannten Österreichischen Schule der Ökonomie vertritt der im französischen Angers lehrende Deutsche die Auffassung, dass das riskante Verhalten der Geldinstitute, das die Krise auslöste, auf das Zentralbankensystem zurückzuführen ist. Zentralbanken können Kredit und Geld aus dem Nichts schaffen. Ihre staatlich garantierte Monopolposition ermöglicht es ihnen, diesen Betrug ungestraft fortzusetzen. Das wissen die Betreiber der Geschäftsbanken, die von den Zentralbanken Kredite erhalten. Deshalb gingen die Geschäftsbanken auf volles Risiko bis an die Grenze dessen, was die Mindestreservepflicht vorschreibt.

Die jetzt allenthalben erhobene, und teilweise schon umgesetzte Forderung nach mehr Regulierung der Bankbranche bringt Hülsmann zufolge gar nichts. Der Bankensektor sei ohnehin schon mit einer Unzahl von Regulierungen eingedeckt. Weitere Regulierungen setzten lediglich den Trend in Richtung eines totalitären Wirtschaftssystems fort. Eine andere mögliche Auswirkung der Krise sei eine stark ansteigende Inflation. Welche Auswirkung wahrscheinlicher ist, sei derzeit aber nicht zu sagen. Möglich auch, dass sich beides, also Totalitarismus und Inflation, parallel entwickeln.

Zur Lösung der Finanzkrise seien weder eine Ausweitung der Geldmenge noch stärkere Regulierung nötig, sondern vielmehr ein Warengeldsystem. Dadurch würde die allgegenwärtige Gier auf ein Normalmaß zurückgestutzt. Geld auf der Basis eines oder mehrerer realer Güter, wie beispielsweise Gold oder Silber, sei nämlich nicht beliebig vermehrbar wie das derzeitige Geld im Zentralbanksystem. Damit falle der Anreiz zum übertrieben riskanten Verhalten weg.

Einen positiven Aspekt sieht Hülsmann in der Krise: „Die Leute wachen auf.“ Der Zusammenhang zwischen dem Geldsystem und der Krise werde immer deutlicher gesehen. Andere Ökonomen, auch jene, die nicht der österreichischen Denktradition angehören, kommen allmählich zu den gleichen Schlüssen wie er. Wodurch sich das oben erwähnte Verhältnis von „echten“ Ökonomen zu Propagandisten allmählich wenigstens etwas verbessern dürfte.

Internet:

Interview mit Professor Hülsmann (Video) vom 23.05.2009

Rede von Professor Hülsmann (Englisch) auf der 4. Konferenz der Property and Freedom Society, gehalten am 22.05.2009

Property and Freedom Society

Ira Katz: „More Dismal Than Ever“, lewrockwell.com vom 29.06.2009

29. Juni 2009

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