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Aus dem Bundestag: Wider die Denkmonopolevon Frank Schäffler Ordnungspolitik statt Kurvenklempnerei Ökonomendämmerung Man gewinnt derzeit den Eindruck, die Finanz- und Wirtschaftskrise wäre über Nacht über uns hereingebrochen. Noch im Herbst 2007 prophezeiten die führenden Forschungsinstitute des Landes in ihrer Gemeinschaftsdiagnose: „Die deutsche Wirtschaft befindet sich nach wie vor in einem kräftigen Aufschwung. Die Auftriebskräfte sind weiterhin intakt.“ Auch der Sachverständigenrat der Bundesregierung befand in seinem Jahresgutachten 2007/2008: „Die unmittelbaren Effekte der Finanzmarktturbulenzen dürften begrenzt bleiben.“ Die gleichen Ökonomen geben jetzt Ratschläge, wie die Krise zu bewältigen ist. Das ist absurd. Hochschulen gesunken Die Monopolisierung des Denkens an den deutschen Hochschulen ist das Problem. Seit nunmehr fast 30 Jahren herrscht dort eine Dominanz der neoklassischen Gleichgewichtstheorie. Nicht der kreative Unternehmer steht dabei im Vordergrund, sondern die Kunstfigur des immer objektiv seine Entscheidungen treffenden „homo oeconomicus“, den es in der Praxis nie gegeben hat. Das Denken in Ordnungen, wie Walter Eucken es propagierte, wird zu wenig gelehrt. Seit Jahrzehnten findet in Deutschland ein Ausverkauf der Ordnungstheorie und Ordnungspolitik statt. Mit Recht gibt es jetzt einen Aufschrei namhafter Wissenschaftler. Lehrstühle oder Professoren, die sich zur Österreichischen Schule bekennen, findet man im deutschen Sprachraum überhaupt nicht mehr. Dabei ist Politik auf gute Politikberatung angewiesen. In der Alltagspolitik wird aber nicht in Ordnungen gedacht. Der kurzfristige, vermeintliche „Geländegewinn“ steht im Vordergrund. Zwar konnte sich Ludwig Erhard als Wirtschaftsminister und späterer Kanzler vielfach nicht durchsetzen, aber er hatte einen Kompass, er dachte in Ordnungen. Und er hatte ein wirtschaftswissenschaftliches Umfeld mit Denkern, die den Staat in seine Schranken weisen wollten. Das war die Grundlage für den wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Krieg. Einer davon, Wilhelm Röpke, hatte ein klares Weltbild zur Nationalökonomie seiner Zeit: „Die meisten Nationalökonomen sind Kreislaufingenieure, Nationalbuchhalter, Modelltischler und Kurvenklempner geworden. Sie sind reine Techniker der Wirtschaft, Ökonomokraten, Experten, in deren Händen unsere Wissenschaft völlig instrumentalisiert wird.“ Wer etwas ändern will, muss hier ansetzen. InformationDieser Artikel erschien zuerst in eigentümlich frei Nr. 94 30. Juni 2009 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Frank Schäffler schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht. Diesen Artikel teilenAnzeigen |
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