07. Juli 2009

Microsofts Internet-Suchdienst politisch korrekt programmiert Bing-A-Ding – der Klick nach links

Hardcore-Einstellungen beim PC-Modus

Während China weiterhin bestrebt ist, in Rechnern künftig eine allgemeinverbindliche Filtersoftware zu installieren, die es erlaubt, von vornherein bestimmte Seiten zu sperren, scheint Microsoft mit seinem Internet-Suchdienst schon einen Schritt weiter. Wie bereits bei den Vorgängerdiensten „MSN“ und „Live Search“ ist es auch beim neuen Dienst „Bing“, der als Alternative zum unangefochtenen Marktführer „Google“ gedacht ist, unmöglich, die Startseite der Wochenzeitung „Junge Freiheit (JF)“ aufzurufen – weder auf der ersten Anzeigenseite, noch auf einer der folgenden. Stattdessen erscheinen als Suchtreffer vor allem Seiten aus dem Antifa-Spektrum, beispielsweise der Unrast-Verlag oder der „Klick nach rechts“. Dass hierfür „PC“-Aktivisten in Deutschland verantwortlich sein dürften, zeigt der Blick von außen: Denn in den USA oder in Österreich beispielsweise kann die Homepage der „JF“ problemlos über die neue Bing-Site aufgerufen werden.

Gegenüber der „JF“ begründete Thomas Baumgärtner, Pressesprecher von Microsoft Deutschland, die Blockade der „JF“-Startseite mit technischen Details. Man sei zwar „dran“, das Problem zu lösen, wisse aber nicht, wann es soweit sein werde. Schließlich würden die angefragten Internetseiten über „Third-Party-Provider“ auf Begriffe durchsucht, die – farblich abgestuft – als „rot“, „gelb“ oder „grün“ klassifiziert seien. Internetseiten mit „problematischen“ Begriffen würden demzufolge in der Ergebnisliste zurückgestuft. Letzteres aber liegt im betreffenden Fall gar nicht vor. Mit anderen Worten: Party is over, ominöse „Third-Party-Provider“ gerieren sich gewissermaßen als unsichtbares „Drittes Reich“. Die so erfolgten Rückstufungen oder gar Ausschlüsse sind demnach nichts anderes als ein Instrument der politischen Zensur und damit Eingriff in ein Grundrecht (Artikel 5, Grundgesetz).

Für den Microsoft-Deutschlandchef Achim Berg ist das freilich kein Thema. In einem Interview der „Berliner Zeitung“ vom 4. Juli 2009 erklärt er, die Suchmaschine „Bing“ sei „kein Angriff auf ein einzelnes Unternehmen, sondern Teil einer langfristigen Strategie“. Geradezu zynisch wirkt angesichts dessen sein Kommentar zum Marktzuwachs von „Bing“, in dem er „das Bessere“ zum „Feind des Guten“ erklärt und „Qualitätsinhalte“ beschwört, die zum „Treiber“ des Internets würden. Zudem gehe die „Kostenlos-Kultur“ des Internets „dem Ende entgegen“, um von einem „Premiumbereich“ abgelöst zu werden, „für den die Kunden bereit sind zu zahlen, weil sie bestimmte Leistungen haben wollen.“

Bliebe also nur noch eine Frage: Wieviel darf die Abwendung der Zensur 2.0 kosten? Antworten hierzu erteilt vielleicht der Microsoft-Pressesprecher Thomas Baumgärtner.


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