Michael von Prollius

Jg. 1969, ist Publizist und Gründer der Internetplattform "Forum Ordnungspolitik"

ef-Einkaufspartner

Wenn Sie ef-online unterstützen möchten, starten Sie bitte Ihre Amazon-Einkäufe mit Klick auf diesen Button:

Kreditzwangsmaßnahmen: Der Marsch in den autoritären Wirtschaftsstaat

von Michael von Prollius

Es ist etwas faul in Deutschland

Der Finanzminister droht Banken mit Zwangsmaßnahmen, die politisch erwünschte Kredite in unzureichender Menge vergeben. Wer jetzt noch am Marsch in den autoritären Wirtschaftsstaat zweifelt, sollte seine Annahmen kritisch hinterfragen. 

Es ist etwas faul im Staate Deutschland. Die Regierung hat eine endlose Kette von Maßnahmen zur Stabilisierung, Rettung, Stützung und Regulierung der Wirtschaft ergriffen. Um die große Rezession zu überwinden, hat sie Schulden in nie da gewesener Höhe gemacht und das Geld der Steuerzahler in Milliardenhöhe umverteilt. Die Regierung hat die Rettung systemrelevanter Banken, Automobilunternehmen und Versandhäuser als alternativlos dargestellt. Nun wird ihr Aktionismus drastischer und ihr Ton schriller. 

Die Regierung droht Unternehmen Zwang an, um eine spezifische wirtschaftliche Tätigkeit herbeizuführen: die Vergabe von Krediten. Besonders übel fällt erneut Bundesfinanzminister Steinbrück auf, dessen aggressive Forderungen bereits im Steuerstreit mit Nachbarstaaten inakzeptabel waren. Nun ist in der „Bild am Sonntag“ ein selbstgefälliges Interview erschienen, in dem er die persönliche Verantwortung für die Rekordschulden mit dem Hinweis „Dann bin ich eben der Schulden-Kaiser“ in die Nähe belangloser Unterhaltung rückt. Aber auch die Einlassungen von Kanzlerkandidat Steinmeier, Unions-Fraktionschef Kauder und DIHK-Chef Driftmann zeugen von einer im Kern „perversen Wirtschaftsphilosophie“. Zumindest die Gründerväter der Sozialen Marktwirtschaft Wilhelm Röpke und Alexander Rüstow hätten eine solche unmissverständliche Kritik erhoben. 

Die Rezession ist eine Krise von „Big Government“ und „Big Business“. Inflationäre Geldpolitik als Ausdruck einer monetären Zentralplanwirtschaft und eine grundsätzlich verfehlte Sozialpolitik sowie Überregulierung und daraus folgende falsche Anreize haben die Welt in eine Krise gestürzt. Der Staat hat seine Rolle als Schiedsrichter missbraucht; er hat den Spielern Fesseln angelegt und mit üppigen Privilegien ausgestattet und selbst auch noch mitgespielt, etwa in Gestalt von Staatsbanken. Die inflationäre Geld- und Kreditschöpfung im staatlichen Zentralbankensystem bildet die alles überragende Ursache. Und nun sollen noch mehr billige Kredite für die Rettung sorgen? 

Die Geschäftsbanken wollen das billige Geld nicht erneut in Kredite stecken, deren Ausfallrisiken (zu) hoch sind. Aber unsere Politiker wissen es besser und erklären rotzig: Ihr müsst Kredite vergeben! Denn das war unser Plan und ist Eure Pflicht. Wenn ihr nicht tut, was wir sagen, gebrauchen wir Gewalt. 

Offenkundig ist die Verstaatlichung das Ende der Fahnenstange. Aber selbst das würde die Probleme nicht lösen, sondern lediglich verschleiern, dass wir in einer Welt mit zu vielen Krediten leben, die sich nicht aufrecht erhalten lassen. Die Politiker suggerieren, es gäbe eine Unternehmenspflicht, für die Finanzinstitute zur Rechenschaft gezogen werden könnten. Als ob ein Fliesenleger, der nicht ausreichend Aufträge für das Verlegen von Fliesen einholen würde, dafür verantwortlich gemacht werden könne. Das hat alles nichts mit Marktwirtschaft zu tun, und schon gar nichts mit Sozialer Marktwirtschaft. Derartige Pflichten, Planmengen und Sanktionen hat es in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts gleichwohl zweimal gegeben – jeweils mit katastrophalem Ende. 

Der von Walter Eucken 1932 heftig kritisierte Marsch in den „Wirtschaftsstaat“ ist eine gleichermaßen zeitlose wie ernste Mahnung an die Regierungen, unsere wirtschaftliche Freiheit nicht einzuschränken. Vermachtete Gesellschaften sind auf Dauer nicht mit Marktwirtschaft, Rechtsstaat und Demokratie vereinbar. Blutleere Apparatschiks weisen stets alle Schuld von sich, im Wissen, nie zur Rechenschaft gezogen zu werden. Aus vermeintlich höheren politischen Zwängen beschneiden sie unsere Freiheit leichtfertig. Es ist ein Gebot der Stunde, unseren Vertretern auf Zeit ein Ende zu setzen! 

08. Juli 2009

Unterstützen Sie ef-online

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien.
Klicken Sie hier für Informationen zur Fördermitgliedschaft.

Testen Sie eigentümlich frei

Prominente Autoren und kantige Kolumnisten wie Roland Baader, Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann oder Michael Klonovsky schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht.

Social Bookmarks

Anzeigen

Kommentare

vonclausewitz, am 08. Juli 2009 um 3:24 ( Link )

Eine Steuerung der Kreditvergabe nach politischen Kriterien ist sicherlich fatal für die Wirtschaft und die betroffenen Institute. Taufrisch ist diese Praxis allerdings nicht. Neu ist, neben der Herkunft der Mittel, nur die Manipulation ihrer Verwendung.

Auch handelt es sich bei den Grossbanken (mit Konto bei der ZB) nur im minderen Masse um Komponenten einer freien Wirtschaft, da diese neben ihren enormen legalen Privilegien (Teilreserve, LLR, Depotstimmrecht, Börsenoligopol...) auch Empfänger eben jener Staatshilfen wurden, die heute zur Alimentierung der eigenen Derivatspekulation und zum Aufkauf "gesunder" Equity genutzt werden. Der autonome Unternehmer in ehren, doch sobald Staatshilfen dazu verwendet werden, in London am Ölpreis zu drehen, sollte auch den Mises-Anhängern der Kragen platzen.

Da Herr Steinbrück scheinbar spontan eine Liebe zum deutschen Mittelstand entwickelt hat, kann er künftige Hilfspakete und den für die "Bad Bank" reservierten Haushalt ja auch ohne den Umweg über den Bankensektor als Kredite vergeben.

Querdenker, am 08. Juli 2009 um 6:44 ( Link )

Die nominal denkende Geldaristokratie verteidigt die Machtverhältnisse mit immer neuen und perverseren Regeln.
Daran sollte man keine Zweifel haben.

Der Kondratieff-Winter wird eine extreme Herausforderung an alle Menschen werden.
Am Ende oder zur Verkürzung, könnte eine Goldwährung stehen.

Vielleicht hat der Papst dieser Währung schon seinen Segen erteilt?

Stefan Miller, am 08. Juli 2009 um 8:25 ( Link )

das sind doch alles nur fromme Wünsche.
In Wirklichkeit kann der Staat seine Taschenspielertricks noch sehr lange fortsetzen.
Die Zeiten sind anders. Es gibt keine echte Not mehr und gemeckert wird überall auf hohem Niveau.
Ich gehe davon aus, daß bald die Marktwirtschaft etwas gelockert wird, damit wieder Geld in die Kasse kommt, dann geht das Spiel von vorne los.
Echte Revolutionen sind gar nicht mehr möglich, denn es gibt auch keine Propheten mehr. Jesus würde heute belächelt werden und nur Spinner als Anhänger ernten.
Also wird niemand kommen, der die Unterdrückten anführt und Politiker zum Teufel jagt.
Die westliche Zivilisation steht am Abgrund und der Nachfolger ist noch nicht in Sicht. Weder China, noch Russland können eine neue Kultur begründen. Da bleibt nur sich fügen und das beste für sich herausholen. Also ab in die Politik.

EEkat, am 08. Juli 2009 um 9:23 ( Link )

die Macht nicht nur in Deutschland ist in Händen von Leuten, die nicht wirklich verstehen, was generell den Menschen treibt.

Daher wundert es auch nicht, daß man sich zutraut, das Verhalten der Menschen beeinflussen zu dürfen, und beispielsweise dessen Käuferverhalten verändern zu dürfen.

Indem man ihm beispielweise erzählt, er verursache eine Erderwärmung. Teile der Wissenschaftler leisten dabei Schützenhilfe. Die Medien versagen.

Der Bürger wird unter diesem Druck dann sein Käuferverhalten ändern. Das hat er bewiesen. Hauptleidtragender weltweit ist die deutsche Automobil- Industrie, als weltweit führender Hersteller der Premium-Klasse. Unser deutsches Einzelstellungs-Merkmal.

Was genau das bedeutet, das werden wir in den nächsten Monaten erleben, wenn dieser Staat zusammenbricht.

Eine Kanzlerin, an der Spitze der weltweit führenden Exportnation Deutschland, hat zur letzten Neujahrsansprache noch bisher unwidersprochen verkündet, wir würden auf zu hohem Niveau leben. Das ist doch ein Programm. Wir sind nun dabei, dieses Niveau drastisch zu reduzieren, also bitte nicht rummosern. Wobei wir uns nicht auf ein tieferes Niveau zubewegen, sondern in einer stufenweise ablaufenden Abwärts-Spirale befinden. Alles hängt mit allem zusammen. Jeder reißt dabei jeden mit.

Diese Kanzlerin ist jedoch gerade auf dem G-8 Gipfel, wo sie die Chinesen wegen deren Umgang mit deren muslimischen Uriguren rüffeln wird.

Das bringt offenbar Stimmen.

Während zeitgleich in Deutschland auch führende CDU- Politiker davon sprechen, daß es keine Verlängerung der Abwrackprämie geben wird, denn dies sei eine Droge für die Abhängigen der Automobil-Wirtschaft.

Damit das klar ist: die Abwrack- Prämie ist kollossaler Blödsinn, wenn die Politik gleichzeitig zerschlägt, und damit fortfährt, den Menschen in ihre Leidenschaften hineinzuregieren, diese zu problematisieren.

Jeder Konsum ist so besehen problematisch. Besonders problematisch wird Konsum jedoch dann, wenn es ihn nicht mehr gibt.

Diese Art von Politikerkaste, die sich gerade in Karlsruhe eine Klatsche abgeholt hat, weil sie die Grundrechte der Bürger aus der Hand gegeben hatte, (was bisher in der deutschen Öffentlichkeit völlig ohne Resonanz geblieben ist und zeigt, wie kaputt unser System bereits ist), ist zu nichts anderem in der Lage, als die Situation immer weiter zu verschlimmern. Blinde unter Blinden.

Eben auch dadurch, daß man z.B. vor grundsätzlichen wirtschaftlichen und bilanzrechtlichen Bestimmungen, an die Banken sich halten müssen bei der Vergabe von Krediten, dennoch genau diese Banken mit Zwangsmaßnahmen bedroht, falls diese ihren gesetzlichen Verpflichtungen weiterhin nachkommen.

Mehr muß man nicht sagen.

In einer Demokratie muß die Masse der Schwachköpfe, die wir alle darstellen, und die bei allem und jedem mitreden müssen, in mindestens zwei Gruppen gebündelt und gegeneinander geführt werden.

Sonst kann Demokratie nicht funktionieren.

Wenn die Masse der Schwachköpfe sich hingegen alle auf einer Seite bündeln, alle auf eine Seite wechseln und nur noch Hülsen politischer Vielfältigkeit vorzeigt, dann gehts ab in den Abgrund.

Daran ist nicht mehr zu rütteln.

Der Marsch in den autoritären Zwangsstaat ist in vollem Gange, in Zwischenstufen einer Todesspirale, in der wir uns befinden.

Ein Eccelstone, dem aus dem Unterbewußtsein der Hitler auf die Zunge rutscht, ein (deutscher) Papst, der von Sozialismus träumt: die Welt hat Sehnsucht nach einem Neuanfang. Sie wird diesen erhalten.

E.Ekat

dickbrettbohrer, am 08. Juli 2009 um 12:39 ( Link )

Steinbrück, der „Schulden-Kaiser“?

Man sollte nicht von „Schulden“ und „Schulden-Machen“ sprechen, denn die hiermit bezeichneten Handlungen sind etwas anderes: sie bemänteln in Wahrheit Raub, „Umverteilung durch Inflation“ und „Zwangsenteignung“.
Schulden regen niemanden wirklich auf, denn Schulden werden in der bürgerlichen Vorstellung irgendwann ausgeglichen. Geraubte Güter aber kehren nicht zurück, gestohlene Lebenszeit, gestohlene Chancen, gestohlene Ersparnisse – sie alle werden niemals vergütet werden. Schulden deuten auf die ferne Zukunft. Was jedoch politisch korrekt als „Schuldenmachen“ bezeichnet wird, geschieht schon heute, und unmittelbar: es ist eine Umverteilung von vorhandenem Vermögen von der schaffenden Hand in die raffende Hand.

Der Schulden-Kaiser: Ein Fall für die Bütte Mainz, wie es singt und lacht.
Beteiligen wir uns nicht am Werfen von Nebelkerzen. Es wird dem ans Kriminelle grenzenden Tatbestand nicht gerecht.
Dieser Bürgerkrieg wird gegen den wertschöpfenden Anteil der Bevölkerung geführt, und zwar unblutig, mittels weichgespülter Worte. Halbwahrheiten und semantische Verschiebungen sind die Munition. Die Sprache selbst mutiert zum Instrument des Betrugs. Denkträgheit und Vertrautwerden mit den rhetorischen Ungeheuerlichkeiten durch das halbstündige Bombardement aus allen Medienkanälen garantieren Schläfrigkeit und Gleichgültigkeit bei den Betrogenen. Sie laufen brav in die mit List aufgestellte Denkfalle. Es bedarf der ständigen Wachsamkeit, um die ständig neuen sophistischen inkelzüge und Strategien zu entlarven. Hinterfragen wir jedes einzelne Wort, das aus dem Munde unserer angemaßten Regentschaft kommt!

barthel_berand, am 08. Juli 2009 um 12:44 ( Link )

Die interessante Frage ist doch, warum die Banken keine Kredite vergeben wollen. Sucht man eine Antwort darauf, so stellt man schnell fest, dass es einen problematischen Zusammenhang gibt zwischen Geld = Liquidität und Eigenkapitalquote in der Bankbilanz.

Nimmt eine Bank Geld von der ZB an, so verlängert sie damit ihre Bilanz mit der Folge, dass die - ohnehin schon geringe - Eigenkapitalquote prozentual weiter sinkt. Verleiht sie dieses Geld nun weiter an Unternehmen, so ändert sich zunächst nichts an der EK-Quote. Da uns die Wirklichkeit aber lehrt, dass Unternehmen in Insolvenz gehen und dadurch Kredite ausfallen können, kommt hier ein weiterer negativer Effekt auf die EK-Quote der Banken ins Spiel.

Ich kann die Banken verstehen. Es wird lange dauern, bis deren EK-Quote wieder in Bereichen angelangt ist, die man als akzeptabel bezeichnen kann. Dies kann man aber nicht durch ZB-Liquidität erreichen (s.o.). Es gibt nur drei Wege, um die EK-Quote zu erhöhen: 1. Bilanzverkürzung, 2. Kapitalerhöhung, 3. Gewinne machen.

Es steht schlecht um die Banken. Liquidität der ZB hilft nicht.

BB

ISBN3451322005, am 08. Juli 2009 um 16:40 ( Link )

@barthel_berand

Es steht schlecht um die Banken. Liquidität der ZB hilft nicht.

So ist es…., es fehlen, wie im jedem Schneeballsystem, irgendwann an potenten Nachschuldnern.

@dickbrettbohrer

Was jedoch politisch korrekt als „Schuldenmachen“ bezeichnet wird, geschieht schon heute, und unmittelbar: es ist eine Umverteilung von vorhandenem Vermögen von der schaffenden Hand in die raffende Hand.

Ist doch nur Gelaber…, am Ende kucken alle in die Röhre.

Im Moment wird Land auf Land ab die große Kreditklemme verkündet. Der kleine schaffende Handwerker und Mittelständler bekommt Aufträge, kann diese Aufträge aber oft nicht vorfinanzieren, weil er kein Kredit bekommt (keine Schulden machen kann). In der „freien Wirtschaft“ wimmelt es von Unternehmen in finanzieller Schieflage, Überschuldung und mangelhaften Netto-Cash Positionen. Im Schnitt steht jeder BRD-Bürger privat mit fast 8000 Euro in der Kreide, Konsumentenkredit, Dispo, Hypothek usw. Also bitte nicht rumschwafeln, sondern das Thema mal von allen Seiten beleuchten. Dabei kann man möglicherweise feststellen, dass die Schuldenproblematik im Kern nicht ausschließlich ein Phänomen der Staatsknechtschaft ist.

Wird der Kreditierungszwang tatsächlich durchgesetzt oder die Wirtschaft sogar direkt durch die BuBa kreditiert, so werden die ganzen schaffenden Hände und moralischen Unternehmenslenker, mit den hier vorgetragenen Argumenten, sicherlich jeden Kredit selbstredend empört zurückweisen und den systemimmanenten ökonomischen Freitod vorziehen oder wie oder was...?!

Sicherlich steht die epische Enteignung sowie die materielle und monetäre Massenvernichtung vor der Tür. Selbige ist allerdings auch mehr als Überfällig und ich begrüße sie ausdrücklich!! Früher fanden dergleichen Gnaden- oder Erlassjahre freiwillig, alle sieben Jahre statt - wir sind also seit bald 60 Jahren überfällig!! Ich meine, dass der Herr da schon mehr als beide Augen zugedrückt hat. Nur die angeblich mehr wissenden Rationalisten sträuben sich noch ein wenig, weil sie ja ach so redlich gespart haben, um nun von der bösen Welt, die sie ja gewählt und erschaffen haben, über den Tisch gezogen zu werden.

"Maaaamaaaa...., du musst doch nicht um einen Juungen weinen..."

Sven Adam, am 08. Juli 2009 um 21:54 ( Link )

All das Lamento über den deutschen Durchschnittsesel lohnt sich nicht. Solange man dem Esel einen Hafersack vors Gesicht halten kann und etwas Inhalt darin ist, marschiert der deutsche Esel in die gewünschte Richtung.
Er ist damit zufrieden, Verantwortung für die "richtige Richtung" an den von ihm gewählten Reiter delegieren zu dürfen. Der Reiter - als Spiegelbild der Gesellschaft selbst ein Esel - bedient sich derweil aus dem Hafersack seines Vehikels. Und wenn der Hafersack leer ist und der Esel entkräftet zusammenbricht .... es gibt noch genug andere Esel.

Fragt sich nur, woher langfristig der Hafer kommt. Der Erzeuger und Leistungsträger hat nämlich schon mit den Füßen abgestimmt.

Deshalb: Bedingungsloses Grundeinkommen als Sterbehilfe. Damit der Karren möglichst rasch an die Wand fährt und wir dieses elendig langsame Krebssiechtum mit seinen Staatsmetastasen in allen Lebensbereichen nicht noch Jahrzehnte erdulden müssen.
Freiheit hat erst nach einem Neustart eine Chance. Und nur, nachdem die Umverteilos aller Parteien zum Deibel gejagt worden sind. Solange die Mentalität "Verwaltung der Arbeitslosen durch die Arbeitsscheuen" Programm bleibt, können wir uns hier die Finger wund tippen.

Sven Adam, am 08. Juli 2009 um 22:10 ( Link )


Im Moment wird Land auf Land ab die große Kreditklemme verkündet. Der kleine schaffende Handwerker und Mittelständler bekommt Aufträge, kann diese Aufträge aber oft nicht vorfinanzieren, weil er kein Kredit bekommt (keine Schulden machen kann). In der „freien Wirtschaft“ wimmelt es von Unternehmen in finanzieller Schieflage, Überschuldung und mangelhaften Netto-Cash Positionen. Im Schnitt steht jeder BRD-Bürger privat mit fast 8000 Euro in der Kreide, Konsumentenkredit, Dispo, Hypothek usw. Also bitte nicht rumschwafeln, sondern das Thema mal von allen Seiten beleuchten. Dabei kann man möglicherweise feststellen, dass die Schuldenproblematik im Kern nicht ausschließlich ein Phänomen der Staatsknechtschaft ist.

Ist das so? Warum kann der Handwerker seine Aufträge nicht vorfinanzieren? Weil er keinen Kredit bekommt? Bei einem Existenzgründer ein akzeptables Argument, in der Fläche aber nicht valide.
Warum? Weil der Handwerker aus dem Gewinn nach den ersten Aufträgen Rücklagen bilden sollte, die es ihm nach den Anlaufjahren gestatten, ohne umfassende Verschuldung neue Aufträge vorzufinanzieren.
Das scheitert ...
... an einem Wust von fiskalischen, sozialversicherungsrechtlichen und satzungsrechtlichen (IHK, etc.) Zwangsenteignungen,
... am Unvermögen, richtig zu kalkulieren und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

In beiden Fällen ist Staatsknechtschaft die Ursache. Im zweiten Fall beobachten wir die Folgen der Gewöhnung an Staatsknechtschaft:

"Ich hab ja nie Wirtschaftsunterricht bekommen, war aber auf einer staatlichen Schule."

oder

"Wenn ich nicht flüssig bin, dann verschulde ich mich. Genau wie der Staat. Außerdem kann ich die Schuldzinsen steuerlich geltend machen."

oder (aber das erzählt niemand auf Parties)

"Ich will nicht frei sein. Denn wenn dann was schief geht, wem außer mir selbst kann ich dann noch die Schuld geben?!"

Staatsknechtschaft IST die Ursache. Daß Staatsknechtschaft erschreckend flächendeckend sogar erwünscht ist, macht die Situation freilich nicht besser. Sie führt aber zur Geldbeuteldrainage auch bei jenen, die lieber frei wären. Mehr netto vom brutto hätte andernfalls eine geringere Durchschnittsverschuldung zur Folge.

vonclausewitz, am 08. Juli 2009 um 22:49 ( Link )

Auch wenn der wirtschaftpolitische Gnadenschuss mittels Grundeinkommen eine verlockende Idee ist:

Die Entwicklung, dass ein Staatsgebilde friedlich in sich zusammenbricht und einer freiheitlichen Ordnung weicht, ist empirisch betrachtet die Ausnahme. Viel wahrscheinlicher wird ebenjener Moloch zunehmend rabiat nach dem letzten Strohhalm greifen, Kapitalkontrollen verschärfen und vermeindliche "Steuersünder" und andere Missetäter in den Kerker schleifen. Auch ist die Alternative, künfig vom IMF ausgeplündert zu werden, nicht wirklich erfreulich.

Wie der Schuldenkaiser in seiner jüngsten Bankrotterklärung zu erkennen gab: Die Vorstellung, der Staatsbetrieb könnte in Zukunft auf der Ausgabenseite ansetzen, scheint ihm wahrlich nicht in den Sinn zu kommen.

calc, am 08. Juli 2009 um 22:51 ( Link )

Ich teile die Einschätzung des Artikel-Autors voll und ganz.

Obwohl mir die Augen erst vor kurzem aufgegangen sind, bin ich für mich zum Schluß gekommen, daß meine persönliche Zukunft auf keinen Fall in Deutschland liegt. Insbesondere deshalb, da ich auf Einkünfte aus Arbeit angewiesen bin.

Daher meine Frage: in welches Land bzw. welche Regon sollte man auswandern? Mein Hauptanliegen dabei ist die Garantie von Freiheitsrechten (Eigentum, Persönlichkeit). Ein ähnlicher Lebensstandard und eine ähnliche Kultur wie in D sollte auch vorhanden sein.

Ein paar Ideen habe ich auch schon: Chile, Argentinien, Australien, Schweiz, Rußland (leichte Abstriche bei der persönlichen Freiheit...).

Einschätzungen? Tipps? Ich wäre sehr dankbar!

EEkat, am 09. Juli 2009 um 1:42 ( Link )

wohin auswandern? Hier wird Ihnen geholfen:

http://www.wohin-auswandern.de/

E.Ekat

Querdenker, am 09. Juli 2009 um 7:23 ( Link )

Der Fischer gibt schon mal die Richtung vor:

"Fischer attackiert Bundesverfassungsgericht"
http://www.zeit.de/online/2009/28/eu-urteil-fischer

Man will keine lästigen Urteile und nörgelnde Intellektuellen.

Manchmal fragt man sich, was ist schlimmer, die Fischers oder die Banken?

Aber beide wollen das Gleiche.
Oder?

vonclausewitz, am 09. Juli 2009 um 8:56 ( Link )

Eindeutig die Banken.

Der Jockel leistet doch wertvolle Arbeit. Als Faustregel gilt: Was diesen postnationalen Wicht ärgert kann man getrost als Grundlage einer sinnvollen Zukunftsgestaltung betrachten.

Querdenker, am 09. Juli 2009 um 14:54 ( Link )

Ein hochbezahlter Kontraindikator. Wau.

Also hat die Ostseepipeline eine große Zukunft.

Das beruhigt sehr.

Molot, am 09. Juli 2009 um 19:58 ( Link )

Weil der Handwerker aus dem Gewinn nach den ersten Aufträgen Rücklagen bilden sollte, die es ihm nach den Anlaufjahren gestatten, ohne umfassende Verschuldung neue Aufträge vorzufinanzieren.

Bingo!
B.Ullmann

TrebMelsa Fördermitglied, am 10. Juli 2009 um 7:16 ( Link )

Ludwig von Mises (Human Action, Chicago 1966, S. 723 f.)
[Quelle: Friedrich-Naumann-Stiftung, Vorspann zu Ludwig von Mises, Liberalismus]

„Die Anhänger … der deutschen Sozialen Marktwirtschaft, betonen eine Marktwirtschaft sei die denkbar beste Wirtschaftsordnung, und sie seien grundsätzlich gegen Regierungsallmacht … Es ist notwendig, sagen sie (die Anwälte des Sozialen Marktwirtschaft), daß der Staat in das Marktgeschehen eingreife, wann immer und wo immer das ‚freie Spiel der ökonomischen Kräfte’ Ergebnisse hervorbringe, die ‚sozial unerwünscht’ seien.
All diese Propagandisten des Interventionismus erkennen nicht, daß ihr Programm damit die Anerkennung einer Staatsallmacht sämtliche ökonomische Angelegenheiten betreffend bedeutet …Denn sobald ein Ergebnis, das der freie Markt hervorgebracht hat, sich von dem unterscheidet, was die staatlichen Autoritäten als sozial wünschenswert betrachten, greift die Regierung ein. Das heißt, der Markt ist frei, solange er genau das tut, was die Regierung von ihm erwartet … die Entscheidung was richtig und was falsch ist, liegt bei der Regierung …“

vonclausewitz, am 10. Juli 2009 um 8:19 ( Link )

Notabene:

Was eine Regierung und ihre Beamten für "sozial erwünscht" erklären ist nicht minder volatil als die entfesselten Kräfte des Marktes.

ISBN3451322005, am 10. Juli 2009 um 8:46 ( Link )

@Sven Adam

Tresenkokolorus in der Studentenkneipe…, "in der Fläche nicht valide…", klingt toll, bau ich gleich mal ein!!

Weil der Handwerker aus dem Gewinn nach den ersten Aufträgen Rücklagen bilden sollte, die es ihm nach den Anlaufjahren gestatten, ohne umfassende Verschuldung neue Aufträge vorzufinanzieren.
Das scheitert ...
... an einem Wust von fiskalischen, sozialversicherungsrechtlichen und satzungsrechtlichen (IHK, etc.) Zwangsenteignungen,
... am Unvermögen, richtig zu kalkulieren und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen

Auch ohne fiskalischen Wust und die paar Euro für irgendwelche Kammern ist Ihr Statement eine haltlose Milchmädchenrechnung. Welcher Handwerker startet den bitte schuldenfrei? Sie bekommen von Vati vielleicht zur Firmengründung ne halbe Million in den Hintern geblasen, das ist in der Fläche aber nicht valide.

Aber sicherlich sind die verantwortungslosen unvermögenden Handwerkers und Mittelstandsidioten einfach nur zu blöde 1 und 1 zusammenzählen.

Ihr 0815 ehrenhafter Kaufmann Plan hat in den fetten Jahren funktioniert, die sind aber bekanntlich vorbei. Heute sieht die monetäre Realität anders aus. Und zu der monetären Realität möchte ich Ihr ausgefeiltes Minimalstaatsmodell oder Ihre freie Welt ohne Staat und mit Privatgeld gar nicht erst weiter hinterfragen.

Molot, am 10. Juli 2009 um 10:21 ( Link )

Welcher Handwerker startet den bitte schuldenfrei?

Jeder, der rechnen kann und der nachts gerne ruhig schläft.
B.Ullmann

ISBN3451322005, am 10. Juli 2009 um 11:16 ( Link )

@Molot

Jeder, der rechnen kann und der nachts gerne ruhig schläft.

ja mein Herr, Sie scheinen auch noch ganz ruhig zu schlafen…. , für den Fall, dass Sie aus Ihren Träumen erwachen und sich verwundert die Augen reiben, hier schon mal eine kleine vorab Info aus der Welt der Lebenden - zwei von drei Geschäftsfahrzeugen werden auf Pump gekauft, Tendenz steigend.

Ich fall echt vom Glauben ab und korrigiere mich - nicht Studentenkneipe sondern Sandkasten.

Molot, am 11. Juli 2009 um 20:30 ( Link )

zwei von drei Geschäftsfahrzeugen werden auf Pump gekauft, Tendenz steigend.

Cui bono?


Anmelden oder Registrieren, um Kommentare schreiben zu können