Carlos A. Gebauer

Jg. 1964, Rechtsanwalt und regelmäßiger Kolumnist der Zeitschrift eigentümlich frei.

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Dienstwagenpanne: Sozialicante Gerechtigkeit à la Ulla Schmidt

von Carlos A. Gebauer

Plädoyer eines repräsentativen mündigen Bürgers

Ersichtlich haben die Genossen inzwischen erkannt, dass es mit der andernorts so lauthals propagierten „sozialen Gerechtigkeit“ nicht vereinbar ist, einen Luxuswagen quer über den Kontinent zu bestellen, weil man die Bundesregierung „repräsentieren“ müsse.

Wenn man liest, was in den Kommentarspalten des Internet in diesen Tagen für eine Stimmung in der „vox populi“ herrscht – übrigens nicht nur gegen Frau Schmidt, sondern gegen die politische Klasse insgesamt –, dann lässt sich der Verwaltung des Allgemeinwohls ersichtlich kein rühmliches Zeugnis ausstellen.

Wer Sterbenskranken unter Gefängnisandrohung allenfalls ausreichend-wirtschaftlich-notwendige-zumutbare Medizin aufnötigt, selbst aber lieber privat versichert mit der Luxusklasse reist, weil er repräsentieren müsse, der sagt alleine damit mehr über sein Welt- und Menschenbild, als mit tausend solidarischen Sonntagsreden.

In den gängigen Publikumsmedien wird diese allgemeine Stimmung der Bevölkerung bislang noch bemerkenswert wenig kolportiert. Wir finden also die beeindruckend paradoxe Lage dass – wenn das Wortspiel erlaubt sei - die herrschende Stimmung (noch) nicht die herrschende Stimmung ist. Mit anderen Worten: Das, was von der breiten Bevölkerung tatsächlich gedacht und gefühlt wird, findet sich (noch) nicht in praktisch politisches Handeln umgesetzt.

Anders als in der weiland kollabierenden DDR haben wir jedoch hierzulande dankenswerterweise einen bemerkenswerten weiteren Fühler im Herzen unserer Mitbürger: Die Werbewirtschaft! Kein Zweiter weiß so schnell und sicher, was unsere Mitmenschen denken, wie die Marketingexperten. Wir dürfen also spätestens mit den jüngsten drei Anzeigen der Firma Sixt zum Thema „Günstige Mietwagen in Spanien“ als sicher annehmen, dass die große Mehrheit aller Deutschen definitiv diese Ministerin ablehnt.

Dies ist nicht nur ein erfreulicher gesundheitspolitischer Umstand. Die von der Firma Sixt gezeigte Vorgehensweise beweist darüber hinaus, dass es unter Marktbedingungen lohnt, Zivilcourage zu zeigen. Ich jedenfalls habe in Anbetracht der jüngsten Anzeigen dieses Mietwagenanbieters beschlossen, so lange ausschließlich dessen Angebote in Anspruch zu nehmen, bis es ihm auch andere Unternehmen dieser Branche politisch gleichtun. Dank an Herrn Sixt! Dank an die Herren Jung & von Matt!

Wäre all dies nun nicht Grund, Anlass und Vorbild genug, jetzt auch seitens der privaten Krankenversicherer endlich etwas offensiver vorzugehen? Wäre es nicht an der Zeit, die ängstliche Appeasement-Politik gegenüber den Totalverstaatlichern abzulegen und – ähnlich souverän wie die Firma Sixt – zu beginnen, Preisvergleiche anzustellen?

Man mache sich bewusst: Da draußen in der Wirklichkeit laufen Figuren herum, die die „Zwei-Klassen-Medizin“ geißeln. Figuren, die den schlechtergestellten GKV-Patienten zum Thema ihrer Propagandafeldzüge machen. Figuren, die zum glimmenden Neid gegen den schillernd beschriebenen, bessergestellten Privatversicherten aufrufen. Figuren aber auch – man fasse es! –, die aus ihren eigenen Prämissen nicht die einzig gebotene Konsequenz ziehen, den Schlechtergestellten besser stellen zu wollen, sondern die es zum Inhalt ihrer „sozialen“ Gesundheitspoltik machen, den Bessergestellten schlechter stellen zu wollen!

Wie lange will man sich diesen logischen Knoten, diese Beleidigung des politischen Menschenverstandes, eigentlich noch bieten lassen? Man kann ja zurückhaltend und vornehm sein; aber einen Ball sollte man doch offen rund und einen Würfel ehrlich eckig nennen. Es schmückt nicht nur, einen aufrechten Gang zu zeigen. Ein mündiger, demokratischer Bürger kann mit solchem Verhalten zudem ungemein repräsentieren. Auch ohne – Benz.

29. Juli 2009

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