30. Juli 2009

Antifa Schweigen über Angriff auf Vera Lengsfeld

Gewalt gegen Andersdenkende ist in Berlin längst der nicht mehr berichtenswerte Normalfall

Neulich war Ralf Stegner im Frühstücksfernsehen. Er wurde nach Koalitionsmöglichkeiten nach der kommenden Landtagswahl gefragt. Seine Antwort: Grundsätzlich müssten demokratische Parteien immer miteinander koalieren können. Doch dann sagte er einschränkend: „Nur mit Nazis spricht man nicht.“

Die entscheidende Frage in diesem Zusammenhang lautet: Wer legt denn eigentlich fest, wer ein „Nazi“ ist? Wer bei dieser Frage die Definitionshoheit besitzt, der kann nach Belieben seine politischen Kontrahenten spalten und damit entmachten.

Das musste Vera Lengsfeld vor knapp zwei Wochen am eigenen Leibe erfahren, als sie einen Bekannten, der selbst ein „Opfer von Nazi-Gewalt“ war, auf eine linke Demo von Nazi-Gegnern begleitete. Die CDU-Politikerin mischte sich in einen Demonstrationszug, der durch Berlin-Friedrichshain zog. Vorausgegangen war eine Schlägerei zwischen „Rechten“ und „Linken“. Die „Linken“ haben zu zehnt vier „Rechte“ angegriffen. Die „Rechten“ haben später einen der „Linken“ übel zugerichtet, den sie zufälligerweise alleine trafen. So wurde der Fall jedenfalls in der Presse dargestellt.

Was folgte, waren Ausschreitungen der „Linken“ gegen ein angebliches „Szenelokal der Rechten“, die den Charakter einer  Straßenschlacht hatten. Bei der anschließenden Demo also gegen Nazi-Gewalt wollte die CDU-Bundestagskandidatin zeigen, dass auch sie gegen Gewalt ist. Aber nicht nur gegen Nazi-Gewalt. „Das wäre mir zu wenig“, sagt sie. Deswegen brachten sie und ihre Freunde Plakate mit, auf denen „keine Gewalt“ zu lesen war. Für die „linken“ Rollkommandos war das eine Provokation!

Lengsfeld schreibt in ihrem Tagebuch: „Wir blieben nicht lange unbehelligt. Auf ein kurzes Kommando stürzen ein paar schwarze Aktivisten auf uns zu und entrissen uns unsere Schilder, die sofort kurz und klein geschlagen wurden. Dabei bekam M. neben mir einige Knuffe ab. Wir fingen an zu rufen: Keine Gewalt, keine Gewalt!“ Später wurden sie noch bespuckt und als „Rassisten“ beschimpft. Im Internet wurden allerlei Beleidigungen in ihre Richtung abgefeuert.

Der Skandal ist, dass die Berliner Zeitungen mit keiner Silbe über diesen Vorfall berichtet haben, obwohl Lengsfeld sich mit einer Erklärung an diese gewandt hatte. Niemand hat das Thema aufgegriffen. Selbst die Springer-Presse, die nicht zimperlich ist, wenn es um den neuen roten Terror geht, hat keine Silbe veröffentlicht. Es ist gespenstisch, wie linke Straßengewalt selbst gegen bürgerliche Politiker inzwischen normal zu sein scheint.

Mit „Antifaschismus“ hat bereits die DDR-Führung die schlimmsten Verbrechen bemäntelt und gerechtfertigt. In Wirklichkeit war „Antifaschismus“ ein Mittel, um die bürgerlichen Parteien in ein „antifaschistisch-demokratisches“ Bündnis mit der SED zu zwängen, damit alles „demokratisch aussieht“ (Walter Ulbricht). Und die Mauer, die Millionen Deutsche eingesperrt hat, hieß nicht Mauer, sondern „antifaschistischer Schutzwall“. So diente der Begriff dazu, den Eingemauerten den politischen Willen aufzwängen zu können, was bei offenen Grenzen nicht möglich gewesen wäre. Die Leute wären scharenweise davongelaufen. Heute ist es nicht anders.

Es ist eine Schande für die demokratischen Organisationen, um das Wort von Herrn Stegner aufzugreifen, wenn sie sich auf diese antifaschistischen (in Wirklichkeit: antidemokratischen) Verhaltensweisen einlassen. Frau Lengsfeld gebührt Dank, weil sie – bewusst oder unbewusst – dieses System entlarvt hat. Die Blamage trifft am Ende weniger die politische „Linke“, deren Absichten leicht durchschaubar sind. Nein, es sind CDU/CSU und FDP, die sich fragen lassen müssen, warum sie dieses unwürdige Treiben überhaupt mitmachen.


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