20. August 2009

Politische Preisfestsetzungen Sozialbrot und Billigenergie

Abwrackprämien auf ukrainisch

Haben Sie auch schon mal in der Toskana Brot gekauft und sich darüber gewundert, dass es vergleichsweise fade war? Am wahrscheinlichsten ist, dass Ihnen das Brot in einer Pizzeria salzlos vorkam. Das nach nichts schmeckende Brot ist ein Ergebnis von schändlichem Dirigismus!

Und das kam so: Die Medici wollten ihre Einnahmen erhöhen, also dachten sie sich eine neue Steuer aus. Statt Brot zu besteuern, erhoben sie eine Steuer auf Salz. Vielleicht hat damals ein Renaissance-Volkstribun a là Oskar Lafontaine den Leuten erklärt, eine Brotsteuer sei nicht sozial gerecht. Eine auf Salz aber schon, weil Salz überwiegend in „reichen“ Haushalten konsumiert wird. Aber das ist nur eine Spekulation von mir.

Pfiffige Bäcker verzichteten damals jedenfalls darauf, Salz bei ihrem Teig zu verwenden. Das Ergebnis bekommen heute ahnungslose Touristen in der Trattoria serviert. Aber Vorsicht! Viele Leute, die ich kenne, bestreuen das Brot, das der Italiener serviert, immer gleich mit Salz und Pfeffer, gleich welcher Herkunft. Sie kosten es nicht erst. Das ist falsch, denn nur das Brot aus der Toskana wurde ohne Salz gebacken. So kann der echte Italienkenner vom Aufschneider unterschieden werden.

Staatliche Eingriffe zugunsten einer flächendeckenden Versorgung der Bevölkerung mit Brot waren schon immer beliebt, denken wir nur an die wundersame Brotvermehrung in der Bibel. Doch wenn wir den biblischen Aspekt einmal außer Acht lassen, dann waren Eingriffe des Staates am Ende zum Scheitern verurteilt. Schon römische Kaiser kamen mit Eingriffen in den Wirtschaftskreislauf nicht zurecht. In der späteren Kaiserzeit wurden Preise festgesetzt – mit den üblichen Folgen: Mangelwirtschaft oder Qualitätsverlust. Das Nachsehen bei solchen Maßnahmen haben nur kurzfristig die Anbieter, die sich vorher angeblich bereichert haben. Langfristig sind die Folgen für die Kunden viel schwerwiegender.

Meine Schwiegermutter zum Beispiel stammt aus Kiew. Dort kauft sie in einer Filiale der Wiener Feinbäckerei, die mehrere U-Bahnstationen weg ist. Warum? „Weil es bei mir in der Gegend kein gutes Brot zu kaufen gibt.“ Warum denn das nicht, sie wohnt doch mitten in der Stadt? „Ja, aber da gibt es nur Sozialbrot (Sozialnychleb).“

Sozialbrot also. Klingt gut. Ist es aber nicht. Ukrainisches Sozialbrot schmeckt richtig miserabel. Viele gut verdienende Konsumenten kaufen lieber anderes Brot, das ein Vielfaches vom Sozialbrot kostet. Ein 800-Gramm-Sozialbrot kostet nur vier Hrivna, was etwa achtzig Cent entspricht. Die Herstellungskosten werden damit angeblich nicht gedeckt. Macht aber nichts, denn der ukrainische Staat subventioniert die Bäckereien, die Sozialbrot anbieten.

Mit anderen Worten: Der Konsument zahlt über seine Steuern die Subventionen, damit er billigeres Brot kaufen kann, das ihm aber nicht schmeckt. Ist er anspruchsvoll und kauft bei einer ausländischen Kette, muss er doppelt zahlen: die Steuern für die Subventionen und das teurere Importprodukt. Und das alles im Namen der sozialen Gerechtigkeit. Es erübrigt sich zu erwähnen, dass die Anbieter von Sozialbrot keinen Kostendruck kennen und es daher auch nicht nötig haben, Produktinnovationen herbeizuführen oder sich eine effizientere Kostenstruktur auszudenken. Sie kriegen sowieso das Geld vom Staat.

Ach ja. Meine Schwiegermutter zahlt übrigens im ehemaligen Arbeiter- und Bauernparadies nur sieben Hrivna (etwa anderthalb Euro) im Monat für die Heizkosten. In Deutschland wären das grob geschätzt 100 Euro im Monat, wenn wir bedenken, dass es in der Ukraine im Winter noch viel kälter ist. Und warum ist das Gas so billig?  Weil der Staat als Retter der Armen und Schwachen die Gaspreise künstlich niedrig hält. Mit dem Ergebnis, dass Energie nur so vergeudet wird.

So ist das mit Preisfestsetzungen. Sie führen immer zu Verschwendung, Mangelwirtschaft oder Qualitätsverlust. Herzlich willkommen im Sozialismus! Meine Schwiegermutter hat es jedenfalls satt. Sie kauft lieber ein Ciabatta in der Wiener Feinbäckerei. Ein gesalzenes.


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