29. September 2009

Wahlergebnis Es hätte schlimmer kommen können

Womit Schwarz-Gelb und wir alle jetzt rechnen dürfen

Es hätte schlimmer kommen können. Wie das knappe Wahlergebnis zeigt, ist Schwarz-Gelb nur knapp an einem Desaster vorbei geschrammt, das zuerst eine Verlängerung des schwarz-roten Elends und später dann die vollrot-grüne Chaos-Politik nach sich gezogen hätte. Wenn man sich vorstellt, dass die Stasi-Freunde sich mit den grünen Polit-Hysterikern und den SPD-Mumien zusammen auf den Regierungsbänken  niedergelassen und das ganze Volk zu Geiseln ihrer Umerziehung gemacht hätten, dann ist man trotz aller Vorbehalte doch rechtschaffen froh, dass es auch diesmal wieder nur das „kleinere Übel“ ist, das uns demnächst heimsucht.

Viel Grund zur Freude haben die Liebhaber freiheitlicher Verhältnis aber dennoch nicht. Das liegt nicht nur an der Merkel-CDU, die schon dafür sorgen wird, dass der unsägliche „Soziale-Gerechtigkeits“-Kretinismus weiter das intellektuelle Niveau der öffentlichen Debatten bestimmen wird. Am Wahlabend konnte man in jeder Stellungnahme Angela Merkels hören, dass sie natürlich die „Kanzlerin des ganzen deutschen Volkes“ sein werde, was ja nichts anders heißt als: Weiter so wie bisher! Der surreale „Antifaschismus“ mit „Kampf gegen Rechts“ und sündenstolzem Bekenntnis der immerwährenden Schuld an der bösen „deutschen Geschichte“, die fortlaufende Erfindung immer neuer „Diskriminierungen“, die Neuschöpfung des Menschen im Sinne von „gender mainstreaming“ und schließlich die Fortsetzung einer gescheiterten Einwanderungspolitik sind auch unter dem neuen Personal ebenso garantiert wie die kontinuierliche Arbeit an der Selbstauflösung der deutschen Nation in einem kleptokratisch-bürokratischen „Europa“. Denkt man an die grenzdebile FDP-Phrase vom „Bürgerrecht auf Bildung“, die eine individuelle Anstrengung in einen Anspruch auf staatliche Zuteilung umlügt, dann ahnt man, wie wirr es in den Köpfen jener „Reformer“ aussieht, auf deren Erfolg man setzen möchte.

Dass die Handvoll entschieden liberaler FDP-Politiker der PC-Diktatur der ideologischen Hosenschlitzriecher wird Widerstand leisten können, glaube ich nicht. Allenfalls wird nicht der  ganze gedankenpolizeiliche Dreck, der in den Schubladen der Schäuble- und Zypries-Ministerien zwischengelagert ist, ins Gesetzblatt gekippt.

Die Hoffnung ist klein: Ein Hauch von Vernunft in der Wirtschafts- und Finanzpolitik, ein sanftes Abbremsen auf der Schussfahrt in den totalen „Wohlfahrtstaat“, mit Glück auch eine Energiepolitik, die den Ruin einer Volkswirtschaft wenigstens nicht mit Vorsatz betreibt – viel mehr ist nicht zu erwarten. Das ist zum Heulen wenig, wenn man an die Herausforderungen denkt, vor denen das Land steht. 

Aber Jammer, Schimpf und Träume sind jetzt nicht angesagt. In Wahlkampfzeiten mag man damit die spannungsreiche Ungewissheit vor der Entscheidung übertönen. Nun geht es darum, eine Haltung gegenüber einer Regierung zu finden, deren kümmerliche Politik man einerseits weiterhin kritisch verfolgt, die andererseits aber die einzige Chance zu Veränderungen in der erwünschten Richtung darstellt.

Und weil das so ist, werden die Anwälte dieser Chance schon morgen unter scharfes Feuer geraten. Die drei Oppositionsparteien werden sich alle als  ökologische Linksparteien profilieren und alle Schleusen der einschlägigen Demagogie öffnen. Man lasse sich nicht durch den schlaffen Wahlkampf täuschen: Dass die SPD in den letzten Wochen nur eine matte Pflichtübung in Sachen Kapitalismus-Beschimpfung absolvierte, hatte vor allem damit zu tun, dass  „die Genossen“ auf eine Fortsetzung der großen Koalition hofften und es deshalb selber affig fanden, heute den Partner von morgen zum Gottseibeiuns zu erklären. Nachdem dieser Plan A gescheitert ist, wird es bei Plan B kein Halten mehr geben. Im offenen Überbietungswettbewerb um den Posten des rabiatesten „Rächers der Enterbten“ werden SPD, Linke und Grüne alle Hemmungen fallen lassen und das grässliche Bild hungernder Hartz-IV-„Opfer“ so lange in die Köpfe projizieren, bis wenigstens alle Zuschauer des GEZ-Fernsehens davon überzeugt sind, dass die fetten Kinder, die man überdurchschnittlich häufig an „sozialen Brennpunkten“ findet, im Grunde alle die Kwashiorkor-Bäuche der Verelendeten vor sich her tragen. Die Grünen haben mit ihrem infamen Wahlplakat („Ich habe gleich Mathe, Englisch und Hunger“) die Grenzen der Zumutbarkeit schon erfolgreich getestet. Man mache sich darauf gefasst, dass jeder Versuch, die Verwandlung des Bürgers in einen Schnäppchenjäger staatlicher Transferleistungen ein wenig zurückzudrehen, auf die Bereitschaft zum Barrikadenkampf stoßen wird. Keine Denunziation gilt künftig als unerlaubt, trifft sie nur die richtigen Bösen. Das dumpfe Geschwalle des Duisburger Kämmerers, der „keinen schwulen Außenminister“ will, ist nur ein Vorspiel für die Niedertracht, mit der zu rechnen ist. Für das schon lange, viel zu lange dominierende „juste milieu“ ist das Wahlergebnis des 27. September nicht einfach ein in einer Demokratie normaler Vorgang, sondern eine Verletzung der Weltordnung. Schwarz-Gelb gilt als Verkörperung einer brutalen „Interessen-Politik“, während linke und grüne Politik natürlich nur das allgemeine Wohl im Auge hat. Der altmarxistische Rosstäuscher-Trick verfängt noch immer: Wer die Interessen der „Ausgebeuteten“ vertritt, vertritt zugleich die Interessen der Menschheit. Wer „mehr Netto vom Brutto“ fordert, ist ein Agent jener „sozialen Kälte“, die bekanntlich schon die kommode Volksgemeinschaft der DDR umgebracht hat. Derlei Mentalmüll füllt nicht nur die Kopfe des allzeit mobilisierbaren linken Demo-Mobs, sondern sammelt sich auch in den gestylten Köpfchen von Studienrätinnen in pastellfarbenen Twinset, die das dezent in Lipgloss gefasste Mündchen spitzen, um  das „antikapitalistische“ Ressentiment mit Inbrunst zu flöten.

Wahrhaftig, „Mönchlein, Du gehst einen schweren Gang!“, möchte man den Freunden der Freiheit zurufen, die jetzt bereit sind, gegen diese Hetze und diesen Widerstand sich zu stemmen. Man sollte sie, trotz aller berechtigten Bedenken, nicht allein lassen. Das Elend bürgerlicher Politik in diesen Zeiten liegt  darin begründet, dass die Gegner mühelos die Straße und damit auch die Medienbilder beherrschen. Wer will, dass Schwarz-Gelb mehr wird als eine mäßig attraktive Farbmischung, der wird das ändern müssen, selbst wenn es das Ende der eigenen Bequemlichkeit bedeutet.


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