01. Oktober 2009

Kinokritik „Verblendung“ Ein so zeitgemäßer wie -raubender Antifa-Porno

Sittengemälde für Arschgesichter

Es ist nicht einfach, Geschichten zu erfinden, bei denen Nazis die Rolle der Bösewichte in die Stiefel geschoben werden kann. Wer keine historischen Film à la Inglorious Bastards drehen will, sondern im hier und jetzt, muss 65 Jahre nach Kriegsende seine Hauptdarsteller im Altersheim rekrutieren. Das wird immer schwieriger.

Ein Ausweg könnte sein, eine Nazi-Geschichte vierzig Jahre zurückzudatieren, die dann in der Jetzt-Zeit aufgeklärt wird. So hat es Stieg Larsson gemacht, der schwedische Romanautor, dessen Film „Verblendung“ seit heute in den Kinos startet.

Wenn in den Zeitgeistmedien mit großem Tamtam ein Film oder Buch angepriesen wird, bei dem nicht gleich auf den ersten Blick erkennbar ist, warum er oder es erfolgreich sein sollte (Superstars in der Hauptrolle, Erfolgsregisseur oder Verfilmung eines Bestsellers), dann ist absolute Vorsicht angesagt.

„Verblendung“ handelt von einem linken Journalisten mit dem Spitznamen Kalle Blomkvist, der gegen einen schwedischen Großkonzern zu Felde gezogen ist und verloren hat. Er wurde erfolgreich wegen übler Nachrede zu einer Gefängnisstrafe verknackt und steht am Nullpunkt.

Da bekommt er das Angebot, vor dem Antritt seiner Haft einen Job in der Provinz zu erledigen. Der Auftraggeber ist ein alter Unternehmer und das Familienoberhaupt der Vangers, denen der Vangerkonzern gehört. Der Greis bittet den Journalisten herauszufinden, wer seine Nichte Harriet auf dem Gewissen habe. Diese ist 1966 verschwunden. Ihre Leiche wurde nie gefunden, aber Opa Vanger nimmt an, dass sie getötet wurde.

Der gendergerecht umgemodelte Gutmensch Blomkvist – er kocht mit seinen Kindern Fleischklopse, kann aber nicht Auto fahren – macht sich ans Werk und stellt schnell fest, dass die Familie überwiegend aus geldgierigen Altnazis besteht. Nach einer unrealistischen Fotorecherche steht er plötzlich wieder am Anfang seiner Ermittlungen. Da tritt ein gepiercter Gender-Mainstream-007 in sein Leben. Lisbet ist eine starke Frau. Die 24jährige ist notorisch gewaltkriminell und hässlich wie die Nacht. Sie fährt Motorrad und arbeitet als erfolgreiche Computerhackerin. Es gibt kaum eine männliche Verhaltensweise, die ihr nicht angedichtet wird. Als bisexuelle, emanzipierte Frau nimmt sie sich, was sie braucht. Am Ende betrügt sie auch noch einen (natürlich kriminellen) Unternehmer um seine Millionen, was die Zuschauer als Happy End werten dürfen.

Vorher muss sie aber erstmal ihrem männlichen Bewährungshelfer einen blasen, womit auch die Unterdrückung der Frau durch patriarchalische Gesellschaftsstrukturen im sozialdemokratischen Musterländle Schweden thematisiert wäre. Natürlich macht Lisbet das Schwein fertig, unter anderem indem sie ihn fesselt und ihm einen Riesendildo rektal einführt.

Dann schreitet sie zur Tat, dem hilflosen Blomkvist aus der Patsche zu helfen, der mit seiner Recherche nicht weiterkommt. Gemeinsam decken die beiden auf, dass Harriet seinerzeit einem Verbrecher auf die Spur gekommen ist, der Nazi-Ritualmorde in Serie begangen hat. Frauen mit jüdischen Vornamen wurden angekettet, blutig gevögelt und dann getötet. Natürlich kommt der Täter aus der eigenen Nazifamilie. Wie überraschend. Am Ende stirbt er den verdienten Flammentod.

Dieser Antifa-Porno beinhaltet alle Feindbilder der Linken in einem: Unternehmer gleich Nazi gleich perverser Triebmann. Nach 130 Minuten bringt es der Regisseur fertig, nochmal neue Sachverhalte und Personen ins Spiel zu bringen, die dem Film einen unerwarteten Dreh geben sollen und die Zeit bis zum Ende noch einmal ins Unerträgliche verlängern. Zweieinhalb Stunden dauert das politisch korrekte Machtwerk am Ende.

Leute, geht in Wickie und die starken Männer oder Horst Schlämmer, aber erspart euch und euren Damen diesen Irrsinn!


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