Ronald Gläser

Jg. 1973, Amerikanist aus Berlin, Medienredakteur bei der "Jungen Freiheit".

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Liberale Helden: Gedenken an Arno Esch

von Ronald Gläser

Veranstaltung in Rostock am 18. Oktober

Die Gedenkfeiern rund um den Wendeherbst von 1989 verstellen ein wenig den Blick darauf, dass die gesamte DDR-Geschichte randvoll gefüllt war mit Widerstand und Opposition gegen die SED-Herrschaft. Ständig sind unter Ulbricht und Honecker deswegen Leute in die Gefängnisse gewandert. Wie konnte es dazu kommen?

Besonders interessant ist der Blick auf die frühen Jahre. Es gab einen fließenden Übergang von der sowjetischen Militärdiktatur zum „deutschen“ SED-Regime, wobei sich die Machthaber Ost Mühe gaben, alles „demokratisch“ aussehen zu lassen. Dazu gehörten die Blockparteien, die als Satelliten der sozialistischen Einheitspartei alles mitmachten, aber nach außen hin als bürgerlich galten.

In dem Buch „Mein Vaterland ist die Freiheit“ von Horst Köpke und Friedrich-Franz Wiese ist der Zwangsanpassungsprozess innerhalb des antifaschistisch-demokratischen Blocks so beschrieben: „Dort waren fortwährend irgendwelche Erklärungen zu beraten, die die Politik der Sowjets und der Kommunisten unterstützten. So wurden CDU und LDP langsam, aber sicher auf die Grundposition der SED gebracht.“ Wen erinnert das nicht an die ständigen „Resolutionen gegen rechts“, die in Parlamenten von den Linken eingebracht und dann von charakterlosen CDU- und FDP-Politikern mitbeschlossen werden?

In der Anfangsphase jedoch hatte es ein paar hoffnungsvolle Ansätze von nichtsozialistischen Politikern gegeben, die von der SED und den Sowjets im Keime erstickt werden mussten, um die Opposition mundtot zu machen. Einer dieser mutigen Männer, die sich der roten Führung unter Ulbricht widersetzten, war Arno Esch. Der Jura-Student aus Rostock war trotz seines jungen Alters (Jahrgang 1928) eine der  führenden Persönlichkeiten der LDP in Mecklenburg. Mit gerade Anfang Zwanzig organisierte er mit seinen Freunden den Widerstand gegen die Gleichschaltung der LDP und bot der SED öffentlich Paroli.

Am 18. Oktober 1949 schlugen die Machthaber zu und verhafteten Esch und einen Teil seiner Weggefährten. Sie wurden von sowjetischen Militärtribunalen zu oftmals langjährigen Haftstrafen verurteilt. Einige wie Esch sogar zum Tode. Das Urteil wurde 1951 in Moskau vollstreckt.

Es gab danach eine richtige Verhaftungswelle in Rostock. Nicht nur an der Universität, in ganz Mecklenburg fielen Regimekritiker und deren Familienangehörige den Willkürakten der Sowjets und ihrer deutschen Handlanger zum Opfer.

Die Überlebenden der Terrorwelle – darunter übrigens auch Karl-Hermann Flach, der sich zeitig absetzen konnte – gingen nach ihrer Abschiebung aus den sibirischen Straflagern oft nach Westdeutschland und gründeten den Verein ehemaliger Rostocker Studenten (Vers). So hielten sie noch über Jahre Kontakt. Die letzten Zeitzeugen sind aber jetzt schon in die Jahre gekommen. Kürzlich erst starb der Esch-Stellvertreter Friedrich-Franz Wiese.

Einige andere Personen, die damals dabei gewesen sind, werden aber noch vor Ort sein, wenn am Sonntag, dem 18. Oktober 2009, um 11.00 Uhr in der Universitätskirche Rostock eine Gedenkveranstaltung für die vor genau 60 Jahren verhafteten Mitglieder der Gruppe Esch stattfindet.

Es sprechen unter anderem die Präsidentin der Rostocker Bürgerschaft Karina Jens, der frühere Parlamentspräsident Hinrich Kuessner und der Vorsitzende des Vers, Peter Moeller.

16. Oktober 2009

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