André F. Lichtschlag

Jg. 1968, Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "eigentümlich frei", Verleger (ef und Lichtschlag Buchverlag).

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Freie Fahrt, kostenlose Autos und Kraftstoffmittelfreiheit für alle!: Der Streik der Autofahrierenden

von André F. Lichtschlag

Die Autofahris haben ein Recht auf freien Verkehr! (Satirische Bezüge zum Studierendenstreik sind rein zufällig)

Der „Streik“ der Autofahrierenden wird immer lautstärker. Unter dem Motto „Verkehr für alle, sonst gibt’s Krawalle“ zogen gestern erneut Zehntausende Autofahris durch die Innenstädte von Berlin, Leipzig und Flensburg. Nun, so die „Bild“-Zeitung, droht ein „heißer Verkehrsherbst“.

Grundwichtig, so die Gewerkschaft der Automobilhersteller im Einklang mit den Autofahrierenden, sei die unbedingte Straßenbenutzungspflicht für Kinderwagen, Fußgänger und Tretroller von 8 bis 14 Uhr, die bereits am 1. April 1933 von der damaligen Regierung aus sozialen Gründen beschlossen wurde. Wer am späten Nachmittag und Abend den Bürgersteig benutzen möchte, darf dies unabhängig davon auf eigene Kosten tun.

Das Kernanliegen der demonstrierenden Autofahris in diesem Jahr ist der kostenlose Opel für alle, eine umfangreiche Kraftstoffmittelfreiheit, eine technische Vereinheitlichung der Automodelle nach dem „Trabi-Prinzip“ sowie eine zusätzliche Erhöhung der Sonderprämien für die Autofahris (Bafög) nach dem Bundesautomobilitätsförderungsgesetz. Der neue Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer sagte gestern bereits eine Erhöhung dieser Bafög-Gelder für 2010 zu.

Die Autofahrierenden fordern auch ein umfangreiches demokratisches Mitspracherecht bei der Wahl der Opel-Führung sowie bei der Produktpalette der Autohersteller. Besonders wird bemängelt, dass die einzelnen Autos sich technisch zu sehr voneinander unterscheiden und es so beim Umsteigen auf ein anderes Modell zu vermeidbaren Schwierigkeiten kommt. Auch wollen die  Autofahrierenden zukünftig farblich mit mehr roten als silbernen Autos beschenkt werden.

Einwände der Zeitschrift eigentümlich frei, dass die egoistischen Forderungen der Autofahris allesamt räuberisch, anmaßend und peinlich seien sowie unsozial gegenüber den Fußgängern, die all dies „solidarisch“ mitzufinanzieren haben, werden von Autofahris, Gewerkschaften und Medien übereinstimmend als „neoliberal“ und „unsozial“ abgewiesen. Denn das weiß schließlich jeder: Gerade Autofahrierende aus Arbeiterfamilien könnten sich ohne das freie Auto für alle die in heutiger Zeit so wichtige Mobilität gar nicht leisten und würden sozial benachteiligt.

Auch die deutschen Parteien von FDP bis Linke sind sich deshalb einig: Viel mehr Geld in den Straßenverkehr – jetzt! Freie Fahrt für alle!

25. November 2009

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