26. November 2009

Falschgeldsystem vor dem Offenbarungseid Deutschland kommt ins Endspiel

Ein Ausblick aufs Finale

Wenn ich 1987 im völlig heruntergekommenen Potsdam aus der Mietshaustür trat, war das wie der Eintritt auf eine kafkaeske Bühne. Hinter der Wohnungstür war Normalität, vor der Haustür herrschte eine unwirkliche Zeitverschiebung. Der Hausflur war der „Timetunnel“ in eine Zeit, die nicht das 20. Jahrhundert sein wollte. Das 20. Jahrhundert fand im „Westfernsehen“ statt, hier draußen herrschte die beklemmende Atmosphäre des 19. Jahrhunderts im Verfall. Ich sehe mich noch auf dem Bürgersteig stehen und gen Himmel rufen: „Herr, es ist doch das Ende des 20. Jahrhunderts!“

20 Jahre später, im Herbst 2007, nachdem die sozialdemokratischen Parteien SPDCDUCSUFDP die Wirklichkeit als politisch inkorrekt aus den Programmen gestrichen hatten, stellte sich langsam das Gefühl wieder ein, welches mich schon am Ende der vorletzten Sozialismusphase irritierte: Wirklichkeit und Selbstbild der Gesellschaft befinden auf größtmöglicher Distanz, die Geschichte scheint still zu stehen. Doch es scheint nur so. Der Stillstand ist die Bedingung der Umkehr.

Ein Blick in die Verlautbarungsorgane des überlebten Zeitgeistes fördert keinerlei Erkenntnisse mehr zutage. Die Massenmedien kommentieren nur noch das eigene Echo. Die Suche nach Wahrheit in den letzten zwei Jahren hat jedoch zu klaren Erkenntnissen geführt: Das Stillstandsphänomen ist die Folge der staatlichen Schuldenintervention in den beginnenden gesellschaftlichen Umbruch.

Erstens: Wir haben es mit einer Überschuldungskrise der westlichen Sozialdemokratien zu tun. Zweitens: Die regelmäßig platzenden Spekulationsblasen sind das Ergebnis des durch die Umverteilungsgesellschaften in den Markt geschwemmten Falschgeldes ohne Deckung. Drittens: Profiteure des Systems sind die mächtigen Kostgänger des Sozialstaates: Das Kartell aus den Vorständen der Falschgelddistributoren (Banken), den Falschgeldlegimitatoren und Umverteilern (Politiker) sowie deren willfährigen Rechtsgestaltern, den Falschgeldadaptoren (Aktiengesellschaften, „Kombinate“) auf der einen und der gewaltbereite, das Kartell gefährdende und deshalb durch „Sozialleistungen“ ruhig gestellte Mob auf der anderen Seite. Viertens: Der noch durch zivilisatorische Hemmnisse gefesselte Mittelstand, der keine 25 Prozent der Bevölkerung mehr stellt, aber das gesamte Umverteilungsvolumen erwirtschaftet, ist in einer Massendemokratie wegen des Mehrheitswahlrechts machtlos und zur Ausplünderung freigegeben.

Die Situation scheint hoffnungslos, doch ein beherzter Klimmzug an der morschen Mauer des Zeitgeistgefängnisses lässt einen Blick in die Zukunft zu: Das Umverteilungskartell erstickt im eigenen System, es ist so festgefahren, wie die aggressiv wiederholte Propaganda seiner Massenmedien. Es kann nicht mehr vor noch zurück.

Druckt es mehr Falschgeld, fliegen die Staatsanleihen wegen der Inflationsangst auf den Markt. Druckt es weniger Falschgeld, wird es zahlungsunfähig und hat den Pöbel am Hals. Lässt es die Zinsen niedrig, gehen die Anleger in Edelmetalle, anstatt in Staatsanleihen. Hebt es die Zinsen, streiken die Schuldner für den Kreditkreislauf und die kreditabhängige Wirtschaft kollabiert.

Das Angloimperium sitzt am tiefsten in der Falle. Es hat sich über fast zwei Generationen mit Falschgeld finanziert – die Welt hat geliefert, zuerst Europa, dann China. Die Chinesen, die ihren Staat innerhalb von 20 Jahren von einer maroden und sozialistischen in eine leistungsstarke und nationalsozialistische Diktatur transformiert haben, ohne die Eliten auszutauschen, haben sich die Amis eingekauft (die Sozen sind begeistert!). Sie haben sich für den Greenback bewusst solange ausbeuten lassen, bis die gewerbliche, amerikanische Wirtschaft (wie auch die in Großbritannien) praktisch ausgelöscht war. Heute lebt das Angloimperium von Warentransfers, finanziert aus dem „Quantitative Easing“. Staatsanleihen werden mittlerweile dadurch finanziert, dass sich die Kartellbanken Falschgeld von der FED für 0,25 Prozent leihen und dann Staats-Bonds mit dem 10-fachen Zins kaufen, die dann durch Steuermittel bedient werden. Das System geht jetzt also an die reine Substanz, indem es die Staatsbevölkerung auszehrt. In Deutschland funktioniert das nicht anders. Hier kommt erschwerend hinzu, dass die gesamte Sozialordnung auf demselben Prinzip der Beleihung der Zukunft ohne Pfand fußt.

Man kann Kredit nämlich auf zweierlei Weise erzeugen: Kredit gegen Verpfändung eines bestehenden Wertes (Wertewirtschaft) oder Kredit auf der Basis einer ungesicherten Zukunftserwartung (Schuldenwirtschaft), die als Pfand nur bedrucktes Papier kennt. Ist die Wertewirtschaft auf bestehende Substanz angewiesen, so ist die Schuldenwirtschaft auf Schuldner angewiesen. Fehlen die Schuldner, weil sie die Kreditaufnahme verweigern oder dem „demographischen Wandel“ zum Opfer fielen, ist Schluss, dann kollabiert das System. Der Staat kann seine Zahlungszusagen nicht mehr erfüllen und wenn er sie nominal erfüllt, dann nur ohne Gegenwert (Inflation).

Da die Sozialsysteme und die Staatsfinanzierung auf demselben Prinzip der deckungslosen Versprechen auf Papier (Geld-, Renten-, und Versorgungsbescheide) beruhen, addieren sich deren Negativbilanzen auf ca. neun Billionen Euro (explizite Schulden 1,6 Billionen Euro, implizite Schulden über 7 Billionen Euro), und sie gehen auch gemeinsam unter.

Oft hören wir, jeder Bürger habe 20.000 Euro Schulden. Das ist längst Augenwischerei. Teilt man die gesamten Leistungsversprechen des Staates durch jene, welche es erwirtschaften müssen, kommt gegenwärtig ca. eine halbe Million Euro pro Produktivkraft heraus. Dieser Wert steigt in den nächsten Jahren der massenhaften Verrentung von Babyboomern rasch auf eine Millionen Euro.

Das ist das sichere Ende der sozialdemokratischen Ordnung in Deutschland (2012).


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Roland Woldag

Über Roland Woldag

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige