28. November 2009

Ungerechte Gleichstellung In der Krise wird mehr Männern gekündigt

Mehr zu wagen, mehr zu gewinnen

Laut dem am letzten Montag veröffentlichten Bericht  der EU-Kommission „Beschäftigung in Europa 2009“ schlägt die derzeitige Krise auf die Arbeitsmärkte in der EU durch. Über 4 Millionen weniger sind in entgeltlicher Beschäftigung. Der Bericht prognostiziert, dass bis zum Jahre 2010 voraussichtlich bis zu 10 Millionen weiterer Arbeitsverhältnisse beendet werden. Die Arbeitslosenquote werde auf über 10% ansteigen. Dabei weist die Untersuchung darauf hin, dass schon zum jetzigen Zeitpunkt insbesondere die Arbeitsverhältnisse von Männern betroffen seien. Dabei fiel die Beschäftigung von Männern bis jetzt um 2,3 Prozent, die von Frauen dagegen nur um 0,3 Prozent. Das Gros des Verlustes an Arbeitsverhältnissen, nämlich 90 % betraf dabei Arbeitsverträge mit Männern. Der Bericht kommt zu Ergebnis, dass der Abschwung hauptsächlich von Männern dominierte Sektoren wie die Automobil- und Bauindustrie getroffen hat.

Interessanterweise vermeldete die Kommission noch im Juni des Jahres unter der Überschrift „Gleichstellung in Krisenzeiten“, dass nach einem Bericht der Kommission Frauen von der Krise stärker betroffen würden, da sie sich häufiger in weniger stabilen Arbeitsverhältnissen befänden. In der gleichen Nachricht wird erwähnt, dass die Rezession die historische Kluft zwischen Frauen und Männern umgekehrt habe und zum ersten Mal bei den Männern eine höhere Arbeitslosenrate zu beobachten sei als bei den Frauen. Diese empirisch bereits festgestellte Tatsache forderte indes keine Handlungsbereitschaft zur Verbesserung der Lage der Männer heraus, sondern führte zur Organisation einer Konferenz, wie man den Frauen in diesen schweren Zeiten besser beistehen könne. Durch den neuen Bericht hat sich nun das Gegenteil des Befürchteten eingestellt und die besondere Beeinträchtigung der Arbeitsverhältnisse von Männern und nicht von Frauen herausgestellt. Vom Einberufen einer Konferenz, wie den betroffenen Männern zu helfen sei, liest man nicht unerwartet dagegen nichts.

Es sind also offensichtlich anteilig mehr Männer in einer krisengeschüttelten Branche tätig als Frauen. Diese Tatsache führt zu einigen ökonomischen Schlüssen. Wie zu einem früheren Zeitpunkt in diesem Monat dargestellt, ist auch das Eingehen eines Arbeitsvertrages eine unternehmerische Entscheidung. Jeder Arbeitnehmer wägt für sich Vor- und Nachteile verschiedener Angebote auf Abschluss eines Arbeitsvertrages ab. Kriterien sind das versprochene Einkommen, die Härte der Arbeit, der Leumund des Arbeitgebers, seine Qualität, die Dauer der Anfahrt und die voraussichtliche Dauer des Arbeitsverhältnisses. Worauf der jeweilige Bewerber Wert liegt, ist seinen subjektiven Vorlieben geschuldet. Untrennbar mit unternehmerischem Handeln ist die Belohnung für dieses verknüpft. Wer unternehmerisch tätig ist, der hofft darauf, Profit aus seiner Tätigkeit schlagen zu können. Dabei steigt der Profit, je größer das eingegangene unternehmerische Wagnis ist.

Simpel lässt sich dies am Beispiel von Anlageentscheidungen erklären. Anlageentscheidungen sind immer ein Wagnis. Je größer das Wagnis, desto größer ist auch der mögliche Profit. Wer in die Aktien eines DAX30-Unternehmens investiert, der tut dies in Kenntnis um die Überschaubarkeit von Gewinn und Verlust. Andererseits ist ein Engagement in einem kleineren Nebenwert mit einer Aussicht auf großen Gewinn bei einer größeren Wahrscheinlichkeit des Totalverlusts verknüpft. Für Arbeitnehmer gilt nichts anderes. Wenn sie ein größeres Wagnis eingehen, so steigt ihr Profit, der Bestandteil der Entlohnung als Arbeitnehmer ist. Das größte Wagnis des Arbeitnehmers betrifft die Wahrscheinlichkeit der Kündigung.

Aus den von der EU-Kommission bereitgestellten Zahlen lässt sich ersehen, dass viele Männer in zyklischen Branchen wie Automobilbau und Bauindustrie beschäftigt sind. In zyklischen Branchen ist die Wahrscheinlichkeit größer entlassen zu werden als zum Beispiel im Einzelhandel. Folgerichtig werden die Arbeitnehmer für ihr Engagement unter größerem unternehmerischem Wagnis besser entlohnt als die Arbeitnehmer in weniger zyklischen Branchen. In Krisenzeiten wie dieser führt dies zu einer Masseentlassung von Männern. In Nichtkrisenzeiten wird das Wagnis der Kündigung den Männern allerdings besonders vergütet. Sie erhalten einen höheren Lohn. Hierzu stellt die EU-Kommission fest, dass die zwischen den Geschlechtern klaffende Gehaltslücke in der Gesamtschau 17 Prozent beträgt, die Lücke sich in manchen Ländern sogar weite. Männer verdienen im Durchschnitt also 17 Prozent mehr als Frauen.

Ansätze, diese Fakten in der öffentlichen Debatte um das Gehaltsgefälle zwischen Männern und Frauen zu nutzen, sind nicht auszumachen. Dabei läge es nahe, die unternehmerisch unterschiedlich geprägten Arbeitsverhältnisse von Männern und Frauen näher zu untersuchen. Aus der evolutionären Psychologie ist bekannt, dass Männer in vielen Studien eine höhere Risikobereitschaft zeigen. Diese Risikobereitschaft ist nicht nur der Grund dafür, warum Männer sich weit häufiger als Frauen in tendenziell gefährlichen Branchen wie Bergbau und Militär wieder finden. Diese Risikobereitschaft ist auch der Grund dafür, warum Männer wesentlich häufiger unternehmerisch tätig sind als Frauen. Einen rationalen Grund, dieser Risikobereitschaft und dem unternehmerischen Mut die Anerkennung zu verweigern, gibt es nicht.

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