10. Dezember 2009

„Green Economy“ Warum auch dieser Hype vorbeigeht

Wenn ich Öko-Aktien hätte...

Vor einer Woche habe ich das VW-Museum in der Autostadt Wolfsburg besucht. Nach einem langweiligen ersten Stockwerk ging es in das „green level“, wie es offiziell heißt. Dort standen Klimaskulpturen und lauter so Öko-Designer-Quatsch. Wer da durchgeht, der spürt, dass sich hier ein paar grün angehauchte Uniabsolventen oder Unternehmensberater ausgetobt haben. Für mich war es langweilig. Und so etwas bei einem großen Autokonzern, der sein Geld mit – wenn ich mich richtig erinnere – Autos verdient, der also „böse“ zur Umwelt ist. Müsste er nicht gegen die Lügen vorgehen, die jeden Tag wegen der angeblich vom Menschen verursachten Erderwärmung verbreitet werden?

Der Tsunami an Apokalypse-Meldungen, der wegen des Kopenhagener Klimagipfels ausgelöst wurde, ist schon überraschend. Seit Tagen läuft in Deutschland die größte mediale Desinformationskampagne, die wir je erlebt haben. Trotzdem sind immer noch viele Leute skeptisch und fragen sich, was dran ist am Klimawandel. Eine Frage, die mir in den letzten Tagen immer wieder gestellt worden ist, lautet: „Warum macht die Wirtschaft das eigentlich mit?“

Die Frage ist berechtigt. Zunächst einmal gibt es „die Wirtschaft“ genau so wenig wie „die Russen“, „die Juden“ oder „die Vanilleeis-Esser“. Es gibt viele Unternehmen, die sich so wenig für den Klimawandel oder „nachhaltiges Wirtschaften“ im Sinne der Klima-Hysteriker interessieren wie Verona Pooth für Astrophysik. Vor einer Woche hatte ich von einem Frisörmeister berichtet, der bei der Sanierung seines Mietshauses noch nicht einmal an steuerlich geförderte Wärmedämmung gedacht hat, weil er andere Prioritäten hat. Wer will ihm das verdenken?

Bei den Firmen, die jedoch aktiv am Klimaschwindel teilnehmen, gibt es drei Gruppen:

Erstens: die Angstmacher. Es sind vor allem Firmen aus dem Medienbereich, die Geld damit verdienen, dass sie Leute in Panik versetzen. Das bringt mehr Auflage oder Quote. Sie schüren Angst vor der Schweinegrippe, vor Nazis, vor Kampfhunden, vor Kinderpornographie oder vor der Trennung von Tokio Hotel. Es geht um die Aufmerksamkeit.

Zweitens: die Hauptprofiteure. Neben den aus staatlichen Mitteln finanzierten „Forschungsinstituten“, deren „wissenschaftliche“ Existenzgrundlage der vom Menschen verursachte Klimawandel ist, gibt es Windkraftanlagenproduzenten, Solarzellenhersteller, Ökostromanbieter und jede Menge andere Primärprofiteure. Ohne staatliche Förderung würde sich ihr Geschäftsmodell verflüchtigen. Deswegen üben sie Druck aus auf die Politik.

Drittens: die Rationalen. Die meisten Firmen machen einfach mit, betreiben „Greenwashing“, um ihr Image dem Zeitgeist anzupassen. Diese moderne Form des Persilscheins stellen sich Firmen aus allen möglichen Branchen aus. Die Deutsche Bank behauptet, sie sei ein besonders grüner Konzern („Nachhaltigkeit bekommt ein Zuhause“). Audi wirbt in Anzeigen mit einem klimafreundlich-niedrigen CO2-Ausstoß seiner Wagen („nur 99 Gramm CO2 pro Kilometer“). Der Atomstromkonzern RWE tut so, als bestünde sein Geschäftsfeld neuerdings aus erneuerbaren Energien („VoRWEg gehen“), was nach meinem Gefühl ein Täuschungsmanöver ist. Die Dezember-Ausgabe von „Havard Business Manager“ berichtet deswegen schon über den „Erfolg mit ökologischen Geschäftsideen“. Das Dumme daran: 98 Prozent der entsprechenden Werbeaussagen halten kritischen Überprüfungen nicht stand, besagt eine Studie der kanadischen Beratungsfirma Terra Choice. Soviel zur Aufrichtigkeit der Firmen, die sich selbst jetzt als „grün“ darstellen.

Der Hype, den wir jetzt erleben, wird nicht ewig weitergehen. Erinnert sich noch jemand daran, wie nach der deutschen Einheit der Immobilienmarkt „boomte“? Vor allem in den neuen Ländern und Berlin war das Investment in Wohnungen das A und O jeder Anlagestrategie. Immobilienmakler – die galten plötzlich als die coolsten Typen überhaupt. Höher, größer, schöner mussten die Projekte werden. Bald hat Berlin fünf Millionen Einwohner, dann kostet der Quadratmeter dreimal so viel wie jetzt, hieß es in jedem Verkaufsgespräch.

Dann kam die Schneiderpleite. Die Holzmann-Pleite. Der Skandal der Bankgesellschaft Berlin. Nun zuletzt die amerikanische Immobilienkrise, die auch auf viele andere Länder übergegriffen hat. Aus der Traum vom schnellen Geld.

So war es danach mit den Handys. Vor zehn Jahren gab es in jeder Einkaufsstraße sieben bis zehn Handyläden. Bis der Markt gesättigt war. Haben Sie übrigens gehört, dass Nokia seine Mobilfunksparte abstoßen will? Soweit ist es also gekommen: Der Marktführer von gestern hat die Lust am Geschäft verloren. Parallel kam die „New Economy“, die uns allen stetiges Wachstum versprach. Auch sie war schneller wieder vorbei, als alle gedacht haben.

Und jetzt sind wir in der grünen Wirtschaft angekommen. Es gehört nicht viel Mut dazu, auch diesem Hype das zu prognostizieren, was jedem Hype irgendwann droht: der Niedergang. In ein paar Jahren werden wir über kommerzielle Anzeigen lachen, in denen Autohersteller niedrigen CO2-Verbrauch versprochen und Atomstromkonzerne mit Bildern von Windmühen geworben haben. Denn dann kehren die Firmen zur Normalität zurück und produzieren das, was sich am Ende wirklich rechnet.

Leider werden bis dahin durch Manager, Steuerzahler und Anleger Milliarden in diese Hirngespinst-Branche gepumpt worden sein. Sie sind dann weg – so wie das Geld der Leute, die im Jahr 2000 bei 100 Dollar noch Yahoo-Aktien gekauft haben.

Wenn ich Öko-Aktien hätte, ich würde langsam ans Aussteigen denken.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Ronald Gläser

Über Ronald Gläser

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige