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![]() Jg. 1964, Rechtsanwalt und regelmäßiger Kolumnist der Zeitschrift eigentümlich frei. ef-Sucheef-EinkaufspartnerWenn Sie ef-online unterstützen möchten, starten Sie bitte Ihre Amazon-Einkäufe mit Klick auf diesen Button: ef auf FacebookBesuchen Sie uns auch auf Facebook: |
Finanzmarktreform: Ein revolutionär neues Papiergeld-Konzept?Es werde Kuchen… In der breiteren Öffentlichkeit wird die Diskussion um einen Staatsbankrott in der Regel so geführt, als handele es sich dabei entweder um eine unwahrscheinliche Ausnahme oder aber um ein Ereignis, das schlechterdings überhaupt nicht eintreten kann. Die nähere Beschäftigung mit der Frage, ob (und wie) Staaten in Konkurs fallen können, fördert allerdings die nüchterne Erkenntnis zutage: Der Bankrott gehört offenbar ebenso zum Phänomen Staat wie Staatsvolk, Staatsgebiet und Staatsregierung. Nicht nur, dass Philipp VI. von Frankreich 1349 seine Einkünfte durch eine Währungsabwertung um 67 Prozent steigerte; nicht nur, dass der kastilische Marvedi bis 1504 um 95 Prozent an Wert verlor; nicht nur, dass die englische Krone 1545 bis 1551 durch ein Great Debasement 46 Prozent royalen Gewinn einstrich; nicht nur, dass die französischen Revolutionäre ihre ursprünglich mit enteigneten Kirchengütern gedeckten Assignaten bis 1796 um 99 Prozent des Nennwertes sinken ließen. Frankreich hatte schon 1559 und 1598, Spanien 1557, 1560, 1575 und 1590 und England 1672 den Staatsbankrott durchlebt. Von den Staatsinsolvenzen der jüngsten Vergangenheit geben die Vokabeln DDR, UdSSR, Mexiko, Argentinien, Tigerstaaten, Island etc. Zeugnis. Irgendetwas läuft nicht gut mit Staaten und Geld. Der Staatsbankrott von England 1672 mündete bekanntlich in die Gründung der Bank of England 1688/89 – und in die Ausgabe von Papiergeld. Die Loslösung des „Geldes“ von Gold oder anderen Warenunterlegungen war spätestens damit langfristig auf den Weg gebracht. 1919 gab das Vereinigte Königreich den Goldstandard auf, die USA folgten 1933. Die letzte Verbindung zwischen Gold, Silber und Geld wurde 1972 gekappt, nachdem auch die Zentralbanken untereinander nicht mehr auf Gold zurückgreifen konnten. Seitdem ist Gold Gold, Silber Silber und Geld – was auch immer. Die schrecklichen Ereignisse des Jahres 2008 lassen nun ersichtlich zunehmend auch die Magier des Weltfinanzcasions ihre eigenen gedanklichen Prämissen überdenken. Zwar denken sie, wie man liest, sehr langsam. Und die jahrzehntelang eingeübten Zocker-Standards bilden offenbar weiter (und wieder) die gelebte Praxis. Dennoch wachen kluge Köpfe zunehmend auf und schenken ihr Ohr denen, die an Logik, Mathematik und gesunden Menschenverstand appellieren. Zu alledem gehört der gedankliche Rückgriff auf Traditionen und auf die Menschheitserfahrung, dass unsere Vorväter in all den uns bekannten Jahrhunderten vielleicht doch nicht ganz so dumm waren, wie dies der blinde Fortschrittsglaube gerne proklamiert. Kurz: Die Diskussuion um Warengeld- und Goldstandard bricht sich, langsam zwar, doch unerbittlich, den Weg in die Köpfe der Nachdenkenden. John Hathaway, Portfolio Manager der New Yorker Tocqueville Asset Management L.P. beispielsweise formuliert zur Frage des steigenden Goldpreises: „Gold ist nur für jene eine Blase, die ihren Glauben an Politiker und Finanzautoritäten bewahrt haben...“. Und weiter, noch schärfer: „Gold ist Sicherheit gegen eine Weltfinanzordnung auf dem Totenbett.“ Um angesichts all dessen nicht in Defätismus zu verfallen, zitiert Hathaway indes auch augenzwinkernd seinen Freund Tony Deden, der jüngst auf einer Züricher Gold-Konferenz hinsichtlich der weltweiten Geldproduktions-Exzesse die Frage stellte: Wenn Gelddrucken tatsächlich die wahre Quelle gesellschaftlichen Reichtums darstellt, was genau ist dann eigentlich in Bangladesch falsch gelaufen? Die Frage von Tony Deden kann im Grunde nur zu einer einzigen folgerichtigen Erkenntnis führen: Bangladesch könnte – wie vielleicht auch alle anderen Zentralbanken der Welt – durch den Austausch der Papiersorte ihrer Geldscheine eine neue Ära der staatlichen Geldproduktion einleiten. Würde man nämlich die Banknoten endlich nicht mehr auf herkömmliches Papier drucken, sondern auf Esspapier, dann wäre die Währung auf einen Schlag sachwertunterlegt und geeignet, den Hunger in der Welt zu besiegen. Nichts würde die Massen mehr so sättigen, wie Inflation! Die Speisung der fünf Milliarden geriete in greifbare Nähe, ganz ohne Heiland. Und wenn Bangladesch dem Esspapiergeld noch etwas Zucker beimengte, könnte es zollrechtlich vielleicht sogar als Kuchen gelten. Damit würde auch ein anderer Menschheitstraum endlich Realität: Wenn die Menschen kein Brot haben – warum essen sie dann keinen Kuchen? „Fiat money“ war gestern. Es lebe „Fiat Libum“, es werde Kuchen! 12. Dezember 2009 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Frank Schäffler schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. 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