18. Dezember 2009

Klimaerwärmung, Teil 3 Die Politik

Und das Ende der Wissenschaft

„Ein weltweiter Klimaschutzvertrag muss geschlossen werden, auch wenn es keinen wissenschaftlichen Beweis für die Existenz des Treibhauseffektes gibt“, so Richard Benedick, Präsident des National Council for Science and the Environment.

Nachdem im ersten Teil dieser Serie einige der häufigsten Schreckensszenarien der Alarmisten beleuchtet wurden, sollte im letzten Teil die Wissenschaft untersucht werden: Wie gelangen Alarmisten zu ihren Vorhersagen, und wie belastbar ist das? Wenn es dem Leser so geht wie zahlreichen Skeptikern, wird er vom heutigen Wissenschaftsbetrieb enttäuscht sein. Wie konnte es dazu kommen? Dieser dritte und letzte Beitrag soll dieser Frage nachgehen. Dabei werden zunächst einige Fehleinschätzungen über die Gremien und die Einmütigkeit der Wissenschaftler geklärt.

Das IPCC ist eine internationale wissenschaftliche Vereinigung, die weder politische noch wirtschaftliche Interessen vertritt

Das IPCC ist eine Kommission, die von WMO und UNEP berufen wurde. Die leitenden Autoren seiner Berichte werden von den Behörden der beteiligten Nationen ausgewählt. WMO und UNEP sind Behörden mit den Interessen von Behörden. Von den angeblich 2500 Experten, die an den Berichten mitarbeiten, haben tatsächlich nur ein paar Dutzend Einfluss auf die endgültige „Zusammenfassung für politische Entscheidungträger”.

Einige der im Rahmen des IPCC als Prüfer oder Autoren zu Rate gezogenen Wissenschaftler wie z.B. John Christy, Richard Lindzen, Richard Courtney, Vincent Gray, Robert Balling, Hajo Smit, Kimonori Itoh oder Madhav Khandekar distanzierten sich teilweise heftig von der Politik des IPCC. Dr Philp Lloyd von der University of Cape Town, der als Autor an einem Bericht (IPCC 2005) für das IPCC mitarbeitete: „Ich fand Beispiele, in welcher die Zusammenfassung das genaue Gegenteil dessen sagte, was die Wissenschaftler gesagt hatten.” Andere wie z.B. Hurrikan-Forscher Christopher Landsea traten aufgrund der Politisierung des IPCC von ihrer Rolle als Autoren zurück.

Klimatologe und Leitender IPCC-Autor Michael Hulme von der University of East Anglia, der wirklich nicht im Verdacht übertriebener Skepsis stehen kann, äußerte in einem Interview (Revkin 2009): „Das IPCC selber, durch seine strukturelle Neigung Klimawissenschaft zu politisieren, half womöglich eine autoritäre und exklusive Art der Wissensproduktion zu fördern.”

Menschengemachtes Kohlendioxid als Ursache für katastrophale Erwärmung ist wissenschaftlicher Konsens

Dazu, wie spärlich Widerspruch zum Urteil des IPCC unter Wissenschaftlern verbreitet sei, meinten bereits die damaligen Vorsitzenden des IPCC in einer Pressekonferenz im April 2001: „Es sind noch nicht einmal 80 zu 20 oder 90 zu 10 (prozentual ausgedrückt). Ich selber glaube es liegt irgendwo bei 98 zu 2 oder 99 zu 1.” Die stellvertretende UNO-Generalsekretärin Gro Harlem Brundtland erklärte im Mai 2007: „Die Diagnose ist klar, die Wissenschaft unmissverständlich – es ist auf der Basis unseres Wissens vollkommen unmoralisch, diese Berichte in Frage zu stellen.”

„Die Umweltminister sind sich einig, die Wissenschaftler sind sich einig”, meinte SPD-Vorsitzender und Ex-Bundesumweltminister Gabriel dazu passend am 16.11.2009 in einem Interview im Deutschlandfunk. „Es gibt keinen wirklichen Streit – außer ein paar Ölkonzernen, die ihre eigenen Geschäfte bedroht sehen.”

Sogar der Vorstand amerikanischen Physikalischen Gesellschaft veröffentlichte im Namen seiner Mitglieder eine Stellungnahme, „die wissenschaftlichen Fragen seien geklärt.”

Auch stützen sich Alarmisten auf eine Veröffentlichung aus dem Jahre 2004 der Wissenschaftshistorikerin Naomi Oreskes der University of California (Oreskes 2004). Diese untersuchte die Zusammenfassungen von 928 wissenschaftlichen Artikeln zwischen 1993 und 2003, die sie über das Suchwort „Climate Change” fand. Es wurde gezählt, welche Artikel der alarmistischen „Konsens”-Meinung folgten, welche neutral waren und welche ihr widersprachen. Drei Viertel aller Artikel, so Orsekes, stimmten zu; ein Viertel war unentschieden. „Bemerkenswerterweise widersprach keines der Papiere der Konsensposition”, so die Autorin.

Dies sollte dem aufmerksamen Leser auf den ersten Blick unglaubwürdig erscheinen: In zehn Jahren sollen noch nicht einmal tausend Fachartikel zum Klimawandel erschienen sein? Drei Viertel der Artikel stimmten der alarmistischen Meinung zu? Und vor allem: Unter diesen hunderten von Fachartikeln soll kein Zweifel zu finden gewesen sein? Was ist beispielsweise mit Fachartikeln, die in den beiden vorangehenden Beiträgen dieser Serie zitiert wurden? Beispielsweise bei „Popular Technology“ kann man eine unvollständige Aufzählung ähnlicher Artikel finden.

Der wichtigste Punkt vorweg: Es gibt in den Wissenschaften nie so etwas wie eine „Konsensmeinung”, die die „Debatte beenden” könnte. Wäre dem so, gäbe es keinen wissenschaftlichen Fortschritt; von der Plattentektonik bis zur Medizin würden wir Dogmen nachbeten statt den Tatsachen auf den Grund zu gehen. Auch ersetzt die Berufung auf Autoritäten nicht eigenes Verstehen. Unser Urteil über die Wissenschaftlichkeit der Astrologie holen wir uns auch nicht bei Astrologen ab.

Doch selbst die angebliche Einigkeit der Wissenschaftler entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Trugbild. Zur Erinnerung: Die „Zusammenfassung für politische Entscheidungträger” des IPCC ist das Werk von 52 Autoren. Der UN liegt eine Erklärung von 100 Wissenschaftlern vor, darunter mehreren IPCC-Prüfern, die der angeblichen „Konsensmeinung” des IPCC widersprechen.

Eine Gruppe von inzwischen über 160 Physikern, angeführt von Princetons Will Happer, fordert in einem offenen Brief von der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft, dass diese ihre Erklärung zur menschengemachten Klimaerwärmung ändere. Die Funktionäre der Physikalischen Gesellschaft hätten diese Erklärung im Namen ihrer Mitglieder abgegeben, ohne diese zu fragen.

Im Heidelberger Appell äußern über 4000 Wissenschaftler – darunter 74 Nobelpreisträger – ihre Bedenken gegenüber der Klimawissenschaft und -politik. Darunter sind allein sechs deutsche Nobelpreisträger.

Neben Unternehmern und Anderen schlossen sich auch Hunderte von Wissenschaftlern der Manhattan Declaration an. Zu den Unterzeichnern gehören führende Experten zu Eisbären wie Mitchell Taylor von der Lakehead University, Klimatologen wie Timothy Ball (ehemals University of Winnipeg), Meeresbiologen wie Robert M. Carter von der James Cook University und der University of Adelaide.

700 Wissenschaftler schlossen sich einem Papier an, welches dem US-Senat vorliegt und das sich kritisch mit dem angeblichen „Konsens“ befasst.

Dem „Global Warming Petition Project“ – der „Oregon Petition” – schlossen sich neben anderen auch tausende amerikanischer Wissenschaftler an. Sie erklären, dass es keine überzeugenden Beweise gebe, dass menschlich erzeugte Treibhausgase zu einer katastrophalen Erwärmung der Erde führen würden.

Umfragen unter Wissenschaftlern zeigen mal ein Ergebnis, mal ein anderes. Und so gibt es auch Umfragen, die zeigen, dass es sogar unter Klimawissenschaftlern zwar eine Mehrheitsmeinung, aber keinen Konsens gibt (Taylor 2007).

Nahezu alle Wissenschaftler stimmen zu, dass die meisten Bodentemperaturen steigen; auch dass menschengemachte, Wärme absorbierende Gase irgendeine Wirkung auf das Klima haben müssen; es besteht jedoch überhaupt kein „Konsens” über die Ursache der Erwärmungen, schon gar nicht, dass der menschengemachte Anteil am Kohlendioxid-Anstieg hauptverantwortlich, noch welcher Verlauf zu erwarten sei.

Erzwungener Konsens

Henk Tennekes, Forschungsdirektor am Königlich Niederländischen Meteorologischen Institut, betrachtete besonders die Qualität der Klimamodelle mit großer Skepsis. Er wurde dafür 1995 gegen seinen Willen frühpensioniert. Will Happer wurde durch den damaligen US-Vizepräsidenten Gore aus seiner Position als Direktor für Energieforschung im US-Energieministerium gefeuert. Zwei weitere Fälle sollen näher beschrieben werden.

Der Fall Lomborg

Ein typischer Fall ist der Bjørn Lomborgs: Als Greenpeace-Mitglied und Statistiker and der Universität Aarhus stieß Lomborg auf ein Buch von Julian Simon (Simon 1995), in welchem dieser mit statistischen Methoden nachzuweisen versuchte, dass es der Erde und der Menschheit ständig besser ginge und nicht schlechter. Lomborg stellte sich vor, Simon zu widerlegen. Er musste jedoch feststellen, dass dessen Ergebnisse richtig waren. Lomborg machte sich an die Arbeit, die Aussagen von Umweltorganisationen und -behörden ebenfalls zu überprüfen. Seine Ergebnisse veröffentlichte Lomborg in einem Buch (Lomborg 2001).

Lomborg wurde sogleich heftig angegriffen, z.B. in einem Leitartikel und mehreren Artikeln in „Scientific American“ (Rennie et al 2002) von Stephen Schneider (Redakteur der Zeitschrift Climatic Change), Ökologe John P. Holdren; John Bongaarts (Vizepräsident des Population Council in New York City) und Thomas Lovejoy („Biodiversivitätsberater” bei der Weltbank). Diese bezichtigten Lomborg „schwerwiegender Verzerrungen”, „grober Schnitzer, die kein Statistiker mit Selbstachtung begehen sollte”, „schlechter Recherchen”, „Seichtheit” usw.

Nachdem der Chefredakteur von „Scientific American“ sich Lomborgs Bitte verweigerte, auf die Angriffe in der gleichen Ausgabe eingehen zu dürfen, veröffentlichte Lomborg seine Antworten Absatz für Absatz auf seiner Webseite. Die Reaktion von „Scientific American“: Eine Drohung mit einer Urheberrechtsklage, sollte er die Zitate und seine Antworten nicht umgehend wieder entfernen (Schoenbrod 2002).

Damit nicht genug: Vier „Wissenschaftler” denunzierten Lomborg bei dem Dänischen Komitee über Wissenschaftliche Unehrlichkeit. Nach einem geradezu Kafkaesken Prozess – der sich allein auf die Artikel seiner Angreifer stützte, von den Kommissaren höchst emotional geführt wurde und in dem Lomborg wieder einmal keine Gelegenheit erhielt, sich zu verteidigen – wurde Lomborg als unehrlich und unwissenschaftlich abgeurteilt. Dieser Prozess war derart ungeheuerlich, dass sich sogar das dänische Wissenschaftsministerium damit befassen musste.

Biologe E.O. Wilson nannte Lomborg einen „Teil der Parasitenlast, die die Wissenschaft tragen“ müsste und sogar Rajenda Pachauri, Vorsitzender der UN-Klimakommission IPCC war sich nicht zu schade, mitzuhetzen: „Wo ist der Unterschied zwischen Lomborgs Philosophie und der Adolf Hitlers?”

„Die Welt ist ein politischer Ort für Eisbären”

Mitchell Taylor von der Lakehead University ist Eisbären-Experte mit 30 Jahren Erfahrung und Dutzenden von Veröffentlichungen. Vor dem Hintergrund seiner langjährigen Arbeit begründete er bei zahlreichen Gelegenheiten seine Skepsis gegenüber den Behauptungen der Alarmisten, die Eisbären würden aussterben. Jahrelang beteiligte er sich außerdem aktiv an der Polar Bear Specialist Group (PBSG); so plante er, auch an deren diesjähriger Versammlung in Kopenhagen wieder teilzunehmen. Sogar die Finanzierung der Reise hatte er bereits organisiert. Dann informierte der scheidende Vorsitzende der PGSB, Andrew Derocher, seinen Kollegen, dieser brauche nicht zu kommen. Umweltjournalisten Joanne Nova fasste die Affäre zusammen und veröffentlichte auch Derochers Email an Taylor. Diese soll für sich selber sprechen:

„Hallo Mitch, die Welt ist ein politischer Ort; für Eisbären mehr denn je. Ich habe kein Problem mit unterschiedlichen Auffassungen, solange sie von Logik, wissenschaftlichen Argumenten und der Literatur gestützt sind. Ich glaube, wie viele PBSG-Mitglieder, dass um der Erhaltung der Eisbären Willen Ansichten, die dem menschengemachten Klimawandel widersprechen, extrem wenig hilfreich sind. In diesem Sinne passen Ihre Positionen und Aussagen in der Manhattan Deklaration, im Frontier Institute und im Science and Public Policy Institute nicht zu den Positionen der PBSG. Auch war ich nicht sehr überrascht, dass die Mitglieder einer Einladung nicht zustimmten. Nichts, was ich hörte, hatte mit Ihrer Wissenschaft zur Bejagung oder Ihrer Forschung über Eisbären zu tun – es waren die Positionen, die Sie über globale Erwärmung eingenommen hatten, welche Widerstand hervorriefen. Die Zeit wird zeigen, wer Recht hat; aber die wissenschaftliche Literatur ist nicht auf der Seite derer, die gegen menschengemachten Klimawandel argumentieren. Ich freue mich, jemand anderes der PBSG vorsitzen zu lassen. Beste Grüße, Andy“ (Derocher)

Stammesdenken statt Sachlichkeit

Einen tiefen Einblick in die Diskussionskultur alarmistischer Forscher erhielt die Öffentlichkeit, als Ende November ein Insider oder ein Hacker Mails und Programmdateien des britischen Hadley Centre veröffentlichte: Als anonyme Prüfer für wissenschaftliche Veröffentlichungen hatten Mann, Jones, Briffa und andere beträchtliche Macht, den „Konsens” in der wissenschaftlichen Literatur durchzusetzen. Als die Zeitschrift „Climate Research” einen kritischen Artikel veröffentlichte, ging Mann soweit vorzuschlagen, ihr das Wasser abzugraben: „Vielleicht sollten wir unsere Kollegen in der Gemeinschaft der Klimaforschung ermutigen, keine Artikel mehr an diese Zeitschrift einzusenden oder daraus zu zitieren. Wir sollten auch bedenken, was wir unseren vernünftigeren Kollegen vorschlagen, die in der Redaktion sitzen.”

Nachdem der Statistiker Stephen McIntyre; der die Mängel ihrer „Hockeyschlägerkurve” aufgedeckt hatte, (siehe vorhergehenden Artikel) – einen Artikel in der Fachzeitschrift „Geophysical Research Letters“ veröffentlichen konnte (McIntyre und McKitrick 2005), schrieb Tom Wigley vom NCAR an Mann über den Cheredakteur dieser Fachzeitschrift: „Wenn Du glaubst, dass Saiers (der Chefredakteur; Anm. des Autors) im Treibhaus-Skeptiker-Lager ist, dann, wenn wir dokumentierte Beweise dafür finden, könnten wir über offizielle Kanäle der AGU (der Amreikanischen Geophysischen Union, dem Arbeitgeber Saiers; Anm. des Autors) gehen um ihn entfernen.”

Darüber, welche Arbeiten für die Berichte des IPCC herangezogen wurden und welche nicht, schrieb Jones an Mann: „Ich erwarte nicht, dass irgendeines dieser Papiere im nächsten IPCC-Bericht sein wird. Kevin und ich werden sie irgendwie heraushalten – selbst wenn wir umdefinieren müssen, was geprüfte Fachliteratur ist!”

Dass so kein Konsens mehr gesichert werden könne, erkannte selbstkritisch auch der bereits zitierte Michael Hulme von der University of East Anglia: „Das Stammesdenken, das einige der durchgesickerten Emails zeigen, ist etwas, das man gewöhnlicher mit der gesellschaftlichen Organisation primitiver Kulturen verbindet; es ist nicht ansehnlich, wenn wir es in der Wissenschaft arbeiten sehen.” (Revkin 2009)

Der vielbeschworene Konsens ist also nur sichtbar, wenn man die Augen vor skeptischen Wissenschaftlern verschließt. Je durchsichtiger auch diese Behauptung der Alarmisten wird, desto schriller klingen deren Forderungen nach der Einheitsmeinung. Umweltaktivist Robert F. Kennedy jn. 2008 erklärte die Kritik an der Erwärmungshypothese zu „Hochverrat an der Menschheit und wir sollten beginnen, sie wie Hochverräter zu behandeln.” James Hansen, Direktor des NASA Goddard Institute for Space Studies, forderte Prozesse gegen Skeptiker unter der Anklage wegen „Verbrechen gegen die Menschheit”.

Bereits Al Gore versuchte Skepsis ins „Rechte” zu setzen: „Heute ist der Nachweis einer ökologischen Kristallnacht so klar wie das Geräusch zerschmetternden Glases in Berlin”. Heute werden Skeptiker bewusst als „Leugner” bezeichnet, um sie mit Holocaust-Leugnern zu vergleichen (Monbiot 2006) (Christoff 2007) (Goodman 2007). Bill McGuire äußerte beispielsweise in der Sendung „20/20” des Senders ABC vom 30.8.2006: „Wir haben Holocaust-Leugner; wir haben Klimawandel-Leugner. Und um ehrlich zu sein, ich glaube nicht, dass es da einen großen Unterschied gibt.” Oder aus einem Editorial der „National Geographic Deutschland“: „Skepsis ist schließlich die Mutter aller Wissenschaft.. Aber gilt das auch für Holocaust-Leugner, für Klimaskeptiker, für Evolutionsgegner? Der Holocaust ist eine unwiderlegbare historische Tatsache, der Klimawandel eine tausendfach dokumentierte Entwicklung, zu der wir alle erheblich beitragen.” (Liedke 2009)

Öko-Umverteilung: Wer wirklich auf wessen Kosten profitiert

Liest man die Geschichten in der Mainstream-Presse, so gewinnt man den Eindruck, als stünden in der Klimadebatte schwache Ökoverbände übermächtigen Interessen entgegen. Doch die Klimalobby ist heute alles andere als ohnmächtig: Zur „Klimalobby” zählen Gruppen wie Wind- und die Solarindustrie, die von großzügigen öffentlichen Subventionen – auf unsere Kosten – profitieren. Bereits heute wird jeder Arbeitsplatz in diesen Wirtschaftszweigen höher subventioniert als ein Job im Kohlebergbau. Dann sind da natürlich die Klimaforscher selber: Zum Forscherruhm gehören Veröffentlichungen und für veröffentlichungswürdige Arbeiten benötigt man Geld. Und auch die Bürokraten, die durch den Alarmismus neue Machtbereiche erschließen konnten, stellen eine mächtige Lobby dar – und die Politiker selber, die sich neue Quellen und Abhängige schaffen.

Und dann sind da noch Banken und Investmentfirmen, wie Generation Investment Management von Ex-US-Vizepräsident Al Gore: Diese verdienen gut am Markt der Emissionszertifikate und ihrer Derivate. Im Grunde funktioniert das folgendermaßen: Die Politik teilt Anlagenbetreibern Emissionsrechte zu. Für jede Tonne Kohlendioxid, die ein Betreiber ohne Zertifikat erzeugt, muss er eine Strafe von 100 Euro zahlen. Die Zertifikate, die ein Betreiber nicht braucht, gibt er in eine „Kohlenstoffbörse”, wo diese mit einem Preis versehen werden. Auf diesen Preis kann man mit Derivaten wetten, sich Rechte verschaffen, Provisionen verdienen usw., in einem System, das verdächtig nach den Geschäften mit Immobiliendarlehen und deren Derivaten aussieht. So kam es auch jüngst zu einem Crash der europäischen Kohlenstoffzertifikate, nachdem Spekulationen diese in schwindelnde Höhen getrieben hatten.

Sogar Ökologisten wie Friends of the Earth erkennen in diesem staatsgeschaffenen „Markt” inzwischen eine Bedrohung – auch wenn sie anstelle der eigentlich logischen Konsequenz noch mehr staatlichen Einfluss verlangen (FOE 2009). Dabei spart dieses System kein Gramm Kohlendioxid, wie der Umweltökonom Joachim Weimann von der Universität Magdeburg in seiner Streitschrift „Die Klimapolitik-Katastrophe“ nachweist (Weimann 2008).

Und die Energieerzeuger? Müssten die nicht lauthals gegen die Politik der Energieverteuerung protestieren? Die Energieerzeuger protestieren nicht gegen die Politik der Alarmisten; sie profitieren von dieser Politik auf Kosten der Stromverbraucher und anderer Industrien. Besonders der politisch geschaffene, künstliche Markt für Emissionszertifikate verschafft ihnen riesige Gewinne – und gibt ihnen sogar einen Grund, CO2-intensive Kraftwerke zu bauen: Die CO2-Zertifikate bekommen die Energieerzeuger und die Industriebetriebe für ihre Anlagen vom Staat kostenlos zugeteilt. Diese Zuteilung geschieht nach zu erwartendem CO2-Ausstoß. Wer weniger braucht, kann dann diese Zertifikate an der Börse verkaufen.

Trotzdem und mit dem Segen der Behörden haben vor allem die vier großen Energieerzeuger – Eon, EnBW, RWE und Vattenfall – ihre Strompreise so kalkuliert, als hätten sie für die Zertifikate beim Staat zahlen müssen. Noch einmal deutlicher: Die Stromkonzerne bauen CO2-intensive Kraftwerke, weil sie dafür kostenlos Zertifikate erhalten. Sie erhöhen die Strompreise, weil sie virtuelle Zusatzkosten für den Erwerb der Zertifikate veranschlagen. Die überschüssigen, kostenlos erhaltenen Zertifikate verkaufen sie.

Politisches Hochamt in Kopenhagen

Vor einer Woche reisten die Politik der Welt nach Kopenhagen. Sie benötigten bislang 1200 Limousinen – so viele, dass die dänischen Autovermieter sich in den Nachbarländern versorgen mussten – und 120 Jets – was dazu führte, dass zahlreiche Flüge auf Nachbarflughäfen umgeleitet werden mussten, um die schweren Lasten für uns zu besprechen, die aber um des Klimas Willen leider notwendig seien.

Kopenhagen ist keine vorübergehende Maßnahme, um einer unmittelbaren Gefahr für die Menschheit zu begegnen. Kopenhagen ist „Soziale Gerechtigkeit“ auf die ganze Menschheit ausgeweitet: das Berauben der Produktiven, um eine von der Politik abhängige Klasse zu alimentieren. Denn es geht natürlich um Geld. Hier ein Ausschnitt aus dem Entwurf des Vertrages, der dies deutlich macht: „Jene Entwicklungsländer, die Volkswirtschaften mit niedrigem Kohleverbrauch waren und sind, benötigen ausreichende finanzielle Anreize und geeigneten Technologietransfer, um weiter Treibhausgasemissionen auf ihrem Weg einer nachhaltigen Entwicklung zu vermeiden und zu verhindern, dass diese die Bahn hoher Treibhausgasemissionen entwickelter Länder vermeiden. (…) Entwickelte Länder sollen a) Schäden an den Volkswirtschaften der weniger Entwickelten Länder ausgleichen und sie sollen außerdem für verlorene Chancen, Ressourcen, Leben, Land und Würde Ausgleich schaffen, da viele zu Umweltflüchtlingen würden. b) Afrika, im Zusammenhang der Umweltgerechtigkeit, soll angemessen für ökologische, soziale und wirtschaftliche Verluste ausgeglichen werden, die aus der Einführung von Gegenmaßnahmen erwachsen.“

Zwar gab es jüngst einige Irritationen auf dem Kopenhagener Gipfel, als ein vertrauliches Dokument bekannt wurde, wonach die entwickelten Länder den Entwicklungsländern nur 54 Prozent der eigenen Kohleemissionen zugestehen wollen. Doch es ist zu erwarten, dass man sich auch hier gütlich einigt – auf Kosten dritter, nämlich uns Steuerzahlern.

Fazit: Was nach der Angstmache übrig bleibt

Die politische Klasse der entwickelten Länder hofft, auf dem Rücken künstlich geschürter Klimaängste zu einem globalen Zentralismus zu reiten, aus dem es für niemanden mehr ein Entkommen gäbe. Die Arbeitskraft ihrer Steuerzahler halten sie den Regierungen der Entwicklungsländer hin, damit diese ihnen folgen. Welchen Erfolg eine solche Verteilung unverdienten Wohlstands auf die Moral der Potentaten von Dritte-Welt-Ländern hat, kann jeder sehen, der sich noch traut, die Früchte von Jahrzehnten staatlicher „Entwicklungshilfe” zu betrachten. Was die gleiche Politik im Namen des Klimas für die Freiheit und den Wohlstand der betroffenen Bevölkerungen bedeuten wird, ist nicht schwer zu erraten.

Mit den wissenschaftlichen Standards, denen die Politik bei den Rechtfertigungen ihrer Belastungen für uns folgt, könnte man von ihr keine Zulassung für eine Kopfschmerztablette erhalten. Würden Kurven, wie jene, die ihre Hofwissenschaftler für sie erstellen, in einem Bilanzbericht auftauchen, ginge der Finanzvorstand ins Gefängnis.

Unterhält man sich über die Fakten mit Leuten, die sich allein aus den Mainstream-Medien informieren, dann wird dies zwar letztlich zugestanden; doch stets ziehen sich Maimstream-Konsumenten auf die gutgemeinte Entgegnung zurück, „Also gut, die Schreckensmeldung sind übertrieben, die Wissenschaft ist zumindest verdächtig und die Politiker sind nicht ganz ehrlich; aber ist es nicht so oder so gut, Kohlendioxid zu vereiden und Energie zu sparen?”

Nein, ist es nicht. Erstens hat es nichts mit Sparsamkeit zu tun, wenn die Politische Klasse uns unseren Wohlstand einfach nimmt. Das ist ein Schaden. Oder erwartet jemand, dass die politische Klasse uns die Mittel nach gewisser Zeit wieder zurückgibt, vielleicht sogar mit Zinsen? Zweitens ist gerade bei Energie die Nachfrage sehr unelastisch. Jeder kann an sich selbst beobachten, dass er eher auf den wöchentlichen Kinobesuch verzichtet als auf den Kühlschrank oder das Heizen der Wohnung im Winter. Uns werden durch solche Politik noch mehr Belastungen zugemutet, und die ärmsten Bürger spüren dies am meisten. Wie soll ein im Ruhestand lebendes Ehepaar für das Heizen ihrer Wohnung zahlen, wenn sie von einer unveränderlichen Rente leben müssen, aber ihre Energiekosten sich durch die Politik vervielfachen.

Nach dem Euro und nach Lissabon ist dies der jüngste Ausdruck politischer Verachtung für den einfachen Bürger: Der durchschnittliche, um seine Familie bemühte Steuerzahler hätte nie freiwillig diesen Rest seines Wohlstands und seiner individuellen Ziele für globalen Sozialismus aufgegeben. Also musste ein Schreckensbild der Welt gemalt werden, „die sich in eine unbewohnbare Wüste verwandelt, wenn wir uns nicht beugen“.

Europa und der Rest der Welt haben viele wirtschaftliche, demographische und andere Probleme. Können wir es uns wirklich leisten, uns stattdessen mit Problemen zu beschäftigen, die keine sind? Nach Ansicht dieses Autors ist eine sehr wahrscheinliche natürliche Erwärmung, die – selbst wenn sie meschengemacht wäre – durch die Maßnahmen der Politik nicht zu verhindern ist, eine geringere Bedrohung im Vergleich zur politischen Zentralisation, Entmündigung, Umverteilung und Korruption. Warum also lassen wir es uns gefallen?

Internet

Der Entwurf des Kopenhagener Vertrags bei Anthony Watts

Der Hurrikan-Forscher Christopher Landsea gibt seine Arbeit als IPCC-Autor auf, weil seine Worte ins Gegenteil verkehrt wurden: Christopher Landsea, „An Open Letter to the Community from Chris Landsea“ („I have come to view the part of the IPCC to which my expertise is relevant as having become politicized.“)

Erklärung der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft, die Beweise für menschengemachte Klimaerwärmung seien unwiderlegbar

Offener Brief von inzwischen über 160 Mitgliedern der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft, diese solle ihre Erklärung zurücknehmen.

Eine Auswahl von Artikeln, die sich kritisch mit den Erwärmungs-Hypothesen des IPCC auseinandersetzen bei Polpular Technology

Manhattan Declaration: „Globale Erwärmung” ist keine globale Krise.

Global Warming Petition Project

Die Affäre um Ausladung Mitchell Taylors Rausschmiß einschließlich Derochers E-Mail und seiner Stellungnahme bei der Umweltjournalistin Joanne Nova.

Literatur

W.M. Briggs (2008): „On the changes in the number and intensity of North Atlantic tropical cyclones“ Journal of Climate, 21 (2008): 1387-1402.

Nicolas Caillon, Jeffrey P. Severinghaus, Jean Jouzel, Jean-Marc Barnola, Jiancheng Kang, Volodya Y. Lipenkov (2003): Timing of Atmospheric CO2 and Antarctic Temperature Changes Across Termination III. In: Science 299 (14.3.2003): 1728-1731

Peter Christoff (2007): Climate change is another grim tale to be treated with respect. In: The Age (9.7.2007) („Even so – and because of its resonance with Holocaust denial – the term 'denier' can be used to describe those who trivially reject the existence and threat of global warming. (...) almost two decades after the issue became one of global concern, the „big“ debate over climate change is over. There are now no credible scientific sceptics challenging the underlying scientific theory, or the broad projections, of climate change.“)

David H. Douglass, Benjamin D. Pearson, S. Fred Singer (2004): Altitude dependence of atmospheric temperature trends: Climate models versus observation. Geophysical Research Letters 31 (2004)

Friends of the Earth (FOE) (2009): Subprime carbon? Re-thinking the world's largest new derivatives Market.

Ellen Goodman (2007): No change in political climate. In: The Boston Globe (9.2.2007) („Let's just say that global warming deniers are now on a par with Holocaust deniers, though one denies the past and the other denies the present and future.”)

Al Gore (1992): Earth in the Balance: Ecology and the Human Spirit. Boston: Houghton Mifflin, 1992 - ISBN 0452269350 („today the evidence of an ecological Kristallnacht is as clear as the sound of glass shattering in Berlin”)

Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) (2005): IPCC Special Report on Carbon Capture and Storage.

Klaus Liedtke (2009): Editorial. In: National Geographic Deutschland (Februar 2009) („Skepsis ist schließlich die Mutter aller Wissenschaft. (...) Aber gilt das auch für Holocaust-Leugner, für Klimaskeptiker, für Evolutionsgegner? Der Holocaust ist eine unwiderlegbare historische Tatsache, der Klimawandel eine tausendfach dokumentierte Entwicklung, zu der wir alle erheblich beitragen.”)

Bjørn Lomborg (2001): The Skeptical Environmentalist: Measuring the Real State of the World. Cambridge: Cambridge University Press, 2001. ISBN - 0521804477

Stephen McIntyre, Ross McKitrick (2005): Hockey sticks, principal components, and spurious significance. Geophysical Research Letters, 32(3): 3710

George Monbiot (2006): The threat is from those who accept climate change, not those who deny it. In: The Guardian (21.9.2006) („Almost everywhere, climate change denial now looks as stupid and as unacceptable as Holocaust denial.”)

B. J. Peiser (2005): The Dangers of Consensus Science. In: National Post (17.5.2005)

J. Rennie, S. Schneider, J. P. Holdren, J. Bongaarts, T. Lovejoy (2002): Misleading Math about the Earth: Science defends itself against The Skeptical Environmentalist. Scientific American 286 (2002): 67-69

Andrew C. Revkin (2009): A Climate Scientist Who Engages Skeptics. In: The New York Times (27.11.2009)

Julian Simon (1995): The State of Humanity. Boston: Blackwell Publishers, 1995. ISBN - 1557861196

James M. Taylor (2007): What Climate Scientists Really Say about Global Warming. Heartland Policy Study No. 111 (2007)

David Schoenbrod (2002): The Mau-Mauing of Bjørn Lomborg. Commentary, 114 (2002): 51-53

Joachim Weimann (2008): Die Klimapolitik-Katastrophe: Deutschland im Dunkel der Energiesparlampe. Marburg: Metropolis Verlag, 2008 - ISBN 3895186694


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