26. Dezember 2009

Eine Weihnachtsgeschichte aus Deutschland Dammbruch für die Kultur des Todes

EKD, AWD, Robert Enke und die Folgen

Wie läuft es denn in Ihrer Gegend? In der Zeitung steht’s ja nicht, wenn sich junge Menschen vor den Zug  werfen. Wieviele waren es bei Ihnen diese Woche?

Montag hielten in Kiel die Züge, weil sich ein junger Mann davor geworfen hatte. Mittwoch legte sich ein Schüler meiner Frau auf die Gleise. Gestern sprang der Neffe unserer besten Freundin aus dem 6. Stock und starb (Ort ohne Gleisanschluss). Tags drauf raste der 17-jährige Neffe der direkten Nachbarin dieser Freundin mit dem Wagen gegen einen Baum, nicht ohne einen Abschiedsbrief zu hinterlassen.

Vier in einer Woche, nur im direkten Umfeld. Schauen Sie mal in Ihre Tageszeitung, Rubrik Todesanzeigen, nach den Geburtsdaten. Das sind sicherlich nicht alles Unfälle oder krebstote Jugendliche. Wenn es so weitergeht kann sich EKD-Bischöfin Käßmann auf die Schulter klopfen.

Schauen wir noch einmal in die „Mitteldeutsche Zeitung“ vom 10. November 2009 zur Gleislegung eines Fußballtorwarts: „Bei einer bewegenden Trauerandacht am Abend in der überfüllten Hannoveraner Marktkirche haben im Beisein der Führungsspitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mehrere Tausend Menschen Abschied von Enke genommen. DFB-Präsident Theo Zwanziger, Löw, seine Assistenten Hans-Dieter Flick und Andreas Köpke, DFB-Teammanager Oliver Bierhoff und Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack erwiesen ihrem toten Freund und Kollegen die Ehre. Rund 800 Menschen drängten sich in dem Gotteshaus, um der Andacht der Landesbischöfin Margot Käßmann zu folgen. Vor der Kirche standen mehr als 3000 Menschen. Nach der Andacht fanden sich etwa 35.000 Menschen zum Trauermarsch zur AWD-Arena zusammen. An der Spitze trugen unter anderem 96-Manager Jörg Schmadtke und Trainer Andreas Bergmann ein schwarzes Banner mit dem Konterfei von Enke und der Aufschrift ‚Ruhe in Frieden’. An der AWD- Arena lagen 18 Kondolenzbücher aus.“

Das war der Dammbruch.

Ab nun ist Selbstmord eine durch die EKD abgesegnete Form des Lebensentwurfs und macht Schule. Aber die EKD segnet mit der Homoehe ja schon den mittelbaren Selbstmord, bis zur Segnung des Unmittelbaren war es da nur noch ein kleiner Schritt.

Ein christlicher Bischof hätte einem Selbstmörder nie in einem Suizid-Massen-Event für voyeuristische Gutmenschen den Segen gegeben. Er hätte nach alter Sitte erklärt, dass Selbstmörder nicht in den Himmel kommen. Er hätte die Kultur des Todes gegeißelt. Bis in die Neuzeit wurde Selbstmördern der Platz auf dem Gottesacker verweigert. Sie wurden vor den Toren der Stadt in ungeweihter Erde begraben. In meiner Heimatstadt Potsdam wurden bis 1945 Selbstmörder in der Templiner Vorstadt, also vor den Toren der mittelalterlichen Stadt beerdigt. Im Vereinigten Königreich war der Suizid bis 1961 eine Straftat.

Doch heute ist ein offenes Bekenntnis als Christ zur natürlichen Ordnung des Schöpfers und damit zum Leben, der Ehe und zur Familie nicht mehr opportun und führt unter Umständen sofort zur totalen Ausgrenzung – wie das Autodafé Eva Hermans überdeutlich gemacht hat.

Die populäre Feministin, Humanistin und Vorsitzende des Esoterik Kreises Deutschland (EKD), Frau Käßmann, Lichtgestalt linker Relativisten, steht nun mit ihrer Organisation auch für Relativierung des Selbstmordes.

Wäre Herr Enke durch einen scharfen Schuss aufs Tor gestorben, hätte das in der Folge keine Nachahmer gefunden. Erst die Medieninszenierung unter auffälliger Beteiligung der EKD, repräsentiert durch die Bischöfin, welche nur die Tragik des Todes aufnahm, ohne den signifikanten Unterschied zwischen Unfall und Selbstmord öffentlich wahrnehmbar deutlich zu machen, hat nun zur wahren Tragik geführt. Seit Enke soll sich die Zahl Selbstmorde verdreifacht haben.

In meinem Umfeld sind das mehr.

Da werfen jetzt gesunde, kräftige, junge Menschen wegen lösbarer Probleme und teils aus Überdruss, oder gar um endlich einmal wahrgenommen zu werden, das Leben weg.

Die Erlösungsillusion solcher Veranstaltungen wie die der Enke-Andacht ist tödlich, und da ich der EKD noch selbst angehöre, ist es für mich ein kaum lösbarer Konflikt, unter einer Bischöfin zu leben, die weder die Vorbildwirkung einer geschiedenen Bischöfin versteht, noch die Wirkung einer Massenandacht, die geeignet ist, Todessehnsüchte zu kultivieren.

Nur die Aufbahrungen in den Mausoleen des ersten Kaisers von China oder Ramses’ Pyramide oder Stalins, Maos oder Lenins Aufbahrungsstätten haben mit dem Enke-Event mithalten können. Aber es war eben kein natürlicher Tod oder tragischer Unfall, und wenn die Gesellschaft offensichtlich ein Problem hat, dann war das der falsche Gottesdienst.

Für viele Familien der Selbstmörder wird diese nämlich die unseligste Weihnacht ihres Lebens.

Doch war es nicht ein Akt des Humanismus, Abstand von den Vorbehalten der christlichen Kirchen zum Selbstmord zu nehmen und den Gefühlen des Volkes Raum zu geben? Ist denn ein Christ nicht auch immer Humanist?

Hätte man Stalin, Mao oder Ceausescu zu ihrer Zeit als die größten lebenden Humanisten gepriesen, wären einem Beifall und Parteikarriere sicher gewesen. Hätte man gesagt, sie seien keine Humanisten, hätte es vorkommen können, dass das Todesurteil vom Humanisten persönlich unterschrieben gewesen wäre. Hätte man gesagt, sie seien keine Christen… – auch hier hätte ein wohlwollendes Nicken den „richtigen Klassenstandpunkt“ bestätigt. Offensichtlich ist der Christ gefährlich für die humanistischen Menschenbeglücker und der wahre Humanist taugt sogar zum Menschentöter. Der Humanist hat ein menschenzentriertes Weltbild, welches mit den wissenschaftlich-ideologischen Moden wechselt, der Christ beruft sich auf das Wort Gottes und dabei bleibt’s. Deshalb überlässt er den Selbstmörder dem Urteil des Herrn, für Todkranke die sich selbst erlöst haben, erbittet er seine Gnade.

Selbstmord ist Selbst-Mord und der Selbstmörder ein Selbst-Mörder, deshalb heißt das auch so. „Du sollst nicht töten!“ Das gilt natürlich auch für sich selbst. Genau das haben wir von der Moralistin Käßman aber nicht gehört. Es ist eigentlich auch völlig wurscht, was Frau Käßmann gesagt hat, die jungen Leute, die sich „nach Enke“ umgebracht haben, werden die Rede nicht gehört oder gelesen haben. Sie haben aber sehr wohl registriert, dass Selbstmord viel Aufmerksamkeit erzeugt und auch von der evangelischen Bischöfin verstanden wird.

Versuche der Nationalsozialisten, die Kirche durch „Deutsche Christen“ zu entkernen und eine Kultur des Todes zu etablieren oder wie heute der Bibel durch „gendergerechte Sprache“ das Leben auszuhauchen, fruchteten nur bei der evangelischen Kirche.

Zu all dem Elend der letzten Tage musste ich noch die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel in politisch korrekter Sprache unter anderem mit „Hirten und Hirtinnen“ anhören, und nur weil ich eingeladen war, habe ich den unschuldigen Kirchenbau nicht fluchtartig verlassen.

Es geschehen unheimlichen Dinge. Luther stünde heute sicher auf der Seite des katholischen Papstes, wenn er nicht bereits zur Orthodoxie konvertiert wäre.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Weihnachtszeit!

Nutzt sie, um mit Euern Kindern zu reden!


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