Ronald Gläser

Jg. 1973, Amerikanist, freier Journalist, lebt und arbeitet in Berlin und Hamburg.

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Bankenrettung, Staatsverschuldung: Angriff abgewehrt?

von Ronald Gläser

Das dicke Ende der „Wirtschaftskrise“ kommt noch

Aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es gerade mal zwei Leute, die ich als Opfer der „größten Wirtschaftskrise unserer Geschichte“ bezeichnen würde. Benjamin war bei einer Tochter von Mercedes Benz und hat Computer programmiert. Zur Jahresmitte musste er gehen. Steffen ist Banker – bei ihm haben sie die Boni gestrichen.

Alle anderen sind wohlauf. Ich kenne niemanden, der hungern muss oder aus seiner Wohnung geflogen wäre. Die meisten haben mehr denn je verdient im abgelaufenen Jahr.

Komisch. Ich hatte mir die „größte Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit“ irgendwie schlimmer vorgestellt. So mit echter Armut, Bettlern auf der Straße, Suppenküchen mit Gulaschkanonen ohne Gulasch.

Das ist alles nicht gekommen. Warum? Nun, zum einen natürlich, weil die „Krise“ (für mich das Unwort des Jahres) so schlimm nicht war, wie sie von den Politikern und Medien heraufbeschworen wurde. Seit der Bundestagswahl ist die Verwendung dieser Vokabel schon erheblich zurückgegangen. Frank Walter Steinmeier beispielsweise hat im Wahlkampf 35.721 Mal das Wort Krise benutzt – fast für jeden Wähler einmal – und sich als besser Krisenmanager darstellen wollen. Vergeblich.

Auch die Kanzlerin, die von Thorsten Hinz kürzlich brillant als „Trüffelschwein der Macht“ charakterisiert worden ist, hat schnell erkannt, dass sie das Thema nicht links liegen lassen darf. Merkel hat vor einem Jahr völlig unnötig eine Garantie für deutsche Sparer abgegeben und damit Ängste noch angeheizt. Hinterher hat sie Milliarden bei der Rettung schwindsüchtiger Pleitebanken wie der HRE verplempert.

Aber jetzt stellen wir fest: Es war alles gar nicht so schlimm. „Newsweek“ fragt bereits in einer neuen Sonderausgabe: „Is that all?“ Darin schreibt Francis Fukuyama („Das Ende der Geschichte“) quasi als Fortsetzung seines 20 Jahre alten, spektakulären Aufsatzes: „Die Geschichte ist noch immer nicht vorbei.“

Es hat bislang keine einschneidenden Eingriffe in unsere Wirtschaftsordnung gegeben. Keine weltweite Börsenumsatzsteuer, in Deutschland keine Vermögenssteuer, keine grundsätzliche Verstaatlichung des Bankenwesens, keine weltweite Finanzüberwachungsbehörde, kein Verbot von Hedgefonds, noch nicht mal eines von Verbriefungen.

Das war es schon? Gemessen an der antikapitalistischen Rhetorik der Mächtigen sind die politischen Maßnahmen erstaunlich dürftig ausgefallen. Der Kapitalismus sei am Ende, trötete die linke Propaganda aus allen Hörnern. Nun wurde der Kapitalismus aber nicht so richtig abgeschafft. Sicher, wir hatten vorher keine freie Marktwirtschaft – und hinterher erst recht nicht. Aber der große Schlag ist ausgeblieben. Der sozialdemokratische Leviathan wurstelt einfach klein-klein weiter vor sich hin. Insofern hat sich im Sinne Fukuyamas wirklich nicht viel geändert: Hier ein bisschen Kurzarbeitergeld mehr, dort ein bisschen Abwrackprämie, da ein kleine Extrasteuer auf Manager-Boni (in England).

Bei dem antikapitalistischen Feuer jedoch, das Medien und Politiker angeheizt haben, habe ich jetzt mit einer großen Löschaktion (massive Steuererhöhungen, schärfere Gesetze gegen Geldtransfer und so weiter) gerechnet, aber die scheint auszubleiben. Es sieht so aus, als hätten die Linken eine Chance verspielt, diese Krise zur Verwirklichung ihrer menschenfeindlichen Ziele auszunutzen. Was für ein Glück! Es hätte viel schlimmer kommen können.

Auf der anderen Seite dürfen wir die negativen Effekte der Reaktionen auf die Krise nicht unterschätzen: Das Schlimmste waren die Bankenrettungspakete. Die kleinen Leute und der Mittelstand müssen mit ihrem Geld die Löcher der großen Konzerne stopfen – was für ein Wahnsinn! Typen vom Schlag der HRE-Manager wissen jetzt: Wenn wir scheitern, haut uns die Regierung schon raus. Ist eine Firma erstmal groß genug, dann lässt die Regierung sie nicht einfach pleitegehen. Die psychologischen Langfristfolgen werden verheerend sein.

Das anderen ist die explodierende Staatsverschuldung aufgrund der massiven Ausweitung der Staatswirtschaft. Sie kann, gerade auch wegen des demographischen Wandels, nur noch durch eine Währungsreform oder eine massive Inflation abgebaut werden. Das werden dann echte Turbulenzen an den Finanzmärkten. Lange kann es nicht mehr dauern.

Und bestimmt werden die Politiker dann wieder sagen, die Marktwirtschaft sei an allem schuld.

31. Dezember 2009

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Kommentare

familienwehr.de , am 31. Dezember 2009 um 13:05 ( Link )

Eine Wirtschaft, die gar nicht mehr weiß, wem sie den ganzen Sperrmüll, den sie produziert aufs Auge drücken soll, ist auch kein Zeichen von Armut sondern ein kulturelles Problem. Die großen Imperien sind immer erst an ihrem Überfluss dekadent geworden und kinderlos geblieben um dann von außen gestürmt und zerlegt zu werden.
Genau so ist das heute: Vitale Afrikaner und Asiaten, in Amerika die Latinos, machen die weiße kulturelle Hegemonie zur Geschichte. Europa und Amerika werden sich auf dem Lebensniveau des durchschnittlichen Weltbürgers einrichten müssen und dieses Niveau ist niedriger als gewohnt.

Adolescent, am 31. Dezember 2009 um 13:15 ( Link )

Sie bringen hier genau das, was ich mir schon seit geraumer Zeit denke, gut auf den Punkt.

Zum Jahresende möchte ich Ihnen hierfür meinen Dank aussprechen und hoffe, dass Sie im Jahr 2010 weiterhin viele so lesenswerte Artikel veröffentlichen werden.

Mfg Adolescent

GraueEminenz, am 31. Dezember 2009 um 13:24 ( Link )

Siehe bereits die bald 120 Kommentare unter
http://ef-magazin.de/2009/12/27/1760-marktkommentar-ein-recht-ruhiges-finanzjahr-2009-geht-zuende

Bei Zitaten wie "Das werden dann echte Turbulenzen an den Finanzmärkten. Lange kann es nicht mehr dauern." habe ich langsam etwas Sorgen: wir (ich schliesse mich ein) warnen jetzt schon seit Jahren, und es "passiert nix".
Das scheint uns unglaubwuerdig zu machen und den Vulgaer-Keynesianern recht zu geben: auf Katastrophe abonnierte Utopisten wir alle.

ANDERERSEITS: wenn wir NICHT warnen, und dann kommt die Katastrophe, dann koennen alle diese Gesundbeter erst recht behaupten, mit dem bisherigen regulatorischen und wirtschaftswissenschaftlichen Instrumentarium sei die Krise einfach nicht vorherzusehen gewesen.

Also doch lieber warnen ... Recthaberei ist manchem ja eine Genugtuung, mir in diesem Falle nicht.
Wie schoen waere es doch wanhrhaftig, wenn man einfach Geld drucken koennte und damit Wohlstand schaffen.

Die Frage sei erlaubt: wenn es dann geht, wenn der Kollaps droht (Billionen an neuem Geld und an Buergschaften), warum haben wir das nicht schon laengst gemacht?

Dasselbe Geld auf Kinderkrippen und Armenspeisung. Getreu dem Keynesschen Multiplikator haette das doch dauerhaften Wohlstand verursacht, und mit der gestiegenen Wirtschaftskraft haetten wir gar per Steuern, trotz deren Senkung, alles bereits vor Jahrzehnten zurueckgezahlt. Warum waren wir so bloed?
Gehen wir zurueck an den Anfang: warum hat Ludwig Erhard nicht jedem statt 40 Mark gleich vierhundert, viertausend, ach was, vierhundert Milliarden gegeben? Warum nicht, eigentlich? Statt noch ein paar Jahre im Kellerloch zu wohnen, haetten meine Eltern mich doch gleich im Fuenf-Sterne-Hotel zeugen koennen ...
Also, ich versteh' die Welt nicht mehr. Welch unschaetzbres Glueck, dass uns durch diese Krise erstmals die Augen geoeffnet wurden, so weit, dass wir sie vor Staunen und Schlaflosigkeit gar nicht mehr zubekommen, den Mund eingeschlossen.
Bernanke hatte recht bei Samuelsons Geburtstag: "we won't let it happen again" - bloss was?

Charlotte Stumm, am 31. Dezember 2009 um 15:04 ( Link )

Nein ich sehe es etwas anders.
Die Krise ist nicht bis zum geworden wie sie es erhofften.
Warum Nicht?
Weil unser Staat ein Sozialstaat ist.
Alle werden aufgefangen!
Irgendwie!
Unsere Staatsverschuldung kommt aus diesem Auffangbecken hervor.
Kurzarbeit!
Arbeitslosengeld!
Abfrackprämie!
Bankenhilfe!
Familiehilfe!
Subvensionen!
u.s.w.
Bei einem Sozialstaat liegen die Bürger nicht auf der Strasse herum!
Niemand sieht die Krise!
Alle wundern sich nur über den total verschuldeten Haushalt der Regierung.
Schimpfen sogar auf diesen Haushalt.
Aber sagen sie mal all denen die kassieren,
der Staat kann das nicht mehr?
Die Schulden wachsen auf neue Reckorde
und kommen zusammen mit dem
demographischen Kollaps.

GraueEminenz, am 31. Dezember 2009 um 15:39 ( Link )

Charlotte Stumm:
Doch, das sehen wir aehnlich wie Sie.
Subventionen wirken wie der Alkohol beim Saeufer - nimmt man ihm den weg, hat er mehr Schmerzen als mit. "Mit Allohol habe isch keine Proleme, aber ohne ..."
Die Leber ("C'est la zirrose important") macht nur irgendwann nicht mehr mit.
Der Sozialstaat ist i.W. nur finanzierbar durch Staatsverschuldung. Dies geht solange gut, bis es nicht mehr geht. So tautologisch wie wahr. Wann genau weiss keiner, wenn die Leute immer aelter, aber auch immer weiser wuerden, haette es damit irgendwann ein Ende, wenn dagegen immer pflegebeduerftiger, dann, richtig gedacht, kollabiert das alles. Da dann aber die Lebenserwartung wieder abnimmt, stabilisiert das System sich nochmal, wieder kommen einige und glauben "das Schlimmste sei ueberstanden" usf. "Quousque tandem" - vulgaerlateinisch fuer: wann hoert der auf dem Zweierfahrrad, das mich traegt, hinter mir endlich auf zu strampeln? Ach, es geht bergab, da faehrt's ja nochmal von alleine ...
Solchen Mechanismen verdanken wir derzeit das Weiterwursteln.

GraueEminenz, am 31. Dezember 2009 um 16:07 ( Link )

P.S.: Zirrhose mit "H" ...

Fatal, am 31. Dezember 2009 um 16:18 ( Link )

Achtung! Man sollte bedenken, dass die derzeitige Erholung mit enormer Rückendeckung ermöglicht wurde: Die FED Target Rate liegt bei 0%, der Leitzins der EZB bei 1%!
Wie lange kann das halten?
Was passiert bei einer notwendigen Zinserhöhung?
Welche Überraschungen haben die Bankbilanzen noch zu bieten?

vonclausewitz, am 31. Dezember 2009 um 16:29 ( Link )

Ich muss hier Fatal zustimmen. Die ausbleibenden Folgen sind einer Flut von Zaubergeld und einer radikalen Aenderung des Bilanzierungsrechts von Sicherheiten und Derivaten (sofern ueberhaupt bilanziert) geschuldet. An der Peripherie Europas hat es ja schon gekracht.

rainer innreiter, am 01. Januar 2010 um 9:58 ( Link )

Noch ist ja Spielraum nach oben. Kritisch wird es erst, wenn sämtliche Einnahmen nicht mehr ausreichen, um die Zinsen zu begleichen. Aber bis da hin sind noch einige Jahre Zeit - es sei denn, die grandiose Idee des bedingungslosen Grundeinkommens setzt sich durch. In diesem Fall kollabieren die Staatsfinanzen weitaus schneller. Doch auch so ist der Staat sehr fleißig dabei, immer weniger Steuerzahler immer höher zu besteuern, bis auch diese kapitulieren. Ich bin zwar kein Verschwörungsspinner, aber irgendwo muss ein Masterplan zur völligen Vernichtung des Abendlandes vorliegen. Anders kann ich mir den Irrsinn und die völlig surreale Indoktrinierung - Leistung ist asozial und muss bestraft werden; wer faul oder unfähig ist wird hingegen belohnt; Profit ist schlecht, Verlust ist gut; Freiheit ist Sklaverei, Sklaverei ist Freiheit, etc. - nicht erklären.

Ach wenn es doch Hoffnung gäbe ...

Sabine Kurjo, am 01. Januar 2010 um 10:38 ( Link )

SEHR interessant, sowohl der Artikel als auch die Kommentare. Die "Krise" habe ich von Anfang in Frage gestellt, unter "Challenging the Recession", mit Veranstaltuningen in London. Siehe http://bit.ly/6ymscU

M.E. ist die "Krise" ein "Meilenstein" auf dem Weg zur Weltregierung mit einer Weltwährung, dem IMF als globaler Zentralbank und der UNO als Mittel, die Völker über ihren bezahlten Staatsapparat auszubeuten. Das ist der Masterplan, lieber Rainer Innreiter, denke ich...

Die Staatsverschuldung ist dabei das Mittel, Politiker zu erpressen, und zwar, um weiter Geld zu borgen, als Kredit, der Zinsen bringt, egal ob das Kapital abgezahlt wird. Die Zinsen sind doch hoch genug! Und Politiker verstehen die langfristigen Effekte der Staatsverschuldung genauso wenig wie Otto Normalwähler.

Es geht m.E. darum, neue Methoden zu entwickeln, die Wirtschaft eines Landes zu "messen", bzw. zu bewerten. Die derzeitigen Statistiken verschleiern die verschiedenen Arten von "Geld" durch "Finanzprodukte".

Sie verschleiern auch, dass und wie Banken (und nicht der Staat) Geld schöpfen, aber immer nur als Kredit. Nie die dazu nötigen Zinsen. So wird Abhängigkeit geschaffen, um nicht zu sagen "Sklaverei"...

Hoffnung besteht. Vor allem dank Netz. Früher hat das Kabarett im Fernsehen was bewirkt. Heute machen's die Blogger!

Nur weiter an der Aufklärung mitmachen, immer nur ein Leser pro Mal!

Gutes Neues 2010!!!

Sabine
Online Aktivistin, Nationale Schulden

GraueEminenz, am 01. Januar 2010 um 13:51 ( Link )

Ein paar Anmerkungen:
Herr Innreiter: "Kritisch wird es erst, wenn sämtliche Einnahmen nicht mehr ausreichen, um die Zinsen zu begleichen. "
NEIN, bereits weit, WEIT davor.
Man darf Marktteilnehmer nicht so sehr unterschaetzen (lauschen Sie auf Ihre eigene Intuition – Sie sagen ja gerade selbst, dass Sie das Spiel BEREITS JETZT durchschauen). Die Bietungsquoten bei den US- und UK-Treasuries nehmen bereits jetzt bedenklich ab. JEDER Investor, der mit solchen Summen schwanger geht, wie sie fuer den (vollstaendigen) Aufkauf von Staatsanleihen benoetigt werden, ueberlegt sich nicht erst dann, wenn die Einnahmen des Glaeubiger-Staates die Zinslasten (zu) unterschreiten (beginnen), dass es wohl ein schlechtes Investment sei. Vielmehr tut er es bereits DANN, wenn er merkt, dass das der Fall sein WIRD und ER womoeglich dadurch Schaden erleidet.
Dieser Schaden ist bereits angerichtet: Insbes. die US-Federal Reserve (wie wir wissen, ist die Reserve immer Truppe zweiter Wahl – Neujahrsscherz am Rande, nichts gegen Reservisten) hat soviel Geld neu erzeugt und damit US-Staatsanleihen aufgekauft (monetarisiert) und die Zinsen auf NULL gesenkt (gar NEGATIVE Zinsen werden diskutiert – die sind aber schon da, REAL naemlich, nach Beruecksichtigung des Wertverfalls), dass sie diese nun in den naechsten Jahren nicht mehr (ohne Abschlaege) wird losschlagen koennen. Und zwar aus ZWEI Gruenden:

a) Aufgrund der Verschlechterung der Bonitaet der Staats-Schuldner (vgl. Griechenland, aber Investoren hoeren nicht nur auf Rating-Agenturen, insbes., wenn diese im eigenen Lande dessen Potentaten bewerten sollen und dabei Gefahr laufen wegen "laesae maiestatis" geschnitten zu werden, wenn nicht schlimmeres) steigen die Zinsen fuer die Papiere. Das bedeutet, dass die (bereits ausgegebenen) Anleihen SINKEN (wenn eine Anleihe 3% aufgedruckten Zins hat, und die allgemeinen Zinsen fuer deren [Rest-]-Laufzeithorizont steigen auf z.B. 6%, dann verringert sich der Wert der alten Anleihe entsprechend, damit diese AUCH 6% abwirft. Faktisch tritt etwas anderes ein: wer die FRUEHERE Anleihe bereits 9 Jahre gehalten hat, haelt sie nun bis zur Einloesung, dann kriegt er ja, uff, seine 100% wieder, ABER: er hat ja dann miterlebt, dass er sie in diesem letzten Jahr NICHT MEHR VERKAUFEN KONNTE ohne Verlust einzufahren; d.h. das GEGENTEIL, was man mit Staatsanleihen erreichen wollte, sie naemlich fast "wie Bargeld" jederzeit einloesen zu koennen, wenn's eng wird).
Einfaches Beispiel: EINJAEHRIGE NEUE Anleihe hat 6% Zins, ALTE ZEHNJAEHRIGE Anleihe, die NOCH IN JAHR LAEUFT bis zur Gesamt-Rueckzahlung (also vor NEUN JAHREN begeben wurde) rentiert dann mit 3% nur halb so hoch . AM MARKT ist sie daher nur noch zu 50% ihres Nominalwertes verkaeuflich [etwas sehr vereinfacht, die Rechnung ist komplizierter, ich weiss]! Eine Katastrophe fuer jeden Anleger, AUCH WENN der ausgebende Staat noch immer ein Triple-A (AAA – in Babysprache: es stinkt gewaltig, noch ein zynischer Neujahrsscherz sei erlaubt) an Bonitaet besitzt .

b) SELBST WENN sie die Anleihen zu welchen Zinsen auch immer VOLLSTAENDIG losschlagen wuerde, bedeutet das, Kredit (d.h. anlagewilliges Geld-Kapital) dem Markt in ebensolcher Groessenordnung zu entziehen. Dann nfehlt das eben anderswo (siehe Krokodilstraenen ueber Kreditklemme). Da sich diese Summen nun dem Umfang der jeweiligen Bruttoninlandsprodukte anzunaehern beginnen, fehlt also der Wirtschaft ihre gesamte Jahresleistung oder noch mehr (ganz genau so kann man das nicht rechnen, da hier Pyramidierungs-Effekte auftreten, d.h. jemand kauft die Anleihe auf Kredit, da sie ja hoch beliehen wird ihrer angeblichen Werthaltigkeit wegen usw. – es geht um's Prinzip).

Der Zug ist also bereits abgefahren, aufspringen lebensgefaehrlich, abspringen auch und die etwas schlaueren gehen bereits"zu Fuss", d.h. nehmen inkauf, mit Gold zwar keine Zinsen zu "erwirtschaften", aber auch keinen Totalverlust erleiden zu koennen. Das wird sicher in unseren Lebzeiten (ich bin ja ganz vorsichtig – denn mit einem KRIEG kann man das alles noch weiter hinauszoegern!) alles eintreten, Staaten werden zusammen- und Staatenbuende auseinanderbrechen. Die Voelkerwanderung laesst ebenfalls gruessen. Rom zerbrach auch nicht am Blei seiner Wasserleitungen sondern am subventionierten Grundeinkommen (Brot und Spiele).

Sabine Kurjo: Die Effekte verschwinden, sowie die GEDECKTE Waehrung sich durchgesetzt hat. Sie wird sich durchsetzen, was aber leider nicht heisst, dass man durch Propaganda sie nicht wieder (und wieder) als "Barbarei" diskreditieren und erneut abschaffen kann. DENN: die Staatsschulden werden nicht zurueckgezahlt, das ist ja noch nirgendwo passiert, dazu jetzt schon aufzurufen verschleiert dagegen dem gemeinen Volk den Einblick ins Skript der letzten Akte. ABER GERADE DANN kann der neue Staat, der sich danach konstituiert, ja wieder von vorne anfangen. AUCH DAS ist jetzt mehrfach passert und leider ist nicht einzusehen, wenn nur "ein Leser auf's Mal" das begreift, warum es nicht nach dem Zusammenbuch nicht wieder so gehen soll.

"Nach dem Zusammenbruch ist vor dem Zusammenbruch."

familienwehr.de , am 01. Januar 2010 um 17:17 ( Link )

Solange es in der Welt nicht irgendein Modell gibt, welches attraktiver als das gegenwärtige ist, kann man das Lebensniveau auf DDR - Tiefe herunterfahren.
In Europa kann man bei der gegenwärtigen Infrastruktur noch 50Jahre von der Substanz leben.
Ich habe in der Zone in mehreren Mietshäusern gelebt, an denen seit 80 Jahren buchstäblich nicht's gemacht wurde.
Dafür wurden in den 80ern überall moderne Brauereien gebaut.
Für die meisten Ostdeutschen waren die Freiheiten, die der Staat gnädigst gewährte, bereits größer, als das intellektuelle Vermögen diese Freiheit zu nutzen.
Ohne die westdeutsche Alternative wäre es niemandem, außer vielleicht "Winston Smith" aufgefallen, dass etwas nicht stimmt.
Ganz gemäß Orwell geht es heute nur darum, alternative gesellschaftliche Modelle schon gedanklich auszuschließen.
Deshalb die vielen Kriege im Namen der Demokratie.
Oder stellt hier jemand die Laien-Parteien-Demokratie infrage?
Oder wer hat schon einmal gewagt, über eine Gesellschaftsordnung nachzudenken, welche politische Mitbestimmung von der Beteiligung an den gesellschaftlichen Aufgaben abhängig macht, z.B. durch die Spende selbsterarbeiteten Vermögens?
Finden Sie es nicht auch absurd, darüber nachzudenken, ob nicht evtl. die mittelalterliche deutsche Reichsidee in modernisierter Form, die den Deutschen angemessenste Form des Zusammenlebens sein könnte?
Ist "Brüssel" nicht evtl. doch nur die Festung, in der sich die Staatsidee des 19. Jahrhunderts zu verschanzen sucht?
Geht's nicht selbständiger, autonomer, selbstverantworteter bei den heutigen technischen Möglichkeiten in einer Staatsform, die das 1.Reich bis 1806 so reich an alternativen Formen und Kulturen machte?
Trotz "Völkerschlacht" und deren Nachfolgern, die Deutschen haben Napoleon nie überwunden.
Die meisten von Ihnen finden das auch gut so.
Brav!

Sabine Kurjo, am 01. Januar 2010 um 17:52 ( Link )

Ich bin da zynischer geworden, liebe Familienwehr. Ideen beflügeln zwar den einzelnen, so wie auch der Materialismus, aber wir haben's mit Menschen und ihren Institutionen zu tun, die die Macht des Geldes benutzen, das zu betreiben, was sie wollen: Kontrolle.

Insofern lohnt es sich, über andere Geldmodelle Gedanken zu machen. Leider war diese Modellgeschichte aus Leipzig nur eine Weihnachtswunschgeschichte: Leipzig führt 2010 Komplementärwährung "WIR" ein

Ich hoffe SEHR, dass derartige Initiativen aus der ehemaligen DDR kommen!!!

familienwehr.de , am 01. Januar 2010 um 19:03 ( Link )

Liebe Sabine.

Insofern lohnt es sich, über andere Geldmodelle Gedanken zu machen.

Selbstverständlich!

Aber eine zentralistische Parteiendemokratie und autonome Wertewirtschaft schließen sich definitiv aus.

Deshalb kommt die werthinterlegte Banknote erst nach dem Systemwechsel zu einer subsdiären Ordnung, die weder Parteien, noch Steuern auf Einkommen, noch "soziale" Staatsintervention kennt. Mit einem Wort: der friderizianische "kalte Staat" - frei, selbstverantwortet, stark.

Klaus Wulf, am 01. Januar 2010 um 19:09 ( Link )

Angriff abgewehrt?

Gut, dass dahinter ein Fragezeichen steht.

Wir befinden uns mitten im größten Raubzug der Geschichte.

Eine unvorstellbare Umverteilung hat bereits und wird weiterhin stattfinden. Kaum vorstellbare Summen an Steuergeldern sind bereits in Bankenhand. Banken gerettet, Staat pleite.

Gleichfalls unvorstellbare Summen an Papiergeld wurden erzeugt, die künftig zu einer Entwertung von gehortetem Kapital, sprich Spar- bzw. Anlagekapital und damit zur globalen Enteignung führen werden.

Gleichzeitig haben sich einige wenige Großbanken, zu nennen wären Goldman-Sachs und JP Morgan, unliebsamer Konkurrenten entledigt und ihre Monopolstellung ausgebaut.

Staatsanleihen gingen zu Höchstpreisen über von den starken Händen der Banken in die schwachen Hände sicherheitssuchender Anleger. Dumm nur, dass es heute kaum noch Ofenheizung gibt.

Der Raubzug ist noch lange nicht zu Ende. Als nächstes wird, anscheinend total irrational, der US-Dollar zu einem Höhenflug abheben. Er wurde ja lange genug heruntergeredet. Das wird helfen weitere Sachwerte zu monopolisieren.

An anderer, bislang noch recht unscheinbarer Front, wird tüchtig an der Mutter aller Blasen gebastelt, dem Emmissionszertifikatehandel. Ein Mittel zu globalisierten Enteignung via Steuergeldern zugunsten einer winzigen Elite. An vorderster Front mit dabei, wer auch sonst, Goldman-Sachs.

Als Ende vom Lied wird eine moderne Variante der Versklavung gespielt.

Fatal, am 01. Januar 2010 um 19:34 ( Link )

Wow, ich bin echt überrascht, dass sich in der Diskussion bis jetzt noch kein Zinsgegner gemeldet hat, der den bösen Kapitalismus (welchen?) durch Kuschelkommunismus mit Dritte-Welt-Laden Flair und Fair-Trade Kaffeearoma ersetzen will. Gibt's die vielleicht nicht mehr? Ich vermisse deren Geheule über den Zinseszins-Effekt...

familienwehr.de , am 01. Januar 2010 um 19:50 ( Link )

Klaus Wulf, keine Panik.
Ein Riesenreich kann schnell gegründet, aber nie konsolidiert werden.

GraueEminenz, am 01. Januar 2010 um 19:52 ( Link )

Nicht, solange man sich an Blasen ergoetzen kann, derzeit denen in Schampus, Schaumwein und Bier ...
Spaetestens am Drei-Koenigs-Fest kommt der Kater zurueck ...

Sabine Kurjo, am 01. Januar 2010 um 21:09 ( Link )

Vor allem, wenn man Drahtzieher jenseits aller Staatsformen ist - als graue Währungs-Eminenz.

Danke, Klaus Wulf. Es ist tröstlich, als Kassandra nicht allein dazustehen.

Michel Chossudovsky's video "The Global Financial Crisis" ist auch sehr gut.

SystemSturz, am 02. Januar 2010 um 1:27 ( Link )

@ Fatal

Wenn Sie es denn hören wollen: Das Zinseszinssystem führt zu einer Umverteilung des Vermögens von arm zu reich. Es führt zu einer permanenten Kummulierung von Vermögen in den Händen weniger. Das ist bekannt, was ist daran positiv?

Wir wissen, dass es einen Fehler im System gibt. Anstatt darüber nachzudenken, welche Alternativen sich aufzeigen, wird versucht das bestehende System mit allen Mitteln zu verteidigen.

Wenn Sie das Kapitalismus nennen, was wir hier praktizieren, dann beglückwünsche ich Sie zu Ihrer Auffassungsgabe. Für mich sieht das eher wie eine Diktatur des Geldes aus. Oder wie interpretieren Sie: "Too big to fail" und gleichzeitig sehen wir eine unvergleichliche Bankenkonzentration?

Sabine Kurjo, am 02. Januar 2010 um 9:49 ( Link )

@SystemSturz

"Dikatatur des Geldes". Sehr gut!

Kapitalismus sollte vielleicht "Zinsenismus" genannt werden...

Und leider werden nich nur Banken "kon-zentriert". Das haben wir doch schon lange beobachtet, oder? Es gibt halt mehrere Ebenen für Fehler im System.

Die Frage ist, was macht man, wenn man den Eisberg erkennt? Wie kappt man die Spitze? Was macht man an der Basis?

Ich denke, dass die Staatsschulden das am effektivsten schädlichste "Finanzprodukt" ist. Aber das hängt natürlich davon ab, welche Art von Eisberg man gerade zu glauben sieht...

Sabine
Nationale Schulden

Fatal, am 02. Januar 2010 um 14:12 ( Link )

SystemSturz, Sabine, vielen Dank, darauf habe ich gewartet!
"Too big to fail" und Bankenkonzentration sind weniger als Kapitalismus denn als Korporatismus zu bezeichnen, in dem sich Staat und staatsnahe Unternehmen gegen den Rest der Bevölkerung verschwören.

Wenn Sie mit dem "Fehler im System" unser derzeitiges Fiat-Money System meinen, bin ich mit Ihnen auf einer Seite.
Der Zins und sein pöhser Zwillingsbruder, der Zinseszins hingegen sind unverrückbare Bestandteile einer freien Marktwirtschaft. Wer hier einen Systemfehler oder ein Ausbeutungsschema zu erkennen glaubt, liegt entweder einem Logikfehler oder einer gefährlichen Ideologie auf.

Dr. Spiele, am 03. Januar 2010 um 2:53 ( Link )

Wow, ich bin echt überrascht, dass sich in der Diskussion bis jetzt noch kein Zinsgegner gemeldet hat, der den bösen Kapitalismus (welchen?) durch Kuschelkommunismus mit Dritte-Welt-Laden Flair und Fair-Trade Kaffeearoma ersetzen will. Gibt's die vielleicht nicht mehr? Ich vermisse deren Geheule über den Zinseszins-Effekt...

ach wieso, Sie und die habens nur selber nicht gemerkt:

SELBST WENN sie die Anleihen zu welchen Zinsen auch immer VOLLSTAENDIG losschlagen wuerde, bedeutet das, Kredit (d.h. anlagewilliges Geld-Kapital) dem Markt in ebensolcher Groessenordnung zu entziehen. Dann nfehlt das eben anderswo (siehe Krokodilstraenen ueber Kreditklemme). Da sich diese Summen nun dem Umfang der jeweiligen Bruttoninlandsprodukte anzunaehern beginnen, fehlt also der Wirtschaft ihre gesamte Jahresleistung oder noch mehr (ganz genau so kann man das nicht rechnen, da hier Pyramidierungs-Effekte auftreten, d.h. jemand kauft die Anleihe auf Kredit, da sie ja hoch beliehen wird ihrer angeblichen Werthaltigkeit wegen usw. – es geht um's Prinzip).

Im Goldsystem mit Zinsen ist das natürlich alles ganz anders, nicht wahr,
da käme niemand auf die Idee, und schon gar nie eine Bank, dem Staat oder dem, der einer werden will, überhaupt Geld zu leihen "zu welchen Zinsen auch immer".

(Mit Zeugen Jehovas streite ich übrigens auch eher selten.)

Friedrich Dominicus, am 03. Januar 2010 um 9:43 ( Link )

Die letzten drei Paragraphen treffen es genau. Darüber habe ich mich in mehr als einem Blog ausgelassen. Und war auch ein Grund warum ich FDP gewählt habe, in der Annahme hier mal wieder fundiertere Entscheidungen zu sehen. Und was bekommt man als "Dank" ein "Wachstumsbeschleunigungsgesetz" was ja wohl nur einem sozialistischen Hirn entsprungen sein kann...

GraueEminenz, am 03. Januar 2010 um 12:14 ( Link )

Dr. Spele:
Dem Staat Geld zu leihen, das er nicht zurueckzahlen wird, darauf kaeme im gedeckten Wahrungssystem tatsaechlich niemand, der soviel Verstand besitzt, dass er als Verleiher genuegend Mittel anzuhaeufen vermoechte, sie dann, wem auch immer, zu leihen.
Kassenkredite wird es geben, vermutlich, aber nicht das, was jetzt in den USA sich abspielt und in verschleierterer Form bei uns:
Dass eine Zentralbank, OHNE irgendwelche Eigenmittel zu besitzen (vermutlich ist sogar Fort Knox leer - sie weigert sich gar, jemanden nachschauen zu lassen!) einfach Staatsanleihen "aufkauft", vornehm ausgedrueckt: monetarisiert, und diese dann, so ihr Gott helfe (Goldmann) wieder an Dritte verkauft.
Das geht NUR mit Schwundgeld, um es gesellig auszudruecken ...
Wer das mit gedecktem Geld versucht, und es ist versucht worden, bis 1971, der erlebt, was Nixon 1971 zur vollstaendigen Abschaffung der Deckung veranlasste: wem's mulmig wird, der will das Gold sehen.
Das Endspiel dieses Prozesses erleben wir nun, Sie ebenso wie ich, und BEIDE haben wir offenbar Vertrauen, dass das, was wir beobachten, richtig sei, nur dass wir dem umgekehrte Vorzeichen beilegen.

GraueEminenz, am 04. Januar 2010 um 17:37 ( Link )

Hinweis:
Siehe Kommentar
http://ef-magazin.de/2009/12/27/1760-marktkommentar-ein-recht-ruhiges-finanzjahr-2009-geht-zuende#c23608

mit entsprechender GRAFIK!

Dr. Spiele, am 04. Januar 2010 um 18:29 ( Link )

Graue Eminennz, ich sagte ja auch nicht, daß es sich anfangs um Geld handelte was nicht zurückgezahlt wurde, sondern im Gegenteil. VOR der Gründung der Bank of England bekam der STAAT Gold geliehen, DANACH wurde Papiergeld von den dafür "berechtigten" Privatbankiers ausgegeben - die Reihenfolge macht die Bedeutung..., ähnliches Verfahren vor der Assignatenwährung in Folge der franz. Revolution,
ebenso im alten Rom, oder das spanische Reich, Kolumbus fuhr auf Kredit, Pizarro folgte und besorgte die Rückzahlung.

Erst wird Gold verliehen, DANN
entsteht mit Hilfe dieses Kredites das Imperium,
und ERST DANN wird inflationiert - aber nicht zu Ungunsten der ursprünglichen Verleiher, sondern auf Kosten der Bevölkerung, nicht ohne Grund auch zynisch BÜRGER genannt...

Ohne Zins kein Staat, ohne Staat kein Zins.
SONDERN direkte Geschäftsbeteiligungen.
Und das ist was anderes.

Was die Grafik betrifft: Die Betrachtung von M-Null ist irreführend, deren SCHLIESSLICHER Aufblähung geht die Aufblähung der Giralgeldmenge voraus,
genau wie in der heutigen Krise.
Der STAAT reagiert auf die von den Banken und ihrem Zinseszinssystem verursachte Krise, und nicht umgekehrt!
Der STAAT tut das, weil er genau dafür von den Bankiers erfunden wurde.

Wer bürgt, wird gewürgt, liebe Bürger.
THATS THE IDEA.

GraueEminenz, am 05. Januar 2010 um 1:06 ( Link )

TEIL I:
Lieber Dr. Spele,
abgesehen davon, dass "post hoc ergo propter hoc" noch keine Ursaechlichkeit beweist, sondern jeder scheinbare zeitliche Zusammenhang zweier Variablen stets einer erklaerenden Theorie bedarf (diese kann abstrakt vorausgehen, macht Voraussagen und diese werden dann empirisch bestaetigt gefunden oder sie wird erfunden [abgeleitet/Induktion ist eine verfaelschende Darstellung, so, als ob von Fakten ein Weg zur Theorie fuehrte] in der Weise, dass sie die ZUVOR gefundenen vermuteten Zusammenhaenge erklaert), stimmt auch der zeitliche Zusammenhang nicht. Sowohl Ursache wie zeitliche Beobachtungsreihen verhalten sich nicht wie von Ihnen nahegelegt. Das spricht dafuer, dass der "oesterreichische" Ansatz besser geeignet ist, das Phaenomen der geldmengeninduzierten Kreditausweitung und anschliessender Preissteigerungen zu erklaeren.

Sie haben zwar eine erklaerende Theorie gegeben, naemlich mit der Behauptung "[der M-Null-] ... -Aufblähung geht die Aufblähung der Giralgeldmenge voraus ...", jedoch ist das dennoch weder theoretisch noch empirisch richtig, wie dieser Behauptung auch der erklaerende Vorgang noch fehlt. Vielmehr sind die Ausleihungen und die M3-Geldmenge relativ stetig, wenn auch ebenso exponentiell gewachsen, die Zentralbankgeldmenge jedoch erst, als man diese vermaledeiten "Rettungs- und Stabilisierungsversuche" unternahm.

Vorweg: warum gerade DANN (d.h. jetzt im Verlauf der "Krise") das Giralgeld (d.h. die Guthaben von Nichtbanken bei Banken etc.) zugenommen haben sollten und in ihrem GEFOLGE erst die Zentralbankgeldmenge, wenn alle Welt vor einer "Deflation" warnt (gemeint: Preisverfall, was durch SINKENDE Nachfrage hervorgerufen sein muesste, und das spricht prima facie fuer sinkende Guthaben, denn i.d.R. geben die Leute mehr aus, wenn sie mehr haben, nicht umgekehrt) ist unerklaerlich. Jedoch es kommt noch direkter: Tatsaechlich haben die Immobilien- und Konsumentenkredite, sowie alle sonstigen Formen von Einkommen (Banker-Boni ausgenommen ;-) zuletzt wieder abgenommen, IHRER THEORIE nach sollte aber dennoch die Giralgeldmenge ZUERST angestiegen sein und dadurch die in erstgenannter Grafik verursachte M0-Geldmengen-Inflation. Dem KANN weder so sein (oesterreichische Theorie) noch WAR dem so (Empirie):

a) THEORIE: Zwar ist es so, dass die Banken von ihren Gesamt-Guthaben (bei welchen ihrer Glaeubiger auch immer) eine sog. Mindest-Reserve bei der Zentralbank vorhalten muessen und dass in frueheren Zeiten (naemlich bis der Euro-Dollar-Markt in den 1970ern Fahrt aufnahm, der sich nationaler Regulierung weitgehend entzog) die Zentralbanken damit die Kreditaufnahme bremsen konnten, wenn sie die Mindestreserveverpflichtungen erhoehten und dadurch die Banken gezwungen waren, ihre Ausleihungen zu beschraenken, wenn sie sie nicht entsprechend unterlegen konnten, ABER: das ist das Zitat der "Gesetzesvorschrift", die aber nicht den URSACHEN-Zusammenhang wiedergibt.
In der Tat klingt diese Formulierung auf den ersten Blick so, als muesste eine Bank fuer jede neue verliehene Mark dann (bei 10% Mindestreserveverpflichtung) 10 Pfennig bei der Bundesbank ZUSAETZLICH deponieren, also NACH der Erhoehung der Giralgeldmenge. Und in der Tat mag das in einzelnen Faellen ja so herum gelaufen sein. TATSAECHLICH aber ging, gesamtwirtschaftlich betrachtet, dieser Erhoehung PARALLEL eine M0-Geldmengen-Schoepfung der Zentralbank voraus, nicht umgekehrt (siehe weiter unten). In den letzten Monaten jedoch ist die M0-Geldmenge gestiegen, waehrend der Rest teilweise kontrahierte. Wenn dagegen M0 immer erst FOLGE von Giralgeldschoepfung waere, duerfte es das letztere Phaenomen ja wol nicht geben?

GraueEminenz, am 05. Januar 2010 um 1:08 ( Link )

b) EMPIRISCH sieht man das an folgenden US-Beispielen:

1.) Wachstum der gesamten offenen US-Konsumenten-Kredite:

in: "Series: TOTALNS, Total Consumer Credit Outstanding"
http://research.stlouisfed.org/fred2/series/TOTALNS?cid=101
Zeitlicher Verlauf in Daten:
2008-01-01 8926.2
2008-02-01 8965.3
2008-03-01 9035.4
2008-04-01 8976.6
2008-05-01 9001.6
2008-06-01 8992.9
2008-07-01 9021.5
2008-08-01 9038.2
2008-09-01 9195.1
2008-10-01 9541.2
2008-11-01 9406.2
2008-12-01 9372.5
2009-01-01 9337.1
2009-02-01 9347.6
2009-03-01 9328.6
2009-04-01 9266.9
2009-05-01 9338.1
2009-06-01 9319.6
2009-07-01 9249.6
2009-08-01 9210.4
2009-09-01 9126.5
2009-10-01 9042.7
2009-11-01 9099.6
WAS MAN SIEHT:
Die Kredite sind weiterhin auch nach 007 noch gewachsen, aber vor allem wohl deshalb, weil immer mehr US-Haushalte damals versuchten, auch noch die letzte Kreditlinie zu mobilisieren, um nicht zwangsevakuiert zu werden bzw. ihr geleastes Auto zu verlieren etc. Seit dem Allzeithoch im Oktober 2008 geht es aber abwaerts – die M0- und Reservengeldmenge aber aufwaerts (s.u.)! Vermutlich wird dieser Betrag in 2010/2011 noch weiter deutlich kontrahieren, waehrend die Zentralbankgeldmenge DENNOCH weiter wachsen wird.

2.) Wachstum der M0-Geldmenge der US-Federal Reserve:

Series: AMBNS, St. Louis Adjusted Monetary Base
http://research.stlouisfed.org/fred2/series/AMBNS?cid=124
Zeitlicher Verlauf in Daten:
2008-01-01 855.043
2008-02-01 853.042
2008-03-01 856.975
2008-04-01 852.404
2008-05-01 859.171
2008-06-01 861.905
2008-07-01 871.799
2008-08-01 871.186
2008-09-01 936.129
2008-10-01 1135.809
2008-11-01 1481.956
2008-12-01 1692.563
2009-01-01 1737.854
2009-02-01 1582.979
2009-03-01 1661.622
2009-04-01 1781.924
2009-05-01 1797.812
2009-06-01 1701.891
2009-07-01 1695.703
2009-08-01 1727.410
2009-09-01 1819.589
2009-10-01 1964.321
2009-11-01 2046.205
WAS MAN SIEHT:
Eine historisch unglaubliche, nie vorher dagewesene Beschleunigung der Ausweitung. Sie verlaeuft zuletzt fast parallel zu den EXCESS Reserves, d.h. mitnichten handelt es sich um einen Nachlauf zum Giralgeld, fuer das dann Reserven GESCHAFFEN werden muessten, im Gegenteil, das Zentralbankgeld wird NUR NOCH DORT geparkt (obwohl das ja derzeit kein gutes Geschaeft ist – in normalen Zeiten scheuen die Banken Reserven bei der Zentralbank "wie der Teufel das Weihwasser" und fahren immer kurz vor der Unterdeckung, vgl. den Hexentanz, wenn am Freitag bzw. Monatesende versucht wird, noch schnell den Tresor in Kleinkleckersdorf zu raeumen und nach Frankfurt zu schaffen, damit die Reservelinie eingehalten werden kann).

3.) Zentralbank-Reserven insgesamt

Series: ADJRESNS, St. Louis Adjusted Reserves
http://research.stlouisfed.org/fred2/series/ADJRESNS?cid=123
Zeitlicher Verlauf in Daten:
2008-01-01 99.610
2008-02-01 94.392
2008-03-01 95.109
2008-04-01 92.707
2008-05-01 95.208
2008-06-01 93.127
2008-07-01 97.032
2008-08-01 95.892
2008-09-01 159.502
2008-10-01 342.341
2008-11-01 675.875
2008-12-01 873.873
2009-01-01 912.038
2009-02-01 744.331
2009-03-01 815.405
2009-04-01 932.925
2009-05-01 946.947
2009-06-01 849.475
2009-07-01 841.076
2009-08-01 871.844
2009-09-01 962.785
2009-10-01 1105.015
2009-11-01 1185.332
WAS MAN SIEHT:
Die Reserven selbst steigen analog dem allgemeinen Geldmengenwachstum, da ja ein bestimmter Zusammenhang regulatorisch festgeschrieben ist, zuletzt aber sind es ueberwiegend ueberfluessige Reserven, denen keine adaequate Giralgeldschaffung gegenuebersteht, deren FOLGE sie erst sein koennten.

4.) Ueberschiessende Reserven (Excess Reserves), d.h. solche, die ueber die vom Giralgeld, den Ausleihungen verursachten Zwang hinausgehen:

Series: EXCRESNS, Excess Reserves of Depository Institutions
http://research.stlouisfed.org/fred2/series/EXCRESNS?cid=123
Zeitlicher Verlauf in Daten:
2008-01-01 1.640
2008-02-01 1.721
2008-03-01 2.973
2008-04-01 1.879
2008-05-01 1.949
2008-06-01 2.267
2008-07-01 1.916
2008-08-01 1.971
2008-09-01 60.053
2008-10-01 267.902
2008-11-01 559.036
2008-12-01 767.397
2009-01-01 798.233
2009-02-01 643.482
2009-03-01 724.623
2009-04-01 824.367
2009-05-01 844.076
2009-06-01 751.364
2009-07-01 732.996
2009-08-01 765.857
2009-09-01 860.074
2009-10-01 994.734
2009-11-01 1077.288
WAS MAN SIEHT:
"Unnoetige" Reserven gab es bis zum Ausbruch der Krise und der extremen Geldmengeninflation durch die Fed praktisch jahrzehntelang NIE (voellig flacher Verlauf vor 2008), weil das bedeutet haette, bei der Zentralbank Geld zu parken, das nicht oder niedriger verzinst gewesen waere als anderswo.

5.) M1-Geldmenge

Series: M1NS, M1 Money Stock
http://research.stlouisfed.org/fred2/series/M1NS?cid=25
Zeitlicher Verlauf in Daten:
2008-01-01 1373.2
2008-02-01 1360.6
2008-03-01 1395.3
2008-04-01 1397.7
2008-05-01 1386.9
2008-06-01 1398.3
2008-07-01 1409.0
2008-08-01 1391.8
2008-09-01 1434.6
2008-10-01 1464.4
2008-11-01 1517.4
2008-12-01 1623.9
2009-01-01 1570.4
2009-02-01 1535.8
2009-03-01 1577.2
2009-04-01 1608.3
2009-05-01 1598.1
2009-06-01 1652.8
2009-07-01 1654.8
2009-08-01 1650.3
2009-09-01 1641.6
2009-10-01 1660.7
2009-11-01 1679.8
WAS MAN SIEHT:
Wenn die M1-Geldmenge der M0-Menge "diktieren" wuerde, wuerde man hier doch eine staerkere Paralellitaet vermuten, jedenfalls in engerem zeitlichem Zusammenhang? Jedoch sowohl die Steigungen von M0 und M1 sind aber deutlich verschieden wie auch zeitlich arg versetzt.

5.) M2-Geldmenge

Series: M2NS, M2 Money Stock
http://research.stlouisfed.org/fred2/series/M2NS?cid=29
Zeitlicher Verlauf in Daten:
2008-01-01 7462.6
2008-02-01 7543.6
2008-03-01 7681.0
2008-04-01 7727.9
2008-05-01 7664.0
2008-06-01 7685.3
2008-07-01 7699.6
2008-08-01 7695.0
2008-09-01 7775.1
2008-10-01 7891.9
2008-11-01 7977.8
2008-12-01 8172.8
2009-01-01 8216.1
2009-02-01 8240.0
2009-03-01 8372.6
2009-04-01 8366.7
2009-05-01 8345.9
2009-06-01 8367.8
2009-07-01 8335.5
2009-08-01 8301.7
2009-09-01 8297.4
2009-10-01 8318.1
2009-11-01 8384.6
WAS MAN SIEHT:
Auch die M2-Geldmenge hat nicht den "Hockey-Stick-Verlauf" wie M0.

6.) M3-Geldmenge der St. Louis-Fed

http://research.stlouisfed.org/fred2/series/M3NS?cid=28
Zeitlicher Verlauf in Daten:
Ab Maerz 2006 NICHT MEHR VEROEFFENTLICHT! Warum wohl?
WAS MAN SIEHT:
Haette man das Berichtswesen nicht mit fadenscheinigen Begruendungen eingestellt, und zwar gerade zum rechten Zeitpunkt, waere man wohl der Blasé gewahr geworden. So aber wiederholt Bernanke, was schon Greenspan flunkerte. dass man Blasen in "Asset Prices" nicht erkennen koenne.

7.) Wegen der amtlichen Verschleierungstaktik muss man sich auf den Bericht der John Williams' Shadow Government Statistics verlassen, die M3 weiterberechnet haben:

Money Supply Charts: The Fed ceased publishing M-3, its broadest money supply measure, in March 2006.
http://www.shadowstats.com/alternate_data/money-supply-charts
WAS MAN SIEHT:
Die M3-Geldmenge geht DEUTLICH zurueck, obwohl die eigentliche Zentralbankgeldmenge steigt und steigt, s.o. Ziffer 2 und 4.

QED?

Dr. Spiele, am 05. Januar 2010 um 5:27 ( Link )

Danke für die halbwegs verwirrende Fleissarbeit, und ich sage das nur ungern, da ich Fleiss schätze, aber:

Sie haben die entscheidende Grafik (aus ihrem ursprünglich verlinkten Artikel!) vergessen:

QED? Ja, jetzt.

Warum sollte auch sonst die Papiergeldmenge plötzlich exponentiell steigen? Der Staat hat nicht plötzlich exponentiellen Mehrbedarf, woher denn auch?
Wohl aber die Banken, da die Einleger ihre bis dahin angewachsenen Sichteinlagen JETZT realisieren wollen. Daher auch "Bankenrettung", und nicht etwa "Staatsrettung" (obwohl letztlich das gleiche, über die "Systemrelevanz".)

Genau das passiert in der blauen Kurve, Ende 2008, die
DANN aufschiesst auf M1, und darüber hinaus. Darüber hinaus, WEIL selbstverständlich M1 nie die realwirtschaftlichen Gegebenheiten abbildete.
Und um die erste Lüge, die der Banken (M2), zu retten, muss der STAAT eben noch ein bischen hinzulügen (M1), bzw (M0).

Es ist der privatwirtschaftlich/bankintern erhobene Zinseszins, den die Banken langfristig nicht realisieren können, da mathematisch unmöglich, für den sie dann den STAAT haften lassen, über die Verschuldung der BÜRGER/BÜRGEN.

Aber jedem das Seine. Ich bin kein Zinskritiker.
Der Zins kritisiert sich selbst. Man nennt das auch GESCHICHTE.
Arbeit macht im Zinseszinssystem leider NICHT frei.

GraueEminenz, am 05. Januar 2010 um 9:55 ( Link )

Lieber Dr. Spele,
was die unverantwortliche Ausweitung der Kreditmenge DURCH Banken betrifft, die diese nur vornehmen koennen, weil sie, bis auf die Mindestreserve, keine Deckung dafuer benoetigen, stimmen wir ohnehin ueberein. Das ist organisierte, bewusst betriebene, Verwantwortungslosigkeit. Auch von Bekaempfern des Goldstandards wie Irving Fisher ("100% Money") wurde das kritisch gesehen, allerdings keine Golddeckung verlangt, sondern lediglich 100% Mindestreserven.
Allerdings wirken auf die Kreditschoepfung durch die Banken mehrere Faktoren ein, nicht nur die Mindestreserve, auch die Bargeldvorraete ("cash for transaction" - Transaktionskasse in Anglo-Sklavendeutsch) und die Eigenkapitalrichtlinien etc.
Wir haben es mit drei Groessen zu tun, die aber nicht unanbhaengig voneinander und z.T. (teil-) identisch miteinander sind, was durchaus immer dann verstaerkt zu Verwirrung fuehrt, wenn man Zeitpunkte und nicht Ablaeufe betrachtet:
1.) Geldmenge
2.) Zinsen
3.) Kredite.
Die Diskussion, ob die Zentralbank neues Geld "drucken" muss (M0), weil die Zinsen sonst nicht bezahlt werden koennten, hatten wir schon. Sie ist etwas zum Glaubensstreit mutiert, da Sie und andere der Ansicht sind, wenn jemand 100 Goldstuecke herleiht und in einem Jahr 110 wiederhaben will (10% Zins), diese 10 Goldstuecke nun irgendwo entweder fehlen ODER aber sie jemand NEU in den Kreislauf einbringen muss und dass dies im Zweifel "der Staat" sei und nur dann, wenn ein solcher Mechanismus existiert, Zinsen dauerhaft gezahlt werden koennten, und deshalb der Zins abgeschafft gehoert (so interpretiere ich Ihr "Der Zins kritisiert sich selbst."), dann hoert der Zwang der Geldvermehrung auf.

Wir Verteidiger eines gedeckten Waehrungssystems vertreten dagegen die Ansicht (und glauben, sie bewiesen zu haben), dass Geld als UMLAUFSMITTEL nicht deshalb zunehmen muss, bloss weil eine Zinsforderung ZUSAETZLICH zum Kapitalstock beglichen werden muss und fuehren dafuer zwei Argumente an:
a) Empirisch gilt uns als gesichert, dass es historisch laengere Zeitraeume ("Jahrhunderte") gab, in denen volle (Gold-) Deckung herrschte UND dennoch Zinsen verlangt (und bezahlt) wurden – bei wachsender Wirtschaft und Preisstabilitaet, eher sinkenden Preisen, wie theoretisch vorhergesagt.
b) Und wir vertreten die Ansicht, dass, wenn in einer reinen Tauschwirtschaft durch Wertschoepfung Kreditierung von WAREN moeglich ist, die spaeter mit "Zins und Zinseszins" beglichen werden, dieses (hoffe ich: unbestrittene) Phaenomen nicht ploetzlich verschwindet, bloss weil Geld als TAUSCH- und UMLAUFSMITTEL diesen Realtausch VEREINFACHT, d.h. bloss, weil ein Zwischenschritt hinzukommt (aehnliches passiert bei der chemischen Katalyse).

Sie dagegen scheinen aus der Annahme (die fuer Sie und andere Zinskritiker eine bisher unwiderlegte Tatsache zu sein scheint), dass Zinsen eine WACHSENDE Geldmenge ERFORDERN und diese zu einer Blasenwirtschaft oder zur "Zinsknechtschaft" fuehren, zu folgern, eine solche Wirtschaftsform sei gefaehrlich und unethisch.
Wenn ich Ihre Bemerkung "Es ist der privatwirtschaftlich/bankintern erhobene Zinseszins, den die Banken langfristig nicht realisieren können" richtig interpretiere und mal unterstelle, Sie stellen nicht in Abrede, dass wir heutzutage mehr Wohlstand und REALES Kapital haben als vor hundert, tausend oder zehntausend Jahren, mithin, dass es WirtschaftsWACHSTUM jedenfalls gibt, dann wuerde das fuer Sie ja nur zweierlei bedeuten koennen:
a) ENTWEDER alle wirtschaftlichen Unternehmungen wachsen allein aus eigener Kraft, ohne Fremdkapital.
b) ODER, wenn jemand "Geld aufnehmen" (sich Kapital leihen) muss/moechte, sollte das, wie bei der islamischen Schariah, nicht ueber Zinsentgelte, sondern ueber Beteiligungen mit Verlustrisiko gehen.

Dann, wenn man jedenfalls davon ausgeht, dass es "reales" WIRTSCHAFTSwachstum jedenfalls gibt und Sie das genauso als REALITAET ansehen wie "wir", stellt sich doch die Frage: wenn jemand sich an einem Unternehmen mit, sagen wir, 100 Geldeinheiten im Jahre 1950 beteiligt hat (anstatt Geld zu verleihen), und sich nun im Jahre 1980 wieder auszahlen lassen will, und, sagen wir, nach Pruefung durch den Wirtsachaftspruefer, ZWEIFELSFREI sich der Unternehmenswert aus dem Jahre 1950 bis dahin in 30 Jahren VERDOPPELT hat, woher kommen denn dann die 100 ZUSAETZLICHEN Geldeinheiten, um diesen bisherigen Inhaber auszuzahlen?
Ja, auch wenn ein Allein-EIGENTUEMER seinen Gewinn realisiert, woher kommt denn das Geld, das er nach erfolgreicher Wirtschaftstaetigkeit mehr erloest, oder kommt all das vpom Staat undreale Wertzuwaechseper se sind Schein und Illusion? Macht Arbeit also im KAPITALismus ueberhaupt nie "frei" und was waere Ihre Alternatve?

Mir fehlt dieses Stueck Ihrer Wirtschaftsansicht, bevor ich auf die Zinsproblematik Ihrer Facon weiter eingehen koennte.

SystemSturz, am 07. Januar 2010 um 1:57 ( Link )

@GraueEminenz und Dr.Spiele

eine wirklich gute Diskussion. Besonders die Zinsdiskussion gefällt mir, da es hier (vermutlich aus gutem Grund) überhaupt keine hilfreiche Lektüre gibt. Immerhin diskutieren wir hier über ein System, wegen dessen Aufrechterhaltung wahrscheinlich Weltkriege geführt worden.

Ich fasse mal die beiden Meinungen zusammen.

Beide sind für gedeckte Währungen, deshalb wird dieser Punkt vernachlässigt.

Dr.Spiele: sieht den Zins als zwanghaften Grund für den letztendlichen Niedergang des Geldsystems. Folgende Eigenschaften des Zinses führen zu einem letztendlichen Crash:
A) 100Einheiten werden ausgegeben, 110Einheiten werden zurückverlangt (10%Zins), um diese 10Einheiten zu erarbeiten muss man entweder jemand anderem die 10Einheiten abnehmen (wodurch sich dessen Problem vergrößert) oder aber selbst einen neuen Kredit aufnehmen, um den Gläbiger zu bedienen (verbessert die eigene Position auch nicht wirklich und erinnert mich an den Staat)
B) der Zinseszins führt zwangsläufig zu einer Ausweitung der Geldmenge (siehe Josefspfennig, wer mehr dazu (trivial) wissen möchte: http://kamelopedia.mormo.org/index.php/Zinseszins ) und letztendlich zu einem Crash der Währung.

Für mich sind auf den ersten Blick beide Punkte einleuchtend. Allerdings sehe ich aber auch, dass wir natürliche Rohstoffe und eine Arbeitskraft haben, die zumindest bei Punkt A) zur Deckung der 10Einheiten führen können. Allerdings wird es auch hier unmöglich, wenn wir uns in einem geschlossenen Modell befinden (zwei Unternehmen, zwei Arbeiter, eine Bank: Bank gibt 100E an beide Unternehmen und will 110E zurück, wo sollen die 20E herkommen?)

GraueEminenz: sieht kein Problem im Zins, da es
A)empirisch belegt ist, dass es lange Zeiträume (Jahrhunderte) mit Zins gab, die nicht zu einem Zusammenbruch geführt haben.
B)Geld (und Zins) nur ein zwischengeschaltetes Vereinfachungsmittel für Tauschprozesse ist.
C) ein eventueller Anteilseigner möchte sein Risko auch entlohnt haben und dementsprechend nach einigen Jahren aus den 100E eine Verdopplung sehen.

Punkt A) kann ich nicht überprüfen, da ich jegliche Historie, die ich nicht selbst erlebt habe mit Vorsicht betrachte (speziell die vor 1800)
Punkt B) macht auf den ersten Blick Sinn. Anzumerken ist jedoch, dass nach dieser Logik bei einem Wirtschaftwachstum und nicht vorhandenem Geldmengenwachstum die Preise für Güter fallen müßten (was man ja geméinhin als zunehmenden Wohlstand betrachtet - man bekommt mehr für das gleiche Geld).

Was ich dabei kritisch sehe, ist die Menge des Zinses, der sich bei hochspezialisierten Gesellschaften wie der unsrigen einschleift. Da das Geld (wie von GraueEmeninenz beschrieben) als Schmiermittel (Katalysator) zwischen den einzelnen Wirtschaftsstufen wirkt, wird auf jeder Wertschöpfungsstufe eine bisschen Zins dazugepackt, so dass wir am Ende auf die 30-40% kommen, die derzeit in jedem Produkt stecken. Um ein kleines Beispiel zu geben: Bei uns liegt Produkt X im Warenregal: dazu hat eine Minengesellschaft in Afrika nach Metall gebuddelt (dazu brauchen sie Maschinen, die sie auf Kredit (Zins) finanziert haben. Sie bringen das Zeug an den Hafen (wurde auf Kredit gebaut, Hafengebühr) und verladen es auf ein Schiff (wurde finaziert, Zins), bringen es nach China, in eine Fabrik (finanziert, Zins), die stellen etwas her, bringen es an den Flughafen (finziert, Flughafengebühr), fliegen es nach Deuschland (Flugzeug ist finanziert), bringen es mit dem LKW (finanziert) zu einem Großhändler (der hat die Ware finanziert), steckt es in sein neues Lager (finanziert), verkauft es an H-Markt (kauft auf Kredit, Zins) die legen es in ihr Regal, dass in einer neuen Einkaufspassage steht (finanziert). JETZT kommt Kunde Y und kauft sich dieses Produkt X (bestenfalls auf Kredit). Zu diesem Zeitpunkt stecken vermutlich 30-40% des Produktpreises im Zins. Diesen langfristig aufbringen zu wollen, halte ich für ausgeschlossen.

Die Systeme von Dr.Spiele und GraueEminenz können nicht paralell existieren. Im Moment würde ich ein zinsloses Modell präferieren - allein schon, weil wir uns nicht einen sinnfreien alles beherrschenden Finanzsektor leisten können. Die Energie und Kraft, diesen aufrecht zu erhalten, kann die Menschheit an anderer Stelle sinnvoller einsetzen (Achtung: diesen Gedanken hatte schon ein nicht weiter benannter Österreicher mit Schnauzbart - es ist trotzdem kein faschistisches Gedankengut). Allerdings müßte man dann ein System finden, dass Geld (Angebot) und Produktion (Nachfrage) zueinander finden. Eine "Geldlagergebühr" wäre sicherlich ein Ansatz, bedarf in meinen Augen aber weiterer Forschung, da eine Altersvorsorge in Geld damit ausfällt (vielleicht auch vorteilhaft).

Ich halte diese Thematik entscheidend für unser weiteres Sein in den nächsten Jahren. Wir haben hier DAS PROBLEM unserer Zeit, aber kaum jemand nimmt Notiz.

VG SS

GraueEminenz, am 07. Januar 2010 um 15:34 ( Link )

Lieber Systemsturz,
Sie packen da einiges zuviel an "Zinsen" in Ihren Wirtschaftskreislauf, sogar jede (Flug-) Hafengebuehr scheint in Zinsnaehe zu ruecken.
Das ist unrealistisch, zumindest in einer reellen Wirtschaft. Dass derzeit sehr viel mit NUR geliehenem Geld gebaut wird, von Dubai ueber USA, Spanien, China, bis Berlin, ist offenkundig - dass die Zinsen (der WestLB, der BayernLB etc., das Gleiche im Ausland) NUR aus erneut geliehenem Zusatz-Geld gezahlt werden, auch. Jedoch ist das AUSSCHLIESSLICH Geld, das die Zentralbanken geschaffen haben oder das sich ueber Kreditpyramidierung "selbst hat schaffen koennen", da eine ungedeckte Geldwirtschaft das nunmal in theoretisch UNENDLICHER Hoehe zulaesst.
In einer NORMALEN Wirtschaft (und so wirtschaftet auch ueberwiegend "unser" Mittelstand) dagegen werden Fabriken oder Flugzeuge LAENGER betrieben, als fuer die Rueckzahlung der fuer sie VIELLEICHT aufgenommenen Kredite inkl. Zinsen benoetigt wird (vieles stammt direkt aus Eigenmitteln, die VORHER redlich verdient wurden!). Von Fehlinvestitionen abgesehen, die dann zu Lasten des EIGENkapitals gehen, laeuft eine gut vorkalkulierte Produktionsanlage laenger als ihre Abschreibungsdauer, kann also nie und nimmer zu ihrem babylonischen Zinsturm fuehren.
"nach dieser Logik bei einem Wirtschaftwachstum und nicht vorhandenem Geldmengenwachstum die Preise für Güter fallen müßten"
Genau - das ist sowohl theoretisch vorherzusehen wie ueber die Jahrzehnte, in USA z.B. im neunzehnten Jahrhundert, (und anderswo) nachzuweisen, wo und wenn keine ungedeckte Waehrung zirkulierte. Wenn wir natuerlich jegliche Wirtschaftshistorie mit Misstrauen betrachten, wie Sie es andeuten, dann kann man vergangene Zahlenreihen nicht zur Diskussion heranziehen. Bleibt nach wie vor, dass das Geldmengenwachstum der (auch von Ihnen unbestrittenen?) Neuzeit GENAU dann abzuheben begann, als Nixon 1971 die Golddeckung VOLLSTAENDIG abschaffte. Auch ohne theoretisches Ruestzeug liesse sich im Umkehrschluss vermuten, dass die Kurve OHNE ABSCHAFFUNG nicht exponentiell verlaufen waere und damit heute keine Blase (und keine horrenden Boni) zu konstatieren waeren.
Im Gegenteil, die USA haetten binnen kurzem ohne Geld dagestanden und sich ernsthaft ueberlegen muessen, so, wie jetzt Griechenland, was sie besser machen koennten. Leider war damals Kalter Krieg und wir "Westler" waren Geiseln der US-Hegemonie.
Meine Vorhersage: DAMALS waeren sie reumuetig zum Goldstandard zurueckgekehrt und GERADE WEIL sie es nicht getan haben, und das System damit irreparabel beschaedigt haben, werden sie es in ein paar Jahren WIEDER TUN. Ein Naturgesetz, dessen Wirkung wir nun direkt selbst studieren koennen. Und: die Wirtschaft waere in der ganzen Zeit scheinbar langsamer, weil nachhaltig, gewachsen. Die Wachstumstraten, die in der Zwischenzeit auf uneinbringliche Ausgaben verwendet wurden, sind ja Augenwischerei: nach Statistiken des IMF/IWF hat die Krise MEHR BANKKAPITAL VERNICHTET, als in den VORAUSGEGANGENEN JAHRHUNDERTEN MIT BANKGESCHAEFTEN JEMALS VERDIENT WURDE!

GraueEminenz, am 07. Januar 2010 um 16:07 ( Link )

Zum Rechenbeispiel auf
http://kamelopedia.mormo.org/index.php/Zinseszins

Es gab in den siebziger Jahren im STERN einen Bericht ueber einen Anhaenger Silvio Gesells, der dieselbe Rechnung aufmachte (damals konnte man recht hohe Zinsen kriegen, sogar 12% auf Tages- oder Kurzzeitfestgeld) und mit Anlage eines kleinen Betrages fuer 250 Jahre (!) den Tod des Zinssystems beweisen wollte. Er fand auch eine Volksbank, die das mitmachte, dort liegt das Geld wohl heute noch.

Der Fehler im Kamelopedia-Artikel ist: es wird kein GOLD gehortet, bloss weil es eine goldgedeckte Waehrung gibt. Gold ist lediglich Tauschmittel, um die Zeiten zwischen zeitlich (und raeumlich) entfernten Tauschakten zu ueberbruecken. ZUSAETZLICH ist Geld eine bequeme Recheneinheit, eine Tauschwirtschaft ohne Geld haette es wesentlich schwerer, Vor- wie Nachkalkulationen durchzufuehren.
Ich vergleiche z.B. bei Plaetzchenpackungen aehnlicher Qualitaet den mittlerweile immer ausgewiesenenen kg-Preis. Muesste ich das muehsam in Putz-, Schuh- oder Broteinheiten umrechnen, waere ich bis zur Entscheidungsfindung verhungert.
Was ALLE diese geld- und zinskritischen Rechnungen uebersehen ist dieses: auch der Burj Chalifa in Dubai, den man wegen seiner gigatomanen Bauweise sicherlich in Gold, jedenfalls in Silber aufwiegen kann (nicht vielleicht zum heutigen Preis, aber zu irgend einem historischen Preis - es geht hier nur um ein Gedanken-Beispiel) bedargf ja zu seiner Finanzierung nicht des GegenGEWICHTES an Edelmetall - dieses wechselt waehrend seiner Bauzeit x-mal die Haende!
Gehen wir mal davon aus, dass die KAEUFER oder MIETER des Turmes reelle Geschaeftsleute sind, und das Geld VORHER verdient haben, mit dem sie sich dort ein Hotel, eine Bueroetage oder ein Luxus-Appartement kaufen.
Dann erstellt der Gebaeude-Entwickler einen Bauplan. Aufgrund dessen schauen sich verschiedene Interessenten diesen an und entscheiden sich, was davon zu kaufen.
Dazu zahlen sie ein Drittel Anzahlung, aufs Ganze bezogen hat der Bauunternehmer jetzt also ein NEUNTEL der kalkulierten Gesamtkosten erhalten. Die Bank finanziert den Rest vor. Aus diesem Neuntel und den ca. 89% Bankkrediten werden die Bauleistungen, das Grundstueck, die Architektenleistungen, die Baugrundreinigung etc. bezahlt.
Bis Fertigstellung sind ein weiteres Drittel verkauft worden, ebenfalls mit teilweiser Anzahlung etc. Nun beginnt auch Tilgungs- und Zinszahlung.
Da auch die ueber die Laufzeit bis zur VOLLSTAENDIGEEN VERAUSSERUNG erwarteten Zinsen zu den Baukosten gehoeren, sind die ERSTELLUNGSKOSTEN, die FINANZIERUNGSKOSTEN und ein angestrebter GEWINN Teil der verlangten Kaufpreise.
Diese werden (Annahme eingangs) von den Kaeufern aus Eigenmitteln bezahlt.
Nun haben der Turm-Erbauer, und die Banken, und die Baufirmen und Dienstleister, alle Gewinn gemacht.
Auch die Kaeufer haben einen gemacht, denn ihnen war das Gekaufte ja MEHR WERT als ihr Geld, das sie vor dem Kauf besassen, sonst haetten sie es ja nicht FREIWILLIG hergegeben.
Also: die Ersteller/Verkaeufer und die von ihnen bezahlten haben ALLE kalkulatorische "echte" Gewinne gemacht, die Kaeufer haben mit VORHANDEMEM Geld bezahlt.
ZWEITER AKT:
Das Hotel im Turm macht auf und empfaengt Gaeste. Seine Uebernachtungspreise sind auskoemmlich kalkuliert, es macht Gewinne. Die Uebernachtungsgaeste bezahlen aus EIGENEM Geld (Uebernachtungen finanzieren SOLIDE Unternehmer ja nun mal nicht vor!).
Mit der Zeit, in zehn, zwanzig, hoechstens dreissig. Jahren, hat die Hotelkette ihre Auslagen fuer den Erwerb zurueckverdient und kauft das naechste Hotel. Es kostet DASSELBE wie zuvor. Beim Bezahlen wurde damals und wird heute BRGELD verwendet (um es eindruecklicher zu gestalten). Dabei faellt einem Angestellten auf, dass es Nummer fuer Nummer genau DIESELBEN Geldscheine sind wie vor zehn, zwanzig Jahren.
Das koennte natuerlich nicht sein, wenn jemand diese in den Safe gepackt haette. Hat aber niemand - jeder, der mit Ihnen in Beruehrung kam, die Bauarbeiter, die Putzfrauen der Bau-Endreinigung, die Blumenkohl- und Milchbauern usf., haben alle ihre Scheinchen (die in unserer Wirtschaft mit GOLD gedeckt waren) immer und immer wieder ausgegeben, und dennoch hat sich in den viellecht zwanzig Jahren die Wirtschaftsleistung dieser Volkswirtschaft VERDOPPELT - eben, weil die Ueberschuesse langfristig NICHT IN GELD, sondern in Backsteinen, in Lagerhaeusern fuer mehr Weizen, in Backmaschinen, in Autos, in Waescheschraenken, in Stahlwerken, in Betonmischern usw. angelegt wurden.
Ich sehe nicht, wieso dafuer MEHR physisches Geld nioetig waere.

dickbrettbohrer, am 08. Januar 2010 um 7:38 ( Link )

Ist es vielleicht so, daß das Wort Zins in die Denkfalle lockt?

Echtes Geld ist immer an den Warenbestand gebunden, also Ausdruck für eine menschliche Arbeitsleistung. Falsches Geld ist erfundenes, künstlich erzeugtes Scheingeld, dem keine Arbeitsleistung vorangegangen ist.
Wird echtes Geld zum Tausch von Gütern oder zum Bezahlen für Dienstleistungen – auch das Verleihen von Guthaben/Geld ist so etwas wie eine Dienstleistung – benutzt, so gibt es kein Problem. Es kommt zur Verlagerung von Guthaben, aber es verschwindet kein Geld, es bildet sich kein neues und es geht leistungsbezogen, also gerecht zu. Erfolgt keine künstliche, vom Warenkreislauf losgelöste Geldschöpfung, so wird sich das Geldsystem trotz zu zahlender Zinsen stabil halten.

Der Fehler beim verbreiteten verquasten Zinsdenken ist möglicherweise dieser:
In einem gedeckten Geldkreislauf werden durch Arbeit Werte geschaffen: eine arbeitsame und tüchtige Person kann zu Wohlstand kommen durch Vermehrung seines realen Besitzes – sie kann aber auch auf die Nutzung der durch eigenen Fleiß geschaffenen Waren verzichten und statt dessen das Geld sparen – um dieses dann zu verleihen. Bedenkt man es recht, so hat diese Person nicht Geld fortgegeben, sondern lediglich ihren Anspruch darauf, den ihr zustehenden Teil der Waren und Güter zu nutzen! Dies ist ein Risiko – niemand, der etwas verleiht, kann sicher sein, es wieder zurückzubekommen. Der Zins ist zugleich Entschädigung als auch Charakterprobe für den Nehmenden. Früher wurde bei Vergabe von Krediten auch der Charakter des Kreditnehmers beäugt – Stichwort Ehrlichkeit. Der Geldkreislauf ist eben viel mehr als das Zirkulieren von Guthaben und Zetteln. Geld ist ein Versprechen und drückt die Hoffnung aus, daß der Kreditnehmer Werte schaffen wird, die das gegenwärtige Maß übersteigen, um nicht nur seine Schuld zu tilgen, sondern auch die Zinsen zu bezahlen. Mehr wirtschaftliche Werte, ein stabiles, gedecktes Geld: sinkende Preise. Es ist genügend Geld vorhanden, um die Zinsen zu tilgen!

Wir starren immer auf das Geld, anstatt es stets im Zusammenhang mit den Gütern zu betrachten. Und dies kommt wohl daher, weil wir an die die ungedeckte Geldschöpfung der Staaten gewöhnt sind: es ist das Drucken von Papier, welches wir mit Geld und Wohlstand verwechseln.

Zinsen, die auf Fiat Money erhoben werden, sind in der Tat des Teufels: sie bilden Blasen, die platzen, und Leidtragende sind die Besitzer echter Werte.

GraueEminenz, am 08. Januar 2010 um 17:35 ( Link )

Siehe auch

http://ef-magazin.de/2009/11/15/1645-gutes-geld-schlechtes-geld-der-papiergeldschwindel#c23874

ff.

Sabine Kurjo, am 11. Januar 2010 um 20:20 ( Link )

Ich sah, Graue Eminenz, auch SEHR gut, dieser Artikel!

Der Papiergeldschwindel geht weiter und weiter und tiefer und tiefer, es sei denn mehr und mehr Leute kapieren ihn.

Ihr Blog macht dazu einen wertvollen Beitrag!

Sabine
Nationale Schulden

GraueEminenz, am 21. Januar 2010 um 21:02 ( Link )

Fuer alle, die weiterhin Interesse an meinen "Kommentaren zur (Un)Zeit" haben, bin ich nun hier zu finden:
http://crisismaven.wordpress.com/
"Crisismaven's Blog -
Real and Potential Crises Past and Present".


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