11. Januar 2010

Prognose 2010 wird…

Eine beinahe rundum optimistische Vorschau

2010 wird soweit es das öffentliche und politische Leben betrifft, eine ebenso zähflüssige wie unerfreuliche Fortsetzung des Jahres 2009 und damit eine passende Einstimmung auf das Jahr 2011, das noch unerfreulicher, wegen der dann in Kraft tretenden Erhöhung von Steuern, Beiträgen, Selbstbeteiligungen usw. aber weniger zähflüssig verlaufen dürfte. Nachdem wir den Rinderwahnsinn, die Vogel- und die Schweinegrippe glücklich überstanden haben, wäre zur Abwechslung wieder eine Fischkrankheit fällig. In den 1980er Jahren wüteten, glaube ich, Fischwürmer in den Innereien der Meerestiere. Für 2010 rechne ich damit, dass eine übertragbare Herings- oder Forellenpest entdeckt wird. Die Klimaerwärmung bleibt uns natürlich erhalten. Gegen sie werde ich mich, wie schon im Dezember 2009, mit einem Spaziergang bei Sonnenschein und minus 15 Grad und mit einem heißen Grog wappnen. Schwieriger wird es mit der Inflation, mit der ich ebenfalls rechne.

Ich werde 2010 überlegen, wohin ich mein Vermögen umschichte: In Gold? Immobilien? Kunst? Oder in ein paar gute Weinflaschen? Weil ich vom politischen und öffentlichen Leben keine Glückserlebnisse erhoffe, werde ich sie anderswo suchen müssen. Damit dafür genügend Zeit, innere Freiheit und Ruhe bleibt, höre ich bereits heute zum Frühstück nur noch ausnahmsweise Nachrichtensendungen, dafür umso mehr Barockmusik von der Kassette. Diese neue Gewohnheit werde ich 2010 kultivieren und ausbauen. Ich werde mir, falls das Geld nach der Umschichtung noch reicht, auch ein paar neue Bildbände über Italien zulegen, vielleicht sogar dorthin fahren. Außerdem will ich wieder ein paar Romane von Dostojewski lesen, die fällige Zweitlektüre. Oder lieber Proust? Da die Berliner Staatsoper wegen Sanierungsarbeiten aus ihrem Haus Unter den Linden auszieht und ins ehemalige Schillertheater wechselt, kann ich ab Herbst sogar zu Fuß hingehen. Auf jeden Fall, wenn Barenboim Wagner dirigiert. Kurzum: Ich freue mich auf das neue Jahr und bin beinahe rundum optimistisch.   

Information

Dieser Artikel erschien zuerst in der zweimal im Monat erscheinenden Zeitschrift "Gegengift", Ausgabe vom 1. Januar 2010.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Thorsten Hinz

Über Thorsten Hinz

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige