Edgar L. Gärtner

Jahrgang 1949, Hydrobiologe, Wissenschaftsautor.

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Freiheit: Auf den Geist kommt es an

von Edgar L. Gärtner

Warum Materialismus und Christophobie in die Knechtschaft führen

Nach der Veröffentlichung meines Beitrags über die spirituellen Hintergründe des Haiti-Desasters an dieser Stelle bin ich von einem Teil der libertären Szene in Deutschland buchstäblich exkommuniziert worden. Es fehlte nur noch die Steinigung. Ich übergehe hier anstandshalber die wohl willentlichen Missverständnisse und die mir gegenüber vorgebrachten absurden Unterstellungen, die im Vorwurf der Scheinheiligkeit gipfeln. Worüber ich mich wundere, wenn nicht ärgere, ist die den meisten Kritiken zugrundeliegende materialistische Weltsicht und die zum Teil offen zutage tretende Christophobie.

Um deutlicher zu werden: Die kontrastierende Geschichte der beiden Teile der Karibik-Insel Hispaniola zeigt meines Erachtens alles in allem, dass es bei der Entwicklung der Wirtschaft und der Entfaltung menschlicher Freiheit weniger auf natürliche als auf geistig-religiöse Voraussetzungen ankommt. „Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit“, heißt es im zweiten Brief des Apostels Paulus an die Korinther. Wer abstreitet, dass unser abendländischer Humanismus und dessen Freiheitsbegriff nicht nur auf Sokrates, sondern auch auf Jesus von Nazareth und die spätantiken beziehungsweise mittelalterlichen Kirchenlehrer zurückgeht, sieht das freilich ganz anders. Für materialistisch, wenn nicht antichristlich ausgerichtete Libertäre ist der Kolonialismus eine Folge der Verbindung von christlichem Missionseifer mit materieller Gier und nicht Ausdruck der Abkehr Getaufter von der biblischen Botschaft.

Deshalb treffen sich Atheisten bei der Analyse der Hintergründe natürlicher und gesellschaftlicher Kataklysmen auch letzten Endes mit den Marxisten. Schon Fjodor Dostojewskij erkannte in der „Legende vom Großinquisitor“, dass die logische Konsequenz des Atheismus nicht die individuelle Freiheit, sondern die Verabsolutierung der Gleichheitsidee im Sozialismus beziehungsweise Kommunismus ist. Uneingestandenes Ziel des Sozialismus wiederum sei das Nichts, der Tod der Menschheit. Das hat der hoch dekorierte russische Mathematiker Igor Schafarewitsch schon in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in einem auch im Westen erschienenen bemerkenswerten historischen Überblick unter dem deutschen Titel „Der Todestrieb in der Geschichte“ herausgearbeitet. Schafarewitsch, den ich selbst, angeregt von den Kollegen Fink und Lichtschlag, leider erst Ende 2009 rezipiert habe, bestätigt meine Einschätzung, dass auch der Liberalismus zu einer Form von Nihilismus werden kann, wenn er sich gegen das christliche Gottes- und Menschenbild stellt.

Ohnehin sollte der Materialismus, wie ich ebenfalls schon an dieser Stelle dargelegt habe, inzwischen auch als naturwissenschaftlich widerlegt gelten. Wenn es auf den Geist ankommt, verlieren übrigens auch rassistische Interpretationen des Haiti-Desasters, wie sie in einigen Diskussionsbeiträgen zu meinem Beitrag in der letzten Woche anklangen, ihre Grundlage.

Internet

Haiti: Der Fluch der Blasphemie

Der Sozialismus: so alt wie die Menschheit

Igor R. Schafarewitsch: Der Todestrieb in der Geschichte. Erscheinungsformen des Sozialismus. Ullstein Verlag, Berlin-Wien 1980

Liberalismus: Eros der Freiheit ohne Gott?

Nachlese zum Darwin-Jahr: Das Wahrheitsmonopol des Materialismus wankt

09. Februar 2010

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