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Widersprüche in der Armutsdebatte: In einer „gerechten Welt“ hätte jeder weniger als Hartz-IVvon Gérard Bökenkamp Über Sozialnationalismus und globale Umverteilung Es gibt einige Forderungen der Linken, die auch bei politisch indifferenten Menschen oder Anhängern des bürgerlichen Lagers Anklang finden. Die Realeinkommen der Arbeitnehmer sollen steigen. Die globalen Unterschiede in den Einkommen sollen abgebaut werden. Die Natur soll nicht länger ausgebeutet werden und die Gesellschaft den Pfad der „Wachstumsideologie“ verlassen, da die natürlichen Ressourcen begrenzt sind. Eine Welt, in der Verteilungsgerechtigkeit herrscht und in der die Grenzen des Wachstums akzeptiert werden, steht als „gerechte“ Welt im Zentrum dieser Idealvorstellung. Auch wenn viele zugeben, dass sie diese Welt (derzeit) für nicht durchsetzbar halten, so machen sie doch keinen Hehl daraus, dass sie sie als erstrebenswert empfinden. Daraus ergibt sich die permanente Kritik an Hartz-IV und den fallenden Reallöhnen der Arbeitnehmer, der ungerechten Verteilung in der Welt und dem ungebremsten Wachstum. Diese Kritik bildet die drei Pfeiler einer weitverbreiteten antikapitalistischen Rhetorik. Dieser Katalog beruht jedoch darauf, dass die Anhänger der „gerechten Welt“ ihre eigenen Ideen nicht zu Ende gedacht haben und deshalb nicht bemerken, dass diese Pfeiler brüchig und nicht tragfähig sind. Machen wir ein Gedankenexperiment: Stellen wir uns vor, morgen könnte diese ideale „gerechte Welt“ der Verteilungsgerechtigkeit jenseits der Wachstumsideologie Wirklichkeit werden. Nehmen wir dafür einmal den heutigen globalen Wohlstand als gegeben und gehen unter Vernachlässigung möglicher Einwände davon aus, man könnte diesen „gerecht“ verteilen, ohne dass dieser Wohlstand darunter leiden würde. Übernehmen wir für dieses Gedankenexperiment die linke Definition, nach der „gerechte Verteilung“ möglichst gleiche Verteilung bedeutet. Nehmen wir einmal an, ein gütiger, selbstloser Weltstaat würde die Nationalstaaten und die Marktwirtschaft durch einen gigantischen globalen Umverteilungsmechanismus ersetzen und jeder Mensch auf der Welt würde möglichst dasselbe Einkommen zum Leben erhalten. Das globale Prokopfeinkommen betrug 2007 etwa 4800 US-Dollar. Pro Jahr. Also wäre unter den gegebenen Umständen die äußerste Form gleicher Verteilung ein Zustand, in dem jeder Erdenbürger – egal ob in Afrika, Europa, Nordamerika oder Asien – genau dieses Prokopfeinkommen verdient. Zu besseren Durchschnittswerten und damit höheren Einkommen käme man nur durch kräftiges globales Wirtschaftswachstum. Nur wenn der Kuchen größer wird, gibt es mehr zu verteilen. Das verträgt sich aber nicht mit der linken und ökologischen Wachstumskritik. Ohne hohe Wachstumsraten lässt sich auf der Welt kein Wohlstandsniveau erreichen, auf dem sich alle Menschen auf der Welt sich nur allein dem Wohlstandsniveau der wenig begüterten Bürger der westlichen Industriestaaten annähern könnten. „Gerechte Verteilung“ bedeutet unter diesen Umständen Nivellierung auf einem niedrigen Durchschnittsniveau. Wer nein zum Wachstum sagt, sagt darum auch nein zu einem westlichen Lebensstandard. Wer dabei auch noch für „gerechtere Verteilung“ in der Welt eintritt, tritt damit unausgesprochen auch für eine massive Absenkung von Reallöhnen in den westlichen Industrieländern ein. Die extremste Form sozialer Umverteilung – selbst unter der unrealistischen Annahme, dass während dieses Prozesses der Wohlstand nicht schrumpft – gibt einfach nicht mehr her als das globale Prokopfeinkommen, das unter Hartz-IV-Niveau (350 Euro plus Unterkunft und Heizung bzw. zusammen gerechnet im Durchschnitt 662 Euro) und dem von den Gewerkschaften geforderten Mindestlohn von 7,50 liegt. Wären die Ideale der Linken Wirklichkeit, und das selbst ohne die negativen Effekte für den Wohlstand, die aus liberaler Sicht sofort ins Auge springen, dann müssten sich die Arbeitnehmer in den westlichen Industriestaaten mit einem Einkommen begnügen, das weit unter dem liegt, was heute von der Linken als untragbar angeprangert wird. Das wären die logischen Konsequenzen gleicher Verteilung in einer Weltwirtschaft, die nicht mehr wachsen soll. Konsequenterweise müsste die Linke also den Hartz-IV-Empfängern in Deutschland empfehlen, sich nicht auf zusätzliche Leistungen einzustellen, sondern darauf, den Gürtel noch etwas enger zu schnallen. Denn von den 400 Euro, die jeder Weltenbürger monatlich in dieser „gerechten Welt“ erhält, müssen Wohnung, Kleidung, Nahrung, Unterhaltung, Kultur und alles andere bezahlt werden. Statt in Deutschland höhere Löhne zu fordern, müsste die Linke die deutschen Arbeitnehmer darauf vorbereiten, dass sie in einer „gerechten Welt“ nur noch einen Bruchteil von dem verdienen werden, was ihnen heute für ihren Lebensunterhalt zur Verfügung steht. Die Begeisterung für eine solche „gerechte Welt“ dürfte sich in den westlichen Industriestaaten in engen Grenzen halten. Das ist der Grund, warum linke Parteien und Gewerkschaften heimlich, still und leise einfach einen doppelten Maßstab eingeführt haben. Wenn sie über die nationale Situation sprechen, dann sind die Arbeitnehmer und Sozialleistungsempfänger arm und deshalb müssten Löhne und Sozialleistungen steigen. Wenn sie über die globale Gerechtigkeit reden, dann sind die Arbeitnehmer in den Entwicklungsländern die Armen und dann müsste der Wohlstand von den reichen zu den armen Ländern umverteilt werden. Diese Argumentationsfiguren bedeuten, dass eins und eins drei ist. Denn beides gleichzeitig ist nicht möglich. Wenn man global bei einem gegebenen Wohlstand eine gleiche Verteilung durchsetzen möchte, dann müssen Massenlöhne und Sozialleistungen in den westlichen Industrieländern, die weit oberhalb des globalen Durchschnitts liegen, sinken. Und zwar ganz erheblich. Wenn die Löhne und Sozialtransfers in den westlichen Industriestaaten steigen sollen, dann vergrößert sich damit die globale Ungleichheit – jedenfalls dann, wenn man von einer gegebenen und nicht enorm steigerbaren Wirtschaftsleistung ausgeht, wie das die Wachstumskritiker tun. Die antikapitalistische Rhetorik hat sich in einem logischen Irrgarten verlaufen, da sie drei Ziele anstrebt, die gleichzeitig nicht miteinander vereinbar sind. Sie will höhere Einkommen und Sozialleistungen für die Arbeitnehmer in den westlichen Industriestaaten, sie will eine gerechtere Verteilung in der Welt und die Armut in der Dritten Welt überwinden und sie will weg von der „Wachstumsideologie“, um Mutter Natur zu retten. Ziele eins und zwei sind aber gleichzeitig ohne ein enormes Wirtschaftswachstum nicht erreichbar. Die linken Parteien und die Gewerkschaften mögen sich zwar einer internationalistischen Rhetorik bedienen, als selbsterklärte Sprecher der einheimischen Arbeitnehmer und Sozialleistungsempfänger, ob sie es wahrhaben wollen oder nicht, sind sie aber Vertreter eines Sozialnationalismus. Würden sie die Forderung nach „gerechter“ globaler Verteilung selbst ernst nehmen, die sie permanent anmahnen, dann müssten sie den Arbeitnehmern in Deutschland beibringen, dass sie für die internationale Solidarität und den Schutz der natürlichen Ressourcen Einschränkungen hinnehmen müssen, die weit über das hinausgehen, was „Neoliberale“ jemals an Lohnzurückhaltung angemahnt haben. 18. Februar 2010 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Roland Baader, Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann oder Michael Klonovsky schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht. Social BookmarksAnzeigenKommentarealexanderG, am 18. Februar 2010 um 9:38 ( Link ) Alles was Sie schreiben ist vollkommen richtig. Das Problem ist nur, dass sich die Linken noch nie mit logischen Argumenten aufgehalten haben. Sie fühlen sich grundsätzlich im Recht, da sie ja auf der guten Seite stehen. Es geht ihnen dabei um gefühlte Gerechtigkeit, nicht um Gerechtigkeit im wahren Sinne. Überzeigt werden können diese erst dann, wenn es ihnen ans eigene Portemonnaie geht. Dann sind die hehren Ziele schnell perdu. Stefan Miller, am 18. Februar 2010 um 10:11 ( Link ) was hat denn diese Harz4 Methode bisher erreicht? Thomas Schäfer, am 18. Februar 2010 um 11:22 ( Link ) Die antikapitalistische Rhetorik hat sich in einem logischen Irrgarten verlaufen Dann muß sich der gemeine Soz die Wirklichkeit eben so hinbiegen, dass sie wieder zur reinen Lehre passt: Wenn man die Dritte-Welt-Bevölkerung einfach um 90% dezimieren könnte... Oje, hoffentlich hab ich die Nomenklatura jetzt nicht auf dumme Ideen gebracht. Minarchist, am 18. Februar 2010 um 12:22 ( Link ) @Herr Bökenkamp: Richtige Analyse, nur haben Sie sehr wesentliche Punkte nicht bedacht. Sie scheinen davon auszugehen, dass der zu verteilende Kuchen gleich groß bleibt, sich halt nur die Verteilung ändert, wenn ein solcher Welstaat "gerecht umverteilen" würde (also jedem den gleichen Lohn auszahlt). Das ist aber nicht der Fall und zwar u.a. aus zwei Gründen. 1. 2. Das ist ja das Verlogene an den Linken: Sie versprechen Gleichheit auf dem Niveau der Oberen, aber es ist nur umgekehrt machbar: alle gleich auf dem geringsten (!) Niveau. Leider glaubt die ahnungslose Öffentlichkeit ebenso wie unsere Dressur-Eliten, das Erstere wäre machbar. Eine kapitale Fehlannahme, die darauf beruht, daß völlige Ahnungs- und Verständnislosigkeit über Merkmale und Folgen des Sozialismus herrscht. Deswegen ist diese Wahnidee auch noch so virulent und wird der Menschheit erneut ein Leben in Armut und Mangel bringen. Ebenherz, am 18. Februar 2010 um 12:30 ( Link ) Frustrierter Troll Alarm! Ebenherz, am 18. Februar 2010 um 12:34 ( Link ) @Minarchist Was Sie schreiben, stimmt auffallend. Herr Bökenkamp hat das auch keinesfalls uebersehen, sondern zur Idealisierung des Modells nicht in Betracht gezogen. Gérard Bökenkamp, am 18. Februar 2010 um 12:38 ( Link ) Minarchist: "Die extremste Form sozialer Umverteilung – selbst unter der unrealistischen Annahme, dass während dieses Prozesses der Wohlstand nicht schrumpft – gibt einfach nicht mehr her als das globale Prokopfeinkommen, das unter Hartz-IV-Niveau" Diese "unrealistische Annahme" dient der Simplifizierung des Gedankenexperimentes. Solche Simplifizierung halte ich dann für legitim, wenn sie das eigene Argument nicht stärken, sondern schwächen. Würde ich die Punkte mit aufnehmen, die Sie zu recht ansprechen, würde sich die Tendenz, dass eine "gleiche Verteilung" zu einem Niveau unterhalb des deutschen Existenzminimums führen würde, ja noch verstärken. Ich habe versucht alle spezifisch "liberalen" Annahmen über wirtschaftliche Prozesse aus dieser Betrachtung herauszulassen.Das dient der Nachvollziehbarkeit der Argumentation auch bei denen, die diese nicht teilen. Minarchist, am 18. Februar 2010 um 13:09 ( Link ) @ Herr Bökenkamp: Sie haben Recht, der von Ihnen zitierte Passus zeigt in der Tat, daß Sie die Annahme, daß der zu verteilende Kuchen durch Umverteilungsmaßnahmen schrumpft, bedacht und (implizit) ausgedrückt haben. Habe das wohl überlesen, mea culpa. Blaise Pascal, am 18. Februar 2010 um 13:25 ( Link ) Die weltweite Angleichung der einfachen Arbeiterlöhne wird sich in einer globalisierten Welt wohl nicht aufhalten lassen. Das braucht keine linke Kommandowirtschaft. Konsequenterweise werden aber auch daher die hiesigen Löhne fallen, die in den Entwicklungsländern hingegen mit der Zeit steigen. Einfache Arbeitskraft gibt es weltweit gesehen in Hülle und Fülle. Knappheit besteht lediglich an den Kapitalgütern und qualifizierten Menschen (=Wissen). Die Kapitalbesitzer, qualifizierten Arbeitskräfte und die einfachen Arbeiter der Entwicklungsländer sind die Globalisierungsgewinner. Unsere einfachen Arbeiter hingegen die Globalisierungsverlierer. Da kann man nur mit besseren Standortfaktoren abhelfen: Niedrige Steuern und gute Infrastruktur. illness, am 18. Februar 2010 um 13:36 ( Link ) Richtig, leider sind sich die Linken der Tatsache bewusst, dass Propaganda und schöne Worte eine perfekte Politmaschiene ist. Indoktrination ist Trumpf, Logik ist nicht sexy. Kommunisten und Sozialisten waren die ersten, die gleichgeschaltete Medien zur Indoktrination nutzten (ja auch die Nazis waren Sozialisten). Die zweite Macht waren Feministen und die dritte Macht die linken Parteien. Jede dieser Gruppen nutzen die Populärkultur und Bildungseinrichtungen, um die Bevölkerung zu indoktrinieren und mit positiven Emotionen besetzte Begriff untrennbar mit ihrer Sache zu verbinden und die Bedeutung langsam zu ändern. Ein gute Beispiel ist das Wort Gerechtigkeit. Je nach Lust und Laune wird erst von Chancen-, dann mal wieder von Verteilungsgerechtigkeit geredet. Die Verantwortung für eigene Entscheidungen wird geleugnet. Beispiele: Oh wie ungerecht, Opel verkauft keine Autos mehr. Arbeitsplätze müssen erhalten werden. Die Abwrackprämie wird eingeführt, Warnungen in den Wind geschoßen. Opel wird "gekauft". Warnungen in den Wind geschoßen. Braunkohle, ohne Witz, wer vor 10 oder 20 Jahren in Deutschland Bergarbeiter wird, ist entweder dumm oder wurde verarscht. Die Lohnlücke zw. Frauen und Männern. Ein Artikel im Spiegel 6/2010: Im Schnitt verdienen Frauen 23 % weniger als Männer, ... . Selbst bei gleichem Beruf, Ausbildung, Alter liegt die Differenz noch bei 12 %. Also erst Panikmache mit falschen Werten (23 %). Dann Korrektur nach Beruf, Alter, Ausbildung und plötzlich sind es nur noch 12 %. Ich habe mal eine Studie gesehen, die Arbeitslosigkeit über min. ein Jahr bei Männern mit dem Gehalt korreliert hat. Männer, die in der Zeit arbeit hatten, hatten später ca. 20 % mehr Gehalt. Vielleicht erklärt ja eine einjährige Babypause die Gehaltsunterschiede. Aber hey, das kann ja gar nicht sein, Männer und Frauen sind ja gleich. Abgesehen davon, bei allen Beamten und nach Tarif bezahlten ist das Gehalt von Männern und Frauen ... GENAU GLEICH ! In den USA verdienen unverheiratete Frauen sogar mehr als unverheiratet Männer. Diskriminierung ? - Nein, wie denn, unverheiratete Männer sind Looser, unverheiratete Frauen ? - Powerfrauen. Und mein absolutes Lieblingsbeispiel, ich bin gegen Zensur => Ich bin Kinderschänder oder zumindest Sympathisant. Soviel zu "Die Gedanken sind frei" df, am 18. Februar 2010 um 14:23 ( Link ) @nahum: "Das chaos bricht aus" --wie recht Sie haben! Schon lenin hat gesagt, dass die revolution in maximal 10 jahren überall ausbrechen wird. Das ist zwar schon 90 jahre her, aber revolutionäre sind zwangsläufig ihrer zeit voraus. Kamernosse, am 18. Februar 2010 um 14:53 ( Link ) @Herrn Bökenkamp Um das Pro-Kopf-Einkommen in Ihrem Szenario besser einstufen zu können, müsste man aber genau genommen auch davon ausgehen, dass überall auf der Welt das gleiche Preisniveau herrscht. Hierzu würde man dann wohl wieder den weltweiten Durchschnitt nehmen. In diesem Falle wäre das verfügbare Einkommen (relativ gesehen) natürlich nicht ganz so gering wie es auf den ersten Blick aussieht. nehring, am 18. Februar 2010 um 20:38 ( Link ) lass es, nahum, linker troll... kommst hier mit spiegel und berlinerumschau links... gerade die wollen wir nicht israel wird schon immer tot geredet, naseweis kleiner... du brauchst hier deinen als antiisraelisch getarnten antisemitismus nicht ausbreiten... hast du eigentlich einen obama-aufkleber auf deinem auto? Lalle, am 18. Februar 2010 um 22:34 ( Link ) @illness: Selbst die 12%-Behauptung ist immer noch falsch. Hier gibt es auf freiewelt.net einen interessanten Artikel dazu. illness, am 18. Februar 2010 um 23:48 ( Link ) @Lalle, ich weiss, das ist aber für die meisten Menschen zuviel Wahrheit. Die Panikmache mit falscher Statistik kann aber mit den Zahlen schon gezeigt werden. Und für alle zweifelnden gibt es hier einen interessanten Vortrag. MedUSA, am 19. Februar 2010 um 9:57 ( Link ) 'Sehr gut', Herr Bökenkamp! Selten so gelacht. In den Dritte-Welt-Staaten oder Billig-Lohn-Ländern kann man heutzutage mit 400 Euro in Saus und Braus leben. Wenn also die Arbeitssklaven in den Billig-Lohn-Ländern genauso viel verdienen - ich bin dafür, wie die Arbeitssklaven hier oder eben die HARTZIV-Bezieher, dann würde das erst einmal die international agierenden Unternehmen schmerzlich treffen, die an diesem Lohn- und Preisgefälle oder besser gesagt an der Schere Unsummen verdienen. Der Massenkonsum würde zusammen brechen, die Immobilien- und Grundstückspreise müssten hier zwangsläufig in den Keller wandern, denn es könnte sich ja keiner die künstlich hoch getriebenen Preise in 'unserer Welt' mehr leisten. Boah, gäbe das einen Riesenknall einer weiteren Immobilienblase usw. usf.. (Und übrigens, die Erde - Land, Wasser, Recoursen - gehört allen Menschen. Warum einige Wenige meinen, es wäre ihres und dass sie daraus Kapital schlagen dürfen, ist mir schon lange ein Rätsel.) Wenn schon Globalismus, dann auch global und vernetzt denken. Sicher schwierig für einen liberal-kapitalistisch verbildeten Historiker. Prinz_Nyarlat, am 19. Februar 2010 um 17:16 ( Link ) Abgesehen davon, Herr Bökenkamp, dass MedUSA natürlich recht hat und man in manchen Teilen der Welt bereits mit 20 Dollar einen Monat gut leben kann...: Ihre Argumentationsweise ist ekelhaft. Sie beklagen, dass die Linken ihr Projekt der globalen Gerechtigkeit nicht konsequenz genug durchziehen. Das wäre ja in Ordnung. Weshalb aber wollen Sie mit diesem Argument den "Linksnationalisten" von rechts-liberaler Seite aus ans Bein pinkeln? Sie können doch nicht mangelnde Gerechtigkeit beklagen, um daraus die Notwendigkeit noch viel größerer Ungerechtigkeit abzuleiten. Das wäre ja, wie wenn ein Kerngesunder fordert, alle Ärzte zu erschießen, nur weil niemand Aids heilen kann... Dass die Mehrzahl der hier Anwesenden bereit ist, diesen Quatsch zu bejubeln, liegt wohl daran, dass sie sich gerne auf diese Wiese verarschen lassen... MedUSA, am 19. Februar 2010 um 20:06 ( Link ) Ah, @nahum, gut gekontert. Ich wusste gar nicht, dass wir hier jetzt auf BILD-zeitungs-Niveau diskutieren wollen. Nun ja - gut, eigentlich weiß ich es schon. Viel mehr als tumbe Stammtischparolen in ein bisschen liberales Seidenpapier verpackt - dazu noch miserabel recherchiert, habe ich wirklich noch nicht entdecken können - Ausnahmen bestätigen die Regel. illness, am 20. Februar 2010 um 14:30 ( Link ) Die Grenzen zwischen (National-)Sozialismus, Kommunismus und Genozid sind genauso fließend. illness, am 20. Februar 2010 um 15:54 ( Link ) @nahum, nö die Idee hinter jedem -ismus ist immer die gleiche. Identifikation eines Unterdrückers oder Schmarozers, der dann zur Ausbeutung und Verfolgung freigegeben wird. Sozialismus - Die Kapitalisten Kommunismus - Die Kapitalisten, Freigeister und Arbeitsverweigerer Nationalismus - Alle außerhalb der Grenzen Nationalsozialismus - Alle außerhalb der Grenzen + eine Gruppe im inneren, die zur Finanzierung des sozialistischen Teils herangezogen wird (Im 3. Reich die Juden) Liberalismus - Der Staat Neoliberalismus - Der Staat und dessen Nutznieser Feminismus - Die Männer Dieser Gruppe wird kollektiv die Schuld am Schicksal aller anderen zugeschrieben. Je eher dies durch Pseudo-wissenschaftliche Ergebnisse gedeckt werden kann, desto besser funktioniert das. Wenn dann noch durch erfundene oder reale Skandale die Möglichkeit besteht Emotionen an die vertretenen Positionen zu binden, wird das Konstrukt so perfide, dass es schon zu einem totalen Fehlschlag kommen muss, bis die Opposition wieder auch nur das Wort ergreifen kann. Eindeutige Anzeichen für einen -ismus mit falschen Grundpositionen sind die Beleidigung bzw. Herabwürdigung der Opposition. Bei Feministen z. B. durch einen Angriff auf die Männlichkeit des Gesprächspartners (du kriegst doch nur keine ab oder ähnliches), beim Kommunismus z. B. durch die Bezeichnung Ausbeuter für Besitzer von Produktionsmöglichkeiten oder als Schmarotzer bei Arbeitsverweigerung. Der einzige -ismus der in der Regel auf solche Anschuldigungen verzichtet ist der Liberalismus, da hier die Geschichte eindeutig zeigt, dass ein zu starker Staat zur Unterdrückung aller führt, obwohl die Intention evtl. die Gleichheit aller ist. em , am 20. Februar 2010 um 18:41 ( Link ) Was in der Aufstellung noch auffällt: Der Liberalismus richtet sich als einziger -ismus nicht gegen andere Menschen. Prinz_Nyarlat, am 22. Februar 2010 um 12:44 ( Link ) @em: Schön, dass Ihnen das auch aufgefallen ist. Sicher sind Sie auch froh darüber, dass wir von einem doch nicht liberalen Außenminister vertreten werden, der sich der Hetze gegen Arme, Kranke, Rentner, kurz: gegen alle Hilfsbedürftigen, verschrieben hat. @illness: Die Kommentierung Ihrer Liste ist nicht ganz konsequent: Der moderne Staat ist die Erfindung des 19. Jahrhunderts. Sicherlich wissen Sie, dass es auch schon zuvor Unterdrückung gab, durch Aristokraten, Geistliche, Diebesbanden, Großbauern, Kaufleute etc. illness, am 22. Februar 2010 um 13:44 ( Link ) @Nahum, da sie sich selbst als "liberaler sozialistischer Feminist" bezeichnen, kann ich ihren Standpunkt leider nicht mehr Ernst nehmen. Sie stellen sich damit in eine lange Reihe von Menschen, die Gewalt, Unterdrückung und Umerziehung als Mittel zur Schaffung einer besseren Gesellschaft propagieren. Für den Sozialismus hat dies die Geschichte schon gezeigt. Der Feminismus ist gerade dabei sein häßliches Gesicht zu zeigen. Nehmen sie nur den Kommentar von der amerikanischen Vorzeigefeministin Jessica Valenti in der Washington Post mit dem Titel "For women in America, equality is still an illusion". Einer der wichtigsten Punkte ist, dass Frauen benachteiligt sind, weil es Verbrecher gibt. "After all, women are being shot dead in the streets here, too. It was only last year that George Sodini opened fire in a gym outside Pittsburgh, killing three women and injuring nine others. Investigators learned from Sodini's blog that he specifically targeted women." Ehrlich, jemand der mir das Verhalten von Menschen vorwirft, die ich nicht mal kenne, und das als Beweis für die falsche Grundannahme einer Ideologie zu verwenden, deren erklärtes Ziel es ist, mir, Aufgrund dem Zufall meiner Geburt, zu schaden, ist ein Faschist. http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2010/02/19/AR2010021902049.html?hpid=opinionsbox1 Jede Bewegung, die Menschen mit solchen Meinungen als Führer akzeptiert, kann, meines Ermessens nach, das Wohlergehen der Menschen nicht als ihr Ziel bezeichnen. Meine inheränte Zuneigung und, ja evtl. sogar Nächstenliebe, für alle Menschen zwingt mich dazu diese Positionen bei jeder Gelegenheit anzugreifen und die resultierenden Fehlentwicklungen aufzuzeigen. Da sie aber schon durch ihre Selbstbeschreibung ihre Positionen festlegen, ist es unwahrscheinlich, dass sie meine Argumente vorurteilsfrei Aufnehmen werden. Verstehen sie mich nicht falsch, es geht mir nicht darum ihre Standpunkte abzuwerten. Das wirklich große Problem unserer Gesellschaft ist die blinde Ausrichtung politischer Meinungen an irgendwelche -ismen. Fast jeder -ismus beinhaltet eine riesige Menge an sowohl guten als auch schlechten Ideen. Einige dieser Ideen sind so gut, dass sie starken Anklang in der Bevölkerung finden. Diese werden dann genutzt, um Anhänger für die gewissen -ismen zu finden. Leider habe ich bisher noch keinen -ismus gefunden, der nicht früher oder später radikalisiert und von machtbesessenen Hardlinern übernommen wurde. Um das Problem mathematisch zu Beschreiben, jeder -ismus erzeugt ein Samplingproblem. Da bei einem -ismus die Auswahl einiger Teilthemen nicht einfach möglich ist, werden zwangsläufig auch Positionen unterstützt, die das Individuum selbst eigentlich ablehnen würde. Das ist auch der Grund, warum ich Diskussionen mit selbsternannten Anhängern diverser -ismen im Allgemeinen ablehne. Es ist einfach zu viel Arbeit, die einzelnen mit dem -ismus verbundenen Positionen alle durchzugehen, um festzustellen, ob ich diesen speziellen, individuellen -ismus unterstützen kann oder nicht. Es kann also gut sein, dass ihr individueller, liberaler, sozialistischer Feminismus sich in keiner seiner Positionen gegen Menschen richtet, es gibt aber eine große Anzahl sowohl an Sozialisten als auch an Feministen, die einige Positionen vertreten, die sich direkt gegen Menschen richten. Nachdem meine Grundposition gegenüber -ismen eine der Ablehnung ist, muss ich natürlich begründen können warum ich dem Liberalismus offener gegenüberstehe. Der Liberalismus bzw. dessen extrem, die libertäre Einstellung, legt den Fokus politischen Handelns auf das Individuum. Die Grundeinstellung ist es, jedem Menschen einen maximalen Raum zu Selbstentfaltung einzuräumen. Prinzipiell ist jedem Menschen alles erlaubt, solange er bereit ist die Konsequenzen seines Handelns zu tragen. Diese Einstellung ist sowohl die große Stärke als auch die große Schwäche des Liberalismus. Der Liberalismus setzt sein Urvertrauen in den Menschen als soziales Wesen. Die soziale Interaktion ist also notwendig für das funktionieren einer liberalen Gesellschaft. Es gibt kein Recht außer das Recht sein Schicksal in die Hand zu nehmen. Das ein so einfaches Prinzip Probleme aufwirft ist eindeutig. Deshalb kann es auch keinen funktionierenden Liberalismus geben, ohne Spielregeln für die soziale Interaktion. Einige davon müssen in Gesetzen niedergeschrieben werden, da bestimmte Verhaltensweisen, z. B. Mord, so stark schädigend für andere Menschen sind, dass tolerieren des Verhaltens nicht möglich ist. Andere, eher weiche, Spielregeln können durch das Verhalten der Menschen untereinander, ohne Druck von oben, leichter erreicht werden. Nehmen sie nur die immer wiederkehrende Debatte über die Lohnlücke zw. Frauen und Männer. Diese angebliche Lohnlücke wird gerade wieder verwendet, um eine Software einzuführen die diese verhindern soll. Abgesehen davon, dass die These mitlerweile quantitativ widerlegt wurde, wäre die liberale Lösung entweder, (a) dass Frauen in Führungspositionen dafür sorgen, dass die Frauen die sie einstellen das gleiche Gehalt bekommen, oder (b), dass Frauen eine Firma gründen, die nur Frauen einstellt. Diese Firma kann, da sie weniger Lohn zahlen muss, die anderen, männlich dominierten Firmen, durch deutlich niedrigere Preise ausstechen. Der Schrei nach der legislative in diesem Punkt, zeigt nur die, aus Eigenutz entstandene, Weigerung die Konsequenzen des eigenen Handelns zu tragen. In Fall (a) wird die Frau, die Frauen weniger bezahlt als Männern, dies tun um ihre eigene Karriere zu fördern, d. h. ihrer Rolle als Führungskraft nachkommen. In Fall (b) zeigt die Weigerung eine Firma zu gründen, das Frauen entweder genau wissen, dass die Lohnlücke eine Lüge ist, dass sie das Risiko scheuen, oder dass es einfach nicht genug Frauen gibt, die die benötigten Qualifikationen erfüllen. Keines dieser Probleme kann durch Gesetze, und erst recht nicht durch eine Software, gelöst werden. Problematisch wird Liberalismus dort, wo er mit anderen -ismen, wie z. B. dem Sozialismus kombiniert wird. Nehmen sie die explosive Kombination aus Feminismus, Liberalismus und Sozialismus, die dazu geführt hat, dass Frauen, die ihr Leben lang eine serielle Monogamie leben, mit 35 anfangen sich zu beschweren, dass all die guten Männer vergeben sind, da es tatsächlich Frauen gibt, die nicht a la Sex and the City ihr leben lang nach Mr. Big suchen. Aber statt die eigenen überzogenen Forderungen an Männer zu erkennen und zu thematisieren, werden lieber weinerliche Artikel über die bösen, infantilen Männer verfasst und die armen Frauen als Opfer dargestellt. Richtig faszinierend wird das, wenn man sich überlegt, dass Sex and the City eine von homosexuellen Männer geschriebene Fernsehserie ist, die einen größeren Einfluss auf junge Frauen hat als selbst die eigenen Eltern. Die politisch Korrekte Sprache führt dazu, dass wir homosexuellen Männern die Aufgabe geben, heterosexuellen Frauen zu erklären wie sie ihr Leben führen sollen, pervers, oder ? Auch hier sehen wir wieder, wie die Urheber der Ideen, keine der Konsequenzen zu tragen haben. Homosexuellen Männer ist es vollkommen egal, wie heterosexuelles Paarungsverhalten aussieht. Nicht egal ist dies aber den heterosexuellen Männern und Frauen, die häufig mit Vorbildern aufwachsen, deren Leben eine Anleitung für eine Unzufriedenheit erzeugende, ego-zentrierte und selbstzerstörerische Jagd nach dem kurzen Kick ist. Vergleichen sie diese, neuen urbanen Geschichten mal mit den, im Vergleich, unglaublich weitsichtigen Märchen, die mir meine Oma noch als Kind erzählt hat. Sehen sie, Märchen sind Geschichten, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden, weil sie die wichtige Aufgaben hatten Kindern beizubringen, dass unverantwortliches, eigensinniges oder unvorsichtiges Handeln eben Konsequenzen hat. Leider sind wir mitlerweile so infiziert von der Happy-End-Hollywood-Kultur und der Lüge über die glückliche Kindheit, dass wir sogar diesen Fundus an Lebensweisheiten entschärfen, weil es offenbar unverantwortlich geworden ist, Kindern die Realität zu zeigen. Ich könnte noch tausend weitere Beispiele aufschreiben, die deutlich machen, wie andere -ismen die freie Selbstbestimmung und -entfaltung versprechen und die Konsequenzen auf die Gesellschaft abwälzen, eine kleine Liste soll jedoch genügen: Der Liberalismus akzeptiert die Verantwortung jedes einzelnen und akzeptiert, dass persönliche Entscheidungen persönliche Konsequenzen bedingen. Dadurch hat der Liberalismus, als einziger -ismus, eine Rückkopplungsfunktion, die die negativen Auswüchse direkt und zeitnah bestraft. Der Liberalismus ist der einzige -ismus, dessen Forderungen auf einer Idee basieren, die jedes Kind spätestens nach der ersten Brandwunde erkennt. Jeder andere -ismus basiert auf Ideen, die nur durch anhaltende Propaganda, Indoktrination und Fehlinformationen aufrechterhalten werden können. Die grundlegenden Ideen werden durch die Erfahrungen der Menschen jeden Tag widerlegt. Deswegen ist bei jedem anderen -ismus eine ständige, bewusste und unbewusste, Wiederholung der vertretenen Wahrheiten nötig. Die Führer, der auf den anderen -ismen aufgebauten Gesellschaften, waren nicht umsonst Meister der Selbstdarstellung. Sie erkannten die Notwendigkeit der Indoktrination und verwendeten, bzw. förderten die Entwicklung der Techniken, die wir heute unter dem schönen Namen Marketing zusammenfassen. Brent-Yves Debecker, am 30. Juni 2010 um 13:51 ( Link ) Oh, Da hat mal wieder jemand "eine Idee" gehabt und diese schlau und logisch entwickelt. So weit so gut. Nur wie sieht es denn aus mit der "Umverteilung" von Reichtum realiter aus in der Welt, denn hierbei geht es nicht nur um Löhne und Gehälter, sondern auch um die bereits angesammelten Vermögen der "Reichen"!(Das waren laut „NZ- Neuen Züricher Zeitung“ vom 28.06.07 37 Billionen US Dollar.) Und wie sagte einst Milton Friedman, „das wäre doch unerhört, wenn die sich soziale gbärdenden Organisationen immer aus den Taschen der "Reichen "bedienen“ wollen,“ - denn das sei doch zuerst mal deren „Eigentum“ dieses „hart erwirtschaftete“ Geld!? Ach so? Ach so, ich vergaß, das ist ja alles „normal“, ein derartiges Leben, für „Unternehmer“, denn sie „unternehmen“ ja etwas, meist zu Ungunsten der sie umgebenden Lebensräume und der Mehrheit der anderen Menschen zumeist, ... aber das sie irgendwann daran selber untergehen könnten, wenn sie alle Ressource ausgebeutet und geplündert haben und “NICHTS“ mehr übrig bleibt, als ihre Dollars, Goldbarren und Euro-Scheine, dann werden auch sie merken, das sie sich davon nicht ernähren können. Oder sind sie dann schon, wie die Heuschrecken etwa, nur „moderner“, in gewaltigen Raumschiffen woanders hin unterwegs, wenn sie die Erde „abgegrast haben“, auf dem Mars, Jupiter oder Pluto? Anmelden oder Registrieren, um Kommentare schreiben zu können |
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Olaf Janowski, am 18. Februar 2010 um 1:29 ( Link )
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Jenseits der 400 Euro ...
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