Christian Dorn

Jg. 1970, Studium der Germanistik, Philosophie und Soziologie in Berlin, freier Journalist.

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Griechischer Wein: Komm, lass sein!

von Christian Dorn

Sollen die Hellenen doch währungspolitische Lethe trinken

Die Debatte der Euro-Gruppe über die – offenbar bevorstehenden – bilateralen Finanzhilfen an Griechenland zeigt, dass die EU doch ein Staat ist. Denn das System, das sich hier abzeichnet, kennen wir schon aus Deutschland: den Länderfinanzausgleich. Freilich ist nicht einzusehen, dass die Hellenen unseren Haushalt plündern dürfen, schließlich bilden wir keine gemeinsame Nation. Selbst in Bezug auf Mazedonien zeigt sich Griechenland in unvergleichlicher Weise hochmütig und achtet streng auf seine Alleinstellung. Also sollten wir die Griechen bei ihrer Sehnsucht nach ihrem singulären Status unterstützen, das heißt: ihren Staatsbankrott herbeiführen. Dass ein solcher nicht der schlechteste Weg ist, belegt die Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP), die nun nicht gerade für ihre Politikferne bekannt ist.

Deren Mitarbeiter Heribert Dieter plädierte unlängst im Interview des Deutschlandfunks dafür, die Griechen für ihre schlechte Finanzpolitik nicht auch noch zu belohnen. Nach seiner Ansicht muss Griechenland ohne Kredithilfen anderer Länder auskommen. Vielleicht – so mein Vorschlag – könnten sich die Hellenen Hilfe beim Satiriker Bernd Zeller (Darvins Illustrierte) holen, der mit Datum vom 16. März eine „Rettungsmaßnahme eingeleitet“ hat. Es handelt sich dabei um eine Karikatur mit dem Untertitel: „Rettung vor dem Staatsbankrott: Griechenland erhebt Korruptionssteuer“. Dabei fällt mir auf, dass Korruption ein schmutziges Geschäft sein muss. Das zeigt sich nämlich an dem entsprechenden Wort „Fakelaki“, das – wohl nicht von ungefähr – irgendwie nach Ferkel klingt. Doch zurück zur Empfehlung der SWP: Derzufolge gibt es in dem Land noch beachtliche Reserven, zum Beispiel durch einen staatlichen Immobilienbesitz im Wert von 300 Milliarden Euro. Zudem hätte ein Staatsbankrott Griechenlands vermutlich kaum schlimmere Folgen als die Insolvenz des US-Autoherstellers General Motors. Dessen Konkurs habe sich schließlich weniger auf den Dollar ausgewirkt als befürchtet. Infolgedessen, so Heribert Dieters Fazit, wären die negativen Folgen für den Euro bei einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands weniger negativ als vielfach befürchtet. Wenn die Griechen davor Angst haben, mögen sie doch – so mein zweiter Vorschlag – in ihre Mythologie zurückgehen und „Lethe“ trinken, denn: Von mir aus können sie Finanzhilfen aus Deutschland vergessen.

17. März 2010

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